Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Darf man das? Die Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ versammelt das visuelle Inventar des Alltags im Dritten Reich und sucht so nach Antworten auf die Frage: Wie war Hitler möglich?

Ein Sideboard aus der Reichskanzlei



Lampion mit Hakenkreuz, um 1940

Lampion mit Hakenkreuz, um 1940

„Es geht nicht um Hitler als Person“. Hans Ottomeyer, der Präsident des Deutschen Historischen Museums weiß um die Brisanz des Ausstellungsunternehmens, mit dem sein Haus in den nächsten Tagen und Wochen weltweit in die Schlagzeilen geraten wird. Auch wenn der Titel der bis zum 6. Februar 2011 laufenden Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ lautet, und damit so wissenschaftlich ausgewogen wie möglich daherkommt, so wird wahrscheinlich doch ganz rasch von der „Hitler-Ausstellung“ die Rede sein, die es da in der Ausstellungshalle Unter den Linden zu sehen gibt. Ein sprachlicher Lapsus, der übrigens auch den Ausstellungsmachern selbst während der Pressekonferenz unterlaufen ist.


Worum es den Machern dieser mit über 600 Exponaten angefüllten Schau aber eigentlich geht, das ist die Frage nach den Mitteln von Hitlers Machtentfaltung. Ausgestellt sind daher all die Objekte, die für jedermann unübersehbar den visuellen und propagandistischen Alltag im Dritten Reich prägten. Und das ist ausgerechnet genau das, was bis heute auf Flohmärkten immer wieder verschämt unter Tüchern präsentiert oder unterm Ladentisch hervorgeholt wird. Relikte und Souvenirs der NS-Herrschaft wie Anstecknadeln, Zinnsoldaten, Blechpanzer, propagandistische Gesellschaftsspiele, Sammeltassen mit Hakenkreuz-Dekor, Mutterkreuz- und Hitlerjugendkitsch. Kurzum, der Zierrat der Gewaltherrschaft.

Banal könnte man das alles nennen. Dennoch, so Hans-Ulrich Thamer, Historiker an der Universität Münster und Hauptkurator der Ausstellung, war es die „zuvor nie gekannte Rasanz der totalen Umgestaltung“, die praktisch über Nacht aus dem Rechtsstaat ein gleichgeschaltetes und auf Schritt und Tritt visuell wahrnehmbares Terrorregime entstehen ließ. Kein gesellschaftlicher Bereich blieb ausgespart: Der Führerstaat und seine Inszenierung der Macht begegneten den Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit: Ob in Form allgegenwärtiger Fahnen, Wimpel und Standarten, rot-weiß-schwarzer Spendendosen für das Winterhilfswerk oder Zeitungswagen mit dem Schriftzug „Völkischer Beobachter“.

Zu den Furcht einflößendsten Exponaten dieser Schau gehören vielleicht die NS-Uniformen und Dienströcke, die hinter einer Glasscheibe an Nylonfäden hängend präsentiert werden: Von der Strickjacke im Berchtesgadener Stil für BDM-Mädchen über Schwesternkleider bis hin zu Braunhemden der SA und Waffenröcken der Wehrmachtsgeneräle tritt dem Betrachter die geballte Dominanz der durchuniformierten Gesellschaft des Dritten Reiches entgegen. Ein anderes, nicht minder erschreckendes Kabinett versammelt Kinderzeichnungen und Ergebenheitsbekundungen, die treue Hitler-Bewunderer dem Führer zum Geburtstag geschickt haben: „Lieber, guter Onkel Hitler“ schreibt da die 9jährige Trautl aus Leipzig und wünscht „Gesundheit, Glück und alles Schöne“.

Einfache und monokausale Antworten auf die Frage, wie Hitler möglich war, will und kann die Ausstellung nicht geben, so Thamer. Was sie aber aufzeigt, das sind die mitunter plumpen, mitunter subtilen Mechanismen des Hitler-Regimes, die die Deutschen nach und nach zu einer Zustimmungs- und Mitwirkungsgemeinschaft formten. Der zynischste und menschenfeindlichste davon ist die Ausgrenzung gegenüber denjenigen, die dieser Gemeinschaft nicht angehören sollten. Das Dritte Reich tat dies bis hin zur millionenfachen physischen Vernichtung von Juden, Homosexuellen, Kriegsgefangenen oder anderen „Gemeinschaftsfremden“. Die Schau, die anhand völkischer Malerei und nationalsozialistischen Kunsthandwerks – sogar ein Sideboard mit Hakenkreuzintarsien aus der Reichskanzlei ist zu sehen – nicht davor zurückscheut, das visuelle Inventar des Dritten Reiches offen zu legen, zeigt auch diese Seite der Inszenierung nationalsozialistischer Macht: judenfeindliche Emailleschilder, zerschlissene Zwangsarbeiterhemden und die „Umsiedlung“ von Euthanasieopfern per harmlos erscheinendem Reisebus.

Am Ende des Rundgangs dürfte jeder zu der Erkenntnis gelangen, dass die Person Hitler ohne die weitestgehende Bereitschaft der Deutschen, sich unter dem Hakenkreuz zur Volksgemeinschaft zusammenschweißen zu lassen, nichts weiter geblieben wäre als ein lächerlicher Versager. Die Behauptung, wonach die meisten Deutschen vom Holocaust erst nach dem Krieg erfahren haben wollen, ist nach dem heutigen Stand historischer Forschung eine glatte Lüge. Hans-Ulrich Thamer: „Man konnte wissen, wenn man wollte.“

Die Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ ist bis zum 16. Februar 2011 zu sehen. Das Deutsche Historische Museum Berlin hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. An Heiligabend und am 1. Weihnachtstag bleibt es geschlossen. Der Eintritt beträgt 6 Euro, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Der 328seitige Katalog kostet 25 Euro.

Kontakt:

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2

DE-10117 Berlin

Telefax:+49 (030) 20 30 45 43

Telefon:+49 (030) 20 30 40



26.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


15.10.2010, Hitler und die Deutschen - Volksgemeinschaft und Verbrechen

Bei:


Deutsches Historisches Museum

Variabilder:

Lampion mit
 Hakenkreuz, um 1940
Lampion mit Hakenkreuz, um 1940

Variabilder:

in der Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft
 und Verbrechen“
in der Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

Variabilder:

„Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“
„Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

Variabilder:

Hitler und die Deutschen: Beschädigter NS-Reichsadler
Hitler und die Deutschen: Beschädigter NS-Reichsadler







in der Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

in der Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

„Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

„Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“

Hitler und die Deutschen: Beschädigter NS-Reichsadler

Hitler und die Deutschen: Beschädigter NS-Reichsadler




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce