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Am Badestrand / Otto Pippel

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart

Sammlungsbestände



Sigmund Bierfreund, Kugelfußdeckelbecher, Nürnberg Ende 17. Jahrhundert

Sigmund Bierfreund, Kugelfußdeckelbecher, Nürnberg Ende 17. Jahrhundert

Langsam erwachen die großen deutschen Auktionshäuser wieder aus ihrem Winterschlaf. Die Einlieferungen aus der Zeit vor und nach Weihnachten werden sortiert und zusammengestellt, die ersten Kataloge hinausgeschickt. So ist das Stuttgarter Auktionshaus Nagel eines der ersten, das am 23. und 24. Februar seine große Versteigerung von Alter Kunst und Antiquitäten abhält. Beginn und Abschied liegen hier nah beieinander. Das wehmütigste Adieu musste wohl der langjährige Leiter des Auktionshauses selbst, Gert Nagel, sagen, als er Ende vergangenen Jahres sein 2003 eröffnetes Sammlermuseum in Kornwestheim dichtmachte und einen Großteil seiner im Lauf der Jahre und Jahrzehnte erworbenen Ausstellungsstücke zur Versteigerung freigab. Möbel, Zinn, Fayencen, Porzellan besonders aus Ludwigsburg und Frankenthal, aber auch Gemälde Alter und Neuerer Meister aus seiner Sammlung finden sich zuhauf in dieser Auktion und in erwartungsgemäß hoher Qualität. Zwei weitere Sammlungen, darunter aus dem Nachlass des 1957 gestorbenen Geophysikers Wilhelm Filchner, steuern ebenfalls überwiegend Kunsthandwerkliches bei.


Der Querschnitt bietet ein Nagel-Angebot von hohem Wiedererkennungswert. Kunstgewerbe und Bildende Kunst sind bunt gemischt. Am Anfang stehen wie gewohnt Silber und Porzellan, gelegentlich auch aus dem Hochklassesegment. Aus dem Meißen des zweiten Viertels des 18ten Jahrhunderts kommen beispielsweise zwei gelbe Vasen in Kürbisflaschenform mit polychromen Kauffahrteiszenen vermutlich von Johann Georg Heintze für 24.000 Euro sowie zwei lagernde Gemsen, gearbeitet wohl nach Entwürfen Johann Joachim Kändlers oder Johann Friedrich Eberleins, auf zeitgenössischen Bronzesockeln aus der königlichen Hof-Conditorei für 25.000 Euro. Kurz nach der Jahrhundertmitte lieferte die Wiener Manufaktur zwei pyramidenförmige Figurengruppen mit Szenen aus der antiken Mythologie um Minerva und Herkules aus. Motivreich sind verschiedene Attribute der Göttin und Gegenstände aus dem Tatenzyklus des Helden in den felsartigen Aufbau verwoben (Taxe 17.000 EUR).

Seltener trifft man beim Porzellan auf Objekte aus der Berliner Manufaktur Wilhelm Caspar Wegelys. Hier entstand um 1756/57 eine Tabatiere mit feiner Purpurcamaieumalerei wohl von Isaak Jakob Clauce (Taxe 6.500 EUR). Wohl auch die Würzburger Porzellanmanufaktur, die 1775 von Johann Caspar Geyger gegründet wurde, aber nur fünf Jahre bestand, steuert ein Tabaksdöschen bei, das mit Landschaftsbildern in dem damals schon etwas veralteten Rokokostil bemalt ist (Taxe 8.500 EUR). Teuerste Silberarbeiten sind mit 18.000 Euro und 12.000 Euro ein klassizistischer Weinkühler und drei Servierplatten des Londoner Meisters Paul Storr von 1812 und 1806. Ältere Arbeiten gibt es aus Nürnberg mit einem teilvergoldeten Deckelbecher, den der Silberschmied Sigmund Bierfreund Ende des 17ten Jahrhunderts reich mit Früchtegehängen und antikisierenden Herrscherköpfen verzierte (Taxe 6.500 EUR), oder aus Frankfurt mit einem Stangenbecher samt Wappengravur und biblischen Szenen von Johann Peter Beyer I. um 1730/40 (Taxe 4.900 EUR).

Reich ist die Auswahl an Möbeln. Zu den ältesten Stücken gehört ein vielleicht in Augsburg gefertigtes Renaissancekabinett um 1600 mit feinen intarsierten Architekturlandschaft (Taxe 17.500 EUR). Auch bei den jüngeren Arbeiten sind die Namen der Schöpfer meist unbekannt. Sie können nur gelegentlich zugeschrieben werden wie ein Tabernakelaufsatzsekretär um 1730 mit der Darstellung von Vögeln dem Kirchheimer Isaac Roos (Taxe 12.000 EUR) und noch seltener zugeordnet wie ein neunteiliger Salon dem Stuttgarter Hofschreiner Johannes Klinckerfuß zur Zeit des Biedermeier (Taxe 35.000 EUR). Als ziemlich sicher gilt auch die Urheberschaft des Berners Matthäus Funk an einer Mitte des 18ten Jahrhunderts geschaffenen schlichten Kommode ebenfalls aus der Sammlung Nagel (Taxe 20.000 EUR). Auch bei einer Aufsatzvitrine um 1902 mit floralem Dekor dürfte an der Urheberschaft Louis Majorelles kein Zweifel aufkommen (Taxe 3.000 EUR). Wo Möbel stehen, sind die vergoldeten Bronzen nicht weit, die den dekorativen Rahmen festlichen Wohnens und Residierens mitgestalteten. Höhepunkt ist hier ein Paar klassizistisch flammender Wandleuchter um 1770, das Jean-Louis Prieur zugewiesen wird (Taxe 35.000 EUR).

Bei den Gemälden Alter Meister haben die Niederländer eindeutig die Nase vorn. Von ihnen kommen biblische Darstellungen wie zwei portraitartige Verbildlichungen Christi und Mariae von Gortzius Geldorp aus den Jahren 1603 und 1604 (Taxe 19.000 EUR), Benjamin Gerritsz Cuyps sehr bäuerliche „Anbetung der Hirten“ (Taxe 30.000 EUR) oder Reyer Jacobsz van Blommendaels barocke Heilige Familie mit Johannesknaben (Taxe 18.000 EUR), echte Bildnisse wie das eines stattlichen Herrn in Dreiviertelansicht, von Hendrick Bloemaert 1644 datiert (Taxe 11.500 EUR), allegorische Darstellungen wie Nicolaes Maes’ junges Mädchen mit Schaf, Hirsch und Blumenkranz vor einer Landschaft mit Wasserfall (Taxe 28.000 EUR) sowie vor allem Landschaften. Besonders schön sind eine bewaldete Flusslandschaft mit Reisenden an einem Weg, dem Antwerpener Jasper van der Lanen zugeschrieben (Taxe 35.000 EUR), und eine feine und gut erhaltene Seelandschaft mit holländischen Fregatten und Booten aus der Hand des Rotterdamers Jacob Adriaensz Bellevois. Mit 55.000 Euro trägt die Holztafel die höchste Schätzung des Tages. Auf eine Schulung durch Jan van Goyen weist die erdige Farbigkeit einer Landschaft mit Bauernhäusern und Figuren unter einer mächtigen Baumgruppe des ansonsten wenig bekannten Jacob van Mosscher (Taxe 15.000 EUR).

Schon im vergangenen Oktober war Paulus van Hillegaerts Reiterschlacht in einer sommerlichen Hügellandschaft angetreten. Der Preis ist jetzt mit 37.000 Euro nur wenig reduziert. An zweiter Stelle hinter den niederländerischen Malern stehen die Italiener. Auch hier sind die Künstler nicht immer erste Garde, doch stimmt die Qualität etwa mit den Schätzpreisen überein: Giuseppe Diamantinis „Der Engel zeigt Hagar und Ismael den Weg zum rettenden Brunnen“ für 24.000 Euro ist eine etwas schwerfällige Barockkomposition, Giuseppe Bonitos „Concertino“ eine besonders farblich kräftige Genreszene, die stilistisch nur schwer zu erkennen gibt, dass sie nicht dem 17ten, sondern erst dem fortgeschrittenen 18ten Jahrhundert entstammt (Taxe 28.000 EUR). Toplos der älteren Skulpturen ist eine schöne spätgotische weibliche Heilige mit Buch vom Meister der Heggbacher Madonna aus dem bedeutenden Ulmer Kunstkreis um 1475/80 für 25.000 Euro.

Die Neueren Meister beginnen stark mit Edmund Berningers Blick von einer Anhöhe aus auf die Küste von Amalfi in strahlendem Sommersonnenschein. Dennoch wird mit 43.000 Euro sicher nicht zu wenig gefordert. Viele weitere Werke des 19ten und frühen 20ten Jahrhunderts kommen wieder von Gert Nagel: An Johann Baptist Pflugs patriotischer Schlachtenszene aus den Napoleonischen Befreiungskriegen von 1844 (Taxe 30.000 EUR), Friedrich von Kellers fahrendem Sänger in einem schwäbischen Wirtshaus (Taxe 20.000 EUR) und seinen sichtlich schon einer fortgeschrittenen Zeit entstammenden „Steinbrucharbeitern beim Überqueren eines schmalen Stegs“ (Taxe 25.000 EUR) sowie Heinrich von Zügels ländlicher Szene „Vor dem Schafstall“ für geschätzte 45.000 Euro wird sich zeigen, was die deutsche Malerei jener Zeit heute wert ist.

Alexander Koesters Entenbilder, von denen wieder zwei für 20.000 Euro und 25.000 Euro zum Aufruf gelangen, dürften auf einen festen Stamm von Interessenten stoßen. Auch Anton Braith gehört zu den vielen Tiermalern jener Epoche. Sein 1904 datiertes Ölgemälde „Jungvieh am Klausenpass“ stellt sein Können eindrucksvoll unter Beweis (Taxe 12.000 EUR). Günstiger wird es da mit Adolf Schreyers Kuh- und Schafherde, in der ein Hirtenknabe auf einem Esel ein Horn bläst (Taxe 4.000 EUR). Carl Maria Nicolaus Hummel ließ sich in seinem idyllischen Mühlental bei Amalfi von 1878 ebenso vom italienischen Flair begeistern (Taxe 3.000 EUR), wie Franz Xaver Hoch, als er 1893 einen Küstenstrich mit einem Kloster verewigte (Taxe 2.000 EUR). Nach Deutschland richten ihren Blick Hans Richard von Volkmann mit einer einfachen leicht stilisierten Landschaft samt Tümpel von 1897 (Taxe 1.500 EUR) und Friedrich Kallmorgen mit der Haferernte bei Neuweier (Taxe 2.500 EUR), während John Evan Hodgsons Interieur „The french naturalist in Algiers“ von 1879 und Franz Roubauds Tscherkessenreiter an einem Fluss für das exotische Kolorit der Auktion sorgen (Taxen je 15.000 EUR).

Als Kaffeehausdekoration sollen früher fünf jugendstilige Temperamalereien Emile Berchmans’ gedient haben, die sichtlich vom Figuren- und Landschaftsideal der griechischen Antike profitieren (Taxen zwischen 800 und 8.000 EUR). Unter den jüngeren Bildhauern ragt Friedrich Distelbarth hervor, der mit seiner Marmorbüste der Muse Melpomene allerdings nicht eigentlich eigenschöpferisch wirkte, sondern sich eng an eine originale Antikenplastik anlehnte, die man 1774 nahe Tivoli ausgegraben hatte (Taxe 15.000 EUR). Unter den zahlreichen Bronzen ist Jean Carriès’ naturalistischer „Tête de faune“ das mit 4.000 Euro zwar nicht teuerste, künstlerisch aber wohl interessanteste Stück. Von Victor-Constantin Delaigue gibt es eine Verbildlichung von Dante Alighieri, wie der Dichter eben zu den Toten in die Hölle hinabsteigt (Taxe 8.600 EUR).

Die Auktion beginnt am 23. Februar und am 24. Februar jeweils um 14 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 21. Februar täglich von 11 bis 18 Uhr möglich.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



21.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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