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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt hat sein Haus nach der Sanierung mit einer Retrospektive zu Paul Bonatz eröffnet

Brisante Moderne



Paul Bonatz, Hauptbahnhof in Stuttgart, 1911-1927

Paul Bonatz, Hauptbahnhof in Stuttgart, 1911-1927

Vor genau 100 Jahren gewann der Architekt Paul Bonatz gemeinsam mit Friedrich Eugen Scholer den Wettbewerb um den neuen Hauptbahnhof Stuttgart. Aber nicht nur deshalb widmet sich das Deutsche Architekturmuseum in seiner Eröffnungsschau nach erfolgtem Umbau dem Baumeister im Rahmen einer großen Retrospektive. Wohl selten war in Frankfurt eine Schau von so aktueller Brisanz. Nahezu täglich ist die schwere, monumentale Großform des aus differenten Kuben zusammengesetzten Verkehrsbaus aus den Jahren 1914 bis 1928 in den Nachrichten präsent. Seit 1987 besitzt dieses wohl zu den spektakulärsten Bauwerken der Weimarer Republik zählende Zeugnis der Frühmoderne den Rang eines Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung. Nichts desto trotz ist bislang die Teilzerstörung des „Nabels Schwabens“ im Rahmen neuer unterirdischer Gleisführungen in Gange.


Paul Bonatz, einer der herausragenden wie viel beschäftigten deutschen Architekten seiner Zeit, Lehrer der konservativen „Stuttgarter Schule“, war ein Meister der Übergänge, der sich bei vielen Bauaufgaben aufgrund überzeugender, moderat moderner, vor allem landschaftsbezogener Planungen behauptete. Auch der Stuttgarter Hauptbahnhof mit seinen soliden, klaren Werksteinfronten, den großen Portalbögen und Kolonnaden oszilliert stilistisch zwischen historistischen und modern-internationalen Ausprägungen.

Der 1877 in Solgne bei Metz geborene Elsässer avancierte rasch nach dem Architekturstudium in München und Berlin-Charlottenburg im Alter von erst 30 Jahren zum Professor an der Technischen Universität Stuttgart. Dieser Aufgabe sollte er bis zur Emeritierung 1942 nachgehen. Internationales Aufsehen erregte schon der 1907 angefertigte Entwurf für das noch heute eindrucksvolle „Henkell-Schloss“ in Wiesbaden, mit dem Bonatz den perfekten Typ eines deutschen Champagnerhauses als Markensignet inszenierte. Die Tübinger Universitätsbibliothek (1910-1912) wird von Kennern als bestes Frühwerk klassifiziert. Ihr folgen bedeutende Projekte wie die Hannoveraner Stadthalle (1912-1914), eine bis zu 3500 Besucher fassende, dem Pantheon ähnliche Kreuzung klassischer Raumtypen unter einer mächtigen Kuppel, oder das zwischen 1908 bis 1916 errichtete Parlamentsgebäude in Oldenburg.

In den 1920er Jahren entstehen der gewaltige expressionistische Bürokomplex des Stumm-Konzerns in Düsseldorf oder repräsentative Villen im prominenten Kölner Stadtteil Marienburg und auf den Kämmen oberhalb des Stuttgarter Talkessels. Die stattlichen Anwesen zeugen gestalterisch von einer bürgerlichen Haltung. Hervorzuheben bleibt jene für den Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche von 1923/24 in der Nähe des eigenen, Bonatzschen Besitztums. Gleichzeitig versucht sich Paul Bonatz in einer interdisziplinären Verschränkung von Kunst und Ingenieurbau, als er mit zahlreichen Staustufen im Neckar für Furore sorgt.

Diese Gabe prädestiniert ihn für nachfolgende Aufgaben. 1934 wird er zur Mitarbeit bei den Reichsautobahnen aufgefordert, obwohl er kein Mitglied der NSDAP war. Mit der grandiosen Lahntalbrücke bei Limburg kreiert er den Leitbau aller neuen Autobahnbrücken. Dem zwischen 1937 bis 1939 realisierten, wohlgeformten Bogenviadukt, ein fast schon graziler Steinbau von konstruktiver Klarheit, folgen rund 150 weitere Brückenentwürfe von hohem gestalterischem Niveau. Alle diese Großbrücken sind als Fortschrittssymbole nationalsozialistischer Politik wahrlich nicht frei von ideologischen Einflüssen. Zeitgleich entsteht nach seinen Plänen zwischen 1931 und 1936 in der neutralen Schweiz das Kunstmuseum Basel. Doch trotz Distanz zum und erheblicher Zweifel am politischen System widersteht auch Bonatz nicht der Verlockung großer Aufgaben, wie seine unrealisierten Entwürfe für den projektierten neuen Hauptbahnhof in München zeigen. 250 Meter Durchmesser sollte der Kuppelbau zählen, eine Symphonie aus Glas und Eisen.

Mit dem Ende der Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Stuttgart 1942 und den ersten Bombenangriffen auf die schwäbische Metropole startet er eine zweite Karriere in der Türkei. 1946 bis 1954 wirkt Bonatz als Professor in Istanbul. Daneben plant und baut er in der Türkei. Zum profiliertesten realisierten Vorhaben zählt hier das Opernhaus in Ankara in den Jahren 1947/48, bei dem Bonatz den Versuch unternimmt, historische Bauformen in die Gegenwart zu übersetzen.

Schon bald nach Kriegende ereilen ihn Planungsaufträge für den Wiederaufbau und Preisrichtertätigkeiten in Westdeutschland. Rekonstruktion und Wiederaufbau des Stuttgarter Kunstgebäudes am Schlossplatz oder des Düsseldorfer Opernhauses beschäftigen ihn bis zum Lebensende. Nach dem Ende der Lehrtätigkeit an der TH Istanbul kehrt er endgültig in sein wieder aufgebautes Stuttgarter Haus zurück und verstirbt hier am 20. Dezember 1956.

Paul Bonatz war ein liberaler Kosmopolit, ein unabhängiger Kopf, dessen planerische Neigung zur Monumentalität nicht den Vorstellungen maßgeblicher Architekturrezensenten nach 1945 entsprach. Nach vielen Abhandlungen zu singulären Aspekten und Werksphasen sind Leben und Werk nun endlich einmal in einer umfassenden Retrospektive des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt präsent. Erhellend ist auch das ausgesprochen fundierte Begleitbuch aus dem Wasmuth Verlag mit einem sorgsam recherchierten Werkverzeichnis. Instruktive Beiträge legen die Praxis eines weniger in stilistische Schubladen passenden Baumeisters dar und räumen überzeugend mit unzutreffenden Anfeindungen auf, denen sich Bonatz mehrfach in seinem Berufsleben ausgesetzt fand. Besonders am Beispiel der Weißenhofsiedlung zeigt sich, wie schnell schon damals Persönlichkeiten ohne realen Hintergrund bewusst in Misskredit gebracht wurden. Hierzu gibt es erhellende Analysen, die den vorzüglichen, lesenswerten Band zum unverzichtbaren Bestandteil der Ausstellung machen.

Die Ausstellung „Paul Bonatz 1877-1956. Leben und Bauen zwischen Neckar und Bosporus“ ist bis zum 20. März zu besichtigen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr und sonntags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Der Katalog kostet im Museum 35 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro.

Kontakt:

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 21 23 88 44

Telefax:+49 (069) 21 23 63 86



14.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Edle Hallen auf Henkellsfeld

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Paul Bonatz in seinem Sommerhaus in Kornau, Allgäu, um 1937
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Paul Bonatz, Skizze der Sultan Hassan-Moschee, Kairo, 13. März
 1913
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Paul Bonatz, Zeppelin-Bau in Stuttgart, 1929-1931
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Paul Bonatz, Staustufe bei Neckarsteinach, 2010
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Paul Bonatz, Wohnhaus Bonatz in Stuttgart, 1922
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Paul Bonatz, Skizze der Sultan Hassan-Moschee, Kairo, 12. März 1913
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Paul Bonatz,
 Skizze zum Wettbewerb Palast für Kaiser Haile Selassie, Addis Abeba, Äthiopien, 1948
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Paul Bonatz in seinem Sommerhaus in Kornau, Allgäu, um 1937

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Paul Bonatz, Skizze der Sultan Hassan-Moschee, Kairo, 13. März 1913

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Paul Bonatz, Zeppelin-Bau in Stuttgart, 1929-1931

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Paul Bonatz, Staustufe bei Neckarsteinach, 2010

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Paul Bonatz, Wohnhaus Bonatz in Stuttgart, 1922

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Paul Bonatz, Skizze der Sultan Hassan-Moschee, Kairo, 12. März 1913

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Paul Bonatz, Skizze zum Wettbewerb Palast für Kaiser Haile Selassie, Addis Abeba, Äthiopien, 1948

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Paul Bonatz, Staatsoper in Ankara, 1947-1948

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Paul Bonatz, Neckar-Staustufe in Ladenburg bei Mannheim, 1927-1933

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Paul Bonatz, Verwaltungsgebäude Stumm-Konzern in Düsseldorf, 1922-1924

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Paul Bonatz, Reichsautobahnbrücke über die Lahn bei Limburg, 1938-1940

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Paul Bonatz, Marmorsaal der Sektkellerei Henkell in Wiesbaden-Biebrich, 1907-1909

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Paul Bonatz, Sektkellerei Henkell in Wiesbaden-Biebrich, 1907-1909

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