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Anish Kapoor macht in Paris mit seinem Großprojekt „Leviathan“ Venedig und Basel Konkurrenz

Last call…



Wenn man glaubt, dass sich die Kunstereignisse des Jahres 2011 auf die beiden Städte Venedig und Basel konzentrieren würden, dann ist man einem Irrtum aufgesessen. Zum „must have“ sollte auch Anish Kapoors großartige Installation anlässlich der „Monumenta 2011“ in Paris gehören. Wenn am kommenden Donnerstag in vielen Bundesländern Deutschlands Fronleichnam gefeiert wird, ist dieser Tag auch der letzte seiner Ausstellung „Leviathan“. Seit nunmehr vier Jahren findet im Grand Palais in Paris die „Monumenta“ statt, und wie der Name schon sagt, geht es hier um raumfüllende, meist riesige Kunstprojekte. Kapoors Vorgänger waren Anselm Kiefer, Richard Serra und Christian Boltanski. Schon sie haben Kunstfreunde aus aller Welt zum Grand Palais getrieben. Die Schlange, die sich in diesem Jahr vor dem ehrwürdigen Ausstellungsgebäude bildet, reicht über den Pont Alexandre III hinüber, und keiner weiß so genau, wo sie endet. Bleibt die Hoffnung, dass sie nun zum Ende hin und nach Venedig und Basel nicht mehr richtig vorhanden ist.


Mit dem Thalys, der dieses großartige Projekt unterstützt, ist man in dreieinhalb Stunden in Paris, wenn man von Köln aus startet, was sich ja immer lohnt, nicht nur wegen des Museums Ludwig und seiner Kollegen, der reichen Galerienszene oder des Doms, sondern wegen der günstigen Reisepreise. Und da Freitag bei vielen ja Brückentag ist, sollte man schon bis Sonntag in der französischen Metropole bleiben.

Mit „Leviathan“ hat sich Anish Kapoor auf großes biblisches, weltpolitisches und philosophisches Terrain gewagt. Im Alten Testament bewacht der Drache Leviathan den Eingang zu Hölle. Der Brite Thomas Hobbes schrieb Leviathan im 17ten Jahrhundert eine ungeheure Machtfülle zu und propagierte gleichzeitig einen Staat, der soviel Macht besitzen sollte, damit ein Krieg aller gegen alle gar nicht erst in Frage käme. Kapoor spielt mit seinem Leviathan auf die neue Großmacht China an und widmet sein Kunstwerk dem immer noch inhaftierten chinesischen Künstler Ai Weiwei.

Für seinen „Drachen“ brauchte Kapoor einen speziellen High-Tech-Stoff. Dieser musste transparent sein, damit sich die Schweißnähte der Kuppelfenster und die charakteristischen Querstreben des Grand Palais bei Sonnenlicht als Muster auf der Gummihaut abbildeten. Kapoors Leviathan ist 34 Meter hoch, wiegt 12 Tonnen, ist mit 72.000 Kubikmetern Luft befüllt und füllt die Stahl-Glas-Konstruktion des Gebäudes gut aus. Der Besucher betritt das rötlich schimmernde Kunstwerk durch eine schmale Tür. Dahinter öffnet sich ein Raum, der weder für Schwangere noch für Klaustrophobiker geeignet ist. Warm ist es hier und dunkel. Wo ist der Anfang, wo das Ende? Drei Röhren bilden im Kopf Assoziationen von Arterienzugängen, Drachenschlünden oder Tunneln ins Nirgendwo. Diese bedrohlichen Löcher und Gänge erzeugten schon auf der Biennale 1990, an der Kapoor teilnahm und Großbritannien repräsentierte, unglaubliche Aufmerksamkeit. In diesem rötlichen Dunkel im Grand Palais ist man gefangen von dem Ereignis, das sich Leviathan nennt. Wenn sich dann noch Sonnenstrahlen ihre Bahn brechen und das Dachmuster des Grand Palais als poetische Struktur die Gummischläuche belebt, senkt sich Ehrfurcht auf den Betrachter. Wächter passen darauf auf, dass man die empfindliche Gummihaut nicht berührt, geschweige denn einen Schritt zuviel nach hinten macht und sie verletzt.

Der Drache, den Anish Kapoor hier installiert hat, ist geheimnisvoll. Er stellt die Frage nach Innen und Außen neu und bringt uns in Erklärungsnot, wenn wir Leere und Fülle definieren sollten. Verlässt man den Innenraum des Drachen und begibt sich in den Hof des Grand Palais, dann erwarten den Besucher biomorphe, prall gefüllte Formen, überdimensionierten Luftblasen gleich, die sich zu mehr oder minder schmalen Gängen verjüngen. Der Mensch, der sich darunter hindurch wagt, berührt diese prallen Kugeln aus schwarzem Gummi, die an Haut und Körperformen erinnern. Seltsam fremd liegt der Leviathan im Hof des Grand Palais, von keiner Seite einsehbar oder zur Gänze überschaubar. Eine scheinbar starre Gummimasse, deren bewegtes Innere man nicht ansatzweise erahnen kann. 70 Menschen dürfen den Innenraum des Leviathan gleichzeitig betreten, nicht viele, sicherlich. Aber auch wenn die Schlange bis Donnerstag nicht weniger sein sollte: Das Warten lohnt sich.

Die Ausstellung „Anish Kapoor – Leviathan“ ist bis zum 23. Juni zu sehen. Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr, donnerstags und sonntags zusätzlich bis 24 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Grand Palais
Haupteingang
Avenue Winston Churchill
F-75008 Paris

www.monumenta.com



21.06.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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