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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Moderne Kunst fand bei Ketterer in München großen Anklang, bei den Zeitgenossen zeigten sich die Käufer etwas zurückhaltender

Heimatverbunden



Die Spitzenstücke gingen weg wie warme Semmeln. Kein Problem war es für das Münchner Auktionshaus Ketterer, Alexej von Jawlenskys kleine „Variation“ von 1915 für 125.000 Euro, Wladimir Bechtejeffs kecke nixenhafte „Reptilien“ um 1911 für 310.000 Euro oder Gabriele Münters ruhige „Landschaft mit Sonnenblumen“ aus dem Jahr 1910 für 320.000 Euro unter die Leute zu bringen und damit die zum Teil durchaus anspruchsvollen Schätzungen zu erfüllen. Mit seiner Hauptdomäne des deutschen Expressionismus hat das Team um Robert Ketterer einfach die größten Erfolge. Allein mit der Münter setzte es insgesamt mehr als 1 Million Euro brutto um: 300.000 Euro im Rahmen der Schätzung zahlte ein süddeutscher Händler für ihr Bildnis „Beim Malen“, das um 1911 wohl die Kollegin und Freundin Marianne von Werefkin zeigt, und von 140.000 bis 180.000 Euro auf 210.000 Euro kletterte ihre 1934 datierte Landschaft am „Staffelsee“. Nur 25 der 93 angebotenen Werke moderner Kunst fanden keinen Abnehmer. 12 Millionen Euro brutto spielten die die Frühjahrsauktionen insgesamt ein. Insbesondere deutsche Kunden fühlten sich bei Ketterers Angebot gut aufgehoben.


Moderne Kunst

Die großen Namen zogen am 12. Juni auch sonst das größte Interesse auf sich. Als zu gering entpuppte sich die Schätzung von 140.000 bis 180.000 Euro für das Aquarell einer Marschlandschaft Emil Noldes aus den frühen 1930er Jahren. Die ausgewogene, farbschöne Komposition wurde von einem süddeutschen Sammler erst bei 260.000 Euro übernommen. Der norddeutsche Expressionist reüssierte außerdem mit der Farblithografie „Mühle am Wasser“ von 1926 in unikater Farbgebung bei 38.000 Euro (Taxe 38.000 bis 42.000 EUR) sowie vor allem mit seinem orangeroten Aquarell eines Frauenkopfes im Halbprofil nach rechts von 1916/18 zur doppelten Erwartung bei 50.000 Euro und den um 1914 aquarellierten exotischen „Dschunken“ von seiner Südseereise bei 42.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auch Oskar Kokoschka war mit einem farbenvollen Aquarell eines Tulpenstraußes von 1958 bei 30.000 bis 40.000 Euro angetreten und kam erst bei 46.000 Euro aus der Versteigerung heraus.

Eine farbige Kreidezeichnung Ernst Ludwig Kirchners, 1932 als Bildnis einer sitzenden Frau am Tisch entstanden, kostete 53.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei 20.000 Euro schloss sich Karl Schmidt-Rottluffs mit Farbkreiden überarbeiteter Tuschpinselzeichnung eines liegenden weiblichen Akts aus der unmittelbaren Nachkriegszeit bei 20.000 Euro an (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Nur wenige der hoch gehandelten Stücke konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Christian Rohlfs etwa, dessen pointillistisches „Holsteinisches Bauernhaus“ um 1903 nur ein Gebot zum Aufrufpreis von 85.000 Euro erhielt. Es verfehlte also die anvisierten 100.000 bis 150.000 Euro. Sein wild gestricheltes „Blaues Haus“ von 1931 in Tempera glich diese Scharte bei 72.000 Euro wieder aus (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Heiß begehrt war eines der wenige Werke ausländischer Künstler: Ein wohl posthumer Bronzeguss von Auguste Rodins „Andrieu d’Andres“ aus seinem Monumentalwerk „Les bourgeois de Calais“ der späten 1890er Jahre verdoppelte seinen Wert auf 155.000 Euro und wurde einem französischen Sammler zugesprochen. Diego Giacomettis „La table Greque“ um 1965, ein Mittelding zwischen Kunst und Design, und seine „Bibliothèque au Mexique“ um 1966 kratzten mit 155.000 Euro und 93.000 Euro aus süddeutscher und britischer Hand jeweils nahe den oberen Schätzungen. Bei den Skulpturen folgten noch Renée Sintenis’ Bronze „Sitzender Knabe mit Schalmei“ von 1951 bei 14.000 Euro zur unteren Schätzung, Ewald Matarés ungewöhnlicher Zinkguss einer „Stehenden Kuh“ von 1938 bei 24.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und die 1933/34 in drei Exemplaren gegossene „Russische Bettlerin I“ bei 40.000 Euro, in der Ernst Barlach Eindrücke seiner Russlandreise des Jahrs 1906 verarbeitete (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Erfolg hatte Ketterer auch mit einer Handvoll ungewöhnlicher Offerten guter, aber unter die Räder der Geschichte geratener Künstler. Zu denen gehört beispielsweise Josef Eberz. Sein Bildnis der Wiener Tänzerin Beatrice Mariagraete im Harlekinskostüm wurde erst zum neuen Auktionsrekord bei 83.000 Euro übernommen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Von 12.000 Euro ebenfalls auf den neuen Spitzenpreis von 60.000 Euro stritt man sich um Anita Rées unmittelbares Bildnis einer halbentblößten Spanierin von 1930 hinauf. Das Gemälde ist ein Beispiel der neusachlichen Kunst einer insgesamt eher traurigen Künstlerkarriere, die 1933 im Selbstmord endete. Für zwei ins Unwirkliche entrückte Frauenportraits Béla Kádárs in Gouache aus den 1930er Jahren verblieb mit 19.000 und 17.000 Euro jeweils etwa das Doppelte der Schätzungen.

Nicht ganz so überraschend waren dagegen die 58.000 Euro, die Arnold Topps „Schwarze Fenster“ wohl aus dem Jahr 1918 abräumten. Der 1945 verschollene Künstler ist inzwischen zu arriviert, als dass 25.000 bis 35.000 Euro ausgereicht hätten. Zu den früh Verstorbenen gehört auch Helmut Kolle gen. vom Hügel: Bereits mit 32 Jahren endet sein Leben 1931. Seine Kinderszene „Les garçons aux eventails“ von 1922 spielte die untere Taxe von 25.000 Euro ein. Als Nachimpressionist in der Art Max Liebermanns schuf in den 1940er oder 1950er Jahren Otto Dill einen sommerlichen Parkweg mit Reitern. Der Zuschlag von 15.000 Euro gab ihm Recht (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Kunst nach 1945

Gut ging es auch bei den Zeitgenossen los mit einer fasrigen Raumplastik Norbert Krickes von 1962/63 für 68.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), einer zarten weißen Struktur von Raimund Girke aus dem Jahr 1970 bei 23.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Rupprecht Geigers weißem Oval vor gelbem Grund von 1967 unter der Nummer „484/67“ bei 24.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und Heinz Macks serieller vertikaler Reihung „Structure dynamique noire“ aus dem Jahr 1962 zur oberen Schätzung 60.000 Euro. Doch insgesamt waren die Lücken hier etwas größer: 47 der 99 Lose blieben unveräußert. So blieben etwa die großen Lichtarbeiten Adolf Luthers liegen – seine „Integration, Steh-Linsen“ von 1982 aus acht Standobjekten mit jeweils zwei halbtransparenten Holzspiegeln bei 50.000 bis 60.000 Euro und sein fast drei Meter breites Hohlspiegelobjekt von 1978 für 60.000 bis 80.000 Euro.

War es der Wunsch nach „typisch deutsch“, dass Günther Ueckers Nagelfeld „Haut“ aus dem Jahr 1964 bei 290.000 Euro wieder einmal ganz oben landete (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), Jörg Immendorffs 2,5 Meter hohe Bronzestele „Affenbaum“ von 1989 bei 85.000 Euro die Erwartungen erfüllte, Gotthard Graubners grünlich-gelber Farbraumkörper von 1982/83 sich von 50.000 bis 70.000 Euro auf 80.000 Euro verbesserte und selbst eine zwar farblich schöne, aber auch etwas zeitgebundene Frauengruppe Johann Georg Müllers unter dem Titel „Soho/Die Schau“ von 1966/67 auf stattliche 55.000 Euro kam (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Denn Peter Doigs „Hihg-Way (2)“ von 1999 aber (Taxe 75.000 bis 85.000 EUR) und Damien Hirsts zweiteiliges, klingenscharfes „Second Series Biopsy“ von 2008 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) mussten ebenso wie Roy Lichtensteins Farbserigrafie „Reverie“ von 1965 (Taxe 85.000 bis 95.000 EUR) und Tom Wesselmanns kleine Öl-„Study for a Nude Painting Print“ aus dem Jahr 1979 für 130.000 bis 160.000 Euro an die Vorbesitzer zurückwandern.

Jedenfalls lag der Schwerpunkt der Sammler doch eindeutig auf den Werken aus nicht allzu weiter Ferne, und mit Ausnahme des belgischen Sammlers, der sich im Kampf um den Uecker durchsetzte, gingen alle anderen Toplose an deutsche Kunden. Auch Ueckers zweites Nagelspiel, eine „Spirale“ von 1998, brachte mit 140.000 Euro sogar noch 20.000 Euro mehr als erwartet ein. Und auch Gerhard Richters abstrakte Farbschlieren mit der Nummer 841-3 aus dem Jahr 1997 waren mit 40.000 bis 60.000 Euro etwas zu bescheiden taxiert und wechselten schließlich um 68.000 Euro den Besitzer. Strukturelle Kunst schien in jeder Variante willkommen, auch in Form von Fritz Koenigs gleichmäßig dahintrabender Kuhherde „Camargue XX/3“ aus dem Jahr 1974, die schließlich erst bei 78.000 Euro, rund dem Doppelten der Taxe, aus dem Auktionssaal zog.

Auch kleinere Arbeiten deutscher Künstler wurden nicht übersehen. Ernst Wilhelm Nays Gouache „Männer mit Stier“ aus dem Jahr 1947, die man nicht mehr als solche erkennt, machte sich erst bei 34.000 Euro davon (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), Emil Schumachers dunkler „Bogen vor Rostrot“ aua dem Jahr 1972 ging taxgerecht für 50.000 Euro weg und Georg Karl Pfahlers schwarzblaue Signalmalerei kletterte dann noch mal auf 11.000 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Wenigstens ein paar ausländische Künstler konnten sich dann aber doch behaupten, wenn auch Norman Bluhms gestische Arbeit „Cloud Chamber“ von 1963 und Maurice Estèves farbenfrohe Abstraktion „Andalousie“ von 1954 mit 48.000 Euro und 120.000 Euro nicht über ihre unteren Schätzpreise hinausgelangten. Erst bei 32.000 Euro verabschiedete sich Karel Appels lustiger „Kopf“ in einer Gouache- und Kreidezeichnung aus dem Jahr 1959 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), bei angemessenen 5.000 Euro Tom Friedmans Persiflage der amerikanischen Dollarnote.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



22.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Zuschlag: 25.000,- EURO

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Auguste Rodin, Andrieu d’Andres (Les bourgeois de Calais), 1895/98

Auguste Rodin, Andrieu d’Andres (Les bourgeois de Calais), 1895/98

Taxe: 70.000 - 90.000 EURO

Zuschlag: 155.000,- EURO

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