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Brigitte Kowanz im Wiener Museum Moderner Kunst

Licht braucht man zum Sehen



Für die österreichische Künstlerin Brigitte Kowanz, die 1957 in Wien geboren wurde, von 1975 bis 1980 an der Hochschule für Angewandte Kunst studierte und dort seit 1997 selbst eine Professur innehat, ist das Licht Medium und Material und zentraler Gegenstand ihrer Überlegungen. „Das Licht macht alles sichtbar, ist Grundlage des Sehens. Selbst ist es aber unsichtbar. Wie macht man es sichtbar?“ Licht ist eine physische Erscheinung, welche zugleich metaphysische Fragen aufwirft. Eine Personale im Wiener Museum Moderner Kunst bietet derzeit Gelegenheit, Antworten auf diese Fragen zu erleben und einen Einblick in das umfangreiche Werk von Brigitte Kowanz zu erhalten, das die Künstlerin seit den frühen 1980er Jahren in äußerst variantenreichen Verknüpfungen entwickelt hat.


„Now I See“ lautet der Titel der Schau, die keine klassische Retrospektive sein möchte, sondern eine Auswahl von circa 30 Arbeiten präsentiert, die wesentliche Ansätze und Positionen von Brigitte Kowanz deutlich machen. Der doppeldeutige Titel ist treffend gewählt, weil er die Ambiguität, ein spezifisches Charakteristikum der Arbeiten von Brigitte Kowanz, angemessen zu fassen vermag. Anhand repräsentativer Wandarbeiten, Installationen und Interventionen im architektonischen Raum, thematisiert die Ausstellung das Funktionsspektrum von Licht, von der Schaffung des Raums über die Grundlagen sinnlicher Wahrnehmung, bis hin zur Funktion als Informationsträger.

Ein Blick auf das bisherige Werk der inzwischen 53jährigen Künstlerin zeigt, wie unterschiedlich ihre Ansätze sind. Am Beginn stehen Bildobjekte mit farbigen Leuchtstoffröhren, die mit ihren phosphorizierenden Strahlen immaterielle und räumlich erweiterte Malereien entwerfen. Von den Lichtbildern, Objekten und Installationen geht Kowanz weiter zur Inszenierung von Lichträumen, die den Betrachter umfangen und irritieren. Die Wiener Ausstellung zeigt mit zwei Arbeiten aus dem Jahr 1991, beide „Ohne Titel“, und „LUX“ aus dem Jahr 1998 Werke, die unter Einsatz punktförmiger Lichtquellen und teils sandgestrahlter Gläser Licht-Schatten-Räume in vorhandene Architekturen projizieren. Die feinen, transparenten Schattenbilder bilden zarte Geometrien und Einblendungen von fragiler Gestalt. Mit ihren spezifischen Lichtkonstellationen veranschaulicht Brigitte Kowanz deren Entstehungsbedingungen: der Weg des Lichts und die Art seiner Brechung bleiben nachvollziehbar.

In der Folge verbindet die Künstlerin in Anspielung auf die Tradition der visuellen und konkreten Poesie Licht mit Zeichen und Sprache zu leuchtenden Codes. Während die Sprache die Funktionsweisen des Lichts beschreibt, erhellt dieses den Text. Um ein dieses komplexe Spannungsfeld zwischen sprachlicher und bildlicher Darstellung kreisen zahlreiche der seit 1991 entstandenen Arbeiten. Lichtbesprechung und Sprachbeleuchtung erweisen sich nicht nur als einander ergänzende Vorgehensweisen, sondern auch als Möglichkeiten, das jeweils eigene Medium vom anderen her zu bespiegeln und auszuloten.

Eine ähnliche Strategie verfolgt Brigitte Kowanz bei ihren Arbeiten mit Morsezeichen. Die Wandarbeit mit dem bezeichnenden Titel „LICHT IST WAS MAN SIEHT“ entstand 1996 mittels Signalen aus Punkten und Strichen als binäres Codierungssystem. Morseschrift ist eine der ersten Formen von Kommunikation in Lichtgeschwindigkeit und darüber hinaus als bloße Zeichenfolge eine Art korrigierter Sprache, die Mehrdeutigkeiten und Unklarheiten der Sprache ausspart. Das Morsealphabet taucht bei Brigitte Kowanz in unterschiedlichen Formen und Materialien auf: als linearer Zeichenrhythmus in häufig abgeklebten Neonröhren, in Gestalt kreis- und rechteckigförmig gebogener Neonröhren und in Verbindung mit gläsern-transparenten und farbig leuchtenden Bildobjekten.

Das Licht, das laut Kowanz „keinen Ort kennt“ und „nie bei sich bleibt“, fordert die Künstlerin in den letzten Jahren immer häufiger dazu heraus, adäquate „Formen“ des Transitiven für seine Darstellung zu finden. Zu der wechselseitigen Bespiegelung von Licht und Schatten kommt schließlich noch der Spiegel in unterschiedlichen Formen als weiteres Medium der Reflexion von Sichtbarkeit und Wahrnehmung hinzu. Licht, Sprache und Spiegel bilden in den aktuellen Werken von Brigitte Kowanz jene Dreiheit an Motiven, die sie miteinander verkoppelt, um die Möglichkeiten der gegenseitigen Durchdringungen faktisch ins Unendliche potenzieren. Ein über Jahre erarbeitetes Vokabular von Motiven wird in den großen Spiegelkuben und den dreiecksförmigen Spiegelkörpern auf engstem Raum konzentriert. Textkörper wie „Vice Versa oder „Lateral Thinking“ von 2010 verlaufen ineinander und verdichten sich zu ornamentalen Lichtgeflechten, deren Lesbarkeit verzögert und erschwert wird.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet eine Spiegelinstallation, eine „Galerie des Glaces“, die den gesamten Raum einer Ausstellungsebene zu einer sprachbesetzten, betretbaren Spiegelkubatur verwandelt, die in sich weitere Spiegelobjekte mit Leuchtschriften enthält. Wie zuvor in den Licht-Schatten-Räumen ist man in ein Ambiente versetzt, in dem die Realität virtuell unterlaufen wird. Die einander bespiegelnden Spiegelwände und Objekte addieren sich zu einem ins Unendliche sich öffnenden Raum, in dem sich auch der Betrachter unendlich oft sieht. In diesem Szenario der Reflexionen erkennt sich der Betrachtende als zugleich reales und fiktives Wesen. Mit dem „Spiegelsaal“ erfährt die sonst eher kühle, zuweilen allzu einheitliche Ästhetik der Arbeiten von Brigitte Kowanz eine willkommene Brechung.

Im dialektischen Werkzeug des Spiegels objektiviert sich das Subjekt, wird verfremdet, um wieder zu sich zu kommen. Die „erkenntnisstiftende Funktion des Spiegels besteht also u.a. darin“, schreibt Rainer Fuchs in seinem erhellenden Katalogbeitrag, „sich von außen betrachten zu können, um zu sich zurückzufinden. Spiegelt sich das Spiegelbild in weiteren Spiegel, dann wird auch die Selbstbetrachtung von außen betrachtbar.“ Die hybride Erscheinung des Raums wird mittels der „Selbstwahrnehmung des Wahrnehmens“ zum Spiegel der eigenen Identität.

Die Ausstellung „Brigitte Kowanz – Now I See“ ist bis zum 3. Oktober zu sehen. Das Museum Moderner Kunst ist täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro. Der Katalog kostet 34 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



19.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


25.06.2010, Brigitte Kowanz - Now I See

Bei:


Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Bericht:


Lichtkunstpreis für Brigitte Kowanz

Künstler:

Brigitte Kowanz










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