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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ketterer in München stellt das teuerste Kunstwerk des deutschen Auktionsmarkts 2010 und freut sich über ein Umsatzhoch

Kometenhafter Aufstiegs eines Neulings



Ernst Ludwig Kirchner, Kinderköpfchen, 1906

Ernst Ludwig Kirchner, Kinderköpfchen, 1906

Den höchsten Zuschlag auf einer Auktion in Deutschland in diesem Jahr wird wohl, wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, das Münchner Auktionshaus Ketterer erzielt haben: 1,45 Millionen Euro netto bewilligte ein norddeutscher Sammler am 4. Dezember für Ernst Ludwig Kirchners „Kinderköpfchen“, ein nicht besonders großes, aber ausdrucksstarkes Ölgemälde aus dem Jahr 1906, als der Maler unter starken Einfluss der Kunst Vincent van Goghs stand, aber auch schon seine eigene Formensprache zu entwickeln begann. Damit wurden auch die 1,35 Millionen Euro übertroffen, die Lempertz für „seinen“ Kirchner, allerdings unterhalb der Schätzung, erreichte. Ketterer hatte seine Erwartung für das in der Vergangenheit vielfach ausgestellte Kind mit langem orangeblondem Haar lediglich auf 600.000 bis 800.000 Euro gesetzt. Bis auf bemerkenswerte 105.000 Euro steigerte sich auch Kirchners Holzschnitt „Nervöse beim Diner“, den er während seiner Genesungszeit 1916 im Sanatorium im Taunus in einer wohl sehr kleinen Auflage herstellte. Hier hatten 30.000 bis 40.000 Euro auf dem Preisschild gestanden. Auch der Holzschnitt wird nun in Norddeutschland beheimatet sein.


Moderne Kunst

Über mangelnde Nachfrage konnte sich Ketterer während seiner großen Moderne- und Zeitgenossendoppelauktion eigentlich zu keinem Zeitpunkt beschweren. Bei rund 77 Prozent – mit dem Nachverkauf sogar bei hervorragenden 81 Prozent – lag die Zuschlagsquote für die neunzig Lose der modernen Künstler, immer noch ordentliche 65 Prozent schafften die jüngeren Kollegen. Brutto setzte das Haus nach eigenen Angaben mit seinen seit Oktober laufenden Herbstauktionen insgesamt rund 13,5 Millionen Euro um, so viel wie noch nie in seiner inzwischen 56jährigen Geschichte. Am spannendsten war einmal mehr die Versteigerung der Modernen, nicht nur des Kirchners wegen: Die attraktiven Angebote zu teils moderaten Schätzpreisen waren dicht gesät, so dass sich auch weniger hochgehandelte Werke rasch nach oben arbeiteten wie Wilhelm Thönys aquarellierte „Avenue des Invalides“ aus den 1930er Jahren von 15.000 bis 20.000 Euro auf 36.000 Euro, August Mackes impressionistisch in Aquarell und Farbstift hingetupftes „Gartenhaus“ von 20.000 bis 30.000 Euro auf 45.000 Euro oder Otto Modersohns abendliche „Dorfstraße im Winter mit Bauernhaus“ bei mildem Licht von 1935 von 12.000 bis 15.000 Euro auf 30.000 Euro.

Gut angenommen wurde insbesondere das reiche Angebot von Gabriele Münter. Ihre beschauliche „Landschaft am Meer“ von 1919, in deren hügeligem Vordergrund lässig eine Frau lagert, kam auf unerwartete 270.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), bei taxgerechten 260.000 Euro übernahm ebenfalls ein süddeutscher Sammler ihre farblich bemerkenswert kontrastreiche, fast dumpf dräuende „Landschaft mit Haus in Oberau“ aus den Jahren 1908/12, und 125.000 Euro ebenfalls in der Mitte der Schätzung spielte ihre demgegenüber lockerer komponierte, farblich aufgehellte „Landschaft mit Kindern“ aus der Mitte der 1930er Jahre ein. Lediglich ihr Stillleben „Vom weißen Busch“ von 1919 musste bis zum Nachverkauf warten und ging hier etwa abgeschlagen bei 82.500 Euro weg (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). László Moholy-Nagy überzeugte mit seiner strengen Komposition „Landschaft mit Häusern“ zu 205.000 Euro. Vor anderthalb Jahren im Rahmen der großen Bauhaus-Gemeinschaftsauktion von Ketterer und Quittenbaum war das 1919 geschaffene Gemälde noch an 180.000 bis 240.000 Euro gescheitert. Jetzt hätten eigentlich 140.000 bis 180.000 Euro gereicht.

Die größte Überraschung des Tages hielt das letzte Drittel der Moderneabteilung bereit: Richard Zieglers eigenartiges, biografisch wie kunstgeschichtlich interessantes Ölbild „Die Polizei“, von Ketterer auf 50.000 bis 70.000 Euro angesetzt, sprang in einem harten Wettstreit zwischen Saalbietern, Auftragsbuch und Telefonen bis auf unglaubliche und natürlich weltrekordträchtige 500.000 Euro. Sieger des Gefechts war ein eigens aus der Türkei angereister Sammler. Ziegler, ohnehin ein Neuling der jüngeren Auktionsgeschichte, dürfte sich damit endgültig in die Kategorie auch der markttechnisch attraktiven Künstler der deutschen Moderne katapultiert haben. Das Nachsehen hatte übrigens jener griechische Agent, der schon seit Jahren die deutschen Auktionshäuser mit seiner spendablen Erscheinung beehrt. Er entschädigte sich mit Conrad Felixmüllers annähernd gemäldehaft in Aquarell und Gouache gemaltem „Tigarren, der Bettler“ aus dem Jahr 1924 für 185.000 Euro (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR) und Willi Baumeisters dreiteiliger Komposition „Formen figural“ aus dem Jahr 1938 für fast günstige 81.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Das farbig bezwingende, aber im Sujet wenig aussagekräftige Aquarell einer Marschlandschaft von Emil Nolde um 1935 kam auf die erwarteten 58.000 Euro, ebenso Henri de Toulouse-Lautrecs nicht allzu häufig anzutreffende Farblithografie „Au Moulin Rouge, la Goulue et sa sœur“ von 1892 auf 36.000 Euro. Da schlugen sich Lyonel Feininger mit seiner aquarellierten Tuschfederzeichnung „Just somewhere II“ samt einigen lustigen Gestalten von 1940 bei 46.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und Christian Rohlfs’ fast schwebende „Anthurie“ von 1937 bei 40.000 Euro deutlich besser (Taxe 28.000 bis 34.000 EUR). Erfolgreich waren zudem Hermann Max Pechsteins Tuschezeichnung eines „Sitzenden Akts“ von 1910/12 mit betont erogenen Zonen bei 27.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), Hans Purrmanns flott in Öl skizzierter „Straßenzug in Langenargen“ um 1920 bei 24.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder Ernst Opplers impressionistische Leinwand „Am Badestrand von Dieppe“ aus dem Jahr 1912 bei 16.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Von den jüngeren Arbeiten sind eines der vielen aquarellierten Blumenstillleben aus Oskar Kokoschkas späten Jahren für 48.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), Karl Schmidt-Rottluffs rasches Stillleben „Hellblaue Iris“ in Farbkreiden und Tuschepinsel von 1965 für 36.000 Euro (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR) und Marc Chagalls frohe Mischtechnik „Fiancés au bouquet blanc“ von 1958 für 60.000 Euro zu nennen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Am Ende des Abschnitts bewies Edgar Ende seine Zugkraft mit der surrealistischen Komposition „Die brennende Fahne“ von 1924 bei 21.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Zeitgenössische Kunst

Solche Höhen wie die Modernen erklommen die Zeitgenossen nicht. Bei 290.000 Euro für Martin Kippenbergers dreiteilige süffisante Arbeit „Kleiner Verkehr“ von 1981/82 war Schluss (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Doch reich war die Ausbeute trotz einiger Rückgänge auch hier: 105.000 Euro für das abstrakte Bild „Grün-Blau-Rot“, eines von 115 Unikaten, die Gerhard Richter 1993 für eine Edition der Kunstzeitschrift „Parkett“ schuf (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), oder 115.000 Euro für Johann Georg Müllers halb surreale, halb formspielerische „Maskerade“ aus dem Jahr 1971 waren da nur zwei Höhepunkte (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Bei 136.000 Euro etwas unterhalb der Schätzung blieb Gerhard Richters Frühwerk „Sich Ankleidende“ aus dem Jahr 1960 stehen, dafür legte sein im Jahr 2000 erfolgter Cibachromeabzug „Onkel Rudi“ nach dem gleichnamigen fotorealistisch verschwommenen Gemälde von 1965 leicht auf 20.000 Euro zu (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Auch Martin Kippenberger trat genüsslich noch häufiger in Erscheinung, etwa mit der serigrafierten Strandszene „Vorfreude seitenverkehrt: Ich muss zuhause bleiben“ samt collagiertem Frotteetuch und Hemdsärmel von 1986 für 46.000 Euro (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR) oder der ebenfalls an Urlaubsfreuden erinnernden Collage „Copa und Ipa“ für 37.000 Euro (Taxe 28.000 bis 34.000 EUR). Ebenso ausufernden wie witzigen Gestaltungsdrang verspürte Sigmar Polke, der sich 1992 etwa in einer unbetitelten Gouache mit charakteristischen Raster- und Schüttelementen für taxgerechte 41.000 Euro niederschlug. Für die ZERO-Kunst stand einmal mehr Günther Uecker mit seinem beschaulich wabernden Nagel-„Feld“ von 1983 für 95.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und vor allem dem „Weißen Schrei“ von 1989/90, der zur oberen Taxe von 180.000 Euro an einen Sammler aus Monaco ging. Nur sein etwas braves „Malerisches Dunkel vernagelt“ aus dem Jahr 1983 fand bei 50.000 bis 70.000 Euro keinen Abnehmer.

Insbesondere die etwas erschwinglicheren Losnummern konnten sich zum Teil erheblich steigern, wobei eine leichte Vorliebe für abstrakte Arbeiten der Nachkriegszeit zu beobachten war: Eine unbetitelte Gouache Ernst Wilhelm Nays von 1954 mit zahlreichen dicht aufgetragenen Farbflecken für 44.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und Bernard Schultzes ausgefranstes wucherndes Farbrelief „Die große Migof-Blume“ von 1983/88 für 32.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) erwiesen sich hier als ebenso erfolgreich wie mit Max Weilers Farbabstraktion „Heitere Wolke“ aus dem späten Jahr 1991 für 39.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) und mit einer atmosphärischen schwebenden Farbkomposition Wolfgang Holleghas von 1971 für 41.000 Euro auch zwei österreichische Produkte (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Unter den etwas teureren Werken dieser Gattung setzte sich ein rasantes, trotz des mittleren Formats monumental wirkendes Action Painting des Japaners Kazuo Shiraga unter dem Titel „Yugi“ aus dem Jahr 1994 bei 90.000 Euro ab (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Noch um 1.000 Euro vom Aufrufpreis von 55.000 Euro heruntergegangen ist Ketterer dagegen bei Hans Hartungs fein strukturiertem Streifenbild „T1965-R10“. Die Schätzung von 60.000 bis 80.000 Euro war wohl doch etwas vermessen. Giuseppe Santomaso schloss der gestischen Kunstrichtung 1991 mit seiner wolkigen „Gouache # 6“ bei 22.000 Euro an (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Walter Stöhrer 1988 mit seiner flott gekritzelten Zeichnung bei 13.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Jean Dubuffets Kinderbild „Paysage avec six personnages, 27 juin 1980“ in schwarzer Tusche kletterte von 9.000 Euro auf 23.500 Euro.

Von 4.000 bis 6.000 Euro auf 39.000 Euro legte eine charakteristische minimalistische Wandinstallation Fred Sandbacks, bestehend lediglich aus einer mit Metallen befestigten elastischen Schnur wohl von 1969, ebenfalls einen besonderen Aufstieg hin. Josef Albers hatte die zwölf Serigrafien seiner Mappe „SP (Homage to the Square)“ von 1967 gewinnbringend bei 29.000 Euro an den Mann gebracht (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), Sol LeWitt gab sich mit seinen 50 quadratischen Untersuchungen zu „Grids and Color“ von 1979 mit 36.000 Euro zufrieden (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Bei Markus Lüpertz und seinem Gemälde „Wäsche auf der Leine“ um 1968 aus der Serie der Dithyramben genügten gar 39.000 Euro zum Verkauf (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Skulpturales war mit Stephan Balkenhols entindividualisiertem Menschentyp „Stehender Mann“ von 2007 bei 48.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) oder George Rickeys feiner kinetischer Drahtplastik „Mäander“ von 1973 für 19.000 Euro zugegen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), Zeitgenossisches mit Thomas Demands sechsteiliger Akademiearbeit eingängiger und sauber gemalter Symbole für 10.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Jonathan Meeses wilder Malerei „Balthysmeese IV“ von 2001 für 27.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



13.12.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Ernst Oppler, Am Badestrand von Dieppe, 1912

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