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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Die Ausstellung „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ untersucht die Unschärfe als postmodernes Stilprinzip und konfrontiert in der Hamburger Kunsthalle unscharfe Bilder von Gerhard Richter mit Werken von 24 jüngeren Malern und Fotografen

Nachmoderne Blicke



Gerhard Richter gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart. Andere an ihm zu messen, fällt nicht leicht. Die Hamburger Kunsthalle wagt jetzt dennoch den Versuch, einen Vergleich zwischen der jüngeren Künstlergeneration und dem Werk Gerhard Richters anzustellen. Dabei geht es um die Unschärfe, ein Stilmittel, das Gerhard Richter immer wieder durch Verwischungen und andere verunklärende Maltechniken erzeugt hat. Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner und Kurator Daniel Koep stellen 20 Richter-Gemälden und -Fotografien, überwiegend aus der eigenen Sammlung, die Werke von 24 jüngeren Künstlern gegenüber. Die Ausstellung trägt den Titel „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ und spielt damit auf mehreren Ebenen auf das „Nachahmerprinzip im systematischen Sinne“, so Gaßner, an.


Doch so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. „Wir wollen keine Nachahmer zeigen“, stellt Gaßner klar. „Es geht vielmehr um die Schärfung der Wahrnehmung des Betrachters, dass er bei aller Ähnlichkeit die großen Unterschiede sieht.“ Eine Ungenauigkeit in der Darstellung kann ganz unterschiedlich motiviert sein. In den letzten zwanzig Jahren entdeckte insbesondere die Werbung den Reiz des diffus-ambivalenten Bildes. Der Boom digitaler Bildbearbeitungsprogramme ließ das bewusst unscharf gehaltene Foto zum Massenprodukt werden. Hinzu kommt ein mittlerweile allgemein akzeptiertes Cross-Over der verschiedenen Medien im Alltag – und in der Kunst. Viele Positionen sind uneindeutig. Sie zwingen den Betrachter, Erinnerungsarbeit zu leisten und fehlende Bildinformationen aus dem eigenen Gedächtnis zu ergänzen. Und: Wir leben in einer Zeit der Beschleunigung, auf die Künstler oftmals mit radikaler Entschleunigung reagieren. Unscharfe Bilder kennen wir aber auch aus dem Alltag: Dämmerung, Nebelschwaden, Milchglasscheiben, Müdigkeit, Nebenwirkungen von Medikamenten oder auch Rauschzustände sorgen für Verunsicherung und zwingen das Auge zu besonderen Anstrengungen, um sich der Realität zu versichern.

Auf den Bildern Gerhard Richters taucht das Phänomen der Unschärfe sowohl in den Darstellungen nach Fotovorlagen als auch auf den abstrakten Gemälden auf. Richter: „Das, was wir hier als Unschärfe ansehen, ist Ungenauigkeit, und das heißt Anderssein im Vergleich zum dargestellten Gegenstand.“ Für ihn ist das malerische Verunklären ein Mittel, um Dinge überhaupt erst anschaulich zu machen. Doppeldeutigkeiten, Ambivalenzen und Unentschiedenheiten prägen dann auch das Werk der hier gezeigten jüngeren Künstler. Richters Meisterschülerin Karin Kneffel hat das Foto einer plüschigen Vorkriegswohnzimmereinrichtung 2009 diffus auf Leinwand übertragen und mit einem großen roten X durchgestrichen. Damit spielt sie auf modernistische Wohnideale an, die altmodische Einrichtung durch klare Formen ersetzen wollten. Das X wirkt, ähnlich wie auf Richters Gemälde „Ohne Titel (Strich)“ von 1968, das einen gestischen Pinselstrich darstellt, aus der Ferne wie pastos aufgetragen. Aus der Nähe jedoch entpuppt es sich als absolut flache Imitation gestischer Malerei. Ähnlich wie Richter 40 Jahre zuvor negiert auch Kneffel als überkommen empfundene ästhetische Vorlieben, indem sie sie auf ironische Weise imitiert.

Auf den fast romantisch anmutenden Gemälden des Briten Paul Winstanley vermeint man, eine Seenlandschaft hinter einem dichten Wald zu erkennen. Doch die geheimnisvolle Idylle bleibt irgendwie unzugänglich. Der Betrachter steht wie so oft in dieser Schau der rätselhaften Unbestimmtheiten vor der erkenntnistheoretischen Frage: „Was sehen wir überhaupt?“ Fast quälende Irritationen für das Auge dann auf dem atelierfrischen Diptychon „SECHSTERFEBRUAR-ZWEITAUSENDUNDZEHN“ des Schweizers Ugo Rondinone. Zwei überdimensionale Schießscheibenbilder sind so unscharf gemalt, dass der Betrachter sogartig in sie hineingezogen wird. Er wird durch ihre geradezu physikalische Kraft seiner Sicherheit beraubt und tritt schwankend zurück. Ganz so effektvoll funktionieren die meisten anderen der 110 ausgewählten Arbeiten nicht. „Worauf es uns in der Ausstellung ankam, war es, innerhalb des Spektrums der Unschärfe individuelle Positionen darzustellen“, so Gaßner.

Wir leben in Zeiten der penetranten Omnipräsenz hastig mit dem Smartphone geschossener und nahezu zeitgleich über soziale Netzwerke verbreiteter privater und privatester Allerweltsbilder. Dank modernster Kameratechnik gelingen selbst dem fotografischen Laien peinlich scharfe Schnappschüsse. Die Hamburger Ausstellung bietet da die willkommene Gelegenheit, einmal bewusst innezuhalten und mit dem Philosophen Ludwig Wittgenstein zu fragen: „Ist das unscharfe Bild nicht gerade das, was wir brauchen?“

Die Ausstellung „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ läuft vom 11. Februar bis zum 22. Mai. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet im Museum 29 Euro, im Buchhandel 35 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



11.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


11.02.2011, Unscharf. Nach Gerhard Richter

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


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Ugo Rondinone, SECHSTERFEBRUAR-ZWEITAUSENDUNDZEHN
Ugo Rondinone, SECHSTERFEBRUAR-ZWEITAUSENDUNDZEHN







Ugo Rondinone, SECHSTERFEBRUAR-ZWEITAUSENDUNDZEHN

Ugo Rondinone, SECHSTERFEBRUAR-ZWEITAUSENDUNDZEHN




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