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Beuys gibt Vorspiel in seiner niederrheinischen Heimat

Wenige Tage vor dem Start der Einzelschau zu Joseph Beuys unter dem Titel „Parallelprozesse“ in Düsseldorf rückt der Meister auch in Krefeld und Schloss Moyland ins Zentrum des Interesses. Kurz nach seiner Geburt im Jahr 1921 in Krefeld zog die Familie Beuys nach Kleve, eher er nach Kriegsdienst sein Studium 1947 in Düsseldorf aufnahm. Zeitlebens blieb der Kontakt zum Kaiser Wilhelm Museum seiner Geburtstadt und dessen Direktoren eng, obwohl hier von einer Ausnahme abgesehen keine seiner spektakulären Aktionen stattfanden. In Etappen fügte Beuys aber hier eine zwei Räume umfassende Werkgruppe zusammen. Diesem von ihm selbst 1984 in seiner endgültigen Form eigenhändig arrangierten Ensemble drohte nach der Ankündigung des Abzugs der Sammlung Laufs im September 2007 die Zerstückelung. Das hätte die Vernichtung der letzten authentischen, in situ erhaltenen Beuysschen Installation bedeutet. Ihr Rang wurde in einem Beuys-Symposium im Mai 2008 von ausgewiesenen Experten untermauert.

Jetzt scheinen Verträge kurz vor der Ratifizierung zu stehen, die einen dauerhaften Erhalt des „Weltkulturerbes“, so Direktor Martin Hentschel, sichern sollen. Begonnen hat auch der konservatorische Schutz, der allerdings eine immense Herausforderung darstellt. Auf dem Hauptstück, der „Barraque D’Dull Odde“, liegen 605 unterschiedlichste persönliche Dinge und Fundstücke, angefangen beim Berg toter Honigbienen bis hin zum Stoß Tierknochen, von chemischen Substanzen bis hin zu medizinischen Hilfsmitteln. Der Freundeskreis des Museums engagiert sich hier ebenso wie er bei der Herausgabe einer Dokumentation über die Werkgruppe und das Symposium, die seit einigen Tagen vorliegt. Selbst Eva Beuys, die das Erbe ihres Gatten verwaltet, war voll des Lobes für das Buch.

Im Gegensatz dazu verweigerte sie die Zustimmung zum prächtigen Ausstellungskatalog des Museums Schloss Moyland, das unter dem Titel „Energieplan“ seit dem Wochenende frühe Zeichnungen von Beuys zeigt. Die in zehn Kapiteln gegliederte Präsentation enthält 212 Blätter, von denen 70 erstmals öffentlich zu sehen sind. Im Fokus steht das während der 1950iger und frühen 1960iger Jahre gereifte Beuyssche Verständnis von Energie. Breit gefächert sowie subtil formuliert begegnen dem Besucher Gründzüge späterer großer Installationen. Auf den kleinen, handgroßen Blättern erkennt man Elche, Rentiere, Hirsche, aber auch weibliche Personen neben Batterien oder Aggregaten, die getarnte Kraftfelder unter ganzheitlichen Aspekten symbolisieren. Subtil stellt Joseph Beuys hiermit Überlegungen zu geistigen Energien, zum physikalischen Energiebegriff, zu in der Natur und im Menschen existierenden Energien neben Interpretationen zu Christentum oder Anthropologie an. Hierauf basieren später in größeren Werken umgesetzte Vorstellungen zur „Sozialen Plastik“ und zum „Erweiterten Kunstbegriff“.

Das Buch „Joseph Beuys. Räume 1971-1984. Plastiken und Objekte 1952-1974 im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld“ ist im Kerber-Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro.

Die Ausstellung „Joseph Beuys: Energieplan – Zeichnungen aus dem Museum Schloss Moyland“ ist noch bis zum 20. März 2011 zu besichtigen. Das Museum Schloss Moyland hat dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie ab dem 1. Oktober dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog kostet an der Museumskasse 39 Euro. Er ist nur hier oder online während der Laufzeit der Ausstellung mit Eintrittskarte erhältlich.

Stiftung Museum Schloss Moyland
Am Schloss 4
D-47551 Bedburg-Hau

Telefon: +49 (0)2824 – 95 10 0
Telefax: +49 (0)2824 – 95 10 99

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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