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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst im Wiener Dorotheum

Intimitätsverlust, gemalt



Eine der eigenwilligsten Zusammenstellungen moderner Kunst hält unter den großen Auktionshäusern des deutschspracheigen Raumes wohl stets das Wiener Dorotheum bereit. Traditionell auf Österreichisches konzentriert, tritt seit einigen Jahren verstärkt der deutsche Expressionismus hinzu, und mit der ausgebauten Präsenz in Italien erobert sich nun zunehmend Kunst von dort immer mehr Platz in den Katalogen. Diese Vielseitigkeit kennzeichnet auch die Versteigerung moderner Kunst am 18. Mai. Immerhin vier der teuersten Kunstwerke sind tatsächlich dem engeren oder weiteren Bereich des deutschen Expressionismus zuzuordnen. Alexej von Jawlenskys „Abstrakter Kopf, Sinnend“ entstand um 1929/30 in einer Phase, in der sich des Künstlers lange Reihe von Bildnisköpfen immer mehr in meditative, fast lyrische Farbkompositionen verwandelten. Äußeres Modell war wohl die junge Malerin Lisa Kümmel, die sich 1927 der Pflege des inzwischen immer kränkeren Künstlers annahm und in deren Besitz sich das Gemälde anfangs befand. Jetzt wird es aus einer deutschen Privatsammlung für 200.000 bis 300.000 Euro offeriert.


Für die Jawlensky-Forschung neu ist eine mittelgroße Wasserburger Landschaft mit Häusern und Wiese, entstanden 1907 am Beginn der expressionistischen Zeit des Künstlers und quasi des Expressionismus im Münchner Raum überhaupt. Vom Künstler ging das noch recht brave, nur in den kräftigen Farben gleichsam zu neuem Ausdruck drängende Ölgemälde an den Münchner Hofrat Vincenz Bredauer, dessen Erben sich jetzt für 180.000 bis 280.000 Euro davon trennen wollen. Aus dem späten Schaffen der jahrelangen Mitstreiterin in der Gruppe des „Blauen Reiters“ Gabriele Münter gibt es ein Blumenstillleben mit Lilien von 1940. Auch dieses Bild ist neu auf dem Markt. Es zeigt eine künstlerische Haltung, deren jugendlicher Sturm in eine Sprache der Reife übergegangen ist, ohne abgeklärt und unfrisch zu wirken (Taxe 65.000 bis 90.000 EUR). Viertes Werk im Bund der deutschen Expressionisten ist Paul Klees „Seeufer bei Regen“, ein fast zerbrechlich wirkendes Aquarell aus dem Jahr 1913, nur leicht hingetupft als eine aus verschiedenen, zum Teil sich überlappenden Farbflächen. 180.000 bis 220.000 Euro werden hier erwartet.

Das Hauptlos des Tages stellt ein österreichischer Künstler: Albin Egger-Lienz’ knapp einen Meter breiter Karton „Die Familie“, auch unter dem Titel „Der Bauer“ bekannt, entstand 1925/26 als einer von drei Entwürfen zu einem Gemälde, das er letztlich doch nicht mehr vollenden konnte. Denn der Maler starb bereits im November 1926 mit 58 Jahren. Seinem in der Reifezeit gefundenen Stil blieb der Meister auch hier treu: Wie leblose Holzfiguren sind die Menschen, deren Gesichter unkenntlich bleiben, in einem engen, buchstäblich bedrückenden Raum eingesperrt. Gegen die Dominanz des großen Bauers in der Mitte scheinen sich die anderen Dargestellten am Bildrand zu verstecken. Für die aus Wiener Privatbesitz eingelieferte Arbeit sind 380.000 bis 450.000 Euro veranschlagt. An zweiter Position steht Alfons Waldes „Aufstieg“ um 1930 mit der für den Künstler typischen plastischen Ausformung einer sonnenbestrahlten Winterlandschaft mit jungen dynamischen Skifahrern im Vordergrund. Aus dänischem Privatbesitz gelangt es nun in Wien zur Auktion (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Auch im preislichen Mittelfeld findet sich eine Reihe guter Arbeiten von Österreichern. Unverwechselbar auf die spätimpressionistische Formensprache Anton Faistauers verweist ein „Blumenstrauß in Walzenkrug auf Teller“ aus dem Jahr 1916 (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR). Ebenfalls als Rückgriff auf die Entwicklungen der Frühmoderne sind Carl Molls Gemälde „Im Prater“ und „Sonnendurchfluteter Wald, Semmering“ anzusehen, Alterswerke der Zeit um 1930/40 mit dem für den Meister charakteristischen Einsatz zahlreicher kontrastreicher Grüntöne (Taxen zwischen 50.000 und 80.000 EUR). Etwa im gleichen Preisbereich rangieren Wilhelm Thönys skizzenhaft ausformuliertes Panorama über die Dächer von Paris mit Notre-Dame im Mittelpunkt um 1935 und Werner Bergs weihevolle, in mystisches winterliches Blau getauchte Leinwand „Nach der Messe“ von 1960. Mit Oskar Laskes stiller, fast toter Landschaft „Das Moor“ von 1938 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Sergius Pausers 1929 aufgenommener Badehütte am Schlossteich von St. Leonhard am Forst (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und Josef Flochs Bildnis einer Frau mit ockerfarbenem Kleid vor blauem Hintergrund aus den mittleren 1920er Jahren sind auch qualitätvolle Werke von weniger bekannten Künstlern zu haben (Taxe 25.000 bis 32.000 EUR).

Italien ist ein besonderes Steckenpferd des Dorotheum und zeigt sich diesmal wieder reich bestückt. Die Werke wie der fast naive „Paesaggio n.1“ von Antonio Donghi 1951, Renato Guttusos später Frauenakt „Nuda sdraiata di schiena“ von 1982, Mauro Reggianis geometrisch abstrakte Farbflächen-„Composizione no. 1“ von 1939 und Mario Sironis bewusst rudimentäre „Figura femminile e manichino“ um 1925 bewegen sich hinsichtlich ihrer künstlerischen Qualität und infolgedessen auch des Schätzpreises im Bereich der zuletzt genannten Österreicher. Etwas teurer wird es lediglich bei der Skulptur mit einem der eng und verschlossen in seinen Ornat gehüllten Kardinäle Giacomo Manzùs aus dem Jahr 1960 für 50.000 bis 70.000 Euro. Ihm zur Seite gesellt sich Medardo Rossos an die italienische Frührenaissance anschließende Bronzebüste des Florentiner Politikers Niccolò da Uzzano, der im frühen 15ten Jahrhundert gewirkt hat, aus den Jahren 1902/03 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Aus dem Kreis der Pariser Moderne ragt Óscar Domínguez’ „La couturière“ aus dem Jahr 1943 hervor. Einst ein bedeutender Vertreter des Surrealismus, hatte sich der gebürtige Spanier nach seinem Bruch mit André Breton zunehmend der Malerei des Kubismus zugewandt und war eine Freundschaft mit Pablo Picasso eingegangen. Die Nähe des Gemäldes zu dessen Werk äußert sich insbesondere in der in verschiedene Einzelelemente zersprengten Schneiderin hinter dem Nähtisch (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Surrealistischen Tendenzen treu blieb dagegen der aus Rumänien stammende Victor Brauner, nachdem er ebenfalls in Paris mit den wichtigsten Vertretern dieser Richtung zusammengetroffen war. Seine „Dépolarisation de l’intimité“ veranschaulicht den Verlust der Privatsphäre des Menschen mittels einer halluzinatorischen Vision, doch ist dem 1952 gemalten Ölbild auch eine komische Note zueigen (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Den Abschluss der Auktion bilden einige Mitglieder des Wiener Phantastischen Realismus wie Rudolf Hausner mit seinem großformatigen Doppelbildnis „Alter Billiardspieler – Vor ihm sein vertrauter, persönlicher Gegner – Aber hinter ihm! – Wer ist das?“, gemalt über einen längeren Zeitraum in den 1970er und 1980er Jahren hinweg (Taxe 100.000 bis 140.000 EUR), sowie grafische Arbeiten, von denen an erster Stelle Pierre-Auguste Renoirs bekannte Farblithografie „Le chapeau épinglé“ von 1989 für 70.000 bis 80.000 Euro zu nennen ist.

Die Auktion beginnt am 18. Mai um 17 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



13.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 380.000 - 450.000 EURO

Losnummer: 910

Medardo Rosso, Niccolò da Uzzano, 1902/03

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 55.000,- EURO

Losnummer: 959

Anton Faistauer, Blumenstrauß in Walzenkrug auf Teller, 1916

Anton Faistauer, Blumenstrauß in Walzenkrug auf Teller, 1916

Taxe: 60.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 909

Giacomo Manzù, Cardinale seduto, 1960

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Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Losnummer: 961

Paul Klee, Seeufer bei Regen, 1913

Paul Klee, Seeufer bei Regen, 1913

Taxe: 180.000 - 220.000 EURO

Zuschlag: 150.000,- EURO

Losnummer: 904

Mauro Reggiani, Composizione no. 1, 1939

Mauro Reggiani, Composizione no. 1, 1939

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 28.000,- EURO

Losnummer: 962




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