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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Stillleben, arkadische und mythische Szenen: Das Dorotheum geht mit einem umfangreichen Angebot in die Frühjahrsauktion Alter Meister

Fäulnis in der Fruchtbarkeit



Frans Francken II, Ambrosius Francken II, Hans Jordaens III, Abraham Govaerts und Alexander Keirincx, Arkadien – Das Goldene Zeitalter

Frans Francken II, Ambrosius Francken II, Hans Jordaens III, Abraham Govaerts und Alexander Keirincx, Arkadien – Das Goldene Zeitalter

Mit mehr als 300 Gemälden Alter Meister geht das Dorotheum in seine Frühjahrsauktionrunde. Erneut ist es dem Wiener Traditionshaus gelungen, eine Reihe hochkarätiger Angebote in die Versteigerung am kommenden Mittwoch einzubringen. Um die zwanzig Bilder sind zu einer Taxe zwischen 80.000 und 600.000 Euro veranschlagt. Ein Spitzenwerk der Antwerpener Malerei der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts kommt mit „Arkadien – Das Goldene Zeitalter“ zum Aufruf. Das Gemeinschaftswerk von fünf Malern – Frans Francken II und sein Bruder Ambrosius Francken II, Hans Jordaens III, Abraham Govaerts und Alexander Keirincx – muss zwischen 1626 und 1632 entstanden sein und gehört laut Gutachten zu den frühesten Zeugnissen der vielfigurigen Hirtenidyllen. Der perfekte Bildaufbau scheint die von allen Störungen unberührte arkadische Utopie widerzuspiegeln; nur am rechten unteren Bildrand wenden sich Böcke im Dunkeln vom ländlichen Mahle ab, und es lugt, halb angeschnitten, ein Vierbeiner ins Bild, der ein Wolf sein könnte. Nach dem großen Erfolg, den das Dorotheum vor einem Jahr mit einem Tugendbild Frans Francken II. bei 6,1 Millionen Euro hatte, scheinen die jetzt geforderten 400.000 bis 600.000 Euro nur allzu berechtigt.


Nach jüngsten Forschungen eindeutig dem Italiener Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino, zuzuschreiben ist ein „Tugendhafter Amor - L’Amore virtuoso“, der mit 400.000 bis 500.000 Euro ebenfalls hoch bewertet ist. Das Bild aus einer Privatsammlung war 2006 bei Sotheby’s in London noch als ein Werk Cesare Gennaris für netto 75.000 Pfund unter den Hammer gekommen. Inzwischen wird das subtil ausgearbeitete Gemälde nach einer Restaurierung identifiziert mit einem Werk, das der venezianische Sammler Giovanni Donato Correggio 1654 für 500 Dukaten erworben und in seinem Rechnungsbuch beschrieben hat. Landschafts-, Textil- und Detailgestaltung sind mit bekannten Werken Guercinos aus europäischen Galerien vergleichbar. Ein weiterer Guercino steht mit „David mit dem Haupt des Goliath“ im Katalog. Das Bild wird als eigenhändige Kopie – unter Beteiligung der Werkstatt – eines Gemäldes eingeschätzt, das sich im Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio befindet. Verschiedene Details und die Verwendung von Lapislazuli-Pigmenten für den Himmel lassen darauf schließen, dass diese Replik für einen wichtigen Kunden bestimmt war (150.000 bis 200.000 EUR).

Eine Ölstudie auf Papier aus der Hand Federico Baroccis beweist, wie penibel der Maler seine großen Arbeiten vorzubereiten pflegte. Der Bozzetto entstand für das 1599 vollendete „Letzte Abendmahl“ im Dom von Urbino und zeigt vier Apostelköpfe. Bemerkenswert sind die Komposition und die emotionale Zuordnung der vier Häupter; die Ausführung schwebt zwischen Zeichnung und Gemälde und gewinnt durch ihre Skizzenhaftigkeit einen Zug von Freiheit, der „modern“ wirkt. Die Taxe bewegt sich zwischen 200.000 und 300.000 Euro.

Gut eine Generation nach Barocci wirkte in Genua der Maler Valerio Castello, von dem eine dramatisch bewegte „Flucht nach Ägypten“ zum Aufruf kommt. Das bisher noch nicht publizierte Gemälde, mit kühnem, selbstbewusstem Strich gemalt, stellt die Madonna mit dem Jesus-Knaben ins Zentrum, sitzend auf dem Esel, der mit muskulösen Beinen aus dem Bild herauszutraben scheint. 200.000 bis 300.000 Euro muss der Liebhaber für dieses Meisterwerk aus der Hand des mit nur 35 Jahren verstorbenen Castello investieren. Als ein ausgezeichnetes Beispiel der Verquickung von Malerei und Literatur im 17ten Jahrhundert wird im Katalog ein rundes Format vorgestellt, das als ein Werk Giovanni Lanfrancos identifiziert wird. Es greift eine Szene aus Ariosts „Orlando furioso“ auf: „Angelica pflegt Medoro“. Format, Licht und Finesse der Ausführung machen das 110 Zentimeter durchmessende Tondo zu einer Besonderheit (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Ebenso hoch ist die Taxe für eine Paradieslandschaft von Jan Brueghel d.Ä. Das bis vor kurzem unpublizierte Gemälde befand sich stets in Privatbesitz. Eva steht wie eine Göttin nackt vor dem lagernden Adam und reicht ihm den Apfel, während ihm die Schlange, um den Baum gewunden, listig ins Antlitz blickt. Noch weiden Lamm und Löwe friedlich miteinander; aber ein Wolf hat die stechenden Augen und das blutrote Maul spätmittelalterlicher Teufelsfratzen. Auch Kröte und Dachs zu Füßen des ersten Menschenpaars lassen nichts Gutes ahnen. Mit dem sogenannten Spinola-Rubens hat das Dorotheum ein malerisch brillantes, historisch bedeutsames Stück von Peter Paul Rubens und seiner Werkstatt in der Auktion: Das Bild stammt aus der Sammlung der Genueser Familie Spinola und ist vermutlich für den kaiserlichen Feldherrn Ambrogio Spinola entstanden. Als Teil der Kollektion Chrysler in New York erregte es 1954 viel Aufsehen, wurde aber 1975 an eine Privatsammlung verkauft. Taxiert ist das Gemälde, das den Jesusknaben mit dem kleinen Johannes den Täufer zeigt, auf 100.000 bis 130.000 Euro. Noch einmal Rubens und seine Werkstatt: „Meleager überreicht Atalanta den Schädel des Kalydonischen Ebers“ ist eine Studie für das gleichnamige Bild in der Alten Pinakothek in München. Die mythologische Darstellung soll 65.000 bis 75.000 Euro kosten.

Fündig werden bei der Dorotheums-Auktion die Freunde qualitätsvoller Stillleben: Als „hervorragendes Beispiel für den reifen Stil“ Jan Breughels d.J. bezeichnet der Katalog ein „Blumenstillleben in einer Keramikschale auf einer Tischplatte“. Vor dunklem Hintergrund heben sich die changierenden Lichtreflexe auf dem Porzellan der Schale und die in Blau, Rot und Weiß leuchtenden Blüten kontrastreich ab. Die Komposition fördert den Eindruck des Dreidimensionalen; Details wie eine realistisch perlmuttartig schimmernde Schnecke und reflektierende Wassertropfen zeugen von der malerischen Meisterschaft Breughels. So ist die Taxe auf 120.000 bis 140.000 Euro festgelegt. Ähnlich eingeschätzt – 100.000 bis 150.000 Euro – ist ein Prunkstillleben des jüngeren Breughel-Zeitgenossen Michel Bouillon. Es zeigt Früchte, Gemüse, fantasievoll-bizarre Muscheln und Meeresschnecken vor einem geöffneten Lackschränkchen, eingebettet in eine theatralisch wirkende Draperie aus schwer fallendem Stoff. Ein blaues Tuch fließt über einen rot bezogenen Stuhl, an den Musikinstrumente gelehnt sind. Nach links öffnet sich der Blick auf eine Architektur unter wolkigem Himmel.

Während Bouillon in Tournai arbeitete, war sein Landsmann Pierre Dupuis in Paris tätig. Ein „Stillleben mit Prunksilber, Zwetschgen und exotischen Früchten“, nach einem neuen Gutachten als eigenhändiges Werk des hochgeschätzten Künstlers einzuordnen, ist für 30.000 bis 35.000 Euro gelistet. Das nicht allzu große Bild besticht durch die raffinierten Lichtreflexe auf den Silbergefäßen und die Leuchtkraft der Farben. Etwas älter – aus dem ersten Drittel des 17ten Jahrhunderts stammend – ist ein „Blumenstrauß mit Tulpen, Rosen und anderen Blüten in einer kostbaren chinesischen Porzellanvase mit Goldmontierung“. Das nach dem damals modischen Radialsystem komponierte Bild wird dem Hanauer Maler Peter Binoit zugeschrieben und ist für 38.000 bis 45.000 Euro zu haben.

Die umfangreiche Auswahl an Stillleben lässt auch im günstigeren Preissegment Entdeckungen zu: Aus dem Dunkel leuchten bei einer um 1700 entstandenen neapolitanischen Natura morta üppige Blüten in Weiß- und Rottönen hervor; das Licht lässt einen Kopf auf der blauen, mit dem schwärzlichen Hintergrund verschwimmenden Blumenvase hervortreten (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Mit feinerem Strich und differenzierteren Farben gestaltet Carel de Vogelaer ein „Blumenstillleben in einer weiten Parklandschaft“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), und auch der Venezianer Francesco Mantovano lässt seine herbstlich warm leuchtenden Blumen aus dem Dunkel herausblühen. Ebenfalls 12.000 bis 15.000 Euro sind für dieses Stillleben fällig.

Ähnlich wie Binoit benutzt der in Caen geborene und in Paris tätige Jean Baptiste Belin de Fontenay d.Ä. in einem „Blumenstillleben in einer reliefierten Vase“ das Radialsystem für ein üppiges, lichtüberflutetes Blumenbouquet, auch wenn es rund 80 Jahre später gemalt wurde (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Lapidar wirkt dagegen das Fischstillleben mit einer Katze des Flamen Pieter van Boucle. Eine offene Auster, ein blutiges Messer und ein krallenpfötiges, den Betrachter böse fixierendes Kätzchen zeigen an, was die Stunde geschlagen hat. 15.000 bis 18.000 Euro sind für diese düstere Todesallegorie fällig. Freundlicher wirkt dagegen auf den ersten Blick ein „Stillleben von Trauben und einer Melone“ des jüngst erst von der Forschung wiederentdeckten Italieners Gilardo da Lodi. Zu Beginn des 18ten Jahrhunderts arbeitete er für die Villen und Palazzi in der Lombardei. Doch die Trauben durchmessen von mehligem Weiß bis schwärzlichem Blau eine zwielichtige Farbpalette; das fleischige Orange der Melone wirkt schon überreif und verdorben: Die Natur neigt sich in all ihrer Fruchtbarkeit der Fäulnis zu (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 13. April um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft noch bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



11.04.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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