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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Leda mit dem Schwan / Eduard Veith

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

August Sander rettet die Fotografieauktion bei Van Ham. Insgesamt lief die Versteigerung in Köln eher mäßig. Einige extreme Ausreißer sichern jedoch das solide Gesamtergebnis

Typisch und individuell zugleich



In seinem Hauptwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ erstellte August Sander ein Gesellschaftsportrait seiner Zeit. Über Jahrzehnte hinweg lichtete der Fotograf unterschiedliche Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen in mannigfaltigen Portraits ab. Dabei gelang es ihm mit dokumentarisch sachlichem Blick zwischen Charakteristischem und höchst Individuellen zu oszillieren. Insgesamt sechs Portraits des Westerwälder hatte das Kölner Auktionshaus Van Ham nun auf seiner Fotografieauktion im Angebot. Aus Sicht des Hauses lässt sich wohl sagen: Gott sei dank. Denn August Sander wurde der Star des Nachmittags und rettete Van Ham so vor einer miserablen Gesamtbilanz. Sein „Sänger und Schauspieler“, für den er den rumänischen Tenor Leonardo Aramesco ergriffen und pathetisch mit zusammengezogenen Augenbrauen und an die Brust gelegter Hand seitlich aus dem Bild herausblicken lässt, verzwölffachte seine Taxe. Statt der geschätzten 3.500 Euro schnellte der Vintage auf außerordentliche 42.000 Euro und wanderte in deutschen Handel ab. Aber auch der spätere Gelatinesilberabzug vom Anfang der 1950er Jahre, der einen „Junglehrer“ in steifer Haltung mit seinem Hund im Wald abbildet, kletterte von 3.800 Euro auf 11.000 Euro. Der dritte im Bunde unter den erfolgreichen Menschentypen war der „Winkeladvokat“ mit alten Augen und forderndem Gesichtsausdruck. Den Vintage von 1952 schätzte das Haus auf 5.000 Euro, der Endpreis lag schließlich bei 28.000 Euro.


Auch „Das Bäumchen“ von Albert Renger-Patzsch aus dem Jahr 1929 war weitaus begehrter als das Auktionshaus gedacht hatte. Die natürliche Schönheit der Landschaft und die klare Formensprache waren dem Käufer des Vintages durchaus übliche 26.000 Euro wert (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Die weiteren elf Arbeiten des für die Fotografie des Neuen Sehens bedeutenden Künstlers zeigten sich in ihren Ergebnissen dann eher durchwachsen. Einige Architekturbilder, wie die Fagus-Werke von 1948/49 (Taxen je 1.200 EUR), und Naturschilderungen, wie „Verwitterte Kreide“ (Taxe 1.600 EUR), blieben unverkauft. Die anspruchslosen „Arbeiterwohnhäusern in Steele“ von 1930 und Szenen aus dem Arbeitsleben, etwa die „Feuerverzinkung von Badewannen“ aus dem Jahr 1928, fanden hingegen beim Publikum mehr Anklang. Sie erzielten 2.600 Euro und 2.000 Euro (Taxen je 1.800 EUR).

Diese Ausreißer trugen dazu bei, dass Van Ham am 16. Juni von den erwarteten 438.000 Euro immerhin gut 300.000 Euro netto einnehmen konnte. Bei einer Verkaufsquote von 48 Prozent blieben ungefähr Zweidrittel der veräußerten Werke unterhalb ihres Schatzpreises. Besonders schwer wiegt der Rückgang von Erwin Blumenfelds Portfolio „Blumenfeld Color“ mit zehn Dye-Transfer-Prints aus dem Jahr 1984, das mit erwarteten 18.000 bis 20.000 Euro einer der Favoriten der Auktion werden sollte. Für die frühen Arbeiten der Farbfotografie aus den 1940er und 1950er Jahren konnte sich jedoch in Köln niemand begeistern. Ebenso blieb Andreas Gurskys auf den ersten Blick profane Schilderung von Spaziergängern und Radfahrern in Ratingen liegen. Das unterschwellig Ungewisse der Situation, das an Gemälde von Edward Hopper denken lässt, konnte keinen Käufer fesseln (Taxe 9.000 EUR). Die jung verstorbene Becher-Schülerin Tata Ronkholz war in Köln mit ihren charakteristischen Trinkhallen aus dem Rheinland vertreten, auf deren Fassaden sie ihr Objektiv stets frontal richtete. Die vier Vintages blieben ebenfalls leider alle unverkauft (Taxen zwischen 1.200 und 1.400 EUR).

Die älteren Herrschaften im Park von Henri Cartier-Bresson überzeugten durch Momenthaftigkeit und harmonische Komposition. Der Vintage aus der Sammlung David und Tessa Winters in Amsterdam brachte 2.400 Euro (Taxe 2.000 EUR). Momenthaft auf ganz andere Weise präsentierten sich die fünf Arbeiten von Harold Edgerton. Insgesamt erzielten die mit wissenschaftlicher Präzision festgehaltenen Situationen, die für die menschliche Wahrnehmung eigentlich zu schnell sind, solide Ergebnisse. Der Zuschlag bei 6.500 Euro für vierteilige Serie „Death of a Light Bulb“ entsprach exakt der anvisierten Taxe. „Milk Drop Coronet“ blieb mit 3.200 Euro hinter den Erwartungen (Taxe 5.000 EUR), dafür war die „Milk Drop Sequence“ einem Kunden sogar 11.000 Euro wert (Taxe 9.000 EUR).

Innerhalb der Portraitaufnahmen offerierte das Auktionshaus unter anderen drei Aufnahmen von Bert Stern, der Marilyn Monroe kurz vor ihrem plötzlichen Tod fast 2.700 Mal abgelichtet hatte. Mit Zuschlagen von 1.200 Euro, 1.800 Euro und 1.900 Euro lagen die Ergebnisse für die elegante Schönheit nah bei den taxierten Preisen (Taxen 1.200 bis 2.000 EUR). Einen Abschlag von 1.000 Euro auf 800 Euro musste Walter Vogels sinnliches Portrait der Tänzerin Pina Bausch aus dem Jahr 1966 hinnehmen, das der Düsseldorfer Fotograf im Jahr 2000 nochmals in drei Exemplaren abzog. 3.000 Euro waren hingegen für Pablo Picasso erwartet worden, den Jacques Henri Lartigue 1955 mit entblößtem Oberkörper, Zigarette und Melone ablichtete. Doch der Vintage fand letztendlich erst bei 3.300 Euro einen neuen Besitzer.

Vielleicht ließ sich Man Ray von Picasso inspirieren, als er das in den 1920er und 1930er Jahren große Thema des Stierkampfes auch zum Sujet seines Bildes machte. Der Vintage von 1929 war von Van Ham auf 3.500 Euro geschätzt worden, erzielte aber 5.500 Euro. Ebenso erfreulich war die Wertsteigerung eines Konvoluts an 20 Vintages von Georges Leuzinger, die um 1865 entstanden sind. Die Aufnahmen aus Rio de Janeiro und Umgebung wurden erst bei 5.300 Euro übernommen (Taxe 1.200 EUR). Die Landschaftsfotografie war auch noch mit einem verschwommener Weg mit einigen Spaziergängern am „Sunday Morning, Chester“ in piktoralistischer Manier von Karl Struss aus dem Jahr 1910. Hier kamen nur 3.000 Euro zusammen (Taxe 3.500 EUR). Auch für Beate Gütschows am Computer konstruierte Landschaftsstudie „LS#4“ mit zentralem Baum von 1999 blieben nur 5.000 Euro übrig (Taxe 6.000 EUR). Je 2.200 Euro und damit 1.000 Euro weniger als erwartet waren ebenso die Resultate für Harry Callahans Strandbilder „Cape Cod“ und „Virgin Gorda“ aus den späten 1970er Jahren.

Andreas Feininger war mit drei typischen Vintages vertreten, die das pulsierende Leben New Yorks gekonnt in Szene setzten. Aber auch die günstigen Schätzpreise veranlassten die Käufer nicht zu Bietgefechten. „Coney Island“, die verstopfte „Fifth Avenue“ und „New York“ erwirtschafteten 3.400 Euro, 1.800 Euro und 1.500 Euro (Taxen zwischen 2.000 und 4.000 EUR). Surrealistisch mutet die doppelt belichtete, gekippte und fragmentierte Häuserfront des Tschechen Jaroslav Rössler von 1962 an. Sie konnte ebenfalls nur 2.000 Euro erzielen und war damit günstiger als gedacht (Taxe 2.500 EUR). Dafür verabschiedete sich Ruth Hallenslebens klassisch komponierte, beinahe schöne Industrieanlage in Wiehl von etwa 1940 erst bei 2.200 Euro (Taxe 1.400 EUR). Ein Höhepunkt unter den Zeitgenossen sollten zwei architektonischen Sujets des Japaners Hiroshi Sugimoto werden. Doch die 9.000 Euro bis 10.000 Euro für die stimmungsvollen Spiele aus verschiedenen Grautönen für „Café de Unie“ von 1998 und „AEG Turbine Factory“ von 2000 waren zu hoch gegriffen.

Erfreulich waren dann die 6.000 Euro für die Publikation „Foto-Anschlag“ von Karim Saab aus dem Jahr 1988. Das illegal veröffentlichte Portfolio mit rund 70 Gelatinesilberabzügen junger ostdeutscher Künstler ist eines von 40 Exemplaren. Die Experten hatten den Wert auf 1.800 Euro geschätzt und lagen damit weit hinter dem letztendlichen Ergebnis. Gerade in seinen Aktfotografien und -montagen experimentierte Heinz Hajek-Halke immer wieder mit technischen Neuerungen. So zog er 1934 seinen nun 3.200 Euro teueren „Nude Torso“ als Negativbild ab (Taxe 2.800 EUR), und das „Aktmodell“ entstand 1957 in einer Mehrfachbelichtung durchs Fenster über einer Häuserfassade. Hier kamen taxgerecht 2.200 Euro zusammen. Von der gleichen Basis aus steigerte sich Elliott Erwitts späterer Gelatinesilberabzug des romantischen „California Kiss“ von 1955 auf 2.600 Euro.

Architekturaufnahmen

Ein Großteil der expressionistischen Architekturaufnahmen von Hugo Schmölz und Werner Mantz, die Van Ham in einer gesonderten Rubrik versammelt hatte, wurde vor der Versteigerung zurückgezogen. Für den etwas unspektakulären Rest fanden sich dann nur noch nur wenige Abnehmer. Die Dokumente der mittelalterlichen Baukunst der Rheinmetropole blieben fast alle unverkauft. Lediglich das „Weyertor“ von Anselm Schmitz, ein Albuminabzug um 1870, ging für 220 Euro weg (Taxe 300 EUR), und der Vintage aus den 1930er Jahren, auf dem Karl Hugo Schmölz, der Sohn von Hugo Schmölz, die Empore des Westwerks von Sankt Pantaleon recht grafisch abbildete, wechselte für 500 Euro den Besitzer (Taxe 700 EUR).

Schätzpreise unter 1.000 Euro

Auch in der Rubrik Fotografie für unter 1.000 Euro gab es einige Rückgänge und Verkäufe unter dem anvisierten Wert. Die beiden späteren Gelatinesilberabzüge von Siegfried Lauterwasser, den Mitbegründer der Künstlergruppe „fotoform“, wurden beide für 500 Euro angeboten. Die „Straße im Gegenlicht“ wechselte für 450 Euro den Besitzer, wohingegen die aus ungewöhnlicher Perspektive aufgenommenen Mädchen keinen Abnehmer fanden. Bei seinem alten Besitzer bleibt ebenfalls die Blumenvase mit Pfingstrosen von David Hamilton. Den späteren C-Print des 1988 geschossenen Motivs taxierten die Experten auf 800 Euro. Den interessanten Blickwinkel von W. Grancel Fitz’ wippender Schuhspitze aus den 1940er Jahren schätzte das Auktionshaus jedoch mit 600 Euro genau richtig, ebenso wie die an Giorgio de Chirico erinnernde „Italienischen Architektur“ von Günther Förg mit 500 Euro. Mit 1.300 Euro erwirtschaftete der Vintage des kriegszerstörten „Dresden“ von Hilmar Pabel aus dem Jahr 1949 mehr als das Doppelte der Schätzung von 600 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



13.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lena Hennen

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