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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Teile der Sammlung Georg Schäfer treten nochmals in der 350sten Jubiläumsauktion bei Neumeister in München an. Doch diesmal liegen die Schätzpreise erstaunlich niedrig

Das 19te Jahrhundert auf Talfahrt?



Valentin Ruths, Ziegelhütten bei Olevano

Valentin Ruths, Ziegelhütten bei Olevano

Die besten Stücke seiner letzten Auktion in diesem Jahr und zugleich der 350sten Auktion seiner Geschichte hat sich das Münchner Auktionshaus Neumeister für eine eigene Abendveranstaltung am 30. November vorbehalten. Es ist eine Auswahl von gut fünfzig Losnummern, die repräsentativ für die qualitätvolle, dabei aber stets auf die Wünsche einer traditionsaffinen Sammlerschar bedachte Kunstmarktpolitik des Unternehmens. Keine Experimente! Silber und Porzellan, Alte und Neuere Meister sowie eine Anzahl spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Skulpturen, gewohnt in preislich einigermaßen erschwinglichen Größenordnungen, warten auf die Kundschaft. Vor allem die spätromantischen Gemälde des 19ten Jahrhunderts, überwiegend Landschaften und Genreszenen, sind stark – kein Wunder, stammen doch einige der Offerten aus der Sammlung Georg Schäfer und wurden schon vor mehr als fünf Jahren in einer eigenen Schäfer-Auktion bei Neumeister versteigert. Gegenüber damals sind die Schätzpreise bemerkenswerterweise nicht nur nicht gestiegen, sondern in der Regel noch deutlich gesunken.


So soll Karl Altmanns oberbayerisches Wirtshaus mit einer Gruppe sonntäglicher Ausflügler, im Februar 2005 für 30.000 Euro verkauft, jetzt nur 22.000 Euro kosten. Albert Zimmermanns Panoramablick auf Watzmann und Hochkalter mit der Ramsauer Ache in Vordergrund gibt es jetzt für 10.000 Euro (damals 18.000 Euro), der Wert von Lorenzo Quaglios d.J. biedermeierlichen Hausfrauen „Bei der Wäsche“ in Gebirge aus dem Jahr 1821 ist mit 12.000 auf die Hälfte gefallen, und Heinrich Bürkels halb komische, halb tragische Szene eines Bauern, der sich vor einem wütenden Stier auf einen Holzstoß gerettet hat, ging bei jener Schäfer-Selektion um 28.000 Euro über die Bühne. Jetzt stehen 20.000 Euro auf dem Etikett. Besonders krass auch der Unterschied zwischen dem jetzigen Schätzpreis von 25.000 Euro und dem seinerzeitigen Zuschlag bei 48.000 Euro für Valentin Ruths’ großformatige Landschaft „Ziegelhütten bei Olevano“. Etwa gleich geblieben sind die Bewertungen für Friedrich von Amerlings etwas unbelebtes Bildnis „Rosa Dirsch“, die Geliebte des Bankiers Demeter Theodor Tirka, von 8.000 Euro, 1.000 Euro weniger als damals, und Johann Jakob Dorners d.J. „Gegend im Albach bey Tegernsee in Altbaiern“ aus dem Jahr 1818 für 12.000 Euro gegenüber 14.000 Euro im Jahr 2005.

Insofern ist diese Auktion auch ein Test für den derzeitigen Marktwert deutscher Malerei des 19ten Jahrhunderts: Liegen die Zuschläge höher als die Schätzpreise – und wenn ja, dann müssen die Abstände sehr groß sein –, dann hat sich Neumeisters Strategie der kleinen Preise bewährt. Wenn nicht, dann hat nicht nur der unbekannte Einlieferer ein Verlustgeschäft gemacht, sondern ist diese Rubrik insgesamt gerade auf verdrießlicher Talfahrt. Was vor dem Hintergrund der Lebensleistung des Schweinfurter Industriellen Georg Schäfer, die deutsche Malerei des 19ten Jahrhunderts von ihrem Aschenputteldasein zu befreien, natürlich auch aus Sicht der Kunstgeschichtsschreibung einigermaßen zu bedauern wäre.

Eigentlicher Höhepunkt der Malerei dieser Zeit ist Carl Spitzwegs „Die Neue Zeit“ in Form einer über eine Schlucht hinwegschnaubenden Eisenbahn, die ein alter Zwerg von seinem waldigen Versteck aus skeptisch beobachtet. Die Leinwand, die der Künstler selbst unter dem lakonischen Titel „Gnom Eisenbahn betrachtend“ führte, soll 125.000 Euro einspielen. Daneben gibt es von Spitzweg drei charaktervolle Männerbildnisse in Öl auf Papier, die wohl in einem Zusammenhang miteinander entstanden und laut rückseitiger Beschriftungen zwei Invaliden und einen kantigen Gemeindevorsteher vorstellen. Sie sollen je zwischen 17.000 bis 20.000 Euro kosten. An zweiter Stelle rangieren mit 48.000 Euro Heinrich von Zügels Schafe und Schäferin bei einer „Rast im Wald“, mit der Entstehung 1883 ein relativ frühes, gewissenhafter als die späteren Arbeiten des Meisters ausgearbeitetes Werk. Mit jeweils 35.000 Euro sind ein wenig leuchtendes Bild mit neun Enten im Schilf Alexander Koesters, ein biedermeierliches Blumen- und Früchtestillleben des Wieners Franz Xaver Petter mit herbeigeflogenem Distelfink sowie Raffaele Carellis Blick auf die Cascata del Valcatoio auf der Isola del Liri, letzterer ein Wiedergänger von der Altmeisterauktion bei Bassenge vor einem Jahr, auf der das Gemälde aus dem Jahr 1836 an 45.000 Euro gescheitert war.

Demgegenüber ist die Anzahl der Alten Meister mit vier Positionen recht übersichtlich. Sie rangieren alle zwischen 8.000 und 9.000 Euro mit einer stark frequentierten und unterhaltsamen Dorfkirmes Rutger Verburghs an der Spitze. Spannend sind die fünf übertrieben gezeichneten Gestalten, die Petrus Staverenus wohl als Personifikationen der fünf Sinne angelegt hat. Da die Deutungen nicht so klar sind, könnten die fünf kleinen Gemälde auch Sinnbild für anderes sein. Die Grafik verzeichnet sogar nur eine Position, dafür aber eine gewichtige: Die erste Lieferung von Johann Georg Rosenbergs „Recueil des prospects les plus beaux et les plus intéressants de Berlin“ aus dem Jahr 1786 mit zwanzig kolorierten Radierungen rangiert ob ihrer Seltenheit bei 22.000 Euro. Der Versteigerungserlös kommt der evangelischen Stiftung Berliner Stadtmission zugute.

Bei den Skulpturen stammen die ältesten aus der Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit: eine fränkische Madonna der Zeit um 1500 für 35.000 Euro, eine kniende, betende Maria norditalienischer Herkunft des frühen 16ten Jahrhunderts, wohl ehemals zu einer Marienkrönung gehörig, für 22.000 Euro, und eine wohl auf ein antikes Original zurückgehende Imperatorenbüste im kranzgeschmückten Tondo, die Giovanni della Robbia aus Florenz zugeschrieben wird (Taxe 28.000 EUR). Besonders theatralisch gestaltete in der Zeit des Hochbarock der schwäbische Meister David Heschler die Geißelung Christi. Überdies zeugt die bühnentaugliche Dreiergruppe von souveräner Körperbeherrschung (Taxe 35.000 EUR). Ein elegantes Zylinderbureau mit Aufsatz hat es in die Abendauktion geschafft. Das mainfränkische Möbel aus der zweiten Hälfte des 18ten Jahrhunderts besticht durch seine Würfelmarketerie und die perspektivischen Stadtveduten auf den beiden Türen des Aufsatzes (Taxe 25.000 EUR).

Die Stars des Porzellan sind dann wieder Figuren: eine annähernd lebensgroße Katze, die eine Maus verspeist, um 1741 für 45.000 Euro, ein Ziegenpaar um 1765 für 28.000 Euro, ein Harlekin mit Bocksbalgdudelsack um 1736/40 für 18.000 Euro und ein Liebespaar mit Mops um 1745/50 auf Bronzesockel für 35.000 Euro, alle von Johann Joachim Kändler entworfen und ihrer Entstehung zeitnah. Nur eine Malabarin um 1750 stammt im Entwurf von Johann Friedrich Eberlein, was ihren Wert – der Schätzpreis liegt bei 25.000 Euro – aber keineswegs mindert. Daneben listet der Katalog aus der Meißner Porzellanmanufaktur noch Gebrauchsware adeliger Provenienz, wie eine Schale Eberleins mit dem „Brühlschem Allerlei“ für Heinrich Graf von Brühl um 1743/47 (Taxe 7.500 EUR) oder eine ovale Platte aus dem Service für Jean Pâris de Monmartel-Béthune (Taxe 4.500 EUR). Als Silberstück ragt ein teilvergoldeter Deckelhumpen des Augsburgers Heinrich Mannlich mit den getriebenen Darstellungen der vier Jahreszeiten hervor (Taxe 15.000 EUR).

Die große Masse an Kunst und Kunstgewerbe fährt Neumeister dann am nachfolgenden Mittwoch, dem ersten Dezembertag auf. Vormittags sind weitere Porzellane wie ein Frankenthaler Schafscherer nach einem Modell von Johann Adam Bauer um 1773 (Taxe 5.400 EUR) oder aus Ludwigsburg Jean Jacques Louis’ Bettlerin aus den 1760er Jahren (Taxe 3.800 EUR), Silber wie eine teilvergoldete Fußschale des Augsburger Meisters Michael Heckel d.Ä. um 1689/92 (Taxe 6.000 EUR), Skulpturen wie eine strenge böhmische Madonna um 1420/30 (Taxe 24.000 EUR) oder ein heiliger Rochus aus dem Donauraum um 1510/20 (Taxe 14.000 EUR) und auch eine stattliche Anzahl kostbaren Schmucks an der Reihe. Die Möbelsparte listet einen wohl Braunschweiger Sammlungsschrank mit durchbrochenem Messinggitter in den oberen Türhälften, der in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhundert gefertigt und später nochmals überformt wurde (Taxe 5.000 EUR).

Den Nachmittag bestreitet wieder die bildende Kunst, wobei hier die Alten Meister mit einem vielleicht von Cornelis Norbertus Gysbrechts stammenden Vanitasstillleben und einer baumbestandenen Uferlandschaft, Jasper van der Lanen zugeschrieben, für jeweils 15.000 Euro sogar noch zwei recht hochkarätige Arbeiten zum Aufruf gelangen. Die Neueren präsentieren weiterhin vor allem Landschaften, darunter erneut aus der Sammlung Schäfer Thomas Enders „Weg zur Ruine Greifenstein an der Donau“, eine weite südliche Landschaft vor untergehender Sonne wohl von Carl Robert Kummer, Carl Georg Christian Schumachers Elblandschaft an der Porta Bohemica bei Leitmeritz, eine pittoreske Naturkomposition mit Hirte und Schafherde Károly Markós d.Ä. und Johann Fischbachs Vorgebirgslandschaft mit Schlossruine aus dem Jahr 1854, alle um die 10.000 bis 14.000 Euro bewertet. Karl von Enhubers kleinbürgerliches Genrewerk „Soldatenspiel“ von 1853 (Taxe 10.000 EUR) oder Franz Xaver Simms kokette Szene „In der Theaterloge“, im Geist des Historismus gemalt, treten ebenfalls mit Sammlungsetikett Schäfer an (Taxe 12.000 EUR). Einmal nicht mit dieser Provenienz ausgestattet ist Hans Dahls heitere Segelpartie in einem norwegischen Fjord für 20.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 30. November um 18 Uhr und wird am 1. Dezember um 9:30 Uhr fortgeführt. Die Besichtigung ist noch bis zum 29. November täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



29.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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30.11.2010, Alte Kunst - Julibäumsauktion 350

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Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

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Das 19te Jahrhundert auf Talfahrt!

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Maria mit Kind, Franken (Nürnberg), um 1500
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Jasper van der Lanen zugeschrieben, Baumbestandene
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Raffaele Carelli, Isola del Liri – Blick auf die Cascata del Valcatoio, 1836

Raffaele Carelli, Isola del Liri – Blick auf die Cascata del Valcatoio, 1836

Taxe: 35.000,- EURO

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Johann Friedrich Eberlein, Malabarin, um 1750

Johann Friedrich Eberlein, Malabarin, um 1750

Taxe: 25.000,- EURO

Losnummer: 7

Cornelis Norbertus Gysbrechts zugeschrieben, Vanitas-Stillleben mit Notenheft

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Taxe: 15.000,- EURO

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Johann Joachim Kändler, Große Katze, um 1741

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Johann Fischbach, Vorgebirgslandschaft mit Schlussruine, 1854

Johann Fischbach, Vorgebirgslandschaft mit Schlussruine, 1854

Taxe: 12.000,- EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 854

Giovanni della Robbia zugeschrieben, Tondo mit Imperatorenportrait, Anfang 16. Jahrhundert

Giovanni della Robbia zugeschrieben, Tondo mit Imperatorenportrait, Anfang 16. Jahrhundert

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Losnummer: 22




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