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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer in München

Dickblattgewächs gut getroffen



Es ist schlichtweg ein seltsames Bild: Fast nur Personen sind zu sehen, nur im oberen Bereich kommt ein bisschen Hintergrund zum Vorschein, dem zu entnehmen ist, dass wir uns am hellichten Tag in einer Art Park, jedenfalls im öffentlichen Raum befinden. Das hindert drei der vier Personen, die groß im Bildzentrum stehen, jedoch nicht daran, als Halbakte aufzutreten: ein kräftiger junger Mann links, der mit undurchdringlichem Blick den Betrachter fixiert, rechts hinter ihm ein weiterer Mann mit nachdenklichem, ein wenig resigniertem Blick, sowie als zweite von rechts eine junge Frau, wie als leblose Figur im Dreiviertelprofil mit leerem Blick gezeigt, und nur der Geistliche, der von hinten auf sie einredet, trägt sein obligatorisches Ornat. Was Richard Ziegler, der Schöpfer dieser mit einem Meter Breite durchaus nicht kleinen Leinwand aus dem Jahr 1929, damit aussagen wollte, bleibt offen. Er selbst ist der Zweite von links, und dass diese allseits von Gaffern und Passanten umgebene Gruppe nicht ganz im luftleeren Raum agiert, beweist der Polizist, der dem Maler von hinten auf die Schulter greift, als wolle er ihn festnehmen. So heißt das Bild auch „Die Polizei“. Der Mann links wird als Zieglers Cousin Erwin Weber identifiziert, und vielleicht ist es eine Dreiecksgeschichte, die hier kurz vor ihrem dramatischen Ende steht. Wir wissen es nicht.


Moderne Kunst

Zieglers Gemälde ist eine der interessantesten Offerten der Auktion moderner und zeitgenössischer Kunst, die das Münchner Auktionshaus Ketterer am 4. Dezember abhalten wird. 50.000 bis 70.000 Euro soll es kosten. Das teuerste Los ist es freilich nicht. Da gibt es andere Werke, auch bedeutendere von bedeutenderen Künstlern, und allen voran steht hier Ernst Ludwig Kirchners „Kinderköpfchen“ aus dem Jahr 1906. Das ist das Schwellenjahr, in dem Kirchner noch einmal stark an die Malerei der Vergangenheit, hier die Kunst Vincent van Goghs, anknüpfte, bevor er aus ihr heraus seinen eigenen Stil und damit nicht weniger als eine neue Kunst, den Expressionismus, schuf. Mit 600.000 bis 800.000 Euro ist das aus einer süddeutschen Privatsammlung eingelieferte, häufig in Ausstellungen präsentierte Werk bewertet.

Überhaupt stellen die Maler des deutschen Expressionismus die Hauptwerke dieser Auktion. Mehr als alle anderen tritt einmal mehr Gabriele Münter prominent in Erscheinung, mit der Ketterer in der Vergangenheit einige der besten Erfahrungen gemacht hat. Wieder sind es vier großartige Ölgemälde ihrer besten Jahre, die mit Schätzungen zwischen 90.000 Euro und 300.000 Euro auf Abnehmer warten: eine „Landschaft am Meer“ von 1919 mit einer entspannt liegenden Frau im Vordergrund, aus dem gleichen Jahr eine Impression „Vom weißen Busch“, um 1935 eine freudige „Landschaft mit Kindern“ sowie als Höhepunkt die tiefdunkle suggestive „Landschaft mit Haus in Oberau“ aus der frühen Zeit 1908/12. Da kann neben Kirchner eigentlich nur Conrad Felixmüller mit seiner schwankenden Stadtlandschaft samt „Tiggaren, der Bettler“ aus dem Jahr 1924 für 100.000 bis 150.000 Euro mithalten. Als herausragendes Werk eines weniger bekannten Künstlers ist das Kleinformat „Einsiedler“ von Josef Eberz aus dem Jahr 1917 hervorzuheben, das in seiner zackigen Gestaltung formale Motive der „Brücke“-Künstler aufnimmt (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Zu den frühesten Werken des Auktionsprogramms gehört Christian Rohlfs’ „Blick auf Ehringsdorf bei Weimar“ aus dem Jahr 1900. Sichtlich ist dieser Künstler, der rund eine Generation vor Kirchner geboren wurde, hier vom französischen Impressionismus beeinflusst (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Doch fand er unter dem Eindruck des Neuen, das die jungen Wilden schufen, auch selbst noch in seinem fortgeschrittenen Altar zu einer anderen Bildsprache, die sich in seinem „Liegenden Akt (München)“ aus dem Jahr 1911 bereits unverkennbar andeutet (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Ein Jahr später datiert Ernst Opplers malerischer Eindruck „Am Badestrand von Dieppe“. Hier ist die Kunst Liebermanns sehr deutlich zu spüren, der selbst eine Reihe von Strandbildern an seinem Lieblingsort Dongen in den Niederlanden schuf (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Progressiver war Willi Baumeister, sowohl praktisch wie in seinen theoretischen Schriften, wenngleich von diesem Künstler bis zum heutigen Tag vor allem sein mittleres und spätes Schaffen überlebt hat. Sein linear-figuraler Stil wie auf der Öl- und Lack-Leinwand „Formen figural – dreiteilig“ aus dem Jahr 1938 ist einfach unverwechselbar (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Fragt man nach Werken von Künstlern außerhalb Deutschlands, so stößt man vor allem auf Papierarbeiten: Pierre-Auguste Renoirs bekannte Farblithografie „Le chapeau épinglé, 2e planche“ um 1898 etwa (Taxe 75.000 bis 95.000 EUR) oder Marc Chagalls heitere Mischtechnik „Fiancés au bouquet blanc“ aus dem Jahr 1958 für 30.000 bis 40.000 Euro. Noch aus der Jugendzeit des gebürtigen Ungarn László Moholy-Nagy 1919, wohl kurz nach seinem Wechsel in die österreichische Hauptstadt Wien, stammt eine „Landschaft mit Häusern“, die in ihrer konstruktivistischen Komposition bereits viele Elemente des späteren Bauhauskünstlers vorwegnimmt. Im Juni 2009 war sie schon einmal bei Ketterer für 180.000 bis 240.000 Euro zugegen, nun ist ihre Schätzung auf 140.000 bis 180.000 Euro gesunken.

Zeitgenössische Kunst

Hinter den Modernen stehen die Zeitgenossen, in der Zahl ohnehin überlegen, nicht zurück. Gleich eines der ersten Lose ist eine interessante Offerte, weil ein Frühwerk Gerhard Richters: Die „Sich Ankleidende“ aus dem Jahr 1960, kurz vor seiner Flucht aus der DDR in den Westen. Vor drei Jahren war das Gemälde bei Ketterer schon einmal für 170.000 Euro versteigert worden. Nun steht es erneut für 140.000 bis 180.000 Euro zur Verfügung. Gegenständliches wie dieses neoexpressive Werk bleibt allerdings in der Minderheit. Die Mehrheit der Auktion ist abstrakt wie Hans Hartungs feines Strichmuster „T1965-R10“, das ein wenig an die Meditationen Alexej von Jawlenskys erinnert (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), Günther Ueckers Nagelbilder eines quadratischen, wogenden „Felds“ von 1983 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), der feingliedrigeren Tafel „Malerisches Dunkel vernagelt“ von 1983 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und der expressiven Gestaltung „Weißer Schrei“ von 1989/90 (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR) sowie die gestische Farbenexplosion „Yugi“ des Japaners Kazuo Shiraga aus dem Jahr 1994 für 80.000 bis 100.000 Euro. Auch Richter selbst probierte ja bekanntlich später Abstraktes aus, was seine 1993 entstandene Farbverwischung „Grün-Blau-Rot“ mit der Werknummer 789-106, die erst im Juni bei Hauswedell & Nolte für 50.000 Euro zugeschlagen wurde, und ein mit dunkelgrüner Ölfarbe betropftes Papier vom „11.2.1988“ beweisen (Taxen je 60.000 bis 80.000 EUR).

Das eigentliche Hauptlos der Gegenwartskunst ist aber ebenfalls ein Gegenständler: Martin Kippenberger und sein Triptychon „Kleiner Verkehr“ aus den Jahren 1981/82. Wie immer entziehen sich die motivreichen Ölgemälde sowohl für sich genommen als auch in Gesamtheit einer plausiblen Deutung und wirken neben der technischen Brillanz allein durch die Anregungen, die sie dem Betrachter vermitteln. 250.000 bis 350.000 Euro möchte Ketterer für die dreiteilige Arbeit sehen. Als Anhänger eines gemäßigten Surrealismus ist Johann Georg Müller in die Geschichte eingegangen. Über den Markt hinaus nicht sonderlich bekannt, erfreut er sich doch einer regen Sammlerleidenschaft, so dass auch für seine großformatige „Maskerade“ aus dem Jahr 1971 wieder gute Chancen auf 90.000 bis 120.000 Euro bestehen.

Eine der bemerkenswertesten Offerten unter den plastischen Arbeiten ist Marino Marinis Terrakottarelief „Cavallo“ aus dem Jahr 1944. Es ist erneut ein Wiedergänger und blieb 2007 bei Ketterer für 60.000 bis 80.000 Euro unverkauft. Nun ist seine Taxe auf 40.000 bis 60.000 Euro gerutscht. Zu den Bildhauern alter Schule der deutschen Nachkriegsgeneration gehört der inzwischen über achtzigjährige Fritz Koenig. Vielfach für kirchliche Einrichtungen tätig, erinnert auch seine „Säulenkaryatide“ aus dem Jahr 1965 an ein christliches Bildwerk, etwa einen Osterleuchter oder einen Tabernakelaufsatz (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Als Klassiker der jüngeren Skulptur stehen Stephan Balkenhols überlebensgroße Holzfigur „Stehender Mann“ aus dem Jahr 2007 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und Jörg Immendorffs „Malerstamm Otto“ aus dem Jahr 2002 für 90.000 bis 120.000 Euro bereit. Auch eine bemerkenswerte Fotografie hat Ketterer zu bieten: Imogen Cunninghams Detailaufnahme einer Kotyledone, einer Pflanze aus der Familie der Dickblattgewächse, aus den frühen 1920er Jahre, die durch die biomorphen Strukturen fasziniert, die wie nackte menschliche Körper sich ineinanderschlingen und in tiefe Räume blicken lassen. 40.000 bis 60.000 Euro stehen hier auf dem Preisschild.

Die Auktion beginnt am 4. Dezember um 14 Uhr. Die Besichtigung läuft noch bis zum 1. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr, am 2. Dezember von 10 bis 19 Uhr und am 3. Dezember von 10 bis 15 Uhr möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.kettererkunst.de abrufbar.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



30.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Christian Rohlfs, Blick auf Ehringsdorf bei Weimar, 1900
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Christian Rohlfs, Liegender Akt (München), 1911
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Christian Rohlfs, Blick auf Ehringsdorf bei Weimar, 1900

Christian Rohlfs, Blick auf Ehringsdorf bei Weimar, 1900

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

Losnummer: 4

Ernst Ludwig Kirchner, Kinderköpfchen, 1906

Ernst Ludwig Kirchner, Kinderköpfchen, 1906

Taxe: 600.000 - 800.000 EURO

Zuschlag: 1.450.000,- EURO

Losnummer: 26

Christian Rohlfs, Liegender Akt (München), 1911

Christian Rohlfs, Liegender Akt (München), 1911

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 38.000,- EURO

Losnummer: 6

Pierre-Auguste Renoir, Le chapeau épinglé, 2e planche, um 1898

Pierre-Auguste Renoir, Le chapeau épinglé, 2e planche, um 1898

Taxe: 75.000 - 95.000 EURO

Losnummer: 28

Ernst Oppler, Am Badestrand von Dieppe, 1912

Ernst Oppler, Am Badestrand von Dieppe, 1912

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 10




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