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Das Essl Museum in Klosterneuburg bei Wien zeigt die hintersinnigen und komischen Objekte Erwin Wurms

Verzerrung der Realität



Gebrauch erlaubt! Erwin Wurm bittet um ihre Aufmerksamkeit und um Benutzung seiner Objekte. Seit 30 Jahren betreibt der 1954 im steirischen Bruck an der Mur geborene Künstler einen vielschichtigen Diskurs über die Frage, was Skulptur ist und wie sie sich konstituiert, bemüht sich um die Einbeziehung seines Publikums, gibt spielerische Anweisungen, inszeniert überraschende Abwandlungen alltäglicher Situationen und absurde Verformungen von Körpern und Gegenständen. Aktuell tut er das in Klosterneuburg bei Wien, wo er für das Essl Museum unter dem Titel „Private Wurm“ neue Objekte und eine begehbare Rauminstallation zeigt.


Das private Museum des Unternehmers und Sammlers Karlheinz Essl präsentiert Werke, die mit einem persönlichen Bezug kokettieren und diesen teils zynisch hinterfragen. In „Me on LSD“ von 2010 gibt Erwin Wurm der Vorstellung eines rauschhaften Zustandes eine Form und lässt Körperliches in einer neongelben-weißen Polyesterwolke sich verflüchtigen. Aus ihrem Inneren streckt sich ein Arm, um mit offener Handfläche die Verbindung zum Boden zu garantieren und die Funktion eines Sockels zu übernehmen. Eine vergleichbare Intention verfolgt Wurm bei seinem kastenförmigen, auf zwei Beinen stehenden Mantelobjekt „Big Coat“ und einer ebenfalls im vergangenen Jahr entstandenen, an der Wand montierten, überdimensionalen „Polizeikappe“, die die Zuschauer im sprichwörtlichen Sinn anzieht. Sobald eine Person unter die Kopfbedeckung schlüpft, mutiert sie zum gesichtslosen „Kappenfüssler“ und wird selbst Teil der Skulptur. Um solcherart zu posieren und sich fotografieren zu lassen, nehmen viele Besucher auch längere Wartezeiten in Kauf.

Weiterhin zeigt Erwin Wurm einige seiner neuen Möbelobjekte, weiß lackierte Kästchen und dunkle Mahagonischränke aus den 1940er Jahren, die entgegen ihrer herkömmlichen Bestimmung liegend präsentiert werden. Mittels Einschnitten und sorgfältig ausgeführter Holzarbeiten hat er im Inneren der Kästen Sitzgelegenheiten geschaffen, um den „Großmutterschränken“ eine neue Funktion zu übertragen: als Skulptur und benutzbares Objekt zugleich. Konsequent folgt Wurm der Einsicht Richard Artschwagers „If you sit on it, it’s a chair; if you walk around it and look at it, it’s a sculpture“ und schert sich mitnichten um die einstigen Unverträglichkeiten zwischen Kunst und Design. Es ist ein Spezifikum von Erwin Wurm, mit welcher Nonchalance er zu pendeln vermag zwischen reiner, funktionsfreier Ausstellungskunst und Werken, die im freien Auftrag entstehen, ohne dass diese Übergänge die Wirkung seiner Arbeiten in die eine oder andere Richtung beeinträchtigen würden. Vielmehr vermag seine Kunst dem Alltag reflexive Augenblicke zu schenken, indem sie sich in sie hineinschmuggelt. Da die Objekte in jedem Kontext funktionieren, würde es auch nicht verwundern, wenn sie auf den kommenden Möbelmessen Furore machten.

Klassische bedeutungsvolle Bildhauerei wird hier ganz manifest ad adsurbum geführt. Wenn Erwin Wurm einen Schrank sozusagen aufs Kreuz und in die Horizontale legt, gelingt es ihm, den einfachsten, selbstverständlichsten Gepflogenheiten und Handlungen im Alltag den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Der feinsinnige Witz, eine weitere Besonderheit seines Œuvres, ergibt sich aus der Begegnung zweier unterschiedlicher Dinge aus völlig unterschiedlichen Bereichen des Lebens, dem Besucher in seiner Alltagskleidung einerseits und dem rechteckigen kubisch regelmäßigen, gleichsam neu interpretierten Möbelstück. Der Besucher kann seine Position bestimmen: als beobachtender Zuschauer verweilen oder sich im antiquierten Möbelstück behaglich einrichten, um selbst zum temporären Detail der Skulptur zu werden. Das Zusammentreffen dieser unvereinbaren Dinge in einer scheinbar abwegigen Verbindung ergibt eine geradezu klassische komische Situation.

Eine Ausstellung mit Werken von Erwin Wurm ist immer auch ein inszenierter Rahmen für Gefühle, Gedanken und Zustände, wobei sich die in figürliche Versatzstücke verwandelten Menschen auf der gleichen Ebene bewegen wie die ebenfalls in Skulpturen transformierten Alltagsobjekte. Als zynisches Sinnbild für dieses komplexe Denkgebäude hat Erwin Wurm sein Elternhaus aus der Erinnerung nachbauen lassen. Das schmale, begehbare „Narrow House“, ein traditionelles Vorstadthaus mit Satteldach, wurde in der Tiefe auf 15 Prozent gedrückt, was insbesondere bei der Herstellung der Requisiten eine Herausforderung an die bildhauerischen Fähigkeiten der Ausführenden war. Sowohl die Küche, die bis ins Detail nachgebaut wurde, als auch alle anderen Einrichtungsgegenstände wie Sessel, Tisch, Bett, Sofa, Toilette und Telefon passen sich der alles dominierenden Quetschung an. Wurm nutzt die bewährte Technik der Anamorphose, die optische Technik einer kontrollierten Verzerrung. Die Ausstellungsbesucher können sich in die einzelnen Räume zwängen und die beengende „Spießigkeit“ der Einrichtung erleben. Das Erlebnis ist doppelt kodiert. Erst durch Perspektivwechsel und Motivierung einer Eigenbewegung des Rezipienten wird das „Narrow House“ zur „lesbaren“ Abbildung, zur Visualisierung eines Zustandes, der der Befangenheit zwischen erlebter und erinnerter Realität eine Form gibt. Gebunden an die physische Wirklichkeit und gleichzeitig offen für eine imaginäre Realität, die den Gefühlen und Erinnerungen entspringt, entsteht eine neue Dimension von Wirklichkeit, in der es der Verzerrung gelingt, der Logik der Identität zu widerstehen.

Die Ausstellung „Private Wurm“ ist bis zum 30. Januar zu sehen. Das Essl Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist bis zum 27. Februar 2011 kostenlos.

Kontakt:

Essl Museum

An der Donau - Au 1

AT-3400 Klosterneuburg

Telefax:+43 (2243) 370 50 22

Telefon:+43 (0800) 232 800



12.01.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Künstler:

Erwin Wurm










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