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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt die erste umfassende monographische Ausstellung des Renaissancekünstlers Joos van Cleve

Kreativität zwischen Kunstschaffen und Marktgespür



Joos van Cleve, Selbstbildnis, um 1519

Joos van Cleve, Selbstbildnis, um 1519

Er trägt über der glänzenden Rüstung einen kostbaren Pelz und auf dem Kopf einen leuchtend roten Hut, der über und über mit Federn geschmückt ist. In solch stolzer und unmittelbarer Pose malte Joos van Cleve im Jahre 1516 den heiligen Reinhold auf einen Außenflügel des Reinhold-Altars für die Marienkirche in Danzig. Aber nicht nur die feine, naturnahe Schilderung der Oberflächen und Stofflichkeiten in typisch niederländischer Manier machen dieses Werk bemerkenswert; erstaunlicher ist vielmehr, dass der Maler dem Heiligen seine eigenen Gesichtszüge schenkte. Und dies ist kein Einzelfall: Immer wieder taucht das Antlitz des vom Niederrhein stammende Meisters in seinen Altarbildern auf, mal ist er Mundschenk, wie in der durch Leonardo da Vinci inspirierten Abendmahlsdarstellung des Della-Pace-Altars aus Genua, mal Beobachter im Hintergrund. Aber auch autonome Selbstbildnisse hat Joos van Cleve geschaffen. Mit forschendem, konzentriertem und doch ruhigem Blick schaut der Maler aus dem Madrider Selbstporträt mit Nelke dem Betrachter entgegen.


Insgesamt sieben Abbilder des Künstlers sind bekannt, eine Zahl, die mit dem Œuvre Albrecht Dürers durchaus mithalten kann: Verführerisch ist der Gedanke, hier die Manifestation eines neuen Selbstbewusstseins der Künstler zu sehen. So wissen wir auch, dass Joos van Cleve ein sehr ambitionierter Maler war. Er hatte nicht nur dreimal das Amt des Obermeisters der Lukasgilde inne, sondern war in seiner Zeit auch der bedeutendste Porträtist der wichtigsten Handelsstadt der westlichen Welt – Antwerpen. Möglich also, dass er seine Person für die Nachkommen präsent halten wollte. Vielleicht sollten ihn die Selbstbildnisse aber auch fern ab seiner Heimat bekannt machen, der Della-Pace-Altar wurde immerhin nach Genua verschifft und der Reinhold-Altar ging ins ferne Danzig. Letztendlich sind die Beweggründe für seine Selbstdarstellungen nicht vollends zu klären. Vor diesem Hintergrund aber erscheint der Fakt umso merkwürdiger, dass der Wahl-Antwerpener nach seinem Tod rasch aus der Erinnerung seiner Nachwelt verschwand.

Denn nahezu vergessen schien der meisterhafte Kolorist, dessen Tafelbilder nun wie perfekt ausgeleuchtete Juwelen in den verdunkelten Räumen des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums zu bestaunen sind. Beträchtlich lange unbekannt blieb der Name des Joos van Cleve. Erst am Ende des 19ten Jahrhunderts konnte der Kunsthistoriker Eduard Firmenich-Richartz zwei Marientod-Altäre in Köln und München mit dem Maler in Verbindung bringen. Seit diesem Zeitpunkt ließ der Joos van Cleve die Forschung nicht mehr los. Zuschreibungen, Datierungen und Stilkritik hielten mehrere Generationen in Atem, und doch, ein Platz auf der Spitze des Olymps, wie ihn seine Zeitgenossen Quentin Massys und Joachim Patinir genießen dürfen, war ihm – zumindest bis jetzt – nicht vergönnt. Die Aachener Ausstellung soll nun „den unvorbereiteten Betrachter überwältigen und vor Verliebtheit vergehen lassen, dem Kunstliebhaber den Atem verschlagen und dem Wissenschaftler als Plattform dienen, um den Künstler zum ersten Mal seinem Wert entsprechend würdigen zu können“. So formuliert Peter van den Brink, der Kurator der Ausstellung und Direktor des Museums, sein sehr ambitioniertes Vorhaben, das durch die Qualität der Ausstellung und die mehr als 60 eindrucksvollen Tafelbilder in greifbare Nähe rückt.

Fast alle Gemälde – und das zeugt von der herausragenden Qualität der Arbeiten – stammen aus den ständigen Sammlungen der bedeutendsten Museen der Welt: Bilder aus dem Louvre in Paris, der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, der National Gallery in London, der Alten Pinakothek in München, dem Metropolitan Museum in New York, dem Städel Museum in Frankfurt, dem Museo di Capodimonte in Neapel und der Gemäldegalerie in Berlin, um nur einige große Namen zu nennen, finden sich nun in Aachen zusammen. Zunächst wurde beim Louvre angefragt, wo die meisten Werke des Künstlers beheimatet sind. „Das war die erste Hürde die wir nehmen mussten“, erzählt Alice Taatgen, die Konservatorin der Ausstellung. In Paris war man von der Idee einer Schau sofort begeistert: „Im Louvre gibt es einen Van-Cleve-Raum, der ist nun halb leer“, berichtet Taatgen nicht ohne Stolz, wobei sie ein Lächeln nicht verbergen kann, das ihr über das Gesicht huscht.

Am Anfang der Schau empfängt den Betrachter ein Filmbeitrag, in dem einige Werkbeispiele des Meisters zum Diskussionsgegenstand von vier Kunsthistorikern werden. Auf spannende und informative Weise zeigt sich hier, dass die Ausstellung eine gute Gelegenheit bietet, neue Erkenntnisse über das Œuvre van Cleves zu gewinnen. So sind beispielsweise ein Triptychon, dessen Mitteltafel im National Museum Liverpool verwahrt wird, und dessen Seitentafeln mit der heiligen Katharina und der heiligen Maria Magdalena in belgischem Privatbesitz sind, zum ersten Mal seit ihrer Trennung im 19ten Jahrhundert bei der Schau wieder vereint. Katharina mit ihren Attributen, dem Rand und dem Schwert, auf der linken Seite und Maria Magdalena rechts mit dem Salbgefäß flankieren die Mitteltafel, auf der die thronende Madonna von Engeln begleitet unter einem Baldachin erscheint. Der durchgehende Fliesenboden, der einheitliche Lichteinfall und die Balustrade mit der dahinter liegenden Landschaft lassen keinen Zweifel an der Zusammengehörigkeit der drei Holztafeln.

Ebenfalls dreiflügelig ist die Beweinung Christi, die 1524 auf dem Altar einer Seitenkapelle in der Kirche Sankt Maria in Lyskirchen in Köln aufgestellt wurde. Der Stifter des Altars, der Ratsherr Gobel Schmitgen, ist hier kein Zuschauer, sondern aktiv am Geschehen beteiligt: Er stellt ein Wasserbecken mit Schwamm auf den Sarkophag. Die Anordnung von roten, weißen und orangefarbenen Farbflächen, welche die drei Bildflächen netzartig überspannen, erinnert an Meisterwerke der altniederländischen Malerei.

Die thematische Hängung der Tafelbilder, sortiert nach Altären, Andachtsbildern und Porträts, ermöglicht dem Ausstellungsbesucher außerdem den direkten Vergleich einzelner Werke. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich diese Idee in einem Raum, der zwei Motive Joos van Cleves in mehreren Versionen zeigt. Zu sehen sind hier seine absoluten Verkaufsschlager: Die Kirschenmadonna und Christus und Johannes als kleine Kinder, die einander umarmen. Diese Serienfertigungen, also die Herstellung mehrerer Kopien und Varianten nach stets derselben Vorlage, bezeugen den gewaltigen Umfang seiner Produktion und die Effizienz seiner Werkstattorganisation. Diese war seit der Mitte der 1520er Jahre für wenigstens zwei Jahrzehnte lang die größte und produktivste Werkstatt in ganz Antwerpen.

Ebenso wird hier deutlich, wie sehr es dem Maler gelang, sich auf seine Kunden einzustellen und ein tiefes Marktgespür zu entwickeln. Beide der hier ausgestellten Serien sind auf Vorbilder Leonardo da Vincis zurückzuführen, womit der Antwerpener Renaissancekünstler einer „Leonardo-Mode“ folgte, die zu Beginn des 16ten Jahrhunderts generell in Europa und im Besonderen in Antwerpen aufkam. So lässt sich in Aachen nun bewundern, wie van Cleve die Kirschenmadonna des Leonardo-Schülers Giovanni Pietro Rizzoli nicht nur exakt kopierte, sondern auf äußerst intelligente Weise überarbeitete. Die Jungfrau schaut mit versunkenem Blick auf ihren Sohn, der sich auf ihrem Schoß windet und einige Kirschen in seinen kleinen Händchen hält. Man sieht aus einem recht dunklen Innenraum in eine weite helle Landschaft. Von seinem Vorbild übernahm Joos van Cleve die Komposition und das typische sfumato, erweiterte sein Bild allerdings um Elemente, die das Gemälde „extra-italienisch“ machen: Die Renaissancearchitektur wurde um antikisierende Ornamente bereichert und mit Grotesken versehen. Die Landschaft allerdings, die bei Rizzoli sehr italienisch erscheint, verwandelte van Cleve in eine panoramische Weltlandschaft mit hoher Horizontlinie, wie sie für die Werke des Niederländers Joachim Patinir typisch ist.

Hier zeigt sich symptomatisch, wie Joos van Cleve seine Arbeiten auf die Vorlieben der Antwerpener Klientel abstimmte. Auch die vier Fassungen der küssenden Kinder machen deutlich, dass er in seiner Werkstatt für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas parat hatte. Sei es die Fassung aus Den Haag, auf welcher die Kinder von der bereits bekannten Renaissancearchitektur umrahmt werden und sich im Hintergrund eine detailreiche Landschaft entfaltet, in der es viel zu entdecken gibt – bei genauerem Hinsehen erkennt man eine Kuh, die gemolken wird, oder eine Frau, die im Türrahmen steht und ihrem winkenden Mann hinterher schaut –, oder sei es die Fassung aus eigenem Museumsbesitz in Aachen, die mit 25,4 auf 25,1 Zentimeter wesentlich kleiner ist als die übrigen Versionen und somit auch wesentlich billiger gewesen sein dürfte. In ähnlich serieller Produktion entstanden auch etliche Darstellungen der Heiligen Familie, von denen ebenfalls drei Beispiele in der Ausstellung zu bewundern sind. Ein sehr gewiefter Geschäftsmann war Joos van Cleve also allemal – weltoffen und mit einem ausgeprägten Gespür für den Markt. Damit steht er ganz am Anfang einer modernen Entwicklung, die mit Peter Paul Rubens einen ersten Höhepunkt erlebte.

Auch seiner Rolle als bedeutender Porträtist ist in der Aachener Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Schnell wird sein Standing klar: Vermutlich war ein Treffen im Jahr 1532 zwischen Franz I. und Heinrich VIII. in Frankreich der Anlass dafür, dass Joos van Cleve von den beiden Monarchen Pendantporträts anfertigte. Man wollte wohl aus diplomatischen Gründen keinen der beiden Hofmaler, Hans Holbein d.J. oder Jean Clouet, beschäftigen und wählte van Cleve als neutralen Dritten. Franz I. sitzt frontal hinter einem Tisch und blickt schräg mit seinen mandelförmigen Augen aus dem Bild heraus. Seine prunkvolle Kleidung und die Fokussierung auf den Dargestellten, der von einem grünen Fond hinterfangen wird, zielen mehr auf den Eindruck von Herrschaftlichkeit ab, als dass sie ein Bild besonderer Lebendigkeit wiedergeben wollen. Vermittelt wurde dieses Geschäft aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Antwerpener Goldschmied, Kaufmann und Kunstsammler Joris Vezeleer. Vermutlich zu dessen Hochzeit portraitierte van Cleve auch ihn und seine Ehefrau Margaretha Boghe. In Aachen ist nun zu bestaunen, wie Vezeleer zum Zeichen seines Vermögens einen feinen Lederhandschuh anzieht, und seine Gattin in frommer Geste eine Nelke und einen Rosenkranz hält.

Doch auch schon vor diesen prestigeträchtigen Aufträgen schuf der Antwerpener Meister exzellente Werke, wie die frühen Arbeiten „Porträt eines Mannes“ und „Porträt einer Frau“ aus Enschede dem Betrachter vor Augen führen. Um 1515 entstanden sind sie noch recht klein im Format und stilistisch eher konservativ. Das warme Licht, das die Fingernägel der unbekannten Eheleute perlmuttartig glänzen lässt, und die stilllebenhaft arrangierten Gegenstände im Vordergrund erinnern an Bilder Jan van Eycks oder Hans Memlings. Das Männerporträt hält derweilen ein besonders Bonbon für den Betrachter bereit: Es besticht durch eine als „trompe l’oeil“ gemalte Feder, die am Rahmen zu lehnen scheint.

Die Ausstellung „Leonardo des Nordens – Joos van Cleve“ ist bis zum 26. Juni zu sehen. Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen hat wochentags von 12 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Gruppen ab 7 Personen zahlen außerdem nur 4 Euro pro Person. Der Katalog aus dem Belser Verlag kostet im Museum 29,95 Euro.

Kontakt:

Suermondt-Ludwig-Museum

Wilhelmstraße 18

DE-52070 Aachen

Telefon:+49 (0241) 479 800

Telefax:+49 (0241) 370 75

E-Mail: info@suermondt-ludwig-museum.de



03.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lena Hennen

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Joos van Cleve, Maria und Kind mit Engeln, um 1525
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Joos van Cleve, Porträt des Franz I., 1532/33
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Joos van Cleve, Triptychon mit der Beweinung Christi, 1524
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Joos van Cleve, Santa Maria della Pace-Altar, Letztes Abendmahl, um 1525
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Joos van Cleve, Noli me tangere, 1515-1520
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Joos van Cleve, Christus und Johannes als Kinder, einander umarmend,
 1525-1530
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Joos van Cleve, Die Kirschenmadonna, 1525-1530
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Joos van Cleve, Maria und Kind mit Engeln, um 1525

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Joos van Cleve, Porträt des Franz I., 1532/33

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Joos van Cleve, Triptychon mit der Beweinung Christi, 1524

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Joos van Cleve, Santa Maria della Pace-Altar, Letztes Abendmahl, um 1525

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Joos van Cleve, Christus und Johannes als Kinder, einander umarmend, 1525-1530

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Joos van Cleve, Die Kirschenmadonna, 1525-1530

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Joos van Cleve, Der Reinhold-Altar – Johannes der Täufer und der hl. Reinhold, 1516

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