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Das Centraal Museum im niederländischen Utrecht würdigt mit Gerrit Rietveld den größten Sohn der Stadt

Leben im unendlichen Raum



Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, Oktober 2010

Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, Oktober 2010

Mit Gerrit Rietveld verbindet man den rot-blauen Stuhl von 1917/19 und das 1924 fertig gestellte Schröder-Rietveld-Haus in Utrecht. Der Stuhl ist zu seinem Markenzeichen auf dem Gebiet des Möbeldesigns geworden, sein erster architektonischer Auftrag avancierte rasch zur Ikone moderner Baukunst. Im Dezember 2000 hat die UNESCO ihn in ihre Liste zum Weltkulturerbe aufgenommen. Über hundert weitere realisierte Gebäude und viele Möbelstücke, darunter der legendäre Zickzackstuhl oder der Berlinstuhl, stehen im Schatten der zwei Hauptwerke. Schon lange schien es daher an der Zeit, den „gesamten Rietveld“ im Rahmen einer Retrospektive vorzustellen. Es lag nahe, dies im Centraal Museum seiner Heimatstadt Utrecht zu tun, das weltweit die größte Sammlung von Entwürfen des Meisters besitzt. Die große Ausstellung „Rietvelds Universum“ bildet nun den Höhepunkt zahlreicher Aktivitäten des heuer in Utrecht begangenen „Rietveld Jahres“. Dabei rücken besonders das Denken, die Mentalität sowie das Umfeld des Künstlers in den Fokus.


Vor seinem Aufstieg zum führenden Exponenten der De Stijl-Bewegung absolvierte der 1888 in Utrecht geborene und ebendort 1964 verstorbene Gestalter eine Möbelschreinerlehre. Neben der Tagesarbeit in der väterlichen Werkstatt bildete er sich zudem in Abendkursen zum Architekten weiter. Am besten kommt man dem Rietveldschen Geist auf die Spur, wenn man zuerst das vom Museum fußläufig erreichbare Schröder-Rietveld-Haus besichtigt. Die erst 35jährige Anwaltswitwe Truus Schröder ermöglichte Rietveld in einer geradezu kongenialen Partnerschaft, den Glanzpunkt der De Stijl-Bewegung zu erschaffen. Mit klaren Vorstellungen brachte sich Truus Schröder in den Entwurfsprozess ein. Innerhalb von sieben Monaten des Jahres 1924 entstand so das einzige, vollkommen nach den Prinzipien des De Stijl erbaute Meisterwerk.

Äußerlich wirkt der Block aus weißen und grauen Wandflächen, die allesamt rechtwinklig gegeneinander stehen, ausschweifen und großzügige Öffnungen aufweisen, wie eine dreidimensionale konstruktivistische Plastik, deren rot, gelb und blau gefasste Träger, Stürze und Balken lineare Akzente setzen. Eine weitere Anomalität eröffnet sich im Inneren. Während das Erdgeschoss eher traditionell aus abgeschlossenen kleinen Zimmern besteht, findet sich im Obergeschoss ein einziger Raum mit flexiblem Grundriss. Durch Ausfahren und Zusammenklappen von Wänden, die auf Boden- und Deckenschienen rollen, lassen sich mit wenigen Handgriffen individuelle Raumeinheiten herstellen. Die Bauherrin wollte im oberen Hausteil völlig frei sein und erhielt die Baugenehmigung nur, weil sie das Obergeschoss als Dachboden auswies. Die teils über Eck geführten Fenster lassen sich zu neunzig Grad ausklappen, so dass man sich wie im Freien vorkommt.

Der äußeren Farbgebung entspricht das Innere: Eingebaute Schränke, ausklappbare Tische, Beistellmöbel sind ebenso wie der Fußboden aus Gummibelag, die lackierten Dielen in kräftigen Primärfarben sowie schwarz und weiß gefasst. Die Innenkonzeption, die das Wohnen als nie endenden und unendlich ausdehnbaren Lebensakt regelrecht zelebriert, war seinerzeit sensationell. Die Gestaltung des unendlichen Raumes, Offenheit und Transparenz statt kompakter Masse, das Oszillieren zwischen Innen und Außen, zwischen losen und fixen Elementen erzeugen ein sinnliches Raumerlebnis. Mit dem Bau übersetzt Rietveld Piet Mondrians bis ins Unendliche fortsetzbare Kompositionen ins Plastisch-Architektonische. Erst mit dem Tod der 96jährige Truus Schröder 1985 in ihrem wohl proportionierten, aber asymmetrischen Haus konnte die Inkunabel moderner Baukunst restauriert und als Teil der Schröder-Rietveld-Stiftung öffentlich zugänglich gemacht werden.

Die Ausstellung im Centraal Museum bietet einen profunden Überblick über Möbel, Bauten und Innengestaltungen. Gemäß Rietvelds Vorstellungen durchdringen sich die einzelnen Arbeitsgebiete auch in der Präsentation, in der Materialmuster und -proben sowie Illustrationen seiner experimentellen Arbeitsmethoden zum Einsatz kommen. Augenfälligste Exponate sind die vielen Möbel, die in originalen Modellen, Fotografien und Entwurfszeichnungen vorgestellt werden. In unmittelbarer Bezugnahme darauf fügen sich jene weiteren Gestalter ein, die ähnlich wie Gerrit Rietveld kreativ an innovativen Lösungen arbeiteten: Mart Stam, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe oder Alvar Aalto.

Rietvelds Debüt, der rot-blaue Stuhl, bildet dabei den Höhepunkt. 1917, als er sich mit einer eigenen Tischlerwerkstatt selbständig machte, schuf er den Prototyp dieses Möbels, dessen Erstfassung aus unlackiertem Buchenholz noch Seitenbretter unter den Armlehnen besaß. Erst ins Jahr 1919 datiert die heute bekannte Konstruktion. Mitarbeiter schlugen dann vor, das Möbel bunt zu gestalten. So entstand um 1923 die endgültige Variante in den Primärfarben. Der Sessel aus 13 Vierkantleisten und zwei Holzbrettern für Sitz- und Rückenlehne verkörpert nach Rietveld eine „freie und klare Raumkreation“. Das Modul wird als Inkarnation mondrianscher Gestaltungsideale angesehen, das den Raum mithilfe dieses dreidimensionalen Konstruktes in farbige Linien überhaupt erst generiert, umfasst und gestaltet. Ähnlich die 1917 geschaffene Anrichte, die ein einziges Gefüge aus horizontalen und vertikalen Streben und Flächen mit vielen Freiräumen zwischen Fächern und Schubladen bildet. Diese experimentell-modulhafte Gestaltungsweise steht dem Hausbau nahe. Selbst die „Dachplatte“ der Anrichte kragt vor.

Viele weitere originelle, aber weniger bekannte Schöpfungen begleiten den Rundgang, darunter ein verwandelbarer Kinderstuhl oder ein Strandwagen aus dem Jahr 1922, übrigens das erste Möbel Rietvelds, das in der Zeitschrift „De Stijl“ publiziert wurde. Im Folgejahr schuf er den bekannteren Beistelltisch mit roter runder Fußplatte sowie den für die Berliner Kunstschau 1923 erdachten „Berlin-Stuhl“ aus horizontalen und vertikalen Planken, alle farbig gefasst und nach Asymmetrie strebend. 1932 folgt dann der aus Spanplatten zusammengesetzte Zickzackstuhl. Das letzte Sitzmöbel stammt aus dem Jahr 1963. Für den Juwelierladen Seltman konstruierte Gerrit Rietveld den „Seltman Chair“ aus Polsterbalken, der treffend minimalistische Tendenzen spiegelt.

Viele weitere Innengestaltungen für Geschäfte, Wohnungen, Betriebe oder Kinos stellt die Ausstellung vor, darunter die originelle Einhausung des Bügelbretts in eine Schranktür für Appartements eines Wohnblocks in Haarlem von 1937/38. Frappant geben sich immer wieder Analogien zu zeitgleichen Arbeiten an anderen Orten. Rietvelds 1922 installierte Hängelampe aus Leuchtstoffröhren, quasi eine hängende konstruktivistische Freiplastik, zeigt offenkundige Verwandtschaft zum Lampensystem im Weimarer Direktorenzimmer von Bauhausdirektor Walter Gropius.

Als aufschlussreich, da in ihrer Gesamtheit weniger breit im öffentlichen Bewusstsein verankert, erweist sich die Präsentation einer Auswahl aus Rietvelds zahlreichen Architekturprojekten: Das Ideal eines Schröder-Rietveld-Hauses wird nie wieder erreicht. Bauherrliche Vorgaben sowie geschmackliche und funktionale Referenzen an die Zeit bedingten weniger provokative Lösungen, wenn auch Bestrebungen nach innovativen Grundrisskonzeptionen und Anwendung neuer, leichter, in Modulen montierbarer Materialien unverkennbar bleiben. In Wien schuf Gerrit Rietveld zwischen 1929 und 1932 Wohnzeilen für die Werkbundsiedlung, in Utrecht fast zeitgleich ähnlich strukturierte Mietwohnungsbauten mit offenen Grundrissen und mobilen Wänden. Das Bauen mit standardisierten, schnell montierbaren Elementen geschah auch vor dem Hintergrund, aus sozialen Gründen billigere Mieten zu ermöglichen.

Während in den 1930er Jahren ziegelverkleidete Fronten und geneigte Dächer vorherrschen, sind die zahlreichen privaten Wohn- und Villenbauten der 1950er Jahre von Transparenz mit geschosshohen Glasfronten und offengelegten Konstruktionen über bisweilen ausufernden Grundrissen und weiten Dachüberständen gekennzeichnet. Damit erinnern diese Bauten stark an die Werke Frank Lloyd Wrights, Mies van der Rohes und Le Corbusiers. Für Furore sorgten einige seiner öffentlichen Projekte, so der Holländische Biennale-Pavillon in Venedig 1953/54, die Gestaltung des Weltausstellungspavillons 1958 in Brüssel, die Textilfabrik De Ploeg in Bergeijk mit ihrer innovativen Scheddachkonstruktion 1956/58, das Institut für angewandte Kunst in Amsterdam, die heutige „Rietveld-Akademie“, mit ihrer gläsernen Vorhängefassade, einem „Curtain Wall“ nach dem Vorbild des Dessauer Bauhauses, sowie nicht zuletzt der Altbau des Amsterdamer Van Gogh Museums zwischen 1963 und 1973.

Die Ausstellung „Rietvelds Universum“ ist noch bis zum 30. Januar 2011 zu sehen. Das Centraal Museum täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, die Ermäßigungen bewegen sich zwischen 2 und 9,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der in niederländischer Sprache 39,50 Euro, in englischer Sprache 47,50 Euro kostet. Zusätzlich wurde eine Rietveld-Monografie herausgegeben, die nur in englischer Sprache für 59,95 Euro verfügbar ist. Das Schröder-Rietveld-Haus kann nur im Rahmen von Audio-Touren besichtigt werden, die von mittwochs bis sonntags um 11, 13, 14, 15, und 16 Uhr stattfinden und 12 Euro, ermäßigt 10,50 Euro kosten.

Centraal Museum
Nicolaaskerhof 10
NL-3512 XC Utrecht

Telefon: +31 (0)30 – 2 362 362
Telefax: +31 (0)30 – 2 332 006

www.rietveldjaar.nl



23.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, Oktober 2010
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Variabilder:

Blick in die Rietveld-Ausstellung
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Künstler:


Gerrit Thomas Rietveld







Das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, Oktober 2010

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Blick in die Rietveld-Ausstellung

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