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Die hohe Kunst des Wegschnippelns: 18 Gegenwartskünstler demonstrieren in der Hamburger Kunsthalle die überraschende Aktualität des Mediums Scherenschnitt

Einschneidende Maßnahmen



Der Scherenschnitt gilt gemeinhin als eher kunsthandwerkliches Verfahren, bei dem aus Papier die Umrisse eines Motivs in ornamentaler Form ausgeschnitten werden. Bereits 600 Jahre vor Christus in Nordchina erfunden, erlangte er seine Blüte im Deutschland der Goethezeit und in den nachfolgenden Jahrzehnten. Die Hamburger Kunsthalle hat es sich jetzt zum Ziel gesetzt, das bieder-hausbackene Image dieses künstlerischen Mediums kräftig zu entstauben, und versammelt in der Ausstellung „Cut – Scherenschnitte 1970-2010“ zeitgenössische Werke von 18 deutschen und internationalen Künstlern.


Kuratorin Petra Roettig verweist auf die überraschende Aktualität des Mediums: „Wir möchten den Scherenschnitt aus seinem etwas muffigen Umfeld herauslösen und zeigen, was man mit dem Thema machen kann.“ Die Ausstellung nimmt auch Bezug auf den in der Sammlung der Kunsthalle stark vertretenen Maler der Frühromantik, Philipp Otto Runge, der bekannt für seine Scherenschnitte ist, und dem die Kunsthalle aus Anlass seines 200. Todestages ab Dezember eine große Einzelausstellung widmet. Die Ausstellung „Cut“ präsentiert klassische Scherenschnitte, raumgreifende Installationen aus Papier, aber auch Filme, Fotografien, Wandmalerei und Stoffarbeiten. „Es ging darum, vom Film, von der Malerei und von der Zeichnung ausgehend, einen Überblick zu zeigen von dem, was man im Moment mit dem Thema Scherenschnitt machen kann“, so Petra Roettig.

Gleich im Lichthof gedenkt der Hamburger Rupprecht Matthies Runges Pflanzenscherenschnitten und hat überdimensionale Silhouetten von Stauden aus Acrylscheiben aufgestellt: ein bürgerliches Staudenbeet mit Maiglöckchen, Distel, Schwertlilie und Kornblume in poppig bunten Farben. Im ersten Stock beginnt der Parcours mit großformatigen klassischen Scherenschnitten etwa von Annette Schröter, die Caspar David Friedrich-Vorlagen ebenso miteinbezieht wie schrille Graffitimotive oder orientalische Arabesken. Der Berliner Stefan Thiel übersetzt Schlüsselszenen aus Godard- oder Fellini-Filmen in messerscharf ausgeführte Scherenschnitte. Für die nötige Portion Verstörung sorgt dann Kara Walker. Die farbige US-Amerikanerin thematisiert auf ihren bitterbösen, wandfüllenden Scherenschnitten die Schrecken der Sklaverei in den Südstaaten: Folter, Hunger, sexuelle Übergriffe und Verstümmelungen.

Ebenso wie bei Walker verhandelt auch der Südafrikaner William Kentridge in seinem 7minütigen Animationsfilm „Shadow Procession“ die Rassenproblematik. Kentridge zeigt eine düster-karnevaleske Prozession von allerlei gepeinigten Kreaturen als Schattenspiel. Um Schattentheater geht es auch in Christian Boltanskis „Théâtre d’ombre“. Man schaut durch eine kleine Luke in einen abgedunkelten Raum und entdeckt die riesenhaft an die Wand geworfenen Schatten von kleinen ausgeschnittenen Blechfiguren, die im leichten Windzug einen spukhaften Totentanz vollführen. Dunkles und Helles halten sich in der Schau durchaus die Waage. So hat die Britin Charlotte McGowan-Griffin, inspiriert von Herman Melvilles Roman „Moby Dick“, aus dicken Papierlagen einen gigantischen weißen Wal herausgeschnitten.

Eine der kritischsten Arbeiten der Ausstellung stammt von Felix Droese. Der 12teilige Papierschnitt „Antiterroreinheit – unterwegs zu einem Begräbnis der Kunst“ besteht aus einer lebensgroßen Parade von Jammergestalten mit Infusionsständern, amputierten Organen und allerlei anderen Verletzungen. Rückbezüge zur architektonischen Moderne stellt Julia Horstmann her, indem sie einen Hochhausentwurf Ludwig Mies van der Rohes durch sanft gekurvte Ritzungen auf schwarz lasiertem Papier eher andeutet als explizit ausführt. Andere Künstler wie etwa Katharina Hinsberg dringen in die dritte Dimension vor. Sie hat einen Raum mit schmalen orangefarbenen Papiersträngen versehen, die vorhangartig von der Decke hängen. Poppige Farben, formale Spielereien, gesellschaftskritische Aufladung. Eines gelingt der Ausstellung auf jeden Fall: Sie befreit das Medium Scherenschnitt kraftvoll von der spießbürgerlichen Aura des bloß dekorativen Wandschmucks über dem sanft gepolsterten Biedermeiersofa.

Die Ausstellung „Cut. Scherenschnitte 1970-2010“ ist bis zum 6. Februar 2011 zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, an Silvester von 10 bis 15 Uhr und an Neujahr 12 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und 1. Weihnachtstag. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog ist im Verlag Hachmannedition erschienen und kostet 20 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



01.12.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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12.11.2010, Cut. Scherenschnitte 1970 - 2010

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