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Die Kunsthalle Emden feiert ihr 25. Jubiläum mit einer großen Retrospektive des Malers Franz Radziwill und ehrt damit einen Künstler, dessen vorübergehende Nähe zum NS-Regime bis heute rätselhaft bleibt

Bilder zwischen Idylle und Untergang



Expressionismus, Neue Sachlichkeit und danach eine Art magischer, surreal aufgeladener Realismus voller düsterer Symbolik und apokalyptischer Untertöne. Das Werk des norddeutschen Malers Franz Radziwill zeichnet sich keineswegs durch eine große Geschlossenheit aus. Es gibt Sprünge, Widersprüche und Unstetigkeiten. Eigentlich genauso wie in seinem Leben. Geboren 1895 an der Unterweser als Sohn eines Töpfers, absolviert Franz Radziwill zunächst erfolgreich eine Maurerlehre. Noch vor dem Ersten Weltkrieg beginnt er zu zeichnen, und 1919, zurück aus britischer Kriegsgefangenschaft, entschließt sich der Autodidakt, Künstler zu werden. In Berlin lernt er George Grosz kennen, besucht Künstlerfeste und schnuppert das großstädtische Flair der 1920er Jahre. Offenbar bedeuten ihm aber die Verlockungen der Hauptstadt nicht besonders viel. Der Malerkollege Karl Schmidt-Rottluff macht ihn auf Dangast aufmerksam, ein kleines, abgeschiedenes Fischerdorf am Jadebusen, gleich vis-à-vis von Wilhelmshaven. Für den Weltflüchtling Radziwill offenbar genau der richtige Ort. 1923 kauft er – einige expressionistische Werke konnte er zuvor an einen amerikanischen Sammler veräußern – ein ehemaliges Fischerhaus, das er bis zu seinem Tod 1983 bewohnte.


Gleich fünf Ausstellungen im deutschen Norden widmen sich in diesem Jahr dem rätselhaften Werk dieses schwer einzuordnenden Solitärs der jüngeren deutschen Kunstgeschichte. Die Kunsthalle Emden macht jetzt mit der umfassenden Retrospektive „Franz Radziwill. 111 Meisterwerke aus privaten Sammlungen“ den Auftakt. Ab dem 13. März folgen dann die Kunsthalle Wilhelmshaven und das Franz Radziwill Haus in Dangast mit dem Gemeinschaftsprojekt „Der Maler Franz Radziwill im Nationalsozialismus“. Ausstellungen im Landesmuseum und Stadtmuseum Oldenburg flankieren den Radziwill-Marathon mit Blicken auf das Früh- und Spätwerk. Mit den 111 Werken aus allen Schaffensphasen Radziwills feiert die Kunsthalle Emden nun ihr 25. Jubiläum und präsentiert ihn als einen Maler, dessen Werk sowohl Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten aufweist.

Da ist der junge ungestüme Mann, der sich, angeregt von den Malern der Brücke, mit kräftigen Farben und heftigem Pinselstrich an die Grenzen der Ungegenständlichkeit vorwagt, den entscheidenden Schritt aber nicht geht, weil er, so seine Tochter Konstanze Radziwill, „existenzielle Angst“ davor hatte. Da ist der weltverlorene Maler von Stillleben, der Tonkrüge und Kaffeemühlen, Früchte oder rote Damenschuhe zu stimmigen, aber mitunter auch häuslich-biederen Arrangements verdichtet. Und da ist der Warner und Seher Franz Radziwill, der jeglicher Idylle auch wieder radikal entgegenarbeitet, indem er Ruinenlandschaften, abgestorbene Bäume, blutrot verfärbte Himmel, Totenkreuze und Grabsteine malt. Vor allem aber tauchen immer wieder die neuesten Errungenschaften der Technik in seinen Bildern auf: moderne Schiffe, Industrieanlagen, Raketen oder als eines seiner bevorzugten Motive abstürzende Kampfflugzeuge und Düsenjets über dramatisch aufgeladenen und mit surrealen Details bevölkerten Landschaften. Antikriegsbilder ganz gewiss - nach dem Zweiten Weltkrieg abgedruckt in deutschen, aber auch in englischen Lesebüchern, mit großen Ausstellungen gefeiert in der DDR und in Moskau.

Doch Radziwill bleibt widersprüchlich und ambivalent. Gefördert wird er von jüdischen Kunstexperten und Galeristen wie der Hamburger Mäzenin Rosa Schapire und dem Amsterdamer Galeristen Aaron Vecht. Zu seinen Freunden gehören progressive, teils sogar anarchistische Künstler. Dennoch tritt er 1933 in die NSDAP ein und profitiert zunächst von seiner Mitgliedschaft. Ihm wird ein Lehrstuhl an der Düsseldorfer Akademie angeboten. Zwei Jahre später aber wird er bereits wieder entlassen. Die Machthaber entdecken sein expressionistisches Frühwerk und ächten es 1938 in der Ausstellung „Entartete Kunst“. Radziwill zieht sich nach Dangast zurück, pflegt Kontakte zur Bekennenden Kirche, bleibt aber bis zum Kriegsende in der Partei. Opportunist, unkritischer Mitläufer oder ein Opfer seiner eigenen inneren Zerrissenheit? Hier besteht Klärungsbedarf. Die im März beginnenden Ausstellungen in Dangast und Wilhelmshaven werden hoffentlich ein wenig Licht in dieses dunkle Kapitel seiner Biografie bringen.

Die Ausstellung „Franz Radziwill. 111 Meisterwerke aus privaten Sammlungen“ ist bis zum 19. Juni zu sehen. Die Kunsthalle Emden hat dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie an jedem ersten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 8 Euro; Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre frei. Der Katalog ist im Wienand Verlag erschienen und kostet 25 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle in Emden

Hinter dem Rahmen 13

DE-26721 Emden

Telefon:+49 (04921) 97 50 0

Telefax:+49 (04921) 97 50 55



22.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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