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Ausstellungen

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In Wien amüsiert man sich zu Fasching traditionell nicht im Freien, sondern im Ballsaal. Auch in dieser Saison finden wieder mehr als 400 Feste statt – als Schauplätze für alltagsferne Selbstinszenierung. „Just in time“ gibt es derzeit auch eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen, die eine Vorstellung davon geben, auf welch vielfältige Weise Künstlerinnen und Künstler das „Andere Ich“ zum Gegenstand ästhetischer Selbstanalyse machen. Eine kleine Auswahl bietet folgender Überblick.

In Szene gesetzt



Das Kunstforum der Bank Austria präsentiert eine retrospektiv angelegte Schau mit Arbeiten der 2003 jung verstorbenen österreichischen Künstlerin Birgit Jürgenssen. Rund 250 Werke, darunter Zeichnungen, fotografische Inszenierungen, Druckgrafiken und skurrile Schuhobjekte, belegen, wie sehr Ironie, Sprachspiele und vor allem die Lust an der Verwandlung ihr Œuvre begleiten. Birgit Jürgenssen gehörte zu jenen Künstlerinnnen, die Ende der 1960er Jahren damit begannen, die Erscheinungsformen des Persönlichen, des Individuellen auf den jeweiligen Rahmen kultureller Bestimmungen zu überprüfen und die gesellschaftlichen Dogmen und kulturellen Konstruktionen von Weiblichkeit zu hinterfragen. Erstaunlich ist, wie früh sich Jürgenssen Methoden zu Eigen machte, die heutzutage postfeministischer Praxis zugeordnet werden. Die theatralischen Maskeraden und Rollenspiele, die sie zeichnete und mittels selbstauslösender Kamera dokumentierte, bleiben als Themen bestimmend für ihr gesamtes späteres Werk: Jürgenssen schmückt, maskiert und staffiert ihren Körper aus.


Ende der 1960er Jahre entstanden in ihrer winzigen Atelierwohnung die ersten ironischen Selbstinszenierungen, in den Badezimmerspiegel hinein fotografiert. Birgit Jürgenssen lässt den Betrachter teilhaben an alltäglichen Ritualen vor dem Spiegel, nach der Dusche, mit Gesichtsmaske und mit Lockenwicklern. Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1976 posiert sie in weißer Rüschenbluse und presst Gesicht und Hände gegen eine Glasscheibe, auf der für den Betrachter lesbar geschrieben steht „ICH MÖCHTE HIER RAUS“ – ein Aufruf, der in der Schwebe lässt, ob er der Künstlerin oder dem Betrachter gilt. Auf anderen Werken schnürt sich Jürgenssen einen Feuerlöscher unters Gesäß, verdeckt ihr Gesicht mit einem Fell oder lässt die Kücheneinrichtung Teil ihrer Kleidung werden, etwa in der „Hausfrauen-Küchenschürze“ von 1975.

Alle diese Aufnahmen schuf sie nach dem gleichen Schema: stets posiert die Künstlerin in unterschiedlicher Alltagskleidung und Aufmachung und blickt in der Rolle des Schulmädchens, des Tieres, der Hausfrau oder der Batwoman direkt in den Fokus der Kamera. Auf keiner der Aufnahmen posiert Jürgenssen für eine andere Person, stets ist sie es selbst, die den Auslöser der Kamera bedient. Dies sind Dispositionen, die die Intimität ihrer Selbstbespiegelungen und damit auch deren Intensität begründen. Mit ihren entlarvenden Verkleidungen und Travestien nahm Birgit Jürgensen viele Ideen vorweg, die beispielsweise Rosemarie Trockels in den 1990er Jahren aufgriff oder Martha Rosler ebenfalls Mitte der 1970er Jahre in ihrer gleichnamigen Video-Performance gegen die „Semiotik der Küche“ revoltieren ließ. Anlässlich der sehenswerten Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation, in der namhafte KunsthistorikerInnen den Facettenreichtum der ständig um sich selbst Kreisenden untersuchen. (Bank Austria Kunstforum, bis 6. März 2011)

Auch in der großen Überblicksausstellung „Power Up – Female Pop Art“ in der Wiener Kunsthalle bilden weibliche Selbstinszenierungen ein Schwerpunktthema. Wenig bekannte Namen von Künstlerinnen wie Evelyne Axell, Jann Haworth oder Rosalyn Drexler zeigen, dass der weibliche Beitrag zur Pop Art von der Kunstgeschichte viel zu wenig beachtet wurde. In den 1960er Jahren fanden Frauen meist nur über Männer Eingang in die Kunstwelt. Die belgische Künstlerin Evelyne Axell beispielsweise war eng befreundet mit dem einflussreichen Kunstkritiker Pierre Restany. Jann Haworth, 1942 in Hollywood geboren, war verheiratet mit dem britischen Popkünstler Peter Blake. Kiki Kogelnik war die Verlobte von Arnulf Rainer, Christa Dichgans die Ehefrau des Berliner Galeristen Rudolf Springer, und Dorothy Iannone verbrachte eine siebenjährige Partnerschaft mit Dieter Roth.

Einblicke in diese Beziehung bieten Gemälde, Zeichnungen und ihre comicartigen Bildgeschichten, die mit ihrer Neigung zum Horror Vacui und zum preziös Ornamentalen charakteristisch sind für Iannones Werke. Häufig kommentierte die Künstlerin ihre gezeichneten und gemalten Szenen, in denen meist sie selbst immer wieder erscheint, mit kurzen Texten, die von Intimität wie Exhibitionismus gleichermaßen geprägt sind. Sie lassen den Betrachter Anteil nehmen an einer ungewöhnlichen Beziehung, die ebenso geprägt war von Vertrautheit und Misstrauen, wie von Abhängigkeit und Ablehnung. Neben bekannten Namen wie Niki de Saint Phalle, die sich 1961 publikumswirksam inszenierte, um mit Revolver und Gewehr auf das Patriarchat, das politische System, auf Krieg, Gewalt und die eigene Vergangenheit zu schießen, gibt es weitere, nahezu unbekannte Popartistinnen zu entdecken, wie Sister Corita Kent, Marisol oder eben Evelyne Axell, die den nackten weiblichen Körper, Liebe und Sexualität aggressiv zur Schau stellt und Aufmerksamkeit durch provokative Selbstinszenierung bündelt. (Kunsthalle Wien, bis 8. März 2011 verlängert)

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „A View from Outside – Reloaded“ im Sigmund Freud Museum zeigt die 1962 geborene deutsch-ägyptische Künstlerin Susan Hefuna ihre Installation „7 x ANA“, eine Arbeit, die das Spannungsfeld von Vertraut- und Fremdheit, Selbst- und Fremdbildlichkeit auslotet. „Ana“ ist das arabische Wort für „Ich“ und wird mit Verantwortung, Initiative und Unabhängigkeit assoziiert. Als Anagramm kann es vorwärts und rückwärts gelesen werden und bildet eine Art Änigma, analog zur menschlichen Identität. In Wien zeigt Susan Hefuna eine Reihe von Masken mit dem Titel „Screens I-VI“, eine Fotografie und eine Maschrabiyya. So nennt man in der traditionellen arabischen Architektur dekorative Holzgitter, meist aus geschnitzten oder gedrechselten Holzstücken zusammengesetzt, die zu geometrischen Mustern angeordnet werden und als Fenster der Häuser und Paläste dienen. Ähnlich wie die Maske, die das „wahre“ Gesicht schützt und es gleichzeitig verbirgt, erlaubt die Maschrabiyya den Blick nach draußen, ohne den Betrachter selbst erkennbar werden zu lassen.

Susan Hefuna erwarb schon früh den Blick für das Fremde und das Vertraute. Diese Pole charakterisieren ihr Leben und ihre Arbeit als Künstlerin auf subtile Weise. Sie wuchs abwechselnd in zwei Heimaten auf, der deutschen und ägyptischen und fühlt sich beiden Kulturen zugehörig. Bewusst arbeitet sie mit verschiedenen Kontexten, in denen ihre Werke ausgestellt werden und differenten Lesarten. So werden die Masken mit dem Wissen um die deutsch-ägyptische Herkunft der Künstlerin gerne als afrikanisch wahrgenommen und einer exotisierenden Blickweise unterzogen. In Wirklichkeit sind die Holzmasken von den Bräuchen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht inspiriert. Auch die altertümlich wirkende Fotografie spielt mit vermeintlicher Authentizität: hier inszeniert sich die Künstlerin selbst auf der teppichbelegten Couch sitzend. Ihr Blick wirft jenen des Betrachters zurück. Mit „7 x ANA“ setzt Susan Hefuna die Freudsche Erkenntnis, dass das Unheimliche auf das Heimische zurückgeht, pointiert in Szene. Mit der Überzeugung, dass es keine menschliche Existenz ohne Maske(rade) gibt, entlarvt sie das Postulat maskenloser Authentizität als Phantasma. (Sigmund Freud Museum, bis 13. März 2011)

Eine Darbietung, die verschiedenste Aspekte künstlerischer Selbstinszenierungen ganz anderer Art vorführt, ist die aktuelle Produktion „Corteo“ des Cirque du Soleil – ein fulminantes, temporeiches Arrangement, in dem die Inszenierung von Körpern, das Spiel mit dem anderen Ich mit überwältigender Ästhetik dargeboten wird. Corteo, der italienische Begriff für „Festzug“, ist eine fröhliche Prozession, eine festliche Parade, die in der Fantasiewelt des Clowns Mauro stattfindet. Er ist die zentrale Figur der Geschichte, zu deren Ehren eine Begräbnisfeier zelebriert wird, wobei in der Schwebe bleibt, ob es sich nicht auch um einen Traum handeln könnte. Anlässlich dieser Feier brillieren seine einstigen Künstlerkollegen in den verschiedenen Facetten ihres Seins: der spitzbübische kleine Clown ist trotz kleiner Statur ein erstzunehmender Gegner, eine Künstler-Marionette erscheint wie eine lebendige Puppe und der Zirkusdirektor erinnert mit seiner Pfeife an einen Menschen, der früher Soldat war, sich die Zirkuskunst zwar angeeignet hat, seine Vergangenheit aber nicht ganz abstreifen kann.

Zwei Stunden lang wird das Publikum in eine von der Musik bis zu den Kostümen, Requisiten und Akrobatikgeräten perfekt durchkomponierte Traumwelt eingeladen, in der mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit rund 50 Artisten Wandlungsfähigkeit und perfekte Körperkunst vorführen. In einer von Motiven der italienischen commedia dell’arte, Jahrmärkte und theatralischen Prozessionen inspirierten Welt, entwickeln die Akteure das Spiel von Illusion und Realität zu einem poetischer Reigen, der das Große dem Kleinen gegenüberstellt, das Lächerliche dem Tragischen und die Magie der Perfektion dem Charme der Unvollkommenheit. Und sie setzen das Spiel von Illusion und Realität perfekt in Szene. (bis 20. März, Grand Chapiteau, Neu Marx, 1030 Wien)

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



17.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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07.10.2010, Susan Hefuna: 7xANA

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05.11.2010, Power up - Female Pop Art

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16.12.2010, Birgit Jürgenssen. Retrospektive

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Bank Austria Kunstforum

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Kunsthalle Wien

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Sigmund Freud Museum Wien

Künstler:

Birgit Jürgenssen

Künstler:

Susan Hefuna










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