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Zum 80sten Geburtstag lassen die Bundeskunsthalle und vier weitere Ausstellungen am Rhein den ZERO-Künstler Heinz Mack hochleben

Von Lichtspiegelungen und Farbbrechungen



Deutlich steigende Löhne, wirtschaftlich stabile Lage, Vollbeschäftigung – was für eine Zeit. Das soll auch so bleiben. „Keine Experimente“ heißt es deshalb auf Plakaten zur Bundestagswahl im Jahr 1957. Als unproduktive, erstarrte Leere empfindet dies der Künstler Heinz Mack. An seinem Düsseldorfer Wohnort übertüncht er das Wort „Keine“. Die Forderung nach Experimenten währt nur kurz, bis die Polizei einschreitet. Im selben Jahr gründet er zusammen mit Otto Piene in der rheinischen Landeshauptstadt die Gruppe ZERO, der sich 1961 auch Günther Uecker anschließt. ZERO steht für Stille und Anfang, getreu dem entscheidenden Augenblick beim Countdown eines Raketenstarts, Sekundenbruchteile vor dem Abheben. Das kosmische Zeitalter setzt auch in der Kunst ein. Kühl, technoid, puristisch, blendend, spiegelnd oder aufblitzend begegnen einem die meisten der rund 130 Exponate der Hommage zu Heinz Mack in der Bonner Bundeskunsthalle.


Das Licht als Ursprung allen Lebens und seine farblichen Brechungen stehen im Mittelpunkt von Macks künstlerischen Experimenten. Installationen, Reliefs und Stelen rotieren, leuchten und glitzern. Der Kunstmarkt hat seit einiger Zeit wieder Gefallen an diesen Dingen gefunden, rechtzeitig, bevor Glühbirnen und technische Strukturen nicht mehr in Funktion präsentiert werden können. Am 8. März 2011 feierte der im hessischen Lollar geborene und seit 1967 in Mönchengladbach beheimatete Heinz Mack die Vollendung des achten Lebensjahrzehnts. Geistig und körperlich topfit, brachte er sich intensiv in die Ausrichtung der noch von Christoph Vitali initiierten Schau ein. Stelen, Reliefs, Objekte und Gemälde von den Anfängen in den frühen 1950er Jahren bis die Gegenwart sind in Bonn versammelt, während sich anderen Disziplinen wie der Kinetik oder Handzeichnungen Präsentationen in Mönchengladbach, Düsseldorf oder Riegel am Kaiserstuhl widmen.

Schon im Foyer vor dem unteren Atriumsumgang der Bundeskunsthalle schwebt ein irritierend flimmernder Drehspiegel. Nachdem der Besucher den schmalen Eingang passiert hat, schreitet er auf eine sich drehende Zikkurat zu. Die silberne, fast vier Meter hohe Spirale aus Edelstahl schraubt sich eingetaucht in gleißendes Licht unter einem der Spitzkegeltürme der Kunsthalle in die Höhe. Dann stellt der themenorientierte Umgang pogrammatische Schwerpunkte aus dem Schaffen Macks vor. Gitterartige oder von Balken durchkreuzte Acrylbilder aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre dominieren den ZERO-Raum und lassen augenfällige Bezüge zu Zeitgenossen wie Herbert Zangs anklingen.

Heinz Mack wollte sich jedoch von Tendenzen des Informel und Tachismus deutlich absetzen und begann Experimente mit Bewegung und Licht. Rasch stellte sich der Erfolg ein, 1959 war er bereits auf der Documenta mit dabei. Umfassend diskutiert wird das für utopische Gedanken in der Kunst der 1960er Jahre stehende „Sahara-Projekt“. Mit Exkursionen in abweisende, wenig einladende Wüstengegenden wollte Mack in neue künstlerische Regionen vorstoßen und den reich vorhandenen Spielraum des Lichtes ausnutzen, das hier am ehesten seine enorme Kraft entfaltet. Duchfurchte Sandreliefs, in Sanddünen installierte, spiegelnde Installationen wie Stelen oder die riesige Lichttafelserie „Die Jahreszeiten der Wüste“ erinnern zugleich an die Anfänge der „Land Art“.

Eine fünfteilige Kette aus Lichträumen schließt sich an. Völlig in Schwarz gefasst, versammelt ein Raum kinetische Apparaturen, darunter einen Chromstangenwald aus Elektrobirnen, elektronische Sonnen und weitere Lichtanlagen, in denen Glühbirnen warme Lichtschwaden abgeben und damit eher antiquiert anmutende Eindrücke einer Diskotheksausstattung der 1960er und 1970er Jahre vergegenwärtigen. Mittig gliedert sich eine raumhoch verspiegelte Koje ein, die nach langer Zeit mal wieder einen Blick in den Atriumshof der Kunsthalle gestattet, wo das „Energiezentrum“ der Ausstellung eingerichtet ist. Roh gepresste Aluminiumziegel aus Schrottbeständen schichtete Heinz Mack hier zu einer „Silberlicht-Mauer“ auf. Sie wird von Scheinwerfern angestrahlt, so dass das Licht in den verspiegelten Innenbereich zurückgeworfen wird, wodurch es die Auflösung traditioneller Raumwahrnehmungen suggeriert. Damit und auch mit den technoiden, anonymen und gefühlslosen Strukturen seiner Kuben, Prismen, Rotoren, Flügelreliefs, Lichtgitter und -ventilatoren, die kosmisch anmutende Energien freisetzten, wollte Mack jedwede gegenständliche Malerei ablösen.

Ein weiterer kleiner Abschnitt thematisiert das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft durch einen Dialog zwischen Strukturen, die Heinz Mack anstelle der klassischen Komposition entwickelt hat, und Bildern aus dem Forschungszentrum Jülich. Dann öffnet sich die Ausstellung der Farbe. Blinkende Stelen, Reliefs, Rotoren treten in direkten Bezug zu teils gleißend bonbonfarbenen Gemälden, deren strukturelle Ausrichtung auf eher seltsam anmutende Weise denen Robert Delaunays und weiteren vor Jahrzehnten tätigen Künstlern nahe kommt. Am Ende des Rundgangs steht ein Wald aus archaisch erscheinenden Holzstelen. Ab 1954 entstanden, dokumentieren sie die Nähe zum Lehrer Ewald Mataré an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Rund 1400 Skulpturen hat Mack bis heute geschaffen, darunter viele im öffentlichen Raum, insbesondere für Geldinstitute, die sich gerne im vermeintlichen Glanz glitzernden Geldes und Erfolges spiegeln. Nicht ohne Stolz verweist der Künstler auf seine mit 43 Metern höchste europäische Skulptur vor dem Mercedes-Benz Museum bei Stuttgart. All dies kann in der Bundeskunsthalle nur ephemer angedeutet werden, steht doch hier das malerische und skulpurate Werk im Fokus.

Dass der Kunstmarkt der ZERO-Bewegung seit einiger Zeit aufgeschlossener begegnet und die Preise für deren Werke steigen, ist unbestritten. Doch dies konzentriert sich auf die frühen Arbeiten der ersten zwanzig Jahre. Heinz Mack hat es verstanden, mit einer immensen Produktion sich immer wieder hervorzutun. Konzeptionell wie intellektuell jedoch haben andere längst die Nachfolge in zeitgemäßer Sprache angetreten. Das künstlerische Schaffen Olafur Eliassons etwa verdeutlicht in unverkennbarer Prägnanz, wie sehr Mack noch alten Zeiten verhaftet ist. Süßliche, dekorative Effekte treten in neueren Werken derart penetrant an die Stelle ästhetischer Gewichtungen, dass man dem Werkschaffen der letzten Jahrzehnte wohl kaum prägende Bedeutung in der weiteren Genese der Kunst zusprechen kann.

Die Ausstellung „Heinz Mack. Licht – Farbe – Raum“ ist bis zum 10. Juli zu besichtigen. Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29,80 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



30.03.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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