Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 30.09.2017 Kunstauktion September 2017

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Leda mit dem Schwan / Eduard Veith

Leda mit dem Schwan / Eduard Veith
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Lebenszeichen aus der Hamburger Galerie der Gegenwart: Der britische Künstler David Tremlett baut im dritten Obergeschoss faszinierende Räume aus Linien, Farbfeldern und organischen Oberflächen. Der Rest des Museums aber bleibt bis mindestens Ende Oktober geschlossen

Meister der Linie



Eigentlich hätte diese Ausstellung ja gar nicht stattfinden sollen. Hätte sich die Hamburger Kulturbehörde mit ihrem Plan, die Galerie der Gegenwart vorübergehend komplett zu schließen, durchgesetzt, dann wäre die sehenswerte Schau mit Wandzeichnungen des renommierten britischen Künstlers David Tremlett zwar noch eröffnet, danach aber sofort wieder verrammelt und verriegelt worden. Da sich die Politik dem Bürgerprotest und der bundesweiten Empörung am Ende aber wenigstens teilweise beugen musste, ist Tremletts meditative Raumfolge aus wandfüllenden Zeichnungen jetzt doch noch zu sehen. Wer den Umweg über den Altbau macht, kann sich auf Schleichwegen bis ins dritte Obergeschoss der Galerie der Gegenwart vorarbeiten. Die übrigen Räume bleiben bis mindestens Ende Oktober geschlossen. Bleibt zu hoffen, dass den findigen Strategen der Kulturbehörde bis dahin keine neuen Tricks einfallen, um den Ausstellungsbetrieb weiter einzuschränken.


Eigentlich aber müsste die Arbeit des 1945 in Cornwall geborenen Briten den Hamburger Sparkommissaren außerordentlich gut gefallen: Abgesehen von ein paar Arbeiten auf Papier, Fotografien, Reisepässen, Wörterbüchern und alten Hotelrechnungen aus der Sammlung des Künstlers mussten keine teuren Objekte nach Hamburg verschifft werden. Was Transport- und Versicherungskosten angeht, also eine ausgesprochen billige Angelegenheit. Denn Tremlett verweigert sich dem Kult ums künstlerische Objekt. Wer eine Arbeit von ihm haben will, der verfügt idealerweise über eine leere Wand oder besser noch ein ganzes Kellergewölbe, eine Kapelle, eine Synagoge oder eine Etage im Museum. Tremletts größte permanente Wandzeichnung misst 16 mal 46 Meter. Sie befindet sich im Wintergarten der Britischen Botschaft in Berlin. Großzügige Räume dieser Art stellen für den Briten besondere Herausforderungen dar.

So auch Oswald Mathias Ungers’ Galerie der Gegenwart, ein eher sperriges Gebäude, in dem sich alles ums Quadrat dreht. David Tremlett, der sich keineswegs als Maler sondern als Bildhauer bezeichnet, empfängt den Besucher zum Auftakt seines präzise durchkomponierten Rundgangs mit fünf aneinander gereihten Kreisen in einem schwarzen Rechteck. Mit den Händen direkt auf der Wand verriebene Pastellkreiden in Beige, Rot, Ocker und zwei Orangetönen setzen den unterkühlten Ausstellungsräumen eine erdige, organische Wärme entgegen. Tremlett hat zusammen mit Assistenten und Hamburger Kunststudenten wochenlang vor Ort gearbeitet. Tremlett: „Das Verreiben des Pastells wirkt nach ein paar Stunden wie eine Art von Meditation; auf der Wandfläche ergibt das Verreiben mit der Hand eine eigene Qualität und eine eigene Art von Flächigkeit. Auf meinen Reisen habe ich solche Wandbearbeitungen von der Machart her gesehen.“

Die entscheidenden Impulse für seine Kunst erhielt der exzessive Globetrotter auf häufigen Reisen durch den Orient, Indien, Afrika und Australien. Auf seinen von Linien gegliederten Wandzeichnungen in kräftigen, aber stets matt durchdeklinierten Farbtönen erfahren Tremletts vielfältige und oft auf Fotografien oder Skizzen festgehaltenen Seherfahrungen ihr visuelles Echo. Überall auf der Welt vorkommende architektonische Grundformen wie Fenster, Türen, Säulen oder Stützpfeiler übersetzt Tremlett in stimmige, wie gebaut wirkende Abfolgen geometrischer Formen. Doch statt sich in Exotismen zu flüchten, bleibt der Künstler den Prinzipien einer ihren Gegenstand reflektierenden Moderne verhaftet. Der Betrachter wird beim Rundgang zum Passanten, zum Flaneur im Kosmos universeller Formen. Als kleinen ironischen Rekurs auf seine Anfangsjahre präsentiert Tremlett sogar eine Wand, die über und über mit grünlicher Wagenschmiere überzogen ist. Denn Tremlett jobbte einst in einer Autowerkstatt.

Das Finale bilden zwei harmonisch ausgemalte Räume, in denen der Betrachter komplett von der Wandzeichnung umhüllt wird. Der zeichnende Bildhauer David Tremlett, der gemeinsam mit befreundeten Künstlerkollegen wie Gilbert & George, Ian Hamilton Finlay oder Richard Long auf der beständigen Suche nach einer zeitgemäßen Neudefinition und Klärung des Begriffs Skulptur ist, betonte schon vor 20 Jahren in einem seiner seltenen Interviews: „Es ist eine Sprache des Denkens, das aus dem hervorgeht, was man sieht und was man erlebt; es ist nicht – jedenfalls nicht genau –, was man fühlt, es geht nicht um den Ausdruck von großen emotionalen Erlebnissen in unserem Leben; es geht nicht um menschliche Gefühle; Mythen- und Märchenbilder haben in dieser Sprache keinen Platz.“

Die Ausstellung „David Tremlett – Drawing Rooms“ ist bis zum 31. Oktober zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog erscheint im September im Eigenverlag der Kunsthalle und wird 35 Euro kosten. Am 1. September findet um 19 Uhr ein Künstlergespräch mit David Tremlett statt. Parallel zur Kunsthalle zeigt die Hamburger Galerie Dörrie & Priess Papierarbeiten von David Tremlett.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



06.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.06.2010, David Tremlett - Drawing Rooms

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Bis ans Ende dieser Welt

Künstler:

David Tremlett










Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce