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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Auch bei der Zeitgenössischen Kunst machen sich im Wiener Dorotheum die Italiener breit. Der zweite Fokus liegt auf der heimischen Kunstproduktion

Antennen aus dem Süden



Seinen Italienschwerpunkt, den das Wiener Dorotheum schon bei den Künstlern der Moderne zur Geltung bringen möchte, setzt es auch in der Gegenwartsauktion fort. Gleich das erste Los ist ein klassischer Italiener der 1960er Jahre, also in der starken Zeit der Nachkriegskunst auf der Apenninhalbinsel: Agostino Bonalumis „Arancione“ aus dem Jahr 1968 feiert die Schönheit der reinen Form. Zu sehen ist eine rund 130 mal 120 Zentimeter große knallrote Wachsleinwand, in die mittels rückwärtig applizierter Körper Oberflächenkonturen eingefügt sind, darunter eine schöne glatte runde Form in der unteren rechten Ecke. So wird die Malerei, hier ohnehin minimalistisch gehandhabt, zum Relief. Ähnliches haben in jenen Jahren auch Enrico Castellani und natürlich die großen Zwei der italienischen Avantgarde Piero Manzoni und Lucio Fontana gemacht. Allein Letzterer ist noch mit einigen Multiplen beim Dorotheum zugegen. Bonalumis für 100.000 bis 150.000 Euro angebotenes Werk vertritt also eine ganze Kunstrichtung und hat einen kleineren Bruder in wasserblauen, mehr amorphen, aber ebenfalls strukturierten Leinwand „Blu“ von 1991 für 25.000 bis 35.000 Euro.


Von der anderen Seite, der Skulptur nämlich, näherte sich Arnaldo Pomodoro der fließenden Grenze zwischen den beiden großen Gattungen der bildenden Kunst. In der bronzenen Weltkugel „Sfera“ aus dem Jahr 1970 nimmt der Praemium Imperiale-Preisträger von 1990 zudem den seit der Michelangelo-Forschung so heiß diskutierten Gegensatz zwischen finito und infinito auf (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Fausto Melotti erlangte insbesondere durch filigrane, ephemer wirkende Gestelle Bekanntheit, die an Antennen oder sonstige technische, oftmals surreal wirkenden Gerätschaften erinnern. Ein solches Werk ist seine nicht weniger als sechseinhalb Meter hohe Kupferarbeit „I luonghi deputati“ aus dem Jahr 1976 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Als weiterer Plastiker tritt Sandro Chia mit der schwarz patinierten Bronze „Viandante e candela“ in Erscheinung, die in ihrem Fetischcharakter und der brennenden Kerze an einen Hausaltar erinnert (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Der Arte Povera gehört Alighiero Boetti an. Unverwechselbar ist seine Buchstabenstickerei „Tavole Pitagoriche – Finlandese orizzontale“ aus dem Jahr 1990, vier Jahre vor dem Tod des Künstlers (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Als Abbilder surrealistischer Welten betätigt sich Domenico Gnoli 1956 in seiner aquarellierten Federzeichnung „La nave degli emigranti“, die sich als vielgeschossiger, zahlreich bevölkerter Holzturm äußert (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Geometrisch-konstruktive Tendenzen vertreten Gianni Dova mit seinem fast völlig vertikalen Linien- und Gittergeflecht von 1951 (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR) und Achille Perilli mit seiner „La macchinosa perifrasi“ von 1980, bei der man an ein Insektenmaschinenwesen denken mag (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Auch die Pop Art hat ihre Spuren in Italien hinterlassen. Großflächig und den Gegenstand vereinfachend, malt Sergio Lombardo 1964 ein „John F. Kennedy“ (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), und Valerio Adami nimmt sich 1969 in gleicher Manier eines Frisiersalons mit „Lavabo“ an (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). In Richtung Informel geht Emilio Vedovas materialreiche Collage „Rilievo Berlin“ aus dem Jahr 1964, eine Hommage an die geteilte deutsche Hauptstadt drei Jahre nach dem Mauerbau und während eines zweijährigen Aufenthalts unmittelbar vor Ort entstanden (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Auf französischer Seite beeindruckt hier Georges Mathieu mit dem gestischen „Frénésie mortelle“, wenngleich erst 1990 entstanden, aber doch unverwechselbar durch die schmalen Pinselstriche, die konvulsivisch aus der dichten, schmutzigroten Farbmasse ausreißen (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR). Augentäuschungen bringt dann Victor Vasarely in seinem blauen Op-Art-Gemälde „Delatt“ von 1976/77 auf die Leinwand (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Aus Spanien kommt diesmal Eduardo Chillida zur Geltung. Seine Terrakottaskulptur „Lurra M-13“ ist eine späte Arbeit aus dem Jahr 1995, als der Künstler eher zu amorphen und zugleich blockhaft in sich gekehrten Erscheinungen neigte (Taxe 95.000 bis 135.000 EUR). Ihm stehen Antonio Saura mit der filigranen und fast ornamentalen Tuschezeichnung „Das jüngste Gericht“ von 1970 (Taxe 22.000 bis 24.000 EUR) und Luis Feito mit dem abstrakten Farbspiel von Rot und Schwarz bei (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Auch ein bisschen amerikanische Pop Art darf mitmischen: Andy Warhols acrylbemaltes Siebdruckbildnis „Ms. Giuliana Benetton“ aus dem Jahr 1986 für 250.000 bis 300.000 Euro, seine Sicht auf Ingrid Bergman als Nonne, eine Serigrafie von 1983 für 45.000 bis 60.000 Euro, und Mel Ramos’ heißer Frauenakt an einer Coca-Cola-Dose unter dem Titel „Lola Cola Nr. 6“ von 2006 für 80.000 bis 140.000 Euro.

England stellt Graham Sutherlands in undefinierbarer Umgebung vor grünem Fond schwebende „Hanging Form“ aus dem Jahr 1956. Zu jener Zeit stand der Künstler in enger Beziehung zu Francis Bacon, von dem er die eigenwillige Auffassung der Beziehung zwischen Objekt und Raum übernommen und vom Figuralen aufs Dingliche übertragen hat (Taxe 90.000 bis 150.000 EUR). Daneben kommen etwa David Hockney mit seiner Lithografie „Coloured Flowers made o Paper an Ink“ von 1971 (Taxe 12.000 bis 13.000 EUR) oder Damien Hirst zum Zuge. Letzterer stellt insgesamt fünf Arbeiten, darunter die einem gotischen Glasfenster nachgeahmte Serigrafie „Psalm/Exaudi Domine“ mit Schmetterlingsflügeln (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR) oder die mit Pastellkreide übergangene Radierung mehrer Farbkreise „Billi Mill Roundabout“ (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Aus der Reihe der deutschen Avantgarde nach 1945 sticht Günther Uecker hervor: Seine regelmäßige „Reihung“ senkrecht auf eine weiß lackierte Holztafel applizierter Nägel entstand 1970 für die 35. Biennale in Venedig und rechtfertigt daher wohl am besten den ansonsten nicht gerade bescheidenen Schätzpreis von 100.000 bis 120.000 Euro. An den Holocaust der Nationalsozialisten soll Anselm Kiefers „die Ungeborenen“ erinnert, auf der eine motivisch uneindeutige Schwarzweißfotografie von zerbrechlichen Pflänzlein mit kleinen Kleidungsstücken überwuchert ist (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Unverkennbar Konrad Klapheck ist das kleine Ölbild „Day after Day“: Vielleicht handelt es sich bei dem dargestellten Ding um eine Nähmaschine oder um eine Schreibfeder, vielleicht ist es aber auch nur eine abstrakte Form, die lediglich Assoziationen hervorruft. Bei den frühen Arbeiten, vorliegende entstand 1959/60, gibt es keine eindeutigen Definitionen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Mitte der 1980er Jahre treten in Werken Markus Lüpertz’ Melonenscheiben als exotische Variation der „Dithyramben“-Form auf, so auch 1984/85 in dem Gemälde „Die Zukunft des Gehängten – Melonen-Mathematik VIX“ (Taxe 28.000 bis 35.000 EUR). Diesem Bildmächtigen setzt Hanne Darboven ihre feinsinnige Konzeptkunst gegenüber, die sich meist Zeichnungen auf kariertem Papier mit Ziffern und Symbolen, rhythmischen Linien und Durchstreichungen äußert. In dieser Art schuf sie 1990 auch die 16teilige Arbeit „Dostojewski – 12 Monate“ (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Jörg Immendorff ist mit zwei plastischen Arbeiten vertreten: Seinen 2,30 Meter hohen Affen „Malerstamm Jörg“ aus dem Jahr 2002 gibt es für 100.000 bis 150.000 Euro, 180.000 bis 250.000 Euro soll man für seine Familie von 18 freilich wesentlich kleineren „Malerstamm“-Figuren aus dem Jahr 2005 hinlegen, die so schöne Namen wie „Giorgio“, „Arnim Dietrich“, „Blinky“ oder „Kurt“ tragen.

Einige der teuersten Arbeiten stellen die Österreicher. Für Hermann Nitsch wird bei 350.000 bis 450.000 Euro ein neuer Auktionsrekord erwartet, der den alten, gerade erst aufgestellt im Wiener Kinsky, um fast das Vierfache übertreffen soll. Gegenstand des Interesses ist ein „Rosenbild“ von 1963, also ein Frühwerk des damals 25jährigen Künstlers, der es einst seinem Lehrer Peter Kubelka widmete. Bei Nitsch ist es die mehrmals verwendete Buchstabenkombination IHS, bei Arnulf Rainer die Kreuzform, die beide Künstler in die Nähe christlicher Symbolik führte. Rainer schuf in der Mitte seines Lebens eine ganze Reihe von Kreuzbildern, so 1979/81 eine Kreuzübermalung mit einem fragmentierten Christuskorpus (Taxe 100.000 bis 160.000 EUR) oder 1982 eine pastose, aufgerissene, schwarze Kreuzform (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Otto Muehl malte 1983 eine orangefarbene, dunkelrote, abstrakte und aggressive Farbschlacht, aus der sich menschliche Körper herauszuschälen scheinen (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Ihm tritt Valie Export mit ihrer feministischen Fotografie „Aktionshose-Genitalpanik“ von 1969 gegenüber, die sie 1980/82 noch einmal auf großer Leinwand abziehen ließ (Taxe 38.000 bis 45.000 EUR).

Die Generation nach Nitsch und Rainer ging etwas humorvoller, weniger verkrampft an die Aufgaben und Intentionen von Kunst heran. Franz West beispielsweise begnügte sich 1985 in einer unbetitelten Arbeit mit einer schrundigen weißlichen Fläche auf bruchstückhaftem Querformat, die er noch im gleichen Jahr in einer Ausstellung mit dem sinnigen Titel „Synonyme für Skulptur“ im Landesmuseum Graz präsentieren konnte (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). Süffisante Textkritik betrieb er 1977, als der sich die Titelseite des Corriere della Sera hernahm, die Buchstaben übermalte und als neuen „Titel: Anklage gegen das faschistoeske Zeitungswesen“ angab (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR). Natürlich darf da auch der unvergleichliche Erwin Wurm nicht fehlen, der in „Misconceivable“ eines seiner Boote deformiert vom Sockel gleiten lässt (Taxe 28.000 bis 38.000 EUR).

Der vor drei Jahren gestorbene Adolf Frohner bewies ebenfalls Humor, als er Michelangelos kolossale David-Figur, das Inbild eines schönen Mannes, 1975 in einen Transsexuellen verwandelte, der sich zu allem Überfluss auch noch in einem Spiegel bewundert. Das in Grafit gezeichnete Mannweib soll 20.000 bis 30.000 Euro kosten. Die Verwerfungen und Ungereimtheiten des menschlichen Lebens waren stets auch Thema von Alfred Hrdlicka, so etwa in der mit Ölfarbe übergangenen Kohlezeichnung „Count down“ von 1974 (Taxe 36.000 bis 45.000 EUR). Den „Uomini Illustri“ des venezianischen Caffè Florian stellte Irene Andessner 2003 ihre Serie berühmter Frauen Venedigs wie die Komponistin Barbara Strozzi, die Malerin Rosalba Carriera oder die Kurtisane Veronica Franco gegenüber. Die zehn selbstinszenatorischen Fotos liegen bei 30.000 bis 40.000 Euro.

Während Brigitte Kowanz mit einer Wandinstallation aus Halogenlicht von etwa 1989 (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR) und Hans Bischoffshausen mit einem gänzlich weißen, sanft strukturierten „Energiefeld“ aus dem Jahr 1960 die Ungegenständlichkeit bevorzugen, liebt Siegfried Anzinger in den Bildnis „ML-Tel“ von 1994 eine verschwommene Figuration (Taxe 28.000 bis 38.000 EUR), und bastelt sich Gabi Trinkaus 2005 ihr Collage-Gesicht aus vielen kleinen Zeitschriftenfetzen zusammen (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Die Pluralität gegenwärtiger österreichischer Kunstäußerungen lässt sich auf Gottfried Helnweins humorvollen Zeichnungen, wie „Das Bubenwunder“ von 1986 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), den kosmischen Farbwelten von Gunter Damisch für bis zu 15.000 Euro oder Werner Feiersingers geometrischer Skulptur eines schwarzen Stahlrohrrahmens mit Aufsteller von 2007 ablesen (Taxe 20.000 bis 26.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 25. November um 18 Uhr. Die Objekte können bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Katalog ist unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



22.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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