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Ist das noch Kunst oder bloß Event? Carsten Höller verwandelt den Hamburger Bahnhof in Berlin in eine gigantische Versuchsanordnung mit Rentiergehege, Vogelbauern und einem Lotterbett für 1.000 Euro die Nacht

Zwölf Rentiere auf der Suche nach dem Zaubertrank



Carsten Höller, Soma, 2010

Carsten Höller, Soma, 2010

Das Museum als Animal Farm: Unvorbereitete Besucher, die dieser Tage den Hamburger Bahnhof in Berlin betreten, dürften sich zunächst einmal die Augen reiben. Zwölf ausgewachsene Rentiere haben es sich in der langgestreckten Hauptausstellungshalle des Museums bequem gemacht. Offenbar ganz und gar an den Menschen gewöhnt, gehen die traditionellen Haustiere der Lappen und Samen ihren üblichen Verrichtungen nach. Sie fressen und trinken, reiben sich ab und zu an den Geweihen und scheiden am Ende die Überreste dessen aus, was sie zuvor zu sich genommen haben. Nein, auch wenn es penetrant nach Stall riecht und in überdimensionalen Vogelbauern die Kanarienvögel zwitschern, das ist keine Nebenstelle des Zoologischen Gartens und auch keine verfrühte Version der demnächst überall aus dem Boden sprießenden Weihnachtsmärkte. Kein „Santa Claus“ weit und breit, der die namenlosen Tundrabewohner vor seinen Schlitten spannen will.


Ausgedacht hat sich diese künstlerische Versuchanordnung der 1961 in Brüssel geborene deutsche Künstler Carsten Höller. Einem größeren Publikum bekannt geworden ist der habilitierte Agrarwissenschaftler Höller bereits 1997. Gemeinsam mit der Kölner Künstlerin Rosemarie Trockel zeigte er auf der Kasseler Documenta X schon einmal lebende Tiere. Das „Haus für Schweine und Menschen“ in der Karlsaue vereinte beide Gattungen unter einem Dach und sorgte damals schon für heftige Kontroversen über seinen künstlerischen Wert. War das nun ein banaler Appell gegen den Fleischkonsum oder eher ein sorgfältig ausgetüfteltes Kunstwerk in der Tradition der „Tableau Vivants“, lebender Bilder also, wie sie schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Europa populär waren?

In Berlin ist die ganze Angelegenheit noch um einiges komplizierter. „Soma“ nennt Höller sein neues Projekt. Er stößt damit in die indogermanische Mythenwelt des zweiten Jahrtausends vor Christus zurück. Als „Soma“, so die bruchstückhafte Überlieferung, bezeichnete man damals eine Art erkenntniserweiternden, göttlichen Zaubertrank. Das geheimnisvolle Elixier taucht aber auch in Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ auf. Seine Wirkung ist dort wesentlich ambivalenter. Es verschafft Glücksgefühle, hält aber auch die Emotionen der Menschen flach.

Was Carsten Höller nun in Berlin aufgebaut hat, ist eine Art künstlerisch-wissenschaftliche Laborsituation. Überprüft werden soll die etwas krude anmutende Hypothese, wonach „Soma“ sich im Urin von Lebewesen nachweisen lässt, die zuvor Fliegenpilze verzehrt haben. Waren das bei den indogermanischen Nomadenvölkern noch die Schamanen selbst, so überprüft Höller jetzt, ob nicht auch der Rentierurin als Katalysator für göttliche Eingebungen dienen könnte. Dazu sollen die friedfertigen Paarhufer mit Fliegenpilzen gefüttert werden. Assistenten des Künstlers fangen den Urin dann in Spezialgefäßen auf und verabreichen ihn anschließend an Kanarienvögel, Mäuse und Fliegen. Das Ganze läuft als Doppelblindversuch. Die Versuchstiere sind streng wissenschaftlich in zwei Gruppen eingeteilt: Eine erhält das angebliche Zauberelixier, die andere nur einen Placebo.

Trotz aller vorgegaukelten Wissenschaftlichkeit lässt Höller aber offen, was er mit seiner gigantischen Inszenierung eigentlich bezweckt. Was am Ende überwiegt, sind Effekthascherei und Eventcharakter. Im Zentrum der zweifellos schick durchgestylten Installation steht eine pilzförmige Plattform mit kreisrundem Doppelbett. Besucher, die auf das nächtliche Gezwitscher berauschter Kanarienvögel und die Kau- und Verdauungsgeräusche eingepferchter Wiederkäuer stehen, können sich hier einmieten: für schlappe 1.000 Euro die Nacht, Frühstück inklusive.

Die Ausstellung „Carsten Höller – Soma“ ist bis zum 6. Februar 2011 zu sehen. Der Hamburger Bahnhof hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 20 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr und an Neujahr von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und Silvester. Der Eintrittspreis beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der 128seitige Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 15 Euro.

Kontakt:

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin

Invalidenstraße 50-51

DE-10557 Berlin

Telefon:+49 (030) 39 78 34 12

Telefax:+49 (030) 39 78 34 13



10.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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 Soma, 2010
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Carsten Höller,
 Soma, 2010
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Künstler:

Carsten Höller







Carsten Höller, Doppelpilzuhr, 2010

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Carsten Höller, Soma, 2010

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