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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Das Kunsthaus Zürich feiert seinen einhundertsten Geburtstag mit einer instruktiven Präsentation seines Architekten Karl Moser

Das Chamäleon der Architekturmoderne



Karl Moser, Kunsthaus Zürich, nach 1925

Karl Moser, Kunsthaus Zürich, nach 1925

Für viele ausländische Kunstfreunde ist es das Entree in die Schweiz. Alljährlich beginnt der Besuch auf der Art Basel mit der Ankunft im Badischen Bahnhof. Die 230 Meter lange Großform parallel der Gleise, deren differenziert ausgeprägte Sandsteinfront Resultat funktionaler Anforderungen als auch stadträumlicher Bezüge ist, verkörpert vornehme Gediegenheit. Die spannungsreiche Komposition aus bauchigem Uhrenturm und ebenfalls leicht vorgeschobener Schalterhalle führt eine vorgelagerte Kolonnade optisch zusammen. Geradezu paradigmatisch steht dieser 1913 eröffnete Bau für das Werkschaffen des Architekten Karl Moser. Viele seiner Bauten sind bekannt und prägend, der Name des Architekten aber tritt dahinter oft vollkommen zurück.


Moser war kein Star, der über singuläre, spektakuläre Objekte von sich reden machte, sondern ein Vertreter seiner Spezies, der sich subtil in undogmatischer Aufgeschlossenheit eher unauffällig nahe am Puls des aktuellen Bauens bewegte. Sein Bestreben war es, Bauen für breite Schichten und gehobene Ansprüche miteinander zu verschmelzen. In der Tat: Sein Œuvre hält viel Ansehnliches bereit, was bei der Masse von fast 600 abgearbeiteten Vorhaben bei weitem nicht selbstverständlich ist. Prominente Zeitgenossen, wie etwa Mosers Gegenspieler Hermann Billing oder Theodor Fischer führen rund 340 Nummern in ihren Werklisten, Hans Poelzig mit 181 oder Hendrik Petrus Berlage mit 140 sogar noch deutlich weniger. Lange hat es daher gedauert, bis sich eine Institution der Mühe unterzog, intensiv das Werkschaffen aufzuarbeiten. Über Jahre widmete sich das Team des Institutes für Geschichte und Theorie der Architektur der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich diesem Projekt, das unlängst abgeschlossen werden konnte.

Das Ergebnis, eine fulminante zweibändige Dokumentation im Schuber mit fast 800 Seiten, konnte zu keinem günstigeren Zeitpunkt vorgelegt werden als in dem Jahr, in dem Moser seinen 150sten Geburtstag begeht und sein Hauptwerk, das Kunsthaus Zürich, den 100sten Geburtstag feiert. Dies bot nun den Anlass zu einer ausgedehnten Retrospektive aus 400 Exponaten, unter denen der Bau selbst das größte Ausstellungsstück ist. Mit keinem Projekt hat sich Karl Moser länger auseinandergesetzt. Die Schau im ehemaligen Ausstellungsflügel führt durch Räume, die sorgsam restauriert den Ursprungszustand spiegeln. Das Erdgeschoss stellt die intensive Beschäftigung Mosers mit dem Kunsthausprojekt vor. Bereits im Jahr 1902 wirkte er als Preisrichter im ersten Wettbewerb mit. Bis ins Jahr 1935 datieren zahlreiche Ansichten, Pläne und Dokumente.

Der 1910 eröffnete Bau ist eine Kombination aus einem tempelartigen Sammlungsgebäude mit der in Schwingung versetzten Festarchitektur des niedrigeren Ausstellungsflügels. Wie übergroße Metopen umziehen Reliefs den Sammlungsbau. Im Inneren setzt sich der eigenwillige Charakter fort. Ähnlich einer öffentlichen Passage durchzieht das Foyer das gesamte Gebäude im Erdgeschoss. Von der 1925 vorgenommenen Erweiterung kam leider nicht die systematische Ergänzung, sondern lediglich der formal schlichte rückwärtige Trakt zur Ausführung. Die im Sinne des Neuen Bauens gestaltete Architektur bezeichnete Siegfried Giedion als „das beste Beispiel moderner Raumgestaltung in Zürich“. Immer wieder öffnet sich Karl Moser dem Neuen und Zeitgenössischem. So durchschreitet der Besucher im ersten Obergeschoss ein halbes Jahrhundert Architekturgeschichte, geschrieben von dem Architekten, der wie Peter Behrens in Deutschland oder Hendrik Petrus Berlage in den Niederlanden bereits zu Lebzeiten als „Vater der Moderne“ in der Schweiz verehrt wurde.

Karl Moser und sein von 1888 bis 1915 in Karlsruhe zusammen mit Robert Curjel betriebenes Büro bauten vornehmlich in Südwestdeutschland und der Deutschschweiz. Zweigniederlassungen existierten in Curjels Heimatstadt St. Gallen und in Aarau. Stadtbildprägend wirkte sich ihre Tätigkeit vor allem in Zürich, St. Gallen und Karlsruhe aus. Rund 70 Gebäude schufen sie allein in der badischen Metropole. Das Büro verantwortete private Villen und Wohnhäuser, evangelische und katholische Kirchen, Geschäfts- und Kaufhäuser, darunter insbesondere Banken. Aber auch Monumentalbauten wie die Universität Zürich, deren wahrhaft imperiale, aber nicht realisierte Erweiterung ein eigenes Ausstellungskapitel bestreitet, Industriebauten oder Arbeitersiedlungen finden sich im Œuvre. Überreich liest sich das Baugeschehen in den drei Jahrzehnten Partnerschaft mit Curjel, das zusammen mit bis zu 50 Büromitarbeitern bewältigt wurde. Neben Karlsruhe, wo die evangelische Luther-Kirche, das Warenhaus Tietz oder das Ausstellungsgebäude nebst Stadthalle die bedeutsamsten öffentlichen Projekte darstellen, ist Mosers Team in vielen weiteren deutschen Städten präsent: In Darmstadt, Bruchsal oder Pforzheim erstellte er die Reichsbankfilialen, in Mannheim, Frankfurt am Main, Kiel-Wik oder Oberursel ansehnliche evangelische Kirchen, in Bad Kreuznach schuf er das Kreisständehaus oder in Ettlingen eine Unteroffiziersschule.

Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts geriet die amerikanische Architekturschule des „Modern Romanesque“ in den Fokus der europäischen Moderne. Ganz vorn dabei waren Curjel & Moser. Dieser Stil enthält Elemente, die charakteristisch für ihr Werkschaffen sind: Große Einzelformen, klar akzentuierte Volumina, weitgehend ungegliederte große Wandflächen mit rauem, von markanter Textur gekennzeichnetem Mauerwerk. Besonders auffallend sind die dem Amerikanischen entlehnten Turmgestaltungen. Die Baumeister verstanden es, in einem organischen Zusammenschluss Harmonie und Rhythmus zu erzeugen. Exemplarisch demonstriert die Ausstellung dies an Kirchenbauten. In Kabinetten sind freie künstlerische Arbeiten eingestreut, insbesondere Aquarelle von Reisen, bevor in einem großen Saal die intensive Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern vorgestellt wird, darunter Carl Burckhardt, Oskar Kiefer oder Max Laeuger, die ihre Kunst in Mosers Bauten kongenial integrierten.

Nach 1915 begann eine „ruhigere“ Zeit; erst mit der wirtschaftlichen Aufschwungphase Mitte der 1920er Jahre entstanden neue größere Vorhaben. Und dann reibt sich der Besucher die Augen: Nach Neugotik, Neuromanik, Neubarock und dem Jugendstil sieht er sich unversehens Projekten im Stil des Neuen Bauens gegenüber. Karl Mosers brutalistische katholische Kirche St. Anton in Basel gilt als erste Sichtbetonkirche in der Schweiz. Wie sehr er bestrebt war, immer modern, aktuell und ganz vorn mit dabei sein zu wollen, zeigen auch entmenschlichte Hochhauskisten, die er erbarmungslos in Zürichs historische Stadtmitte in Anlehnung an Entwürfe Le Corbusiers implantierte. Entspannen von dem Architekturschock kann man sich dann im Oberlichtsaal, um den sich der Parcours aus Plänen, Zeichnungen, Studien, Fotografien, Dokumenten, handwerklich exzellent ausgearbeiteten Modellen und Kunstwerken schlängelt. Hier finden sich auch Mosers für das Kunsthaus entworfene Möbel, die bis heute in Gebrauch sind.

Spektakuläres sucht man in der thematisch gegliederten, im Angesicht des Gesamtwerkes kleinen Auswahl ebenso vergebens wie ein klares ästhetisch-stilistisches Pogramm. Nicht die Sensation, sondern Ruhe und Ordnung, Funktionalität und Solidität bei gediegenen künstlerischen Ansprüchen bestimmen das Bestreben des Baumeisters Karl Moser, der sich im modernen Sinn als Dienstleister verstand. Die pragmatische, perfektionistisch betriebene Umsetzung von Wünschen der Auftraggeber verhinderte die Ausbildung einer eigenen griffigen Handschrift mit der Folge, dass eine stilistische Einordnung seines Werks nicht gelingen kann. Entscheidend war immer die Praxis, und am Beispiel des Kunsthauses zeigt sich noch heute, wie geschickt und reibungslos das Haus funktioniert. Mosers additives Architekturkonzept soll in einem Erweiterungsbau von David Chipperfield bis 2015 fortgesetzt werden. Mehr zukunftsweisender Respekt vor dem prozesshaften Wesen der Architektur ist nicht möglich.

Die Ausstellung „Karl Moser. Architektur und Kunst“ ist noch bis zum 27. Februar 2011 im Kunsthaus Zürich zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis freitags zusätzlich bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 14 Franken, ermäßigt 10 Franken. Zur Ausstellung ist ein zweibändiges Begleitbuch im Schuber mit einem umfassenden Verzeichnis sämtlicher Werke Mosers erschienen, das zum Preis von 180 Franken, respektive 120 Euro an der Museumskasse erworben werden kann.

Kontakt:

Kunsthaus Zürich

Heimplatz 1

CH-8024 Zürich

Telefax:+41 (044) 253 84 33

Telefon:+41 (044) 253 84 84

E-Mail: info@kunsthaus.ch



29.12.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Karl Moser. Architektur und Kunst“
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Kunsthaus Zürich, Loggia, 2010
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Robert Curjel und Karl Moser,
 Villa Rudolph-Schwarzenbach, Zürich 1903/04
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Variabilder:

Karl Moser, Erweiterung Universität Zürich
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in der Ausstellung „Karl Moser. Architektur und Kunst“

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Kunsthaus Zürich, Loggia, 2010

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Robert Curjel und Karl Moser, Villa Rudolph-Schwarzenbach, Zürich 1903/04

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Karl Moser, Erweiterung Universität Zürich

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David Chipperfield, Kunsthaus-Erweiterung, Stand 2010

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Karl Moser, Sanierung der Zürcher Altstadt

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Karl Moser, Modell Universität Zürich samt nicht realisierter Erweiterung

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Karl Moser, Modell Treppenhaus Universität Zürich

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Karl Moser, um 1920

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Karl Moser, Erweiterung des Kunsthauses Zürich

Karl Moser, Erweiterung des Kunsthauses Zürich

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Karl Moser, Kunsthaus Zürich und geplante Gestaltung des Vorplatzes, Projektstudie 1908

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Max Laeuger, Fliesenbild aus dem Restaurant „Zum Moninger“ in Karlsruhe, 1900

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