Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Porzellan ist wieder der Höhepunkt bei Kunst und Kunsthandwerk im Schloss Ahlden

Meißen und ein wenig mehr



Johann Joachim Kändler, Leopard, um 1740

Johann Joachim Kändler, Leopard, um 1740

Als eine der ersten Adressen für Kunsthandwerk darf das Auktionshaus Schloss Ahlden auch mit Blick auf seine kommende Auktion am 18. und 19. September gelten. Ausgezeichnete Ergebnisse hatten in der vergangenen Auktion die Richtigkeit der Entscheidung bestätigt, das Porzellan, das sich inzwischen als die stärkste Stütze des niedersächsischen Hauses etabliert hat, als krönenden Abschluss in eine eigene Sonderauktion zu verlagern. Also wird es auch diesmal gemacht: Am Sonntagnachmittag gelangen rund 350 Preziosen des „weißen Goldes“ vom frühen 18ten bis zum 20ten Jahrhundert zum Aufruf. Wie kaum anders zu erwarten, hat Meißen hier wieder seine Nase ganz weit vorn. Vor allem die figürlichen Stücke erweisen sich stets als begehrte Sammlerobjekte, wenn sie die Begabung eines bekannten Modelleurs mit der Seltenheit der Ausführung verbinden. Dies trifft beispielsweise auf Johann Joachim Kändlers „Schauspieler Jodelet als Beltrame“ aus einer Serie französischer Komödianten um 1745 für 29.000 Euro, auf seinen Harlekin mit Passglas aus der italienischen commedia dell’arte um 1740 für 35.000 Euro oder einen steifen kursächsischen Offizier um 1750 für 24.000 Euro zu. Paarweise treten sie in diesen Jahren als Duellanten auf, die soeben die Degen bei 45.000 Euro gegeneinander zücken, oder zu dritt in Form eines Türkenpaars mit Begleiter für 38.000 Euro.


Porzellan

Die anderen geistigen Väter der Meißner Manufaktur treten gegenüber Kändler etwas in den Hintergrund. Von Peter Reinicke listet der Katalog etwa den leicht melancholischen „Scapin“ aus der „Italienischen Komödie“ von 1743/44 (Taxe 12.500 EUR) oder den jungen Kesselschmied aus den „Cris de Paris“ um 1750 (Taxe 18.500 EUR), von Adam Friedrich von Löwenfinck etwa eine vierpassige Teedose mit asiatischer Gartenlandschaft samt Fantasietier um 1735 (Taxe 8.500 EUR). Besonders die Darstellungen von Tieren erfreuten sich im höfischen Umfeld großer Beliebtheit. Da wäre etwa der stattliche Apfelschimmel, den der Modelleur Johann Friedrich Eberlein ebenfalls gegen 1750 einer Allegorie der Europa beigegeben hat. Zusammen mit drei entsprechenden Porzellanskulpturen befindet ein Exemplar desselben Modells heute in der staatlichen Porzellansammlung zu Dresden (Taxe 19.500 EUR). Sehr selten und daher mit 38.000 Euro bewertet ist die wiederum von Johann Joachim Kändler entworfene Gruppe eines Türken, der mit Mühe ein rassiges spanisches Pferd zu bändigen versucht.

Kändlers heute wohl anmutigste und auch fesselndste Werke sind diejenigen ohne menschliches Personal. Als Kaffeekanne betätigt sich seit Mitte der 1730er Jahre eine sitzende Affenmutter, deren erstes Junge auf ihrem Rücken den Einfüllstutzen für das Getränk hält, während ihre zweites vor der Brust als Ausguss dient – nicht gerade sehr tierlieb (Taxe 44.000 EUR). Von exotischer Raffinesse ist ein schwarzbraun gefleckter Leopard in bedrohlicher Hocke um 1740 (Taxe 48.000 EUR), von trauter Zweisamkeit ein Paar sitzender Löwen um 1750 (Taxe 58.000 EUR), von dämonischer Gruseligkeit ein gewaltig mit den Zähnen fletschender Delphin, der um 1770 als Deckelterrine diente (Taxe 28.500 EUR). Als ein Höhepunkt des Kändlerschen Erfindungsgeistes darf wohl ein Paar Tauben gelten, die der Meister um 1740 ganz ungeniert während ihres anrührenden Liebesaktes präsentiert. Für ein Exemplar dieses in einigen der bedeutendsten Sammlungen der Welt vertretenen Stücks werden 95.000 Euro erwartet.

Unter den Gebrauchsgefäßen verdient ein Paar Schneeballvasen Aufmerksamkeit. Die Technik der eng aneinandergefügten Blüten gehörte zu den besonderen Köstlichkeiten Meißens während der Mitte des 18ten Jahrhunderts. Hier sind die wiederum von Kändler erdachten Stücke noch durch einige Vögel bereichert, die sich zwischen einem Geäst grüner Zweige und Blätter tummeln (Taxe 68.000 EUR). Mit dem Namen des berühmten Grafen von Brühl verbindet sich nicht nur einer der wenigen über die schwierigen Zeitläufte hinweg erhalten gebliebenen Schokoladenbecher samt Unterschale aus der Dessertabteilung des berühmten Schwanenservice für 75.000 Euro, sondern auch ein ebenfalls von Kändler entworfener Zyklus der vier Elemente in Form hoher Tafelaufsätze mit ebenso virtuosen wie motivreichen Bekrönungen für 78.000 Euro. Schließlich gehörte zum Schwanenservice des ebenso kunstsinnigen wie verschwenderischen Politikers auch ein von zwei Putten gehaltener Kerzenständer, den Kändler und Eberlein gemeinsam im Jahr 1739 entwarfen (Taxe 58.000 EUR). Und wenn der Tisch einmal noch voller und prächtiger aussehen sollte, ließ Heinrich Graf von Brühl eben noch ein üppiges Schaugericht von Eberlein decken (Taxe 12.500 EUR).

Die Meißner Übermacht lässt andere Manufakturen kaum zu Wort kommen. Immerhin hat Ahlden Vasen in Amphorenformen aus Empire-Zeit geangelt. Auf der Pariser Ausführung huldigen die Maler Louis und Jean-François Darte um 1807 Hortense de Beauharnais und damit indirekt Napoleon (Taxe 8.500 EUR), das Paar aus der Moskauer Manufaktur Gardner nimmt sich um 1820 in seinen Familienszenen in Parklandschaften dem beschaulichen privaten Glück an (Taxe 18.000 EUR). Zur Zeit des Jugendstil waren viele Manufakturen künstlerisch der Meißner ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Die schwedische Firma Rörstrand ist für mehrere Teile aus dem Libellenservice von Alf Wallander für bis zu 2.400 Euro verantwortlich, die Staatliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg für die Tänzerin Tamara Karsawina, wie sie eben Strawinskys „Feuervogel“ zum besten gibt (Taxe 4.500 EUR).

Silber

Der Jugendstil wird schon im regulären Angebot am 18. September verhandelt, das insgesamt fast 1750 Losnummern aus so gut wie allen Bereichen von Kunst und insbesondere Kunsthandwerk versammelt. Traditionell beginnt das Silber mit einer Reihe bedeutender Stücke der frühen Neuzeit, unter denen ein Deckelbecher mit drei Göttern in Medaillons des Augsburger Meisters Daniel Schwestermüller von 1689 für 24.000 Euro und ein Deckelhumpen mit der Allegorie des Sommers seines Landsmannes Gabriel Bessmann, bemerkenswerterweise aus demselben Jahr stammend, für 19.500 Euro hervorstechen. Das Nürnberg der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg und damit auf der Schwelle von Renaissance zu Barock ist mit einem von Blumen bekrönten Akeleipokal Hans Frühinsfelds vertreten (Taxe 28.000 EUR), für die ehemals ungarische, heute slowakische Stadt Rosenau steht Stephanus Kleins von Früchten umzogener Deckelhumpen um 1690 für 24.000 Euro.

Skulpturen, Möbel und Einrichtungsgegenstände

Auf dem Weg zur Gemäldeabteilung kommt man dann an den verschiedensten Lagern vorbei. So schaut bei den Skulpturen mit Joé Descomps’ „Exotischer Tänzerin“ aus Elfenbein das elegante Art Déco (Taxe 12.500 EUR) und mit Georg Kolbes stehendem Bronzeakt „Jugend“ von 1942 gelegentlich auch die schwere klassische Moderne vorbei (Taxe 28.000 EUR), aus dem Empire gibt es ein Paar großer vergoldeter französischer Bronzegirandolen mit vollplastisch ausgearbeiteten Viktorien (Taxe 28.000 EUR), und als teuerstes Stück der Möbel trumpft ein mächtiger Braunschweiger Barockaufsatzschrank mit figuralen und ornamentalen Intarsien unter anderem aus Elfenbein und Zinn auf (Taxe 38.000 EUR). Nach Stockholm weisen eine typisch wulstig bombierte Kommode von Johan Neijber um 1770 (Taxe 8.500 EUR) oder ein schon weitaus beruhigter Frisiertisch von Johan Jacob Eisenbletter aus eben dieser Zeit (Taxe 4.800 EUR).

Ein prominenter Bildhauer des italienischen Barock ist der aus Brüssel stammende François Duquesnoy. Auf dem Kunstmarkt eher selten vertreten, gehörte er doch neben Bernini, dessen sprühend-virtuoser Dynamik er eine entschieden klassizistischere Haltung entgegensetzte, zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit in Rom. Schloss Ahlden bietet für 35.000 Euro die Marmorstatue eines Bacchus an, dessen sonst mehr oder weniger offen zur Schau getragene Trunkenheit hier durch gemessene Würde kaschiert ist. Laut Überlieferung soll der preußische Prinz Carl das Stück während der frühen 1820er Jahre in Italien für sein Schloss Glienicke erworben haben. Recht günstig erscheinen drei Terrakottabüsten von Flora, Mars und Herkules eines flämischen Bildhauers namens F. Roucourt. Künstlerisch stehen die auf Mitte der 1780er Jahre datierten Werke am Übergang zwischen Rokoko und Klassizismus und sind mit jeweils 2.50 Euro ausgezeichnet.

Gemälde

Die Gemälde Alter Meister bewegen sich diesmal in eher zurückhaltenden Preiskategorien. Über 38.000 Euro für ein Stillleben mit fressendem Hund und balgenden Katzen in einer gut bestückten Vorratskammer, Paul de Vos zugeschrieben, gelangt man hier wohl nicht hinaus. Auch das 19te Jahrhundert gibt sich mit höchstens 14.500 Euro für eine impressionistische Bahnhofsszene des späteren Königsberger Akademiedirektors Ludwig Dettmann aus dem Jahr 1892 recht bescheiden – wäre da nicht ein wirklichkeitsnah gemalter „Eichenhain“ des russischen Realisten Iwan Schischkin, der osteuropamarktgerecht mit stattlichen 120.000 Euro taxiert ist. Bei den Künstlern der Moderne zeigt sich, dass das Auktionshaus doch eher auf den alten Markt spezialisiert ist oder zumindest noch über viele Möglichkeiten zum weiteren Ausbau verfügt. Denn Lesser Urys in Öl gemalter Eindruck vom Kurfürstendamm mit Litfasssäule (Taxe 120.000 EUR), Erich Heckels Aquarell und Gouache „Steiles Ufer“ (Taxe 29.000 EUR) oder eine unverwechselbare Abstraktion Serge Poliakoffs für 32.000 Euro wirken zwischen einem zum Teil recht mittelmäßigen Angebot doch sehr punktuell.

Die Auktion beginnt am 18. September ab 11 Uhr mit Kunsthandwerk, Jugendstil und Skulpturen. Am 19. September stehen ab 11 Uhr die Gemälde und ab etwa 15:30 Uhr das Porzellan auf dem Programm. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 16. September täglich von 13 bis 18 Uhr.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Schloss Ahlden

Große Straße 1

DE-29693 Ahlden

Telefon:+49 (05164) 80 100

Telefax:+49 (05164) 522

E-Mail: auctions@schloss-ahlden.de



10.09.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 42

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4  •  5

Events (1)Adressen (1)Kunstwerke (40)

Veranstaltung vom:


18.09.2010, Antiquitäten & Moderne Kunst - Sonderauktion Bedeutende Porzellane

Bei:


Kunstauktionshaus Schloss Ahlden

Kunstwerk:

Adam Friedrich von Löwenfinck, Teedose, um 1735
Adam Friedrich von Löwenfinck, Teedose, um 1735

Kunstwerk:

Johann Joachim Kändler, Die vier Elemente, 1741-1747
Johann Joachim Kändler, Die vier Elemente, 1741-1747

Kunstwerk:

Johann Joachim Kändler, Türkenpaar mit Begleiter, um 1750
Johann Joachim Kändler, Türkenpaar mit Begleiter, um 1750

Kunstwerk:

Johann Joachim Kändler, Harlekin mit Passglas
 aus der „Italienischen Komödie“, um 1740
Johann Joachim Kändler, Harlekin mit Passglas aus der „Italienischen Komödie“, um 1740

Kunstwerk:

Johann Joachim Kändler, Schauspieler Jodelet
 aus der „Französischen Komödie“, um 1745
Johann Joachim Kändler, Schauspieler Jodelet aus der „Französischen Komödie“, um 1745

Kunstwerk:

Peter Reinicke, Scapin aus der „Italienischen Komödie“, 1743/44
Peter Reinicke, Scapin aus der „Italienischen Komödie“, 1743/44

Kunstwerk:

Johann Friedrich Eberlein, Schaugericht für Graf von Brühl, um 1750
Johann Friedrich Eberlein, Schaugericht für Graf von Brühl, um 1750







Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein, Kerzenständer aus dem Schwanenservice, 1739

Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein, Kerzenständer aus dem Schwanenservice, 1739

Taxe: 58.000,- EURO

Losnummer: 2011

Johann Joachim Kändler, Taubenpaar, um 1740

Johann Joachim Kändler, Taubenpaar, um 1740

Taxe: 95.000,- EURO

Losnummer: 2005

Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein, Schokoladenbecher mit Unterschale aus dem Schwanenservice, um 1737-1741

Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein, Schokoladenbecher mit Unterschale aus dem Schwanenservice, um 1737-1741

Taxe: 75.000,- EURO

Losnummer: 2012

Johann Joachim Kändler, Deckelterrine Delphin, um 1770

Johann Joachim Kändler, Deckelterrine Delphin, um 1770

Taxe: 28.500,- EURO

Losnummer: 2010

F. Roucourt, Mars, 1785

F. Roucourt, Mars, 1785

Taxe: 2.500,- EURO

Losnummer: 1052

Johann Joachim Kändler, Kursächsischer Offizier, um 1750

Johann Joachim Kändler, Kursächsischer Offizier, um 1750

Taxe: 24.000,- EURO

Losnummer: 1990

Johann Joachim Kändler, Türke mit Spanischem Pferd, um 1750

Johann Joachim Kändler, Türke mit Spanischem Pferd, um 1750

Taxe: 38.000,- EURO

Losnummer: 1986

Johann Joachim Kändler, Schauspieler Jodelet aus der „Französischen Komödie“, um 1745

Johann Joachim Kändler, Schauspieler Jodelet aus der „Französischen Komödie“, um 1745

Taxe: 29.000,- EURO

Losnummer: 1961

Joé Descomps, Exotische Tänzerin

Joé Descomps, Exotische Tänzerin

Taxe: 12.500,- EURO

Losnummer: 591

Louis und Jean-François Darte, Vase, Paris wohl 1807

Louis und Jean-François Darte, Vase, Paris wohl 1807

Taxe: 8.500,- EURO

Losnummer: 1882

Adam Friedrich von Löwenfinck, Platte, um 1735

Adam Friedrich von Löwenfinck, Platte, um 1735

Taxe: 2.800,- EURO

Losnummer: 2025

Peter Reinicke, Scapin aus der „Italienischen Komödie“, 1743/44

Peter Reinicke, Scapin aus der „Italienischen Komödie“, 1743/44

Taxe: 12.500,- EURO

Losnummer: 1959

Iwan Schischkin, Eichenhain, um 1880/90

Iwan Schischkin, Eichenhain, um 1880/90

Taxe: 120.000,- EURO

Losnummer: 1679




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce