Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Wilhelm Kohlhoff in der Kunsthalle Schweinfurt und August Gaul im Museum Georg Schäfer

Tiere und Menschen auf der Zeitenwende



Auch aus einem geringen eigenen Fundus lässt sich viel machen: Nur zwei Ölgemälde und einige Zeichnungen besitzt die vor zwei Jahren eröffnete Kunsthalle Schweinfurt von dem deutschen Expressionisten Wilhelm Kohlhoff. Dennoch präsentiert das Haus zum nunmehr vierten Mal seit Eröffnung der vormaligen Galerie in der Alten Reichsvogtei den 1893 in Berlin geborenen Maler. Den äußeren Anlass bildet diesmal der vierzigste Todestag des Künstlers 1971 in Schweinfurt. Knapp fünfzig Arbeiten Kohlhoffs, ganz überwiegend aus Privatbesitz und begrenzt auf die 1910er und 1920er Jahre, hat man für die Ausstellung zusammengetragen, dazu einige Vergleichsbeispiele von Max Liebermann, Curt Herrmann, Albert Birkle und Franz Heckendorf – Künstler, die zum Teil auch nebenan hängen, in der Sammlung Joseph Hierling, die sich der sogenannten „Vergessenen Generation“ angenommen hat.


Zu diesen „Vergessenen“ gehört eben auch Wilhelm Kohlhoff. Wie viele seiner Kollegen war er geprägt vom Spannungsfeld der aufgeregten Berliner Kunstszene der Zwischenkriegszeit, zwischen Impressionisten und Expressionisten, Traditionalisten und Avantgardisten. Ohne akademische Ausbildung zum Maler ließ er sich von diesen Strömungen nicht nur anregen, sondern auch anstecken, wurde selbst zum Gebenden, der sich mit Künstlern wie Harry Deierling oder Bruno Krauskopf unmittelbar künstlerisch austauschte. 1914 erstmals auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten, folgten bis 1932 weitere wichtige Einzelausstellungen unter anderem in der Berliner Galerie Fritz Gurlitt und in der Kestnergesellschaft in Hannover. Erst die braunen Machthaber bereiteten seinem Ruhm ein Ende. Nach dem Krieg fand er sich im oberfränkischen Hof wieder und übersiedelte später nach Schweinfurt, ohne die alte schöpferische Kraft wieder erreichen zu können.

Motive ebenso wie die malerischen Ausdrucksmittel von Wilhelm Kohlhoff sind drastisch zu nennen, mitunter geradezu entfesselt. „Frau beim Schweineschlachten“ heißt eine Gouache aus dem Jahr 1921 von geradezu existentialistischem Schrecken, und auch sonst immer wieder Szenen, in denen das Animalische sich behaupten muss, Tier gegen Tier, Mensch gegen Mensch. Oft zeigt sich eine große Nähe zu den späten Werken Lovis Corinths, des eine Generation Älteren, der im Alter ahnte, was Kohlhoff in der Mitte seiner Jahre bereits wusste und überall erlebte: dass die Welt immer einer unkontrollierbaren Bedrohung ausgesetzt ist, dass der Mensch in ihr nie einen festen Ort einnehmen werde. Entsprechend gestaltete Kohlhoff seine Landschaften: Es sind nur Ausschnitte, von der Sonne in Prismen zerbrochen oder in ein undurchdringliches Dickicht von Farben aufgelöst, die Dinge von ungewöhnlichen, teils uneinnehmbaren Standpunkten aus aufgenommen wie Fragmente.

Das Beste leistete Kohlhoff wohl in seinen Personendarstellungen insbesondere der frühen Jahre. Allen voran steht die lebensgroße Darstellung der „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ um 1919: nicht das Weib aus früheren Epochen der Malerei, das mit kalter Berechnung einer Notwendigkeit genügt, sondern ein junges Mädchen, das wie eine Wahnsinnige über die Palaststiegen irrt, durchdrungen von einer Kraft, die sich ihres ganzen Körpers bemächtigt hat, alle ihre Konturen mit einem weißen Licht umgibt, als glühe sie von innen. An diesem Werk zeigen sich vollends die malerischen Fähigkeiten Kohlhoffs, sein Umgang auch mit traditionellen Themen, seine Interpretationsfähigkeit und sein psychologisches Einfühlungsvermögen – ein Künstler seiner Zeit durch und durch!

Wie anders dagegen August Gaul: Seine Kunst, nur wenige hundert Meter entfernt im Museum Georg Schäfer zu sehen, ist die Gemessenheit par excellence. In dieser Ausstellung, die einen Monat später begann und auch einen Monat später enden wird, macht sich die Professionalität einer wichtigen Museumsinstitution bemerkbar. Den gesamten Sonderausstellungsbereich nimmt die Präsentation ein, gezeigt werden nicht nur Skulpturen des Meisters, sondern auch Fotografien, Druckgrafiken, Entwürfe und schriftliche Dokumente. Es wird ihre Entstehung dargestellt und ihre weitere Geschichte, bis hin zu den zum Teil verfehlten „Umnutzungen“ unserer Tage, in denen die Großskulptur eines stehenden Adlers in einem amerikanischen Kaufhaus zwischen Blumenrabatten versinkt oder als Fliegerdenkmal auf der Rhöner Wasserkuppe tagein tagaus in die Berge blicken muss.

Was macht die Faszination dieses Künstlers aus, dass seine Werke noch heute nicht zuletzt auf Auktionen hohe Preise erzielen? Es ist wohl die Souveränität, mit der August Gaul jedes seiner Modelle vollkommen ernst nimmt und auf jeden Spott verzichtet. Und wie nahe läge es bei seinen Tieren, die Kunst nur um der Lächerlichkeit zu betreiben! Schon in jungen Jahren begeisterte sich der 1869 im hessischen Hanau geborene Bildhauer für die Erscheinungen der Fauna. Im Zoologischen Garten zu Berlin, wohin er 1889 übergesiedelt war, fand er seine Fundgrube. Die Zeitgenossen waren von seinen Fähigkeiten begeistert, und die Wilhelminische Epoche brauchte ihn: Denkmäler waren zu schaffen für die Größen der Vergangenheit, Hoheitssymbole mussten her, die den Stolz eines der größten Reiche der Erde bezeichnen sollten, Brunnen in Kaufhäusern, auf öffentlichen Plätzen oder in Privatvillen wollten ausgestattet werden.

Vor diesem Hintergrund verwundert das enorme Ansehen, das August Gaul zu Lebzeiten genoss, nicht mehr. Doch auch uns hat er noch etwas zu sagen. Seine Skulpturen sind eben keine martialischen Kraftprotze, die sich nur einem äußerlichen Repräsentationsbedürfnis in den Dienst stellten. In jedem seiner Werke äußert sich die tiefe Versenkung in das Wesen seines Modells: in die mächtige Würde eines Adlers, in die überlegene Ruhe eines Löwen, in die sorglose Beschaulichkeit eines Lammes, in die anmutige Verspieltheit eines wasserspeienden Elefanten. So erhalten seine Arbeiten auch in größerem architektonischem Zusammenhang einen ganz eigenen Rang: Wie Ornamente fügen sie sich ein und bilden doch geistige Werte für sich. Seine Arbeiten weisen in den Jugendstil voraus. Sein Lehrer Reinhold Begas, der Neobarockist, ist heute fast vergessen, August Gaul aber bezaubert nach wie vor.

Die Ausstellung „Wilhelm Kohlhoff. Impression – Expression“ ist bis zum 29. Mai in der Kunsthalle Schweinfurt zu sehen. Die Ausstellung „August Gaul – Kleiner Tierpark. Das Schicksal der Skulptur“ im Museum Georg Schäfer läuft bis zum 26. Juni. Geöffnet ist jeweils täglich außer montags zwischen 10 und 17 Uhr, am Donnerstag bis 21 Uhr. Der Eintritt in die Kunsthalle beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, ins Museum Georg Schäfer 7 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Museum Georg Schäfer
Brückenstraße 20
D-97421 Schweinfurt

Telefon: +49 (0)9721 – 519 19
Telefax: +49 (0)9721 – 513 71

Kontakt:

Kunsthalle Schweinfurt

Rüfferstraße 4

DE-97421 Schweinfurt

Telefax:+49 (09721) 51 320

Telefon:+49 (09721) 51 479

E-Mail: info@kunsthalle-schweinfurt.de



11.04.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 14

Seiten: 1  •  2

Events (2)Adressen (2)Variabilder (8)Künstler (2)

Veranstaltung vom:


06.03.2011, Das Schicksal der Skulptur. August Gaul: Kleiner Tierpark

Veranstaltung vom:


04.02.2011, Wilhelm Kohlhoff. Impression – Expression

Bei:


Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt

Bei:


Museum Georg Schäfer

Variabilder:

August Gaul, Bärenbrunnen in der Eingangshalle des Warenhauses
 Wertheim
August Gaul, Bärenbrunnen in der Eingangshalle des Warenhauses Wertheim

Variabilder:

August Gaul, Liegender Panther mit reitendem Knaben, 1907-1910
August Gaul, Liegender Panther mit reitendem Knaben, 1907-1910

Variabilder:

August Gaul mit dem Esel Fritze, um 1910
August Gaul mit dem Esel Fritze, um 1910

Variabilder:

August Gaul, Ruhende Schafe, 1901
August Gaul, Ruhende Schafe, 1901

Variabilder:

Adler von August Gaul als Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe,
 Rhön/Hessen
Adler von August Gaul als Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe, Rhön/Hessen







August Gaul, Adler, 1904

August Gaul, Adler, 1904

Adler von August Gaul als Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe, Rhön/Hessen

Adler von August Gaul als Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe, Rhön/Hessen

August Gaul, Bärenbrunnen in der Eingangshalle des Warenhauses Wertheim

August Gaul, Bärenbrunnen in der Eingangshalle des Warenhauses Wertheim

August Gaul, Junge Bären, 1904/1913

August Gaul, Junge Bären, 1904/1913

August Gaul mit dem Esel Fritze, um 1910

August Gaul mit dem Esel Fritze, um 1910

August Gaul, Ruhende Schafe, 1901

August Gaul, Ruhende Schafe, 1901

August Gaul, Liegender Panther mit reitendem Knaben, 1907-1910

August Gaul, Liegender Panther mit reitendem Knaben, 1907-1910

August Gaul, Pinguinbrunnen, 1912

August Gaul, Pinguinbrunnen, 1912




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce