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Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

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Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von  Stuck

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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

In den 1960er Jahren war Uwe Lausen ein Jungstar in der deutschen Malerszene. Nach dem Freitod des 29jährigen vor 40 Jahren geriet sein Werk fast in Vergessenheit. Doch scheint jetzt die Zeit der Wiederentdeckung gekommen zu sein: Die Villa Stuck in München erinnert derzeit mit einer Retrospektive an ein Talent zwischen Rebellion und Depression

Von der Unerträglichkeit des Seins



Uwe Lausen war eine Ausnahmenfigur in der Malerszene seiner Zeit und doch gehört er heute neben Georg Baselitz und Sigmar Polke zu den wichtigsten Vertreter der figurativen Malerei der Bundesrepublik in den 1960er Jahren. Seine Karriere war kurz und heftig. Denn gerade einmal neun Jahre umfasste die Schaffenszeit des Malers, der ähnlich getrieben war wie sein Zeitgenosse Rainer Werner Fassbinder und irgendwann vor lauter innerem Druck und rastlosem Tempo verglühte. Auch menschlich scheint es Parallelen zu geben. Beide neigten zu Exzessen und galten als mürrisch. Lausen war zudem bekannt für seinen Hang zu Haschisch und LSD. Mit 20 Jahren fing er an zu malen, mit 29 hörte er abrupt wieder auf. Doch so überschaubar sein Werk ist, umso intensiver ist darin die Zerrissenheit der Gesellschaft jener Epoche spürbar und gleichermaßen die des psychisch labilen Künstlers. Das wird nun eindrücklich in der Münchner Villa Stuck wieder lebendig, die zum 40sten Todestag des Künstlers seinem Schaffen eine Retrospektive ausrichtet.


Apathie und Aggressivität sind die emotionalen Komponenten etlicher seiner Bilder, in denen viel Leere herrscht und in denen mit kompakten, künstlichen Farben und mit harten, grafischen Kontrasten, die die Binnenstruktur des Dargestellten zerfließen lassen, Szenarien einer Bedrohlichkeit und Selbstauflösung geschaffen wurden. Menschen mit stoischen Gesichtern, sich windende Körper, junge Männer mit Sonnenbrillen und Kalaschnikows, Uniformierte, mit schwarzen Balken unkenntlich gemachte Personen, gequälte Chefetagentypen – das ist in etwa das Personal, mit dem Uwe Lausen auf dem Höhepunkt seiner malerischen, kometenhaften Karriere 1966/67 seine Weltsichten zum Ausdruck bringt. Titel wie „Jagd auf das letzte Fleisch“, „Der deutsche Killer“ oder „Ende schön alles schön“ – so auch der Titel der Retrospektive – verweisen zudem deutlich auf Lausens depressiven Skeptizismus und Widerwillen gegenüber dem Leben und der Gesellschaft. Wohl kaum ein anderer Künstler hat die unterschwellige Aggression gegen die restaurative, deutsche Nachkriegsbürgerlichkeit, das herankeimende Gewaltpotential der 68er Generation und die Unerträglichkeit des Seins in den schizophrenen Jahren unmittelbar vor den Studentenunruhen unverblümter und eingängiger dargestellt.

Seine Biografie ist klassisch für die Rebellen der Nachkriegsgeneration. Geboren 1941, aufgewachsen in einem gutbürgerlichen Elternhaus in Stuttgart, abgebrochenes Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft. Statt dessen kanalisiert der gleichermaßen intelligente und hochsensible Lausen den Überdruck, der sich aus Ablehnung und Aufbegehren zusammensetzt, in provokanten Pamphleten und unzüchtigen Schriften, gibt die Literaturzeitschrift „ludus“ heraus und engagiert sich bei den Situationisten, den revolutionär-theoretischen Vordenkern der Studentenbewegung von 1968, zu denen er wohl durch seine ersten malerischen Gehversuche im Münchner Atelier des Spur-Mitglieds HP Zimmer in Kontakt tritt. Die Gruppe Spur lehnt alles Rationale und Intellektuelle in der Malerei ab, sie verbindet Figuratives und Abstraktes und ist kunstpolitisch eine Provokation.

Kein Wunder also, dass Uwe Lausens frühe Bilder von diesen Ideen bestimmt sind und aussehen wie die eines Schülers von Asger Jorn. Die Münchner Schau aber macht deutlich, dass seine Entwicklung so rasant war wie die Metamorphose eines Schmetterlings. In diesen neun Jahren hat Lausen die Strömungen seiner Zeit wie ein Hochkonzentrat zusammengebraut und andere mit einer fast naiven Schamlosigkeit kopiert, adaptiert und zitiert. Man erkennt sofort die Einflüsse – die bizarren, spielerischen Landschaften eines Friedensreich Hundertwasser, die deformierten Figuren eines Francis Bacon und die Alltagsversatzstücke der Pop Art. Doch hätte Lausen nur zitiert, er wäre heute wohl nur als eine malende Marginalie erwähnt. Für ihn wurden die Zitate der anderen zu einer Art Material für Darstellung seiner eigenen eruptiven Gefühle, die durchaus ein Gewaltpotential enthalten. Er mixte Abstraktion und Realismus, Phantastisches und Figuratives und fand damit zu einer eigenwilligen Aufhebung des Räumlichen. Heute, so die Kuratorinnen der Ausstellung, Selima Niggl und Pia Dornacher, hat man für diese Art der Inspirationsverarbeitung ein neues Wort gefunden: Sampling.

Lausens Kunst verdichtet den Geist eines Jahrzehnt mit einer künstlerischen Ausdruckskraft, die man nur selten erfährt. Das auch mag der Grund sein, dass er schnell kommerziell erfolgreich wurde, der noch nicht mal 25jährige Autodidakt zusammen mit Sigmar Polke und Gerhard Richter ausgestellt wurde und dass seine Arbeiten schon zu Lebzeiten von der Staatsgalerie Stuttgart und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ankauft wurden. Doch das Verblüffendste aus heutiger Sicht ist, dass manche Gemälde wie die Antizipation der deutschen Malerei um 2000 erscheinen. Wohl nicht ganz ohne Grund hat die Berliner Galerie Contemporary Fine Arts vor vier Jahren Uwe Lausen und Daniel Richter, der ebenso mit Unschärfen und Auflösungsmomenten arbeitet, gemeinsam in einer Ausstellung gegenübergestellt. Die Ausstellung gab den Impuls, Lausen wieder auf die Bühne zu heben, denn sein Werk war zu dieser Zeit nur noch Insidern bekannt. Das könnte sich nun ändern. Warten wir ab, wie der Markt reagieren wird. Denn mit Lausen ist es wie mit den Altmeistern oder den Impressionisten. Der Umfang seines Œuvres kann nur noch durch Entdeckungen erweitert werden.

Die Ausstellung „Uwe Lausen. Ende schön alles schön“ zeigt 56 malerische Werke und 30 Arbeiten auf Papier und ist bis zum 3. Oktober in der Villa Stuck und anschließend vom 22. Oktober bis zum 23. Januar 2011 in der Sammlung Falckenberg in Hamburg zu sehen. Die Villa Stuck hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der 130 Seiten umfassende Katalog mit Texten von Selima Niggl, Uwe Lausen und Justin Hoffmann ist im Verlag Hachmannedition erschienen und kostet 24,80 Euro.

Kontakt:

Museum Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60

DE-81675 München

Telefon:+49 (089) 455 55 10

Telefon:+49 (089) 45 55 51 25

Telefax:+49 (089) 45 55 51 24



21.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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24.06.2010, Uwe Lausen. Ende schön, Alles schön

Bei:


Museum Villa Stuck

Bericht:


Gehirnschaukel

Variabilder:

Uwe Lausen, Denken ist ungesund, 1967
Uwe Lausen, Denken ist ungesund, 1967

Variabilder:

Uwe Lausen, Ohne Titel (Geometer), 1965
Uwe Lausen, Ohne Titel (Geometer), 1965

Variabilder:

Uwe Lausen, Der deutsche Killer, 1967
Uwe Lausen, Der deutsche Killer, 1967

Variabilder:

Uwe Lausen, Ohne Titel (Mondlandung), 1968
Uwe Lausen, Ohne Titel (Mondlandung), 1968

Variabilder:

Uwe Lausen vor seinem 1965 entstandenen Bild „Geometer“, um 1967
Uwe Lausen vor seinem 1965 entstandenen Bild „Geometer“, um 1967

Variabilder:

Uwe Lausen,
 Ringo, 1965
Uwe Lausen, Ringo, 1965







Uwe Lausen, Denken ist ungesund, 1967

Uwe Lausen, Denken ist ungesund, 1967

Uwe Lausen, Ohne Titel (Geometer), 1965

Uwe Lausen, Ohne Titel (Geometer), 1965

Uwe Lausen, Der deutsche Killer, 1967

Uwe Lausen, Der deutsche Killer, 1967

Uwe Lausen, Ohne Titel (Mondlandung), 1968

Uwe Lausen, Ohne Titel (Mondlandung), 1968

Uwe Lausen vor seinem 1965 entstandenen Bild „Geometer“, um 1967

Uwe Lausen vor seinem 1965 entstandenen Bild „Geometer“, um 1967

Uwe Lausen, Ringo, 1965

Uwe Lausen, Ringo, 1965

Uwe Lausen, Sonny und Cher, 1966

Uwe Lausen, Sonny und Cher, 1966

Franz Dahlem und Uwe Lausen im Künstlergarten der Villa Stuck München, um 1961

Franz Dahlem und Uwe Lausen im Künstlergarten der Villa Stuck München, um 1961

Uwe Lausen, Besuch bei Blaubart, 1966

Uwe Lausen, Besuch bei Blaubart, 1966

Uwe Lausen, Wasserbild mit 3 Tuben, 1968

Uwe Lausen, Wasserbild mit 3 Tuben, 1968




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