Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Alles ist im nächsten Augenblick schon etwas anderes: Die Hamburger Kunsthalle zeigt das beeindruckende fotografische Werk der New Yorker Künstlerin Roni Horn

Identität im Wandel



Georgia schmollend. Georgia in Bodybuilderpose. Georgia mit Perücke, Brille, Schaum im Gesicht oder beim Aufblasen eines roten Luftballons. 48mal hat die amerikanische Konzeptkünstlerin und Fotografin Roni Horn, Jahrgang 1955, ihre Nichte Georgia in verschiedenen Posen aufgenommen. Georgia begegnet uns als naiv-verträumtes Mädchen im Baum hockend oder als herausfordernd dreinblickende Lolita mit rot geschminkten Lippen. Dabei ist sie doch immer dieselbe: Ein amerikanisches Mädchen, fotografiert von ihrer Tante, einer weltberühmten Künstlerin, im Alter von acht bis zehn Jahren. „This is Me, This is You“ heißt die zwischen 1999 und 2000 entstandene Serie, die jetzt neben zehn weiteren Serien mit insgesamt über 300 Fotografien in der Ausstellung „Roni Horn. Photographien“ in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist. Nur getrennt durch eine kleine Zwischenwand, begegnen wir nochmals 48 Aufnahmen von Georgia. Die Posen sind die gleichen. Doch die Bilder stimmen nicht vollständig überein. Roni Horn hat ihre Nichte im Abstand weniger Sekunden nochmals fotografiert und fordert durch die Gegenüberstellung beider Bildergruppen zum noch genaueren Hinsehen auf. Wer ist Georgia? Ist überhaupt eines dieser Bilder in der Lage, uns einen Eindruck von der Persönlichkeit, vom Charakter dieses Mädchens zu vermitteln?


Im Werk von Roni Horn geht es um Selbst- und Fremderkenntnis, um abstrakte Begriffe wie Identität, Ähnlichkeit und Differenz. Und um die Ambivalenz der Geschlechter. Kurzum, um das Selbstverständnis des modernen Menschen, dessen äußere Erscheinung, die wie alle Dinge und Lebewesen einem permanenten, unaufhaltsamen Wandel unterworfen ist. Auch wenn wir uns den nicht in jedem Augenblick bewusst machen, die fotografischen Serien Roni Horns lassen den Betrachter erschaudern vor der Kurzlebigkeit aller Erscheinungen. Alles auf diesen Bildern ist im Fluss, nichts stabil, nichts endgültig. In der Serie „Some Thames“ visualisiert Roni Horn diesen Panta-Rhei-Gedanken ganz direkt. 80mal zeigt sie die Wasseroberfläche der Themse: Mal spiegelt sich die Sonne auf der fast planen Oberfläche, dann wieder kräuseln sich die Wellen, oder das Wasser wirkt dunkel und unheimlich. Ein Ding – viele Erscheinungen. Diesem Phänomen spürt Horn immer wieder mit der Kamera nach.

Für ihre beeindruckende Serie „You are the Weather“ von 1994/95 besuchte die New Yorkerin gemeinsam mit einer jungen Isländerin verschiedene heiße Quellen des Landes. Horn, die seit 1975 einen Teil des Jahres auf Island lebt, fotografierte Margrét H. Blöndal, ihr Modell, genau 100mal. Auf jeder Aufnahme sitzt sie im Wasser einer heißen Quelle. Zu sehen ist jeweils das Gesicht der jungen Frau in Nahaufnahme. Was sich in ihrem scheinbar immer gleichen Blick jedoch widerspiegelt, ist das Wetter: der Wind, der Regen, der Schnee, die blendende Sonne.

In einer anderen Serie zeigt Roni Horn ganz direkt die heißen Erdlöcher, aus denen das Innerste des Planeten an die Oberfläche drängt. Kaum irgendwo anders auf der Erde ist der beständige Wandel der geologischen Gegebenheiten so augenfällig ablesbar. Und das ist es auch, was die fotografierende Identitätsforscherin Horn an dieser Insel so fasziniert: „Es ist unheimlich, wie sehr ich Island ähnlich sehe“, sagt sie.

Im Grunde durchzieht der Aspekt des Selbstporträts im Anderen, seien es Menschen oder Erscheinungen der Natur, ihr ganzes fotografisches Werk. In der Serie „a.k.a.“, die die amerikanische Alias-Formel „also known as“ (auch bekannt als) zitiert, aber begegnet Horn sich selbst ganz unmittelbar. Ältere und jüngere Porträtfotos hat sie zu 15 gegensätzlichen Bilderpaaren zusammengefügt. Kindlich und erwachsen, maskulin und feminin, intellektuell oder elegant. Am Ende überwiegt das androgyne Bild einer ebenso ambivalenten wie faszinierenden Künstlerpersönlichkeit. Dem Betrachter scheint sie sagen zu wollen: Es gibt kein endgültiges Porträt, die Einheit einer Person ergibt sich lediglich aus der Vielheit ihrer Erscheinungen.

Die Ausstellung „Roni Horn. Photographien“ ist bis zum 14. August zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der kleine Katalog kostet 15 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



06.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


15.04.2011, Roni Horn. Photographien

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Roni Horn in der Fondation Beyeler

Künstler:

Roni Horn










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce