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Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main beleuchtet das Lebenswerk des Industriedesigners Dieter Rams

Kühle Eleganz



Dieter Rams, Braun Lautsprecherbox mit Kufengestell „L 2“, 1958

Dieter Rams, Braun Lautsprecherbox mit Kufengestell „L 2“, 1958

Was sich derzeit in drei Ausstellungssälen des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst vor den Besuchern ausbreitet, dürfte jedem Erwachsenen nur allzu bekannt sein. Fast kommt man sich vor wie in einem Haushaltsgeräteladen der 1960er oder 1970er Jahre. Die meisten werden sicherlich das eine oder andere in ihrem Fundus finden, und wenn es nur die Kaffeemaschine, Lautsprecherbox, Armbanduhr, der Haartrockner, Rasierapparat, Plattenspieler, Wecker, das Feuerzeug, Radio, Tonbandgerät oder Blitzlicht ist – Dinge, die vielleicht schon längst ausrangiert im Keller lagern. Ein Mann zeichnet allein oder in Mitautorenschaft von Kollegen für diese Entwürfe verantwortlich, der gelernte Architekt Dieter Rams. „Weniger, aber besser“, unter diesem Vorzeichen hat der wohl konsequenteste deutsche Entwerfer des 20sten Jahrhunderts zusammen mit seinem Team zeitgemäßes Design auf die Wurzeln der Funktionalität zurückgeführt.


Brauchbarkeit besitzt für Rams oberste Priorität, ästhetische Aspekte versteht er als integrale Bestandteile der Funktion. Wohl selten visualisiert eine Ausstellung so eindringlich eine Symbiose von Funktion und Schönheit, in der Ordnungs-, Harmonie- und Sparsamkeitsbestrebungen von rund 500 Exponaten der Firmen Braun und Vitsœ eine zuweilen metallische Kälte erzeugen. Dieter Rams war und ist ein intellektueller Künstler, der sich selbst als „Designingenieur“ sieht. Mit großer Sorgfalt und ästhetischer wie kritischer Denkarbeit bringt er Kreationen hervor, dessen Ideale auf Grundlagen des Bauhauses und der Hochschule für Gestaltung Ulm basieren.

Dieter Rams, geboren am 20. Mai 1932 in Wiesbaden, begann 1947 im Alter von gerade mal 15 Jahren an der örtlichen Kunstgewerbeschule das Studium der Architektur und Innenarchitektur bei Vertretern des Neuen Bauens und Bauhausschülern. Zwischen 1947 und 1951 unterbrach er und absolvierte eine Schreinerlehre. 1953 erwarb er dann das Diplom. Nach dem Berufseinstieg als Angestellter im Architekturbüro von Otto Apel wechselte er im Juni 1955 als Innenarchitekt zu 1921 in Frankfurt gegründeten Maschinen- und Apparaturenunternehmen Braun, für dessen Designlabor bereits Wilhelm Wagenfeld und Herbert Hirche tätig sind. Erwin und Artur Braun, die jungen Söhne des 1951 verstorbenen Firmengründers Max Braun, waren geprägt von einer protestantisch-christlichen Gerechtigkeitshaltung, die sich im Firmendesign spiegeln sollte.

Dieses Zusammentreffen kongruenter Charaktere erweis sich als tragfähige Basis für die Blitzkarriere Rams’: als 1961 die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, übernahm er die Leitung der Abteilung Produktgestaltung. Mit dem Wechsel der Mehrheitsgesellschafter avancierte er dann 1968 zum Direktor der Produktgestaltung der Braun AG und damit zum Mitglied der Geschäftsleitung. Zusätzlich begleitete er ab 1981 die Professur für Industriedesign an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Nach Übergabe der Abteilungsleitung an seinen Nachfolger Peter Schneider im Jahr 1995 schied Rams 1997 aus der Braun AG aus. Bis heute lebt und arbeitet er in Kronberg im Taunus.

Ergänzend zu seinen Arbeitsverhältnissen bei Braun und später in Hamburg gründet Rams 1959 das Unternehmen „Vitsœ + Zapf“ zur Produktion und zum Vertrieb seiner Möbelentwürfe. Von den 1.272 Braun-Produkten zwischen 1955 und 1995 hat Dieter Rams nachweislich 514 allein oder unter Mitwirkung seines Teams geschaffen. Hinzu kommen noch seine Möbelentwürfe für Vitsœ. Kaum ein Gestalter des 20sten Jahrhunderts hat diese Entwurfsquantität nur annähernd erzielt.

Der grandiose Erfolg von Brauns Produkten fußt auf der von Rams geleiteten Designabteilung. Zu seinen eigentlichen großen Leistungen gehört aber die Formung eines kooperativen, von menschlichem Konsens und gemeinsamer Haltung geprägten Teams als geistigen Zentrums des Unternehmens. Ohne die Pflege guter persönlicher Kontakte, ein von Respekt und Anerkennung der Leistungen anderer gekennzeichnetes Klima, offene, diskursive Prozesse war kein gutes Design hervorzubringen. Die Mitte der 1970er Jahre 16 Personen starke Gestaltungsmannschaft prägte den Common Sense von Braun: reduzierter Farbeinsatz, Betonung der Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau, kombiniert mit leichten kontrapunktischen Farbakzenten, absoluter Vorrang der Aufgabe. Gutes Design kann nie kompromissfähig sein, sonder nur die konsequente Umsetzung einer Idee. Ohne diese Symbiose wäre der Erfolg von Braun in diesem Umfang nie Realität geworden.

Die Frankfurter Schau setzt mit Inkunabeln modernen, überwiegend dem Bauhaus entsprungenen Designs ein. Danach steht man zwischen einigen von Rams’ frühen Meisterstücken, allen voran dem „Schneewittchensarg“ aus dem Jahr 1956. Das Besondere an der Radio- und Plattenspielertruhe war die Abdeckhaube aus durchsichtigem Plastik, die die geometrischen Bedienungselemente sichtbar machte. Zwischen Holzwangen eingepasst war die Metallblechkonstruktion mit Schlitzen für Lüftung und Lautsprecher. Auf diesem Grundmodus baute Rams auf und ließ immer weitere Verfeinerungen zu nachfolgenden Hi-Fi-Kombinationen der 1960er und 1970er Jahre folgen.

Ins Jahr 1958 datiert die Standartlautsprecherbox „L 2“, ein rechtwinkliger Kubus auf Stahlrohrdoppelkufen mit schwarzen Lochblechkreis und -balken, kombiniert mit grauer Fläche in wallnussfurniertem Rahmen. Auffallend gibt sich die Nähe zur minimalistischen Kunst eines Donald Judd und Sol LeWitt, die als parallele Tendenz, nicht aber als Vorbild für Rams’ Arbeit zu sehen ist. Der Zusatzlautsprecher „LE 1“ aus dem Jahr 1959 ist ein am Rohr aufgehängter Lochblechquader und weist eine ähnliche Fragilität wie Möbel Eileen Grays oder Mobiles Alexander Calders auf. Der 1961 produzierte Regallautsprecher war dann in Sachen Minimalität und Konsequenz nicht mehr zu übertreffen.

Überall an Rams’ Entwürfen zeigt sich das Spiel aus Hell und Dunkel, aus Last und filigraner Statik. Spannungsreich wie harmonisch komponiert er 1959 auch das Phono-Transistorradio „TP 1“. Gestalterisch definiert es sich aus Rechtecken, Kreisen, Kreissektoren. Die freie Kombinierbarkeit von Geräteeinheiten setzte sich dann mit modularen Hi-Fi-Audiosystemen der Serie „Studio 2“ durch. Plattenspieler, Empfangsteil, Verstärker, Boxen, später das Tonbandgerät konnten ohne strikte Vorgaben aneinandergefügt werden. Wohl proportionierte Metallkuben, klare Gerätebeschriftungen, nur wenige Schaltelemente vermitteln einen technoiden, eher an Tonstudios erinnernden Duktus.

Zu Beginn der 1960er Jahre wird Deutschland aufgrund langsamer Loslösung aus der Isolation zunehmend internationaler und exportorientierter. Einen Höhepunkt deutscher Ingenieur- und Designleistung ist 1963 ein neuartiges Radio, der Weltempfänger „T 1000“. Die innere Vielfalt mit Senderskala, Einstellknöpfen, Anschlussbuchsen, die die optimale Empfangsqualität der Sender gewährleistet, offenbart sich erst nach dem Aufklappen der quaderförmigen Blende. Die exakte, funktionsbezogene Durchgestaltung von Dieter Rams gilt bis heute als ein Musterbeispiel von Präzision und Übersicht sowie Eleganz und Bildlichkeit, die die heutige Ästhetik der Firma Apple bereits vor 40 Jahren vorweggenommen hat.

Eleganz, verbunden mit absoluter Funktionalität, findet sich auch bei den zwischen 1971 bis 1981 geschaffenen Taschen- und Tischfeuerzeugen: Gelängte Zylinder mit Klapp- und Drehmechanismen, metallischen Gehäusen samt genoppten Auflageflächen. Abstrakt wie formal ähneln sich alle Braun-Erzeugnisse. Grüne Anschaltknöpfe, schwarze Ziffernblätter, präzise Grafik, geometrische Vereinfachungen bestimmen den Detailkanon. Die Übertragbarkeit von Einzelformen durchzieht die gesamte Produktpalette. Die 1969 erstmals produzierte Kaffeemaschine „KF 20 Aromaster“ ähnelt formal dem Tischfeuerzeug. Neben dem farblichen Minimalismus aus Weiß, Grau und Schwarz kommen hier auch Gelb und Rot zur Anwendung.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Zitruspresse „Citromatic“ aus dem Jahr 1972, eine der gelungensten Küchenmaschinen. Die wohlgeformte stumpfe Säule mit leicht auskragendem dorischem Kapitell sowie einem Pressdorn mit durchsichtiger Plastikabdeckung wird bis heute ebenso produziert wie der kleine, unkomplizierte, von Flugzeuginstrumenten inspirierte Reisewecker von 1981 oder die Armbanduhr „AW10“, die auf Entwürfen von Dietrich Lubs, Mitarbeiter in Rams’ Team, gründen. Die Taschenrechner, Toaster, Filmkameras und vieles mehr stehen in Frankfurt wie in der Haushaltsabteilung eines Kaufhauses aufgereiht, wobei leider die kunterbunte Mischung der von Rams entworfenen Gegenstände mit denen seines Teams und Umfeldes eine differenzierte Betrachtung erschwert. Hier wäre ein Betonen des Entwurfsanteils von Rams etwa durch besondere Farbgebung von Podesten oder Vitrinen hilfreich gewesen.

Braun gestattete Dieter Rams eine zweite Tätigkeit für den Möbelproduzenten Vitsœ. Ab 1957 entstehen erste Entwürfe für serienproduzierte Montagemöbel, für dessen Produktion und Vertrieb 1959 „Vitsœ + Zapf“ gegründet wurde. Schon seit 1960 wird das legendäre „Regalsystem 606“ hergestellt: Einfach, flexibel, überall montierbare Kombinationen aus Regalbrettern, Schubladen und Kabinetten. Seit 1961 arbeitet Rams an der Entwicklung des „Vitsœ Sesselprogramms 620“. Hier werden in harte, flache Kunststoffschalen weiche Sitz- und Rückenkissen eingepasst. In einer immer noch vom Gelsenkirchener Barock geprägten Zeit waren die teils auch teuren Möbel nicht unbedingt populär. Aber neben Mart Stam ist Dieter Rams bisher er einzige Entwerfer, dem für eine seiner Schöpfungen ein künstlerischer Urheberschutz zuerkannt worden ist.

Auch über Deutschland hinaus wurde Dieter Rams internationale Anerkennung zuteil. Bereits 1958 nahm das Museum of Modern Art in New York fünf Gegenstände von Braun in seine ständige Designsammlung auf, darunter ein Kofferradio, einen Kleinbildprojektor, eine Küchenmaschine und ein Phonogerät. Allen gemein war die maßgebliche Beteiligung von Rams. Seine Erfindungen sorgten auf Weltausstellungen wie in Montreal, vielen weiteren internationalen Ausstellungen bis hin zur Documenta im Jahr 1965 als kultureller Botschafter Deutschlands für Furore.

Die Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“ ist noch bis zum 5. September zu besichtigen. Das Museum für Angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 39 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Angewandte Kunst

Schaumainkai 17

DE-60594 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 212 340 37

Telefax:+49 (069) 212 307 03



07.08.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Hans Gugelot und Dieter Rams, Braun Phonosuper „SK 4“, 1956
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Dieter Rams, Braun Lautsprecherbox mit Kufengestell „L 2“, 1958
Dieter Rams, Braun Lautsprecherbox mit Kufengestell „L 2“, 1958

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Dieter Rams bei der Ausstellungseröffnung
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in der Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“
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Hans Gugelot und Dieter Rams, Braun Phonosuper „SK 4“, 1956

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Dieter Rams bei der Ausstellungseröffnung

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in der Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“

in der Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“

in der Ausstellung „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“

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Werbeaufnahme zum Vitsœ Regalsystem 606 mit Dieter Rams Ehefrau Ingeborg als Model, um 1973

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Dieter Rams, Braun Weltempfänger „T 1000“, 1963

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Dieter Rams, Vitsœ Sesselprogramm 620, von 1962

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Dieter Rams, Vitsœ Regalsystem 606, 1960

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Dieter Rams, Braun tragbarer Phono-Transistor „TP 1“, 1959

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Dieter Rams, Braun Tischfeuerzeug „T 2 / TFG 2 cylindric“, 1968

Dieter Rams, Braun Tischfeuerzeug „T 2 / TFG 2 cylindric“, 1968

Peter Hartwein und Dieter Rams, Braun Modulares HiFi-Audio- und Videosystem „atelier“, 1982

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Dieter Rams, Braun Elektrostat-Lautsprecher „LE 1“, 1959

Dieter Rams, Braun Elektrostat-Lautsprecher „LE 1“, 1959

Dietrich Lubs, Braun Armbanduhr „AW 10“, 1989

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