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Posen, Gesten, Selbstinszenierungen: Der Berliner Foto- und Videokünstler Tobias Zielony begibt sich mit seiner Kamera in die Reservate jugendlicher Subkulturen. Jetzt sind seine Bilder im Hamburger Kunstverein zu sehen

Wenn es Nacht wird in Neapel



Der amerikanische Traum sieht anders aus: Trona, eine Kleinstadt in der kalifornischen Wüste, hat schon bessere Zeiten gesehen. Damals, als die Chemiefabrik, der wichtigste Arbeitgeber am Ort, noch nicht geschlossen war. Früher, als noch Autos und Lastwagen durch den Ort fuhren und die bescheidenen Häuser wenigstens ein bisschen was wert waren. Heute wirkt Trona so, als wären alle aus der Stadt geflüchtet. Häuser stehen leer, verrostende Autowracks beherrschen das Straßenbild. Als der Berliner Künstler Tobias Zielony, geboren 1973 in Wuppertal, hier vor zwei Jahren mit der Kamera unterwegs war, traf er vorwiegend auf Jugendliche aus der weißen amerikanischen Unterschicht, die ihre Langeweile mit Herumstreunen, BMX-Radfahren oder dem Konsum der Billigdroge Crystal zu betäuben versuchten. Tristesse unter der Sonne Kaliforniens.


Tobias Zielony, der an der University of Wales in Newport und bei Timm Rautert an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Dokumentarfotografie studiert hat, begibt sich, seit er im Jahr 2000 in Newport damit angefangen hat, immer wieder mit der Kamera an Orte, die Jugendlichen als Treffpunkt dienen: in Bristol, Chemnitz, Halle-Neustadt, Marseille, Berlin oder Los Angeles. Im Hamburger Kunstverein sind jetzt rund 50 Aufnahmen aus seinen Fotoserien „Trona“ von 2008 und „The Cast“ von 2007 zu sehen.

Außerdem wird der 2009 fertiggestellte Film „Le Vele di Scampìa“ gezeigt, eine filmische Annäherung an eine der Hochburgen der neapolitanischen Camorra. Alle fünf Minuten geht das Licht aus, und der Ausstellungsraum wird zum Kino. In rund 7000 zu einem etwas ruckeligen Film montierten Einzelaufnahmen zeigt Zielony einen brutalistischen Betonwohnblock in einer unwirtlichen Trabantenstadt im Norden Neapels. Die trostlose Wohnmaschine ist spätestens seit der Verfilmung von Roberto Savianos Mafia-Roman „Gomorrha“ zu trauriger Bekanntheit gelangt. Zielony erkundet das steinerne Monstrum bei Nacht aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Das bläuliche Licht laufender Fernseher ist aus einigen Wohnungen zu sehen. Ab und zu erhellen Feuerwerksraketen die Szenerie. In dunklen Gängen und Treppenhäusern begegnet Zielony hier lebenden Kindern und Jugendlichen, deren eingeübte Posen und Dresscodes er mit der Kamera erforscht. Mehrmals taucht eine Person auf, deren Gesicht unter einer glubschäugigen Gummimaske verborgen ist. Die Ambivalenz dieses Ortes zwischen Alltag und Verbrechen, funktionalistischer Architektur und unheimlicher Aufladung wird spürbar. Um in Scampìa überhaupt drehen zu dürfen, musste sich Zielony die Genehmigung der lokalen Bandenchefs einholen.

Zielony arbeitet häufig mit der Dialektik von Tag und Nacht, Normalität und Pose. So auch in der am nächtlichen Strand von Venice Beach, Los Angeles entstandenen Serie „The Cast“. Venice Beach, tagsüber einer der wenigen jedermann zugänglichen öffentlichen Orte in Los Angeles, ändert nach Einbruch der Dunkelheit komplett seinen Charakter. Auf einer lange belichteten Aufnahme fängt Zielony die weiße Gischt der Pazifikwellen ein, er zeigt das fahle Licht der Straßenlaternen, den die Nacht durchschneidenden Suchscheinwerfer eines Polizeihubschraubers und die zugezogenen Vorhänge der Häuser. Vor allem aber porträtiert er auch in dieser Serie Jugendliche und ihre diversen Spielarten der modischen und habituellen Selbstinszenierung.

Tobias Zielony ist weder Presse- noch Lifestyle-Fotograf. Seine stillen, sensiblen Porträts haben nichts Inszeniertes oder Ausbeuterisches. Oft aber sind sie voller kinematografischer Aufladung. Und sie funktionieren nur deshalb so gut, weil sich Zielony Zeit lässt und lange bevor er zum ersten Mal auf den Auslöser seiner Kamera drückt, ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Protagonisten seiner Serien aufbaut. Selten hat ein Fotograf den Alltag gesellschaftlich ausgegrenzter und perspektivloser Jugendlicher mit soviel spürbarer Empathie eingefangen.

Die Ausstellung „Tobias Zielony – Story/No Story“ ist bis zum bis 4. Juli zu sehen. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 39,80 Euro.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



23.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


05.06.2010, Tobias Zielony – Story/No Story

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Bericht:


Tobias Zielony in Frankfurt

Künstler:

Tobias Zielony










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