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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die zweite Auktion aus dem Lager der Stuttgarter Galerie Valentien mit Irene Lehr

Erneut zu Gast bei den Schwaben



Unter den Anbietern moderner und zeitgenössischer Kunst im deutschen Südwesten ist die Stuttgarter Galerie Valentien eine der ambitioniertesten und interessantesten. Größere Aufmerksamkeit zog das Haus von Freerk C. Valentien im vergangenen Herbst auf sich, als ein reicher Lagerbestand wegen des vorgesehenen Umzugs in die neuen, aber weniger umfänglichen Galerieräume im Gänseheideviertel durch die Berliner Auktionatorin Irene Lehr unter den Hammer kam. Die Auktion spielte bei einer Zuschlagsquote von rund 96 Prozent hervorragende 750.000 Euro ein. Bezogen ist das neue Domizil, das bereits im vergangenen Frühjahr eröffnet werden sollte, indes immer noch nicht – eine kleine Verzögerung, so die Auskunft. Man nutzt die Wartezeit, um in Haus und Garten des bisherigen Sitzes an der Gellertstraße einen weiteren Lagerräumungsverkauf, ergänzt um einige zusätzliche Einlieferungen, durchzuführen. Am 18. September wird die Auktion stattfinden.




Mit Irene Lehr hat Valentien die ideale Partnerin gefunden. Beide Unternehmen sind auf ein breites Angebot insbesondere deutscher Kunst der Zwischen- und Nachkriegszeit spezialisiert, großteils mit Werken von Künstlern also, die heute, mehr oder weniger unverdient, oft nur noch in Fußnoten der Kunstgeschichte eine Erwähnung finden. Dazu gehören beispielsweise zwei schöne Farbkompositionen mit schwebenden Formen Wilhelm Imkamps aus den 1960er Jahren für 3.000 Euro und 3.500 Euro sowie die Architekturzeichnung eines Atelierhauses, die der Bauhaus-Schüler Fritz Schleifer wohl Ende der 1920er Jahre während seiner Tätigkeit im Hamburger Architekturbüro von Karl Schneider anfertigte (Taxe 1.000 EUR).

Ganz auf illustre Namen muss der Auktionsgänger von Valentien und Lehr allerdings auch diesmal nicht verzichten. Garanten für internationales Flair sind die deutschen Expressionisten. Höhepunkt ist Gabriele Münters 1933 entstandenes Ölgemälde „Blumen in braunem Topf“. Das in der Literatur bisher nicht bekannte Stillleben mit den für die „Blaue Reiterin“ charakteristischen gerundeten Farbflächen wird für 150.000 Euro angeboten. Von ihrem Münchner Zeitgenossen Alexander Kanoldt gibt es das Ölbild „Häuser im Gebirge mit Turm“ um 1911, dem recht kleinen Format und nicht sehr spektakulären Motiv gemäß auf 35.000 Euro taxiert. Für ebenso realistische 40.000 Euro steht Lyonel Feiningers aquarellierte Tuschfederzeichnung „Nieder-Grunstedt“ aus dem Jahr 1917 zur Disposition.

Daneben gibt es mit Max Beckmanns „Hafenszene mit einem auf einem Ballen liegenden Arbeiter“ von 1912 (Taxe 4.000 EUR) und Otto Dix’ Kriegsdokumentation „Graben in der Champagne“ von 1915 einige Meisterzeichnungen (Taxe 8.000 EUR). Sozialkritischen Impetus verfolgen zudem Karl Hubbuchs Federzeichnung von der Strandpromenade im französischen Dinard (Taxe 2.400 EUR), Oskar Nerlingers mit Aquarell und Gouache übergangenes Blatt „Das Richtfest“ mit betrunkener Männerhorde von 1935 (Taxe 2.000 EUR) und Rudolf Schlichters „Kreuzanheftung“ von 1939 für 1.000 Euro. Aus der klassischen Druckgrafik blickt einen Erich Heckels „Jüngling“ auf einem Holzschnitt des Jahres 1917 mit leeren Augen an (Taxe 2.500 EUR).

Mehrere Schaffensphasen umfasst das Angebot Max Ackermanns. Es reicht von den noch gegenständlichen Zeichnungen der mittleren Zeit wie einem „Lagerabend“ um 1930 (Taxe 2.400 EUR) über eine von seinem Lehrer Adolf Hölzel beeinflusste „Strandszene“ von 1939 (Taxe 3.500 EUR) bis hin zu den aufgehellten Farbflächenkompositionen wie dem abstrakten Ölbild „An die Freude VIII“ aus dem Jahr 1958 (Taxe 15.000 EUR). Dem Hölzelkreis gehörte auch Adolf Fleischmann an, vertreten durch eine unverwechselbare Komposition vertikaler goldbrauner Farbbalken im Hochoval 1958 (Taxe 6.000 EUR), aber auch mit der unüblichen Komposition eines roten Kreises samt filigraner grüner Schlangenlinie (Taxe 3.000 EUR). Meister Hölzel selbst schickt unter anderem eine „Abstrakte Komposition“ mit sich verschließender Kreisform (Taxe 10.000 EUR) und eine „Mandolinspielerin“ ins Rennen, die sich ebenfalls in eine buntfarbige Anordnung prismatischer Farbkuben zersplittert (Taxe 8.000 EUR).

Unter den Abstrakten und Semiabstrakten ragen ferner Theodor Werner mit seiner 1937 datierten Tempera „Phönix 2“ (Taxe 20.000 EUR) und Eduard Bargheers zarte „Ansicht von Forio“ aus dem Jahr 1949 heraus (Taxe 7.000 EUR). Weitaus günstiger ist Fritz Ruoffs glasfensterartiges „Figurales Gefüge“ von 1959 für 400 Euro zu haben. Unter den Revoluzzern der Nachkriegsszene sticht Karl Fred Dahmens reich bestückter Objektkasten „Chiemgaulegende“ mit Fliegen, Leinen, Schnur und Haare auf grünem Fond von 1972 für 4.500 Euro ins Auge. Nicht zu verachten ist aber auch eine „Agitation“ Otto Ulmers, eine wilde Assemblage aus Plastik, Blech, Steinen, Holz und allerlei anderen Stoffen über grauweißem Leinwandgrund von 1968. Der bereits 1904 geborene Stuttgarter Künstler dürfte unter dem gelitten haben, was man heute ein „schlechtes Marketing“ nennen würde. Sonst stünden vielleicht mehr als 1.800 Euro für diese bemerkenswert progressive Arbeit auf dem Etikett.

Weiterhin machen Dieter Roths sechsteilige Farbserigrafiemappe „6 Piccadillies“ von 1970 (Taxe 10.000 EUR) und Horst Janssens an die Zeichenkunst Egon Schieles angelehntes Tuscheaquarell des Aktes „Kerstin“ von 1978 (Taxe 15.000 EUR), von den internationalen Größen Pablo Picassos Lithografie „Jacqueline lisant“ von 1957 (Taxe 12.000 EUR) und Piero Dorazios rosafarbenes Hochoval mit buntem Streifenmuster von 1986 zu nennen (Taxe 9.000 EUR). Von Heinz Mack, neben anderen ZERO-Künstlern neuerdings auch auf internationalen Auktionen hoch hinausgekommen, kann man sich für 5.000 Euro eine serielle Pastell-Vibration in Rot, Gelb und Schwarz von 1966 in die heimischen vier Wände holen.

Einen auffallenden Schwerpunkt des Angebots bildet eine Gruppe von Gemälde deutscher Künstler der sachlich-realistisch-surrealen Malerei der 1970er und 1980er Jahre. Seit Jahren erleidet diese Richtung, die man als Abkonterfaktur abstrahierter Dingwelten bezeichnen könnte, eine ernüchternde Flaute: Wo nicht wenigstens Konrad Klapheck draufsteht, wird wenig gezahlt. Wer hier auf eine Renaissance hofft, sollte sich jetzt bedienen: Günstiger als für 600 Euro wird man eine in Öl gemalte „Landschaft und Systeme“ von Otto Engbarth, übrigens wie Klapheck im Jahr 1935 geboren, aus dem Jahr 1975 wohl nicht mehr bekommen. Auch Jan Peter Tripps fotografische Acrylzeichnung „Die Blaue Stunde“ von 1986 für 1.500 Euro, Axel Arndts raumlos in die Fläche gekipptes grünes „Küstengebirge“ von 1965 (Taxe 1.800 EUR), Karl Heidelbachs „Roter Hocker“ von 1975 (Taxe 1.500 EUR), Rune Mields’ aus dem weißen Nichts auftauchendes, schwarzes Rohr „B 26/70“ von 1970 (Taxe 1.200 EUR) oder Fritz Genkingers „Unreines Spiel“ einer Blockflöte aus den Jahren 1976/77 für 2.800 Euro könnten sich dereinst vielleicht als Schnäppchen erweisen.

Bedeutendste Skulptur ist Henry Moores „Reclining figure: Matrix“ aus dem Jahr 1976. Sie ist eines von sieben oder neun Exemplaren, misst nur gut zwanzig Zentimeter in der Länge, soll aber dem internationalen Format des Künstlers entsprechend trotzdem 30.000 Euro kosten. Alles andere von Lehr und Valentien in dieser Gattung Angebotene tritt ordnungsgemäß in die materielle Vierstelligkeit zurück wie Fritz Nuss’ klassische Bronze „Sinnende, stehend“ von 1957 (Taxe 3.000 EUR), Thomas Lenks aufsteigende Kreis-„Schichtung 36dII (In der Ebene)“ aus schwarz bemaltem Holz von 1969 (Taxe 1.500 EUR) oder Wilhelm Loths „Kleiner Karyatidentorso“ aus silbrig glänzendem Blei und dem Jahr 1968 (Taxe 2.500 EUR). Nicht zu verachten ist außerdem Siegfried Neuenhausens ironisches Multiple von 1970, bei dem die Fingerkuppen einer Hand aus einer braunen Soße auf einem rotbraunen Backstein herausschauen. Es liegt bei 600 Euro.

Die Auktion beginnt am 18. September um 11 Uhr in den Räumen der Galerie Valentien. Die Vorbesichtigung ist dort vom 8. bis zum 16. September täglich von 10 bis 19 Uhr möglich, bei Irene Lehr in Berlin noch bis zum 2. September täglich von 12 bis 19 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.lehr-kunstauktionen.de einsehbar.

Galerie Valentien
Gellertstraße 6
D-70184 Stuttgart

Telefon: +49 (0)711 – 24 62 42
Telefon: +49 (0)711 – 24 62 41

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



01.09.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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