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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Auktionshaus Fischer in Heilbronn tritt mit Porzellan, Keramik, Silber, Bronzen und anderen Antiquitäten an

Was träumt die kleine Meerjungfrau?



 KPM - Königliche Porzellan-Manufaktur, Vasenpaar, KPM, 1849/70

KPM - Königliche Porzellan-Manufaktur, Vasenpaar, KPM, 1849/70

Zwei Seejungfrauen sind im Schutz der Dunkelheit an die im Mondlicht schimmernde Meeresoberfläche aufgestiegen und schmiegen sich an aus der nächtlichen See ragende Felsen. Eine blickt dem Betrachter tief und doch mit geheimnisvollem Ausdruck in die Augen. Sie bietet ihre fein geflochtene Haarpracht wie die ansprechenden Rundungen ihres entblößten Oberkörpers ohne jede Koketterie zur Betrachtung dar, weist jedoch gleichzeitig mit einer dezenten Geste des Zeigefingers nach links aus dem Bild hinaus. Der wandernde Blick findet ihre Gefährtin, deren Körper von einer Felsgruppe und ihrem quer darauf ruhenden Arm sowie den vor der Brust in einen lockeren Knoten gelegten Haarsträhnen weitgehend verborgen wird. So richtet sich die Aufmerksamkeit ganz auf den entrückten Ausdruck ihres verträumt in die Ferne des nächtlichen Sternenhimmels gewandten Gesichtes, aus dem eine tiefe innere Sehnsucht zu sprechen scheint. Das zerzauste Haar, in dem sich Zweige von Seegras verfangen haben, verleiht ihr zudem eine wildromantische Anmutung, die im Kontrast zu der gefällig gepflegten Erscheinung ihres Pendants steht. Die nächtliche Szenerie, die sich als fein modulierte Malerei auf einem Paar amphorenförmiger Vasen der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin entfaltet, entführt den Betrachter in die Fantasiewelt eines Hans Christian Andersen. Fast scheint es, als sei hier die hoffnungslos in ihren Menschenprinzen verliebte Protagonistin des 1837 entstandenen Kunstmärchens portraitiert, gemeinsam mit einem der fünf sie begleitenden Geschwister.


Der Tiefe des Ausdrucks und dem sensibel inszenierten erzählerischen Spiel mit Blickrichtungen und Gesten entsprechen die zarte Malweise in Sepia und der Farbverlauf von subtilen Blau-, Türkis- und Rosetönen in der Grundierung. Den häufig vorkommenden Schlangenhenkeln mag hier zusätzlich zu ihrer formalen Funktion eine inhaltliche Dimension zukommen, indem sie auf die bedrohlichen reptilienförmigen Polypen hinweisen, durch die sich die kleine Seejungfrau in der düstersten Szene des Märchens ihren Weg zum Haus der grausigen Meerhexe bahnen muss. Goldene Ornamente an den Henkeln wie an Plinthe, Fuß und Hals der Vasen verleihen den verwunschenen Nocturnes eine prachtvolle Rahmung. Mit 11.000 Euro sind ist das Vasenpaar von KPM aus den Jahren zwischen 1849 und 1870 in der Auktion „Kunst & Antiquitäten“ bei Dr. Fischer Kunstauktionen am 14. Mai in Heilbronn dotiert.

In der Abteilung altes Porzellan kommt zudem ein Teller mit dem mythologischen Motiv eines in seiner Quadriga über die Wolken jagenden Apoll zur Versteigerung, ebenfalls von KPM, aber etwas älter aus den 1820er oder 1830er Jahren (Taxe 2.300 EUR), des Weiteren eine elegante Zierplatte mit sehr feinen Chinoiserie-Malereien auf gelbem Fond der Meißner Manufaktur um 1730/35, leider etwas beschädigt und daher nur mit 1.700 Euro veranschlagt. Die Gebote für eine tatsächlich aus China stammende weißgrundige Zierplatte des 18ten Jahrhundert mit kunstvollen blauen Blumenmalereien starten hingegen bereits bei 80 Euro.

Beim Jugendstil und Art Déco stößt man neben zahlreichen figürlichen und reinen Tierdarstellungen immer wieder auf die reizvoll abgewandelte Paarung von Frau und Tier in den verschiedensten Spielarten. Würdig in sich versunken und von unbestimmter Melancholie erfasst, schreitet die aus Bronze und Elfenbein bestehende Dame von Louis Riché zwischen ihren Windhunden (Taxe 4.000 EUR), neckisch verspielt posiert eine dunkelhäutige Schönheit von Karl Perl, die bei Friedrich Goldscheider in Wien vom Band lief, mit so exotischen als auch lebensgefährlichen Kreaturen wie einem Geparden und einer Würgeschlange (Taxe 2.800 EUR), während Adolph Ambergs Braut aus dem berühmten „Hochzeitszug“ als Europa auf dem Stier und Louis Tuaillons Amazone zu Pferde tradierte Motive und in die Formensprache des frühen 20sten Jahrhunderts übersetzen. Beide Porzellanfiguren stammen von KPM und gehen mit 480 Euro beziehungsweise 550 Euro ins Rennen.

Als weit weniger vorteilhaft für den Dargestellten, da keineswegs idealisiert, sondern in schonungslosem Realismus ausgeführt, fällt hingegen die interessante Reiterstatue des alten Fritz zu Pferde von Jean-Léon Gérôme aus. In sich zusammengesunken, das Gesicht griesgrämig verzogen und mit leerem stumpfen Ausdruck vor sich hinblickend, vielleicht auf den drohenden Untergang seiner Armee auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf, hockt der Feldherr auf seinem Pferd. Dieses setzt sich ebenfalls nicht würdig und eins mit seinem Herrn im Sinne der langen Tradition des Reiterstandbildes in Szene, sondern wehrt sich mit schlagendem Schweif, aufgerissenem Maul und ungeduldig stampfendem Vorderfuß sichtlich gegen die reiterliche Einwirkung. Für die golden patinierte Bronze werden 5.000 Euro erwartet.

Unter den possierlich-dekorativen Tierfiguren aus Porzellan fällt der gelbe sitzende Hund von Bernhard Hoetger um 1920durch die ganz zum Träger des Ausdrucks gewordene Formgebung auf (Taxe 1.600 EUR). Auch das bronzene Giraffenpaar von M. Kacer aus dem ersten Drittel des 20sten Jahrhunderts nimmt mit klarer, die Eleganz der Tiere wirkungsvoll zur Geltung bringender Linienführung für sich ein (Taxe 1.100 EUR). Von eindrucksvoller Schönheit ist die monumentale französische Bodenvase von Lucien Alaurent, die ganz vom Zusammenklang zweier tiefster Dunkelblaus lebt, in der Wirkung noch gesteigert durch den sparsamen Einsatz von Details in Poliergold. Gefertigt wurde die Sonnenblumenvase 1926 in Sèvres (Taxe 3.700 EUR). Funktion und Figur bringen etwa eine orangefarbene Steingutvase von Alf Wallander um 1900, auf deren Wandung sich eine Nixe zwischen zwei Fischköpfen als Handhaben räkelt (Taxe 750 EUR), oder ein Wandbrunnen von Karl Maximilian Würtenberger aus dem Jahr 1905 zusammen. Darauf sitzt in einer angedeuteten Landschaft ein nackter Knabe und hält einen Wasserkrug in Händen, aus dem das sprudelnde Nass fließen soll (Taxe 2.900 EUR).

Weitaus selbstbewusster als die Statue Friedrichs II. von Preußen sprengt der heilige Georg einer rumänischen Hinterglasmalerei auf seinem stolzen Schimmel ins Bild hinein. Das Format fast sprengend, bäumt sich das Tier in einer kraftvollen Bewegung auf, während als Gegenbewegung entlang der Bilddiagonalen der Speer des Reiters in den Schlund des Drachen herabstößt, der sich am unteren Rand des Bildes tödlich getroffen zusammenkrümmt. Die einfache, dabei aber wirkungsvolle Komposition der Bildfläche zeichnet dieses Werk aus, ebenso wie die Malerei Savu Mogas von 1871, die sich stellenweise, etwa in den Gesichtern von Reiter und Pferd oder an Rüstung und Sattelzeug, zu einfühlsam geschilderten Details und dekorativen Elementen verdichtet, andernorts auf abstrahierende Vereinfachung zurückgreift, etwa bei der Darstellung der Hügellandschaft im Hintergrund. Die überlegt komponierte Farbgebung und die seitlich rahmenden ornamentalen Elemente steigern noch die Attraktivität des Heiligenbildes (Taxe 1.700 EUR).

Unter den Schmuckstücken bezaubert ein filigranes, mit Brillianten und Diamanten besetztes, aus S- und C-Schwüngen frei komponiertes silbernes Collier mit zwei Perlen um 1870 (Taxe 2.500 EUR). Der Sternsaphir-Brillant-Ring um 1970lässt Erinnerungen an die großen neuzeitlichen Verbindungen im britischen Königshaus wach durch seine Ähnlichkeit mit dem Verlobungsring Prinzessin Dianas werden, der kürzlich auch Kate Middletons Hand zierte (Taxe 830 EUR).

Wahre Pretiosen kann man auch in den Abteilungen Steinzeug und Silber entdecken. Den aufwändig gearbeiteten Altenburger Steinzeughumpen um 1710 schmückt ein dezentes weißes Rautenmotiv auf ockergelbem Grund. Der metallische Charakter der eingesetzten Zinnbestandteile kontrastiert in reizvoller Weise mit der organischen Struktur des salzglasierten Steinzeugs. Eine Reliefplakette mit der detaillierten Darstellung einer figürlichen Allegorie setzt einen weiteren Blickfang (Taxe 3.800 EUR). Dass es auch in Zerbst eine ansehnliche Fayenceproduktion gab, macht eine große, mit gemalten und plastisch ausgeformten Blumen übersäte Deckelterrine samt Presentoir von Johann Heinrich Wagner um 1760 deutlich. 6.500 Euro sind ein ansehnlicher Schätzpreis.

Der Zwillingsbruder eines im Dresdener Grünen Gewölbe befindlichen Nürnberger Traubenpokals von Christoph Straub um 1600 zieht unter den Silberobjekten die Blicke auf sich. Von dem mit Godronenrosetten besetzten Fuß über den einem Baumstamm nachempfundenen, spiralig umspielten Schaft und die gebuckelte Kuppa wird das Auge in die Höhe bis hin zur floralen Bekrönung geleitet. Auf diesem Weg weidet sich der Blick an einer Fülle variantenreich gestalteter vegetabiler Dekorationselemente (Taxe 7.500 EUR). Großflächige Blatt- und Blütenfriese zieren in zwei Querreihen die Wandung des mit einem kleinen Schwan bekrönten barocken Deckelhumpens von Jacobus Ramsler aus dem heute slowakischen Neusohl um 1680 (Taxe 6.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 14. Mai um 10 Uhr. Die Besichtigung der Stücke ist bis zum 11. Mai täglich von 11 bis 17 Uhr, am 12. Mai von 9 bis 16 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.auctions-fischer.de.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Dr. Jürgen Fischer

Trappensee-Schlösschen

DE-74074 Heilbronn

Telefax:+49 (07131) 15 55 720

Telefon:+49 (07131) 15 55 70

E-Mail: info@auctions-fischer.de



12.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Susanne Prein

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Savu Moga, Heiliger Georg, Rumänien 1871
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Johann Heinrich Wagner, Deckelterrine auf Presentoir, um 1760
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 Alaurent, Bodenvase, 1926
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Karl Perl, Akt mit Leoparden scherzend, um 1922
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Zierplatte,
 Meißen, um 1730/35
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Savu Moga, Heiliger Georg, Rumänien 1871

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Taxe: 1.700,- EURO

Losnummer: 501a

Christoph Straub, Traubenpokal, Nürnberg um 1600

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Taxe: 7.500,- EURO

Losnummer: 777

 Porzellanmanufaktur Sèvres, Lucien Alaurent, Bodenvase, 1926

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Taxe: 3.700,- EURO

Losnummer: 198

Louis Riché, Dame mit Windhunden

Louis Riché, Dame mit Windhunden

Taxe: 4.000,- EURO

Zuschlag: 13.000,- EURO

Losnummer: 296

Karl Maximilian Würtenberger, Wandbrunnen, 1905

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Taxe: 2.900,- EURO

Losnummer: 185

Jean-Léon Gérôme, Der alte Fritz zu Pferde

Jean-Léon Gérôme, Der alte Fritz zu Pferde

Taxe: 5.000,- EURO

Losnummer: 312

Karl Perl, Akt mit Leoparden scherzend, um 1922

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Taxe: 2.800,- EURO

Zuschlag: 3.000,- EURO

Losnummer: 139

 Porzellanmanufaktur Meißen, Zierplatte, Meißen, um 1730/35

Porzellanmanufaktur Meißen, Zierplatte, Meißen, um 1730/35

Taxe: 1.700,- EURO

Losnummer: 10

 Fayencemanufaktur Zerbst, Johann Heinrich Wagner, Deckelterrine auf Presentoir, um 1760

Fayencemanufaktur Zerbst, Johann Heinrich Wagner, Deckelterrine auf Presentoir, um 1760

Taxe: 6.500,- EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 333




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