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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei der Kunst des 19ten Jahrhunderts waren im Wiener Dorotheum Bilder aus dem Süden und die heimische Alpenwelt gefragt

Fliederfarbener Duft



Eugen von Blaas, Mädchen in fliederfarbenem Kleid mit Blumenstrauß und Blumenkorb, 1911

Eugen von Blaas, Mädchen in fliederfarbenem Kleid mit Blumenstrauß und Blumenkorb, 1911

Ganz so streng hat es Eugen von Blaas mit der Flora nicht genommen. Denn bei seinem südländischen Blumenmädchen scheint ihm in der jährlichen Abfolge der blühenden Blumen etwas durcheinander geraten zu sein. In seiner Hand und in einem Korb mischen sich frühe Tulpen mit späten Nelken, Mohn und Kornähren, und auf der Wiese Narzissen mit rotem Klatschmohn. Die dunstige Natur und das wenige Laub an den Bäumen sprechen wieder eher für den Frühling. Aber um eine naturwissenschaftliche Genauigkeit ging es Blaas auch nicht in seinem 1911 gemalten, impressionistisch aufgelösten Werk. Mit Meisterschaft baut er das Inkarnat des Mädchens aus mehreren Lasuren auf, so dass es zart, fast transparent und scheinbar ohne jede körperliche Schwere auf den Betrachter zuschreitet. Man möchte fast eine Erscheinung denken, an eine duftige Allegorie der Flora in fliederfarbenem, im Wind flatterndem Kleid, bei der dann auch die zu verschiedenen Zeiten blühenden Blumen vorkommen dürfen. Die anmutige Schönheit war in der Auktion des Dorotheums mit Gemälden des 19ten Jahrhunderts stark umworben. Schon hoch mit 150.000 bis 200.000 Euro angesetzt, entwich sie erst bei 225.000 Euro den Händen des Auktionators.


Mit dem Ergebnis vom 12. April war man in Wien sehr zufrieden. Man sprach von einer „Frühlingsstimmung bei den Bietern“ und listete so manche Höhenflüge auf. Die Zahlen spiegeln dies mit zwei Dritteln verkaufter Positionen und einem Bruttoumsatz von guten 3,66 Millionen Euro wieder. Teuerste Stücke wurden zwei Gemälde von Friedrich Gauermann, mit denen der Österreicher seine heimische Alpenwelt verklärte. Die „Hirten und Vieh am Attersee“ von 1852 schildern das bäuerliche Leben als komprimierte Idylle für nun 240.000 Euro (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Ebenso ist seine „Alpenwirtschaft am Untersberg in Salzburg“ von 1835 mit Flöte spielendem Jäger, Hirten und einigem Vieh angelegt. Doch die schroff abfallende Schlucht, die dominierende Wettertanne und ein dräuendes Gewitter über felsigen Bergen im Hintergrund überlagern die friedliche Szene mit einer romantischen Ahnung von Unheil und Dramatik. Das schien den Kunden zu gefallen, die die untere Schätzung von 150.000 Euro auf 260.000 Euro anhoben.

Mit 150.000 bis 200.000 Euro war außerdem Ferdinand Georg Waldmüllers detailfreudiges Früchtestillleben mit freundlich blickendem Amazonenpapagei bewertet. Doch für sein erstes eigenständiges Bild in dieser Gattung aus dem Jahr 1824 gingen die Gebote nicht über die untere Taxe hinaus. Das traf auch für Josef Lauers hell leuchtendes Rosenbouquet auf dem Waldboden mit Spatz und Schmetterling bei 40.000 Euro zu. Anders erging es Friedrich von Amerlings „Schlafender Fischerin“. Für die qualitätvolle biedermeierliche Szene der jungen Frau mit ihrem kleinen Kind unter Bäumen am Ufer eines Sees von 1834 schnellten die Gebote auf 120.000 Euro. Nicht ganz so hoch, aber immer noch ansehnlich viel die Steigerung bei Paul Joanovits’ „Falkner“ aus. Für das mustergültige Beispiel des Orientalismus wurden 85.000 Euro gezahlt (Taxen je 40.000 bis 60.000 EUR).

Unter die vordersten Ränge mischten sich auch noch einige russische Künstler, allen voran Aleksandr Karlovich Beggrov mit einer Ansicht über die Neva auf seine Heimatstadt St. Petersburg von 1898. Dafür wählte sich der 20 Jahre zuvor zum Maler des Kriegsministeriums ernannte Beggrov einen Standort bei der Wassiljewski Insel und ließ seinen Blick über das ruhige Wasser mit seinen Segelbooten, Dampfschiffen und kleinen Kuttern auf die Kulisse der prächtigen Gebäude schweifen. Hierfür interessierte sich vor allem ein britischer Käufer und bewilligte schließlich 120.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Sehen lassen können sich auch die 65.000 Euro für ein dekorativ ins Gras hin gebreitetes Mädchen mit Tracht und Blumenkranz in Haar von Firs Sergeyevich Zhuravlev (Taxe 65.000 bis 75.000 EUR) oder die 50.000 Euro für Iosif Krachkovskys Weg am Kornfeld vorbei in die Ferne mit Holzhäusern und junger Familie, aus dem die Melancholie und weite der russischen Landschaft sprechen (Taxe 40.000 bis 80.000 EUR).

Bei der russischen Kunst musste das Dorotheum aber auch seine herbsten Verluste einstecken, so Boris Mikhailovich Kustodievs „An der Wolga“ von 1906 für 350.000 bis 500.000 Euro oder Evgraf Semenovich Sorokins „Lachendes Mädchen in süditalienischer Tracht“ für 250.000 bis 350.000 Euro, an dem sich schon andere Auktionshäuser die Zähne ausgebissen hatten. Wenigstens kamen bei den Zeichnungen Nikolai Vasilevich Pirogovs Kutsche auf einer verregneten Frühlingsstraße von 1896 bei 4.000 Euro, Ivan Konstantinovich Ajvazovskijs ruhige Marine mit einem Segelschiff auf der weiten Wasserfläche von 1885 bei 6.000 Euro und das reizende Geschwisterpaar, das der in Reval geborene Woldemar Hau 1842 mit Bleistift und Aquarell niederlegte, bei 10.000 Euro taxgerecht ans Ziel.

Zu weiteren Höhenflügen regten dann die deutschen Romantiker die Käufer wieder an, allen voran Carl Friedrich Lessing, der eine Waldlandschaft an der Küste durch eine mittelalterliche gotische Klosteranlage und einen Mönch mit Messdiener zu einer Einheit unter göttlicher Ordnung verwebt. Mit 50.000 Euro belegt das Gemälde von 1834 nun einen der vordersten Ränge bei den Auktionspreisen Lessings (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Franz Ludwig Catel folgt ihm, wenn er zwei Mönche zur Nachtzeit in der Grotte eines Klosters mit bewegtem Meer im Hintergrund erfindet. 16.000 Euro lagen im Rahmen der Erwartungen. Johan Christian Dahl fand mit seiner Studie eines von Feuer glühenden Waldes bei 32.000 Euro erneut zahlreiche Anhänger (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), ebenso August Wilhelm Leu, der sich zu Studien in Norwegen aufhielt und von dort 1861 den nun 28.000 Euro teueren Blick in einen sonnenbeschienen Fjord mit einsamem Boot und einigen Figuren am Strand mitbrachte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Auch die deutsche Genremalerei gefiel den Sammlern. Da sind etwa Johann Peter Hasenclevers Gemälde „Die gestörte Nachtruhe“, die eine Katze einem erschreckten Ehepaar mit Flinte bereitet, zu den geforderten 10.000 Euro, Franz von Defreggers fröhlicher „Abschied eines Jägers“ von seinem Dirndl für 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), Emil Raus junges Paar vor einem Bauernhaus in oberbayerischen Bergen für 18.000 Euro (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR) oder „Der Brief“ der unbekannten Harzer Malerin Alma Erdmann zu nennen. In der beinahe fotorealistischen Arbeit schildert sie gekonnt ein älteres Ehepaar, das das kompromittierende Schriftstück eben ihrer verlegenen Tochter vorhält. Für soviel Einfühlungsvermögen wurden 15.000 Euro bezahlt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Selbst wenn das bedrohlich-nächtliche „Feuerwerk in Torre dell’Annunziata bei Neapel“ von Oswald Achenbach bei 15.000 bis 20.000 Euro keinen Abnehmer fand, befriedigten etliche Kunden ihre Sehnsucht nach idyllischen Landschaften und Szenen aus Italien. Salvatore Candido überzeugte gleich zu Beginn für 7.500 Euro mit einer Ansicht von Neapel, die er von Marinella aus häufiger in seinen Bildern festhielt (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Ihn ergänzten mit Veduten über die Buchten der ehemaligen Residenzstadt oft pittoresk mit rauchendem Vesuv im Hintergrund Carl Wilhelm Götzloff bei 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), Johann Nepomuk Ott mit einem weiteren Ausschnitt zur unteren Erwartung von 8.000 Euro oder Friedrich August Elsasser mit seinem Blick von Posillipo auf Bagnoli, die Insel Procida, Capo Miseno und Niceda für 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Andere Motive wählten sich Henry Jaeckel mit dem rot im Abendlicht leuchtenden Castello Aragonese di Reggio Calabria diesmal mit rauchendem Ätna für 8.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), Carl Georg Anton Graeb mit dem geschickt in Untersicht aufgenommenen Kreuzgang an der Kirche St. Croce in Florenz samt der Capella Pazzi für 24.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder Carl Friedrich Heinzmann mit Fischern an einem nicht näher identifizierbaren italienischen Gebirgssee für 15.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

An italienischen Künstlern war die Auktion etwas ärmer. Dennoch ragen einige ihrer Ergebnisse heraus. Mit Humor hielt sich Antonio Mancini lachend auf der Vorder- und Rückseite einer Leinwand fest. Auf 45.000 Euro verdreifachte sich hier die Schätzung. Carlo Bossolis „Abendliches Vergnügen vor den Toren Konstantinopels“ traf mit 50.000 Euro genau die Mitte des Taxrahmens. Mit 90.000 bis 120.000 Euro war Vincenzo Irollis zwischen Kesseln und Pfannen kauernde „Küchenmagd“ hoch bewertet. Die untere Erwartung der etwas schnulzig theatralischen Malerei wurde erreicht.

Zwar neigt Hans Makart auch zur großen Geste, doch ist seine Kunst durch seinen großzügigen, flotten Pinselstrich dem vordergründig Plakativen enthoben, so etwa bei seiner ruhenden Bacchantin für 26.000 Euro (Taxe 13.000 bis 18.000 EUR) oder dem feineren Portrait der Gräfin Marie von Coudenhove-Kalergi für 45.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Aus der österreichischen Malerei des späten 19ten Jahrhunderts ragten noch Robert Russ’ Stimmung eines warm-feuchten Sommernachmittags in einem Garten des Etschtals für 70.000 Euro (40.000 bis 60.000 Euro) und Arbeiten von Olga Wisinger-Florian heraus. Begehrt war schon ihr impressionistischer Strauß aus Stiefmütterchen mit umherschwebenden Schmetterlingen bei 55.000 Euro (Taxe 38.000 bis 45.000 EUR). Ihre Zimmerfolge von einem dunklen Damenschreibtisch in überbordender Blumenpracht aus auf ein helleres Speisezimmer mit festlich gedecktem Tisch zog kurz vor Ende der Auktion auf diesen Zuschlagspreis an (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



18.04.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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