Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.09.2019 Auktion 14. September 2019

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Neumeister erreicht mit der Sammlung Liebermeister Spitzenpreise

Er kam, sah und kaufte



John Roddam Spencer-Stanhope, Andromeda, um 1870

John Roddam Spencer-Stanhope, Andromeda, um 1870

Kein böses Drachenungeheuer kam, um sie als Bestechungsware mit sich fortzuschleppen und aufzufressen, kein Perseus nahm sich ihrer an, um sie von ihrem Felsen zu befreien, doch heiß begehrt war die schöne, junge, nackte Andromeda auf der großen Versteigerung aus dem Nachlass des Münchner Mediziners Kurt Liebermeister, die dem Auktionshaus Neumeister aufgetragen war. Das hochformatige Gemälde des englischen Präraffaeliten John Roddam Spencer-Stanhope war Höhepunkt dieser über 470 Losnummern umfassenden Sammlung und zugleich eine Ausnahmeerscheinung in ihr: Vertrat sie doch nicht den Kern der Leidenschaften, die Liebermeister vor allem anderen für den Jugendstil hegte. Doch ein wenig weist der zarte Frauenkörper in der unheimlichen Felsgegend, die jeden Moment das Schreckliche – das Ungeheuer – ebenso wie das Schöne – den Retter – erwarten lässt, auf die künftige Kunst voraus. Die Sammler kamen und hoben das Gemälde noch über seine Schätzung von 180.000 bis 200.000 Euro hinaus: 242.000 Euro bot schließlich jener griechische Reeder, der sich schon seit Jahren auf dem deutschen Auktionsmarkt eine stattliche Sammlung zusammenkauft.


Die losbezogene Zuschlagsquote lag nach der Versteigerung am 19. Mai bei gut 59 Prozent. Dies ist nicht sensationell, aber angesichts eines so speziellen, vor allem auf Glas konzentrierten Angebots doch höchst beachtlich. Mit dem Nachverkauf schloss Neumeister diese Spezialauktion dann doch mit über 83 Prozent ab. Groß war die Beteiligung internationaler Kundschaft. Liebermeisters Sinn für Qualität auch außerhalb seines Kernsammelgebietes wurde stets gut honoriert. Schon die ersten beiden Stücke, eine Anbetung des Meisters von Rabenden aus dem beginnenden 16. Jahrhunderts und eine etwa gleichzeitige Mariä Verkündigung des Meisters von Heiligenblut, erbrachten mit 70.000 Euro und 31.000 Euro Zuschläge weit über den Taxen. Ihnen schwebte Max Klingers Bronzebüste „Die neue Salome“ von 1903 zur oberen Schätzung von 16.000 Euro hinterher. Und auch die kubistische Katze Jan und Joël Martels aus den 1930er Jahren ließ erst locker, als mit 4.800 Euro das Vierfache der Schätzung erreicht war.

Bei den kostbaren Teppichen rollten ein nordwestpersischer Aserbeidjan bei unerwarteten 37.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und ein ebenfalls im 19. Jahrhundert geknüpfter Karagaschli aus dem Kaukasus bei 16.500 Euro ins Ziel (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR). Eine zentralasiatische, floral stilisierte Nadelmalerei in Seide auf Baumwolle unter dem Namen Suzani brachte es auf 14.500 Euro (Taxe 4.800 bis 5.000 EUR). Endgültig im Jugendstil angelangt war man dann bei den Möbeln. Ausgezeichnet wurden hier ein spielerisch aus der Symmetrie gehobener Stuhl Hector Guimard um 1903 mit 26.000 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und zwei der strengen Stühle, die Charles Rennie Mackintosh ungefähr zur gleichen Zeit für die Willow Tea Rooms in Glasgow entwarf, mit 23.000 Euro und 29.000 Euro (Taxen je 6.000 bis 7.000 EUR).

Hoch blieb das Interesse auch in der Silberabteilung. Gewinner waren hier Charles Robert Ashbee, von dem eine 1902 entstandene Weinprobierschale 10.000 Euro einspielte (Taxe 2.000 bis 2.300 EUR), und Eugène Feuillâtre, dessen fein mit einer Pfauenfeder emailliertes Tintenfass „pavot“ um 1900/01 sich leicht von 6.000 bis 7.000 Euro auf 9.000 Euro verbessern konnte. Ein radschlagender Pfau ist auch das Motiv auf einer Brosche, die Léopold Gautrait um 1900 aus Gold, Edelsteinen und Email zusammenfügte. Sie verdreifachte ihren Wert auf 15.000 Euro. Verspielt war André-Fernand Thesmar 1895 bei seiner Puderdose mit verschlungenem Wappen und einem roten Marienkäfer als Puderquastengriff zugange, und spielerisch stieg nun der Wert auf 6.800 Euro (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR).

Im Porzellanladen sorgte zunächst eine seladongrüne Bodenvase der Manufaktur Sèvres um 1930 für Aufsehen: Sie ist komplett mit ineinandergreifenden Ringen reliefiert. Mit 10.000 Euro wurde hier etwa das Vierfache der Schätzung geboten. Hoch waren die Erwartungen für Gio Pontis Deckelvase „La passeggiata archeologica“, hergestellt von Richard Ginori, aus dem Jahr 1925. Mit einem Zuschlag bei 24.000 Euro wurden sie indes sogar noch um mindestens 6.000 Euro übertroffen. Auch die Produkte Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg aus Eierschalenporzellan und den charakteristischen Malereien mit Pflanzen und Vögel waren begehrt und gingen sämtlich in neuen Besitz über, an der Spitze für 10.500 Euro eine Amphorenvase mit zwei Henkeln, auf der eine Chrysantheme rankt (Taxe 7.500 bis 9.000 EUR).

Beim Glas war Louis Comfort Tiffany unter anderem mit einem blumenförmig gestalteten Kelchglas um 1900 angereist und schlug taxgerecht 9.500 Euro dafür los. Gab es beim französischen Jugendstil trotz großartiger Einzelpreise wie 37.000 Euro für eine Vase „orchidée brun“ von Emile Gallé (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) oder 15.000 Euro für eine der fleischigen Vasen François-Emile Décorchemonts aus den frühen 1910er Jahren zunächst manch größere Lücke (Taxe 7.500 bis 9.000 EUR), so ging vieles im Nachverkauf noch unterhalb der Erwartungen weg. Albert-Louis Dammouse setzte seine orangefarbene Vase aus Pâte-de-verre mit grüner Blattbordüre und originalem Etui gut zur oberen Schätzung von 8.500 Euro ab. Und für René Laliques wunderbar dunkelblau patinierte Vase „Sauterelles“ gab es sogar 4.200 Euro (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR).

Leichtfüßig gestaltete sich dann der Verkauf bei den frühen und seltenen Arbeiten aus Murano. Sie fanden sich die sofort nach der Auktion fast komplett in anderen Sammlungen wieder. Zum Teil wurden horrende Beträge bewilligt, insbesondere für die barocken, gern balusterartigen Produkte Umberto Bellottos. Eine Serie, die er um 1920 für Artisti Barovier entwarf, ging für bis zu 14.000 Euro über die Bühne (Taxen zwischen 2.600 und 3.300 EUR). Weitaus höher aber kamen seine noch fantasievolleren und ausladenderen Werke für C. V. M. Cappellin & C. einige Jahre später: 22.000 Euro, 29.500 Euro und 34.000 Euro kosteten drei dieser herrlichen, dabei aber ungemein filigranen und leichten Kostbarkeiten. Die Schätzungen hatten auch hier bei nicht mehr als 3.200 Euro gelegen.

Die Firma Cappellin reüssierte ferner mit Arbeiten nach Entwürfen Carlo Scarpas. Großartiger, aber auch nach Meinung der Experten nicht ganz erklärbarer Höhepunkt war hier ein Ensemble dreier Flaschen namens „incamiciati“ aus korallenrotem Opakglas der späten 1920er Jahre, um die sich eine venezianische Bieterin gegen hartnäckige Konkurrenz bis auf 50.000 Euro hochkämpfte. 1.500 bis 2.000 Euro standen eigentlich auf dem Etikett. Ebenso fantasievoll wie erfolgreich ging es mit Napoleone Martinuzzis Vasen weiter, in denen die gläsernen Blumen gleich mit eingearbeitet sind. Ein solches Stück mit Kaktus in Rot brachte es auf 16.000 Euro (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Beim neueren Murano-Glas ließ das Interesse dagegen deutlich nach. Zu massenhaft war die Produktion der Glasobjekte seit den 1950er Jahren, zu häufig sind sie auf dem Markt, als dass man hier über 6.000 Euro für Fulvio Bianconis Vase „a macchie“ aus dem Jahr 1958 noch hinausgelangte (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Die kleine Gemäldesammlung Liebermeisters also kürte mit Stanhopes weiblicher Schönheit ihren unerreichbaren Höhepunkt. Stanhopes Zeitgenosse Sir Edward Burne-Jones schaffte mit seiner einen Perseus-Zyklus vorbereitenden Zeichnung „The Rock of Doom and The Doom fulfilled“ von 1875 gute 15.500 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auf Seiten der Münchner „Scholle“ beeindruckte Fritz Erlers geheimnisvolle Parkszene „Frau mit Hund“ um 1907 zu 11.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Max Klingers Querformat „Nereiden in großer Muschel“, Mitte der 1880er Jahre für das Vestibül der Villa Albers in Berlin-Steglitz entstanden, blieb zwar an 13.000 Euro hängen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), dafür steigerten sich seine „Kirschalleen“ von 1907 mit einem Erlös von 20.000 Euro fast auf das Vierfache des Schätzwertes.

Eugen Napoleon Neureuthers feine Originalillustration des Grimmschen Märchens „Rumpelstülzchen“ wurde überraschend auf 10.000 Euro gehoben (Taxe 500 bis 700 EUR), bei 7.500 Euro reüssierte Alphonse Muchas Plakat „Champagne Ruinart Père et Fils“ aus dem Jahr 1897 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Auch Otto Coesters expressionistischer Hühnerhof im Garten einer Villa um 1947 ließ sich mit 5.400 Euro noch sehr gut an (Taxe 300 bis 500 EUR), ebenso Ernst Wilhelm Nays schönes Augenaquarell „Dans la campagne“ von 1947 mit 27.000 Euro (Taxe 23.000 bis 25.000 EUR). In die ganz abstrakte Kunst einer informellen Malerei Emilio Vedovas von 1964 mochten die Bieter denn aber doch nicht folgen (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



15.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 11

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Berichte (1)Kunstwerke (8)

Veranstaltung vom:


19.05.2010, Nachlass Liebermeister

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Das Schöne in Fülle

Kunstwerk:

Edward Burne-Jones, The Rock of Doom and The Doom fulfilled, 1875
Edward Burne-Jones, The Rock of Doom and The Doom fulfilled, 1875

Kunstwerk:

Max
 Klinger, Die neue Salome, 1903
Max Klinger, Die neue Salome, 1903

Kunstwerk:

Emile Gallé, Vase „orchidée brun“, Nancy um 1900/05
Emile Gallé, Vase „orchidée brun“, Nancy um 1900/05

Kunstwerk:

Meister von Heiligenblut, Mariä Verkündigung, Brixen
 Anfang 16. Jahrhundert
Meister von Heiligenblut, Mariä Verkündigung, Brixen Anfang 16. Jahrhundert

Kunstwerk:

Eugène Feuillâtre, Tintenfass „pavot“, Paris um 1900/01
Eugène Feuillâtre, Tintenfass „pavot“, Paris um 1900/01

Kunstwerk:

André-Fernand Thesmar, Puderdose, Paris 1895
André-Fernand Thesmar, Puderdose, Paris 1895







Meister von Heiligenblut, Mariä Verkündigung, Brixen Anfang 16. Jahrhundert

Meister von Heiligenblut, Mariä Verkündigung, Brixen Anfang 16. Jahrhundert

Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 2

Eugène Feuillâtre, Tintenfass „pavot“, Paris um 1900/01

Eugène Feuillâtre, Tintenfass „pavot“, Paris um 1900/01

Taxe: 6.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 118a

Emile Gallé, Vase „orchidée brun“, Nancy um 1900/05

Emile Gallé, Vase „orchidée brun“, Nancy um 1900/05

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 37.000,- EURO

Losnummer: 239

Edward Burne-Jones, The Rock of Doom and The Doom fulfilled, 1875

Edward Burne-Jones, The Rock of Doom and The Doom fulfilled, 1875

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 15.500,- EURO

Losnummer: 416

André-Fernand Thesmar, Puderdose, Paris 1895

André-Fernand Thesmar, Puderdose, Paris 1895

Taxe: 4.000 - 4.500 EURO

Zuschlag: 6.800,- EURO

Losnummer: 153

Meister von Rabenden, Anbetung der Könige, München Anfang 16. Jahrhundert

Meister von Rabenden, Anbetung der Könige, München Anfang 16. Jahrhundert

Taxe: 30.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 1

Max Klinger, Die neue Salome, 1903

Max Klinger, Die neue Salome, 1903

Taxe: 12.000 - 16.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 3




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce