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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mit einer hohen Zuschlagsquote in der Herbstauktion konnte Irene Lehr in Berlin ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben

Seltener Gast aus dem fernen Osten



Masuo Ikeda, Konvolut mit 15 Farbradierungen, 1963-1965

Masuo Ikeda, Konvolut mit 15 Farbradierungen, 1963-1965

Wie kaum anders zu erwarten, konnte die Berliner Auktionatorin Irene Lehr ihre Erfolgsserie auch in der letzten Auktion des Jahres 2010 fortsetzen. Rund 800.000 Euro spielte die moderne und zeitgenössische Kunst ein, mit annähernd 90 Prozent lag die losbezogene Zuschlagsquote so hoch wie selten und für andere Häuser fast unerreichbar. Auch wenn ein Teil der Positionen unter den oftmals günstigen Schätzungen abgegeben wurden, ist dies ein herausragender Wert. Wiederum war es ein in den groben Umrisslinien berechenbares, in den Details aber immer wieder überraschendes Programm, welches die Sammler abseits der ausgetretenen und vielleicht auch etwas zu kostspieligen Pfade herbeizog. Als die größte dieser Überraschungen stellte sich ein Konvolut von fünfzehn Kaltnadelfarbradierungen des hierzulande kaum bekannten, 1934 in der Mandschurei geborenen, japanischen Künstlers Masuo Ikeda heraus. Entstanden in den Jahren 1963/65, verbinden die filmisch arrangierten Alltagsszenen traditionelle fernöstliche Grafik mit bildmedialen Erzähltechniken des Westens, etwa der auch von der Pop Art aufgegriffenen Werbetechnik. Mit 2.000 Euro angesetzt, sprang die Mappe mit den 15 Farbradierungen schließlich auf den Tageshöchstwert von 32.000 Euro.


Fernöstliches blieb bei Irene Lehr aber die Ausnahme. Im Wesentlichen bewegte sich das Angebot am 30. Oktober im mitteleuropäischen Bereich und begann zeitlich mit dem deutschen und französischen Impressionismus. Hier wurden solide Zuschläge erreicht wie 10.000 Euro für einen voluminösen Strauß weißer Tulpen von George Mosson aus dem Jahr 1912 (Taxe 12.000 EUR) oder Otto Illies’ zart blühendes Obstbäumlein im Gemüsegarten hinterm Haus aus den 1910er Jahren für 1.300 Euro (Taxe 700 EUR). Schon 1913 hat Max Rappaport in seinem „Kutter im Hafen“ die präsenten Farbflächen klar von einander abgesetzt. An ihm blieben 3.200 Euro hängen (Taxe 1.000 EUR). Als erster großer Schwerpunkt ragt bei Irene Lehr stets die Kunst deutscher Zwischenkriegskünstler der zweiten und dritten Garde hervor, die bisweilen jedoch mit hochkarätigen Werken in Erscheinung treten. So konnte eine querformatige Herbstlandschaft des Spätimpressionisten Otto Altenkirch von 1924 mit 4.600 Euro zu Recht deutlich mehr als die veranschlagten 2.200 Euro auf sich vereinigen. Im gleichen Jahr 1924 hielt Franz Heckendorfs das bunte Treiben in einem „Ausflugslokal am Großen Wannsee“ fest – ein Werk voller Flüchtigkeit und doch einer bezwingenden Präsenz, die sich vor allem in den kräftigen Farben äußert. Mit 24.000 Euro konnte Lehr hier sogar einen neuen Künstlerrekord aufstellen (Taxe 15.000 EUR).

In eine fast fantastische Farbkomposition übersetzte Gustav Wunderwald um 1920 eine Reihe blühender Kirschbäume vor dem Wald- und Wiesenhintergrund einer kleinen Hügellandschaft – 8.000 Euro waren der Lohn (Taxe 5.000 EUR) –, während er rund zehn Jahre später das einfache, triste Leben in einem „Dorf in der Mark“ mit unbestechlicher Sachlichkeit dokumentierte. Diese Holztafel spielte 10.000 Euro ein (Taxe 9.000 EUR). Ebenfalls im Stil der Neuen Sachlichkeit schuf Carl Grossberg die Lithografie „Kesselhaus mit Montagegraben“ aus dem Jahr 1930. Die minutiöse und in ihrem kongenialen Technizismus beeindruckende Ansicht des im Bau befindlichen Bewag-Kraftwerkes in Berlin schaffte 3.200 Euro (Taxe 2.000 EUR). Werner Heldt ist für seine menschenleeren, immer etwas schwermütigen Stadtlandschaften bekannt. Ein Fensterausblick auf eine ebensolche „Nordische Stadt“ mit Kanal, gemalt und gezeichnet 1930 mit Aquarell, Pastell und Grafit auf Bütten, verbesserte sich leicht auf 6.600 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Ein Jahr später malte Gerhart Bettermann eine unruhige, eher dem realen städtischen Leben angepasste Sicht der König-Johann-Brücke in Leipzig. Das Ölbild von 1931 wurde für 1.900 Euro übernommen (Taxe 900 EUR). Während Hans Hartigs „Winterabend in Stettin“ aus den Jahren 1920/21, der bei 3.600 Euro zugeschlagen wurde (Taxe 3.500 EUR), noch ein spätimpressionistischer Gestus vorherrscht, verfestigen sich bei Eduard Braun und seiner nun 2.700 Euro teueren „Mediterranen Idylle“ von 1934 das Segelboot, der Strand und das kleine Fischerhaus zu geometrischen Formen ohne Perspektive (Taxe 1.500 EUR). Von Paul Teichgräber gab es eine fast quadratische Herbstlandschaft in stilisiertem Schwung aus dem Jahr 1919 für 1.500 Euro (Taxe 900 EUR). Zu den nicht ganz vergessenen gehört Hans Jüchser, der für die ruhige Ansicht eines Bauernhofs in Mecklenburg von 1938 immerhin noch 7.500 Euro etwas unterhalb der Schätzung akquirieren konnte. Seine skulpturenartige biblische Adaption von „Jacob und Rahel“ aus dem Jahr 1975 legte dann doch auf 6.500 Euro zu (Taxe 3.600 EUR).

Preissteigerungen erlebten zudem Horst Strempels 1945 datiertes Stillleben „Schale mit Äpfeln“ und Zeitung für 3.200 Euro (Taxe 1.200 EUR) und die humoristische Bleistiftzeichnung „Wir alle“ von Walter Jacob aus dem Jahr 1920, die den Künstler selbst und einige Freunde eng beieinander stehend zeigt, für 3.000 Euro (Taxe 800 EUR). Fest im Repertoire verankert ist ferner Josef Hegenbarth, der sich in seinen raschen Zeichnungen dem Alltag einer Eisverkäuferin oder auch dem Schlaf eines Wolfes widmet. Die aus den frühen 1950er Jahren stammenden Kartons brachten es auf 5.000 Euro und 7.200 Euro (Taxen 6.000 und 4.000 EUR). Während Ernst Hassebrauk mit seinem aquarellierten Kohleportrait der behandschuhten Dame Charlotte von 1932 bei 1.500 Euro nicht punkten konnte, vereinigte sein farbenfrohes, wirbelndes „Stillleben mit Fisch und Früchten vor Grün“, eine Gouache mit Farbkreiden auf Karton, 900 Euro auf sich (Taxe 500 EUR).

Ein weiteres Spezialgebiet von Irene Lehr ist somit die ostdeutsche Kunst seit 1945. Gerhard Altenbourg gehört hier schon zum festen Inventar und überzeugte auch diesmal mit grafischen Arbeiten wie der 1982 von der Galerie Brusberg in Hannover herausgegebenen Künstlermappe „Wund-Denkmale“ bei 7.000 Euro (Taxe 9.000 EUR) oder der ephemer wirkenden Farbzeichnung „Im Tälerweiß“ von 1975 für taxgerechte 8.000 Euro. Anklang fand auch ein größerer Stapel Arbeiten von Albert Ebert, wenngleich die anspruchsvollen Schätzungen, insbesondere die 15.000 Euro für das kleine Ölbild „Ruhende Masken II (Karneval)“ von 1959, nicht immer erreicht wurden: In diesem Fall waren es nur 10.000 Euro. Ausnahmslos übernommen wurde ein gutes Dutzend Arbeiten von Albert Wigand, darunter die beiden um 1965 entstandenen Ölbilder „Stillleben mit Lampe und Kanne“ für 9.500 Euro (Taxe 8.000 EUR) und „Teekanne“ für 6.000 Euro in geometrisch zerlegten Farbflächen (Taxe 5.000 EUR). Ein weiterer kleiner Werkblock stammte von dem vor drei Jahren im erzgebirgischen Gersdorf verstorbenen Heinz Tetzner. Mit bis zu 5.400 Euro waren seine vom Expressionismus beeinflussten, teils in der leuchtenden Farbigkeit des späten Schmidt-Rottluff gehaltenen Landschaften aus seiner sächsischen Heimat gut bezahlt. Und auch Max Uhligs aus einem Liniengeflecht aufgebaute, abstrakte „Baumkrone vor Blau“ von 1989 ließ sich mit 5.200 Euro gut an (Taxe 5.000 EUR).

Werner Tübke bewährte sich in dem drastischen, symbolreichen Tuschfederaquarell „Frauen auf der Straße“ von 1965 für 6.200 Euro (Taxe 6.000 EUR) und dem kupferstichartigen Doppelbildnis „Adam und Eva“ von 1970/72 für 8.500 Euro wieder als hervorragender Zeichner (Taxe 4.000 EUR). Ein Spätwerk des 1921 geborenen Willi Sitte aus dem Jahr 1996, „Nach dem Bade“ mit einem klassischen weiblichen Aktmotiv, kam auf 7.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Nach Schikanen durch das politische Regime verließ der zehn Jahre jüngere A.R. Penck 1980 die DDR und machte die deutsche Teilung zum Thema seiner Kunst. 1993 entschied er eine Ausschreibung der Deutschen Bank für eine Wandplastik für sich, in deren Zusammenhang wohl auch die zusammen mit dem Bildhauer Frank Breidenbruch entstandene Wandplastik „Stargarder 18 (Figuren und Zeichen)“ gehört. Von 4.000 Euro schoss das dreiteilige Objekt aus Carrara-Marmor mit seinen typischen Strichmännchen auf 15.000 Euro hinauf.

Auf westdeutscher Seite ist vor allem Joseph Beuys’ bekanntes Multiple „Capri-Batterie“ mit einer zu erneuernden Zitrone aus dem Jahr 1985 zu nennen, das mit 20.000 Euro nicht nur die eigene Schätzung verdoppeln, sondern beinahe auch einen neuen Höchstpreis erzielen konnte. Ohnehin wird dieses Beuys-Objekt heute etwa zehnmal so hoch gehandelt wie noch vor sechs bis acht Jahren. Abstraktes, in der DDR kaum vertreten, brach sich in Johannes Geccellis minimalistischer Vertikalstruktur „Im Kaltlicht“ von 1977 für 5.800 Euro oder der von einem Strichgewirr durchzogenen „Collage Ibiza 62“ Karl Fred Dahmens von 1962 für 5.200 Euro Bahn (Taxen je 4.000 EUR). Ferner kamen wieder einige bemerkenswerte Beispiele des Phantastischen Realismus unter den Hammer, so etwa die im Technischen altmeisterlich wirkende Gouache „Familienstück“ von Bele Bachem aus dem Jahr 1999 für 2.800 Euro (Taxe 750 EUR) oder Dieter Kraemers „Stillleben mit Ölsardine“ von 1978 für freilich etwas enttäuschende 2.400 Euro (Taxe 3.000 EUR). Für die etwas traditionellere Malerei der Nachkriegszeit steht Ernst Schroeders etwas triste „Winterlandschaft (Fischerdorf mit Kirche am Bodden)“ um 1953, die trotz ihrer melancholischen Ausstrahlung von 5.000 Euro auf 11.000 Euro gehoben wurde.

Die Kunst der unmittelbaren Gegenwart schließlich ist bei Irene Lehr kaum vertreten. Auch von den jüngeren Künstlern kamen überwiegend ältere Werke zum Aufruf wie von dem Österreicher Siegfried Anzinger ein sexuell angehauchtes „3-Minuten-Bild“ von 1982, dessen rascher Malgestus seiner Bezeichnung alle Ehre macht, für 7.000 Euro (Taxe 900 EUR) oder das Pastell „Der Tod und das Mädchen“ seines Landsmanns Gottfried Helnwein nach Pop Art-Rezeptur aus dem Jahr 1987 für 5.000 Euro (Taxe 1.500 EUR). Auf ostdeutscher Seite taten sich hier Walter Libuda mit seinem Interieur samt Akt und zwei Figuren von 1983 bei 3.800 Euro (Taxe 3.000 EUR), Jost Giese mit seinem Farbgeschmier „Übergänglertorso“ von 1989 bei 1.200 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Hartwig Ebersbach mit seinem ebenfalls recht abstrakten Kopf „Kaspartheater (Neger)“ von 1985 bei 4.200 Euro hervor (Taxe 3.000 EUR). Bei den Plastiken schloss eines der zehn Exemplare von Gerhard Marcks’ Bronze einer sich streckenden Katze bei 7.200 Euro leicht über der Schätzung am besten ab.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



10.01.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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