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Ein Künstler im Pyjama: Die Hamburger Kunsthalle zeigt eine große Retrospektive des kanadischen Künstlers Rodney Graham

Konzeptkunst mit Humor



Der talentierte Hobbymaler: Im Wohnzimmer eines geschmackvoll möblierten Bungalows aus den 1960er Jahren ist das kostbare Parkett mit Zeitungen ausgelegt. Ein Maler hat hier seine Utensilien aufgebaut: eine große Leinwand, diverse Farbtöpfchen und Stapel von opulenten Kunstbänden seiner Heroen: Pablo Picasso, Joan Miró, Max Ernst. Der gut gelaunte Amateurmaler steht dort barfuß im blau gestreiften Altherrenschlafanzug, eine Zigarette lässig im Mundwinkel. Er schüttet gelbe Farbe auf die schräg aufgestellte Leinwand, um sein abstraktes Gemälde zu vollenden. Das überdimensionale Leuchtkastenbild „The Gifted Amateur, Nov. 10th, 1962“ aus dem Jahre 2007 stammt von dem kanadischen Konzeptkünstler Rodney Graham, Jahrgang 1949. Die Hamburger Kunsthalle widmet dem neben Jeff Wall wohl bekanntesten kanadischen Künstler jetzt eine große Retrospektive. Viele der ausgestellten Arbeiten sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.


Ironisch reflektiert Rodney Graham in seinem Leuchtkastenbild die Geschichte der Moderne mit allerlei Anspielungen auf die Kunst der 1960er Jahre. Dieser humorvolle Ansatz zieht sich durch sein gesamtes Werk. Graham beschäftigt sich mit der jüngeren Kunstgeschichte, mit Literatur, Musik und Film und arbeitet mit Installationen, Textarbeiten, Objekten, Filmen und Fotografie. Dabei geht er stets konzeptuell, aber weniger streng-theoretisch als vielmehr spielerisch-sinnlich vor. So sieht man den Künstler in der Performance „Lobbing Potatoes at a Gong, 1969“, wie er im Sitzen einzelne Kartoffeln auf einen großen Gong wirft. Manche gehen daneben, andere treffen, und ein satter Ton erklingt. Einerseits ist diese 2006 entstandene Performance eine Anspielung auf die manchmal enervierenden Performancepraktiken der 1960er Jahre. Andererseits bezieht sie sich auf ein Pink Floyd-Konzert, bei dem der Schlagzeuger ebenfalls Kartoffeln auf einen Gong warf. Eine weitere, vielschichtige musikalische Arbeit trägt den Titel „Parsifal“ und greift auf eine später aus aufführungstechnischen Gründen eingefügte Sequenz in der Wagner-Oper zurück.

Immer wieder adaptiert Rodney Graham in seinem Werk literarische Modelle und wandelt sie in Objekte um, die in ihrer Formensprache minimalistische Arbeiten von Donald Judd oder Dan Graham persiflieren. Kunst mit Hintersinn. 1980 stieß er auf die englische Übersetzung der Novelle „Lenz“ von Georg Büchner und entdeckte, dass die Sequenz „Through the forest“ zweimal an Stellen auftaucht, an denen der Text von einer Seite auf die nächste übergeht. Graham baute eine Art Leseapparat, um diesen Loop, der für ihn filmische Qualitäten besitzt, zu veranschaulichen. Viele dieser Bücher und Buchobjekte produzierte Graham zusammen mit dem belgischen Verleger Yves Gevaert. Die Ausstellung präsentiert etliche Ergebnisse dieser fruchtbaren Zusammenarbeit.

Rodney Grahams filmische Arbeiten bestechen durch Schönheit, Präzision und einen oft humorvollen Unterton. „Coruscating Cinnemon Granules“ von 1996, projiziert in einem hüttenähnlichen Verschlag, geht auf ein Experiment zurück, in dem Graham Zimtkörner auf eine spiralförmige Kochplatte streute. Die poetischen Lichteffekte erinnern an einen Sternenhimmel. Für den Film „Rheinmetall/Victoria 8“ von 2003 benutzte Graham eine deutsche Schreibmaschine der Marke „Rheinmetall“ aus den 1930er Jahren, die er in einem Second Hand-Laden auftrieb. Diese Schreibmaschine, die dem Betrachter auch aus Dokumentationen über das Dritten Reich bekannt ist, filmte er zunächst im Stil der neuen Sachlichkeit, im weiteren Verlauf ließ er langsam Mehl auf sie herabrieseln. Die ruhigen Bilder der solchermaßen „eingeschneiten“ Schreibmaschine spielen auf die gängige Nachkriegspraxis von Spurenverwischung und Geschichtsverdrängung an. Angesichts der brisanten Enthüllungen über die Verwicklungen des Auswärtigen Amtes in den Holocaust erhält diese Arbeit eine besondere Aktualität. Überaus humorvoll dann der an Film Noir-Vorbilder erinnernde Streifen „Halcion Sleep“ von 1994: Hier sieht man den schlafenden Künstler im Pyjama, wie er auf dem Rücksitz eines Autos durch die Stadt kutschiert wird. Sein Bruder fährt ihn nach Hause, nachdem Graham in einem Motel ein starkes Schlafmittel genommen hat.

Selbstexperimente dieser Art und weitere an der Konzeptkunst geschulte Versuchsanordnungen durchziehen das Werk von Rodney Graham wie ein roter Faden. Die intellektuellen, multireferenziellen und melancholischen Arbeiten des Kanadiers werden in Hamburg jetzt in einem eindrucksvollen Parcours präsentiert.

Die Ausstellung „Rodney Graham: Through the Forest“ ist bis zum 30. Januar 2011 zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, an Silvester von 10 bis 15 Uhr und an Neujahr 12 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und 1. Weihnachtstag. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet 35 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



25.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


22.10.2010, Rodney Graham. Through the Forest

Bei:


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Künstler:

Rodney Graham










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