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In Mannheim bietet eine üppige Geschichtsschau einen Überblick über die Zeit der prägenden mittelalterlichen Herrscherdynastie

Die Staufer sind wieder da



Thronender König, Norditalien, um 1230/35

Thronender König, Norditalien, um 1230/35

Historie wiederholt sich nicht. Dies gilt auch für die Geschichte von Ausstellungen. Wie sich der Zeitgeist hier wandelt, demonstriert gerade in Mannheim eine Vorstellung über die Staufer. Da bietet sich der Blick ins Jahr 1977 an. Vor 33 Jahren leistete sich Baden-Württemberg anlässlich seines 25jährigen Bestehens eine fulminante Schau über die wohl bedeutendste, aus seinen Landen stammende Herrscherdynastie des hohen Mittelalters. Gleich an zwei Orten, im alten Stuttgarter Schloss und im Gebäude des Kunstvereins, sorgte sie von März bis Juni 1977 unter dem Titel „Die Zeit der Staufer“ für Furore. 1084 Exponate zogen statt der erhofften 300.000 Besucher stolze 671.000 Interessierte an. Achtbare sieben Kilo wog der fünfbändige Katalog. Das waren noch Zeiten.


Nun schien erneut ein Blick auf die zwischen 1138 und 1268 bestandene Herrschaft der Staufer angebracht. Doch jetzt geschieht dies unter Einbeziehung der weiten Region um Mannheim herum. Zentraler Anlaufpunkt sind hier die Reiss-Engelhorn-Museen. Darüber hinaus sind zudem historische Orte in der Umgebung eingebunden. Die von den Staufern betriebenen Erneuerungen kirchlicher Strukturen, das Blühen der Wissenschaftskulturen, wirtschaftliche Prosperität, gesellschaftliche Innovationen oder bislang ungeahnte künstlerische Prachtentfaltung an ihren Höfen und all das, was davon bis heute in der gesamten Region nachwirkt, stehen nun im Fokus.

„Die Staufer und Italien“, so der diesmalige Titel, handelt weniger von Herrscherfamilien, Schlachten oder Intrigen. Die Königslandschaften mit ihren für die staufische Geschichte wichtigen Stätten in der heutigen Metropolregion Rhein-Main-Neckar stehen im Vordergrund, besonders Orte, wo führende Repräsentanten des Geschlechts gerne verweilten. Neben Baden-Württemberg sind auch Hessen und Rheinland-Pfalz in der länderübergreifenden Kooperation mit von der Partie. Über 40 Pfalzen, die repräsentativen Reisestationen der umherziehenden Herrscher, Festungen und Burgen erweitern so den Horizont der Schau. Der Zusatz „und Italien“ markiert das zweite Schwergewicht: Den kulturellen Austausch zwischen Nord und Süd, Italien und Deutschland sowie den hier vorherrschenden fürstlichen Machtverhältnissen und Einflusssphären.

Der Besucher kann sich auf ein Wiedersehen mit exzellenten Stücken freuen, die schon 1977 ausgestellt waren. Aber auch neue, erstmals in Deutschland ausgestellte Artefakte unter den diesmal nur rund 530 Exponaten lohnen den Besuch. Sie werden in sechs thematischen Abschnitten dargeboten. Überraschender Weise steht der Nachhall der Staufer in der Form mythischer Rezeption am Anfang. Nichts versinnbildlicht deren bis heute teils populistisch in Anspruch genommene Verherrlichung mehr als die Figur des tief schlafenden „Rotbarts“ Friedrich I. Barbarossa unterhalb des von Bruno Schmitz geschaffenen Kyffhäuser-Denkmals. Im Folgenden werden die neun Stauferkaiser und -könige vorgestellt: Konrad III., Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Friedrich II., Heinrich (VII.), Konrad IV., Manfred von Sizilien und Konradin.

Zu den berühmtesten Handschriften der Stauferzeit gehört die zwischen 1185 und 1191 gefertigte Weingartener Welfenchronik. Die Geschichte des Klosters Weingarten wird hier einprägsam wie reich illustriert. Mit dabei ist ein Porträt Friedrichs I., flankiert von seinen beiden Söhnen. Die gestochen scharf konturierte Miniatur in hellen blauen, roten und grünen Tönen gilt als eine der frühesten weltlichen Herrschaftsbilder der Buchmalerei ohne sakralen Charakter. Dies markiert eine Wende hin zu einem neuen Typus des Herrscherbildnisses. Mit dem bedeutenden, streng nach dem Aussehen des Kaisers geschaffenen „Cappenberger Barbarossakopf“, einer kostbaren Goldschmiedearbeit aus den Jahren um 1160, schließt sich direkt ein weiteres Highlight an, das ebenfalls schon 1977 präsentiert wurde. Die vergoldete vollplastische Bronze sitzt auf einem reich verzierten Untersatz und stammt aus dem Besitz von Barbarossas Taufpaten Graf Otto von Cappenberg. Auch auf der Goldenen Bulle von 1155, einem Urkundensiegel, ist der Kaiser in einem Brustbild verewigt.

Das dritte Kapitel ist dem Vorbild Italien gewidmet. Rom und deren Herrschaftszeichen, Bau- und Kunstwerke gewannen bei Herrschern seit Karl dem Großen stetig an Bedeutung. Kostbare Gemmenkollektionen, nach antiken Vorbildern gefertigte Gegenstände aus Gold, Elfenbein, Edelsteinen, Münzen bis hin zu Porträtbüsten führen die Pracht der Hofhaltung ebenso vor Augen wie Reliquiare, seltene Glaskristallkrüge, Schalen, Seiden und Brokate sowie zahlreiche, mit geschnitzten Elfenbeintäfelchen bewandete Kästchen.

Regionale Schwerpunkte stehen im vierten Abschnitt im Fokus. Steinbildhauerisch bearbeitete Architekturteile wie reliefierte Bogenfelder, Bündelsäulen, Stürze mit Flechtelementen, geometrisch verzierte Würfelkapitelle der Pfalzen zu Wimpfen und Gelnhausen, von Burgen oder Domen geben einen überaus lebendigen Eindruck vom architektonischen Zierrat, der die Pracht repräsentativer Bauten erahnen lässt. Von Nord nach Süd führt der Weg durch staufische Regionen, vorbei am Titelmotiv der Schau, dem „Thronenden König“. Die zwischen 1230 und 1235 aus einem einzigen Steinblock gehauene Skulptur von nur etwas über einem Meter Höhe stammt aus Norditalien und gelangte über den Kunsthandel in den Bestand des New Yorker Metropolitan Museum. Erstmals wurde sie für die Mannheimer Schau ausgeliehen. Die keinen konkreten Herrscher darstellende Figur zierte vermutlich ein bedeutendes öffentliches Gebäude.

Der Weg in den südlichen Herrschaftsbereich führt durch das Brückentor von Capua. Am Fluss Volturno, der die Grenze zwischen dem Kirchenstaat und seinem Königreich Sizilien markiert, ließ Friedrich II. zwischen 1234 und 1239 quasi als repräsentatives Eingangstor in sein Gebiet ein prachtvoll ausgestattetes Tor errichten. Zwölf erhaltene, um den thronenden Herrscher gruppierte Skulpturen und weiterer nach antiken Vorbildern gestalteter Schmuck des technisch raffiniert ausgestatteten Bauwerkes sind nun erstmals komplett in Deutschland zu sehen. Was für eine ideale Chance böte sich hier, sie zusammen mit alten Ansichten in eine rekonstruierende Installation einzufügen. Stattdessen trifft der Besucher auf ein selbst zu lösendes Puzzle aufgeständerter Fragmente an einer engen Stelle des Ausstellungsrundgangs. Hier wird ein Manko deutlich, dass sicherlich teilweise der begrenzten Raumsituation geschuldet ist: Statt ideenvoll inszeniert und ausgestellt, scheint vieles simpel abgestellt. Das wird vielen hochkarätigen Stücken nicht gerecht.

„Gelebte Vielfalt“ ist das fünfte Kapitel überschrieben. Dahinter verbergen sich heterogene Lebensverhältnisse im weiten Stauferreich nördlich und südlich der Alpen. Die Alltagskultur, Wohnen und Speisen, Religionsausübung oder Dichtung sollen Gegenstände wie Gefäße, Handschriften, Pergamente, sakrale Gegenstände, Utensilien aus den Bereichen der Falknerei oder des Hausbaus veranschaulichen. Wandlungen und Weiterentwicklungen auf unterschiedlichen Gebieten bilden das Finale. Glanzstück unter den vielen kleinteiligen Exponaten ist der Mantel, den Friedrich II. anlässlich seiner Krönung getragen hat und vermutlich extra zu diesem Anlass um 1215 in den staufischen Hofwerkstätten fertigen ließ. Auf dem Seidenmantel sind in Goldstickerei Adler dargestellt, zu Füßen der Herrschaftssymbole liegen als Zeichen der Unterwerfung Schlangen. Das Stück ist sichtbarer Ausdruck einer neuen Art, Herrschaftsansprüche und Macht öffentlich zur Schau zu stellen. In Mannheim wurde die im Besitz der Kathedrale von Metz befindliche Textile eingehend restauriert und kann nun präsentiert werden.

Thematisiert wird weiter der Anstieg der Bevölkerung. Er führt zu neuen Formen städtischen Zusammenlebens und der Einführung von Bürgern getragener Stadtregierungen. Enorme Ausweitung erfährt außerdem der europaweite Handel, der mit dem engen Austausch künstlerischer Ideen einhergeht. Prächtig ausgestattete Wissenschaftscodices stehen für eine neue Wissenschaftskultur, die – fußend auf gelehrte höfische Kreise – in erste Universitätsgründungen in Bologna von 1155 und Neapel von 1224 mündet, während in deutschen Landen im 13ten Jahrhundert noch keine Universität existierte. Sie wurde erst 1348 in Prag gegründet.

Die Ausstellung „Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ ist noch bis zum 20. Februar zu besichtigen. Das Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen hat täglich von 11 bis 18 Uhr, ab dem 11. Februar täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro bzw. 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher zweibändiger Katalog im Schuber erschienen, der an der Museumskasse 39,90 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Zeughaus - Forum Internationale Photographie

C5

DE-68159 Mannheim

Telefon:+49 (0621) 293 31 50

Telefax:+49 (0621) 293 9539

E-Mail: reiss-engelhorn-museen@mannheim.de

www.staufer2010.de



09.02.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Bergkristallkrug mit Henkel
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Kapitell mit vier Köpfen
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Skulpturen vom Capuaner Brückentor
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Weingartener Welfenchronik, Weingarten zwischen 1185-1191

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Pyxis, Sizilien, 12. Jahrhundert

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Krümme eines Bischofsstabes, Limoges, zweites Viertel 13. Jahrhundert

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Jupiter oder Silvanus, Capua, 1234-1239

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Deckelkrug, Unteritalien oder Sizilien, spätes 12. oder frühes 13. Jahrhundert

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Gedrehte Bündelsäule aus der Pfalz Wimpfen, um 1170/80

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Cappenberger Barbarossakopf, Westdeutschland, um 1160

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Weingartener Welfenchronik, Kaiser Friedrich Barbarossa zwischen seinen Söhnen, Weingarten zwischen 1185-1191

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