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Computerfreak mit Stilempfinden: Der Frankfurter Künstler Michael Riedel experimentiert im Hamburger Kunstverein mit Textfragmenten aus dem Referenzsystem Kunst

Kunst im Reich der Bedeutungsverweigerung



„The quick brown fox jumps over the lazy dog“ – Der flinke braune Fuchs springt über den faulen Hund – so lautet der Titel einer Ausstellung des Frankfurter Künstlers Michael Riedel, die jetzt im Hamburger Kunstverein eröffnet wurde. Wer darin irgendeine tiefere Bedeutung vermutet, der landet schnell bei der Feststellung, dass es sich bei diesem Satz um ein so genanntes Pangramm handelt, einen Satz also, der alle Buchstaben des Alphabets mindestens einmal enthält und deshalb gerne zum Testen von Schreibmaschinentastaturen oder als Blindtext verwendet wird. Willkommen also im Reich der wohlklingenden Bedeutungslosigkeit. Die zehn Leinwände, die Riedel präsentiert, geben weitere Rätsel auf. Alle haben das gleiche Format, nämlich 170 auf 230 Zentimeter, und alle sind nicht etwa bemalt sondern mit Postern beklebt. Michael Riedel füllt die Bildfläche mit typografischem Material, den Quellcodes von Internetseiten und einfachen Farbkreisen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt der Betrachter neben verstümmelten HTML-Befehlen und anderen Buchstabenfolgen, die nur Informatik-Insidern geläufig sein dürften, auch einige Begriffe aus dem Kunstbetrieb: MoMA, Picasso, Termine, Eröffnungen, Sculpture, Grafik.


Der 1972 in Rüsselsheim geborene Michael Riedel hat als Ausgangsmaterial den Inhalt zweier Internetseiten benutzt. Eine Seite des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), auf der eines seiner Werke, das Eingang in die Sammlung des Museums gefunden hat, erwähnt wird. Und die Seite www.kunstaspekte.de, auf der die Ausstellungshighlights der nächsten 30 Tage aufgelistet sind. Was er also statt Pinsel und Farbe als Material zum Füllen der Leere auf der Leinwand benutzt, sind Informationsfetzen aus dem so genannten Betriebssystem Kunst. Michael Riedel ist bekannt dafür, bereits Vorhandenes zu verdoppeln, bestimmten künstlerischen Übersetzungsprozessen zu unterziehen und zu seinem künstlerischen Material zu deklarieren. Zwei weitere Eingriffe im Hamburger Kunstverein machen dies deutlich. So hat Riedel die einzige Säule im Raum maßstabsgerecht nachbauen lassen und quer auf den Boden gelegt. Sie diente während der Eröffnung der Schau als Sitzbank für hitzemüde Ausstellungsbesucher. Und auch den Eingang hat er kaum merklich verlegt. Eine weiß gestrichene Holzplatte mit türartiger Auslassung verschiebt den Zugang zu seiner Ausstellung um rund einen halben Meter nach links.

So elegant und stylish sie auch daherkommt: Riedels Kunst erschließt sich dem Betrachter nur sehr schwer. Und wer glaubt, im mit zehn Euro recht günstig angebotenen Katalog Aufschluss über diesen zu Selbstauskünften nicht bereiten Künstler zu bekommen, der entdeckt dort nur die kleingedruckte Niederschrift eines 87minütigen Gesprächs zwischen Kunstvereinsdirektor Florian Waldvogel und drei weiteren Kuratorenkollegen. Da ist dann zum Beispiel vom „cleveren Bürschchen“ Riedel und seiner „Ohnmacht gegenüber der Unendlichkeit der Darstellungsmöglichkeiten“ die Rede. Michael Riedel gehört zu den selbsterklärten Dandys des aktuellen Kunstbetriebs. Sein Werk gilt als ebenso hermetisch wie seine Person.

Der stets – auch bei 37 Grad Celsius im Schatten – in Anzug und Krawatte gekleidete Künstler genießt ganz offenbar seinen Status der überstilisierten Un(an)greifbarkeit. Unter wohlmeinenden Interpreten wird so etwas gerne als konsequente „Haltung“ gelobt. Man könnte aber auch sagen, dass Michael Riedel seinen verunklärenden Ästhetizismus so sehr auf die Spitze treibt, dass am Ende nur noch eine verschwindend geringe Schar gleichgesinnter „Jünger“ tatsächlich daran Gefallen findet. Am Eröffnungsabend waren sie alle erschienen: brav gescheitelt, proper angezogen und bei 37 Grad Celsius im Schatten wahnsinnig verschwitzt.

Die Ausstellung „Michael Riedel. The quick brown fox jumps over the lazy dog“ ist bis zum 8. August zu sehen. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Als Katalog ist ein Künstlerbuch mit eingelegtem Poster in zehn verschiedene Varianten für 10 Euro erschienen.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



15.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Künstler:

Michael Riedel







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