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Die Hamburger Kunsthalle leistet mit der wissenschaftlich fundierten Ausstellung „Der Jesus-Skandal“ rund um ein Gemälde Max Liebermanns wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Schmähkritik und Antisemitismus

Ein Bild sorgt für Empörung



Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Es gibt nur einige wenige Bilder der Kunstgeschichte, die solchen Hasstiraden ausgesetzt waren wie dieses: Der jüdische Maler Max Liebermann malte im Jahre 1879 nach einigen Vorstudien in Amsterdam das Bild „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“. Der für seinen prägnanten Realismus und seine Vorliebe für soziale und alltägliche Genrebilder bekannte Maler widmete sich hier ausnahmsweise einmal einem klassisch religiösen Thema. Die Szene mit dem kindlichen Jesus, der nach dem Pessachfest ohne seine Eltern in Jerusalem zurückblieb und im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutierte, wurde bereits von Dürer und Rembrandt dargestellt. Max Liebermanns Gemälde jedoch löste bei seiner öffentlichen Präsentation auf der Zweiten Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast 1879 einen handfesten Skandal aus.


Die Hamburger Kunsthalle untersucht aktuell in der wissenschaftlich fundierten Ausstellung „Der Jesus-Skandal. Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik“ die Entstehungsgeschichte, Ikonografie, Rezeption und Provenienz dieses Bildes aus der eigenen Sammlung. Erarbeitet wurde die an Skizzen, Kompositionsstudien, Referenzwerken, Briefen und Zeitungsausschnitten reiche Schau in Zusammenarbeit mit der Berliner Liebermann-Villa. Für Hamburg eingerichtet hat sie Ute Haug, die seit zehn Jahren an der Kunsthalle mit der Provenienzforschung betraut ist.

Warum aber entbrannte damals gerade um dieses Bild eine so heftige Kontroverse? Die nur noch als Fotografie erhaltene erste Fassung von 1879 zeigt im Bildvordergrund den barfüßigen Jesus in Seitenansicht, wie er gestikulierend mit den Schriftgelehrten diskutiert. Diese beugen sich zu dem Knaben herunter und begegnen ihm auf Augenhöhe, was damals als Unmöglichkeit empfunden wurde. Die Figur des Jesus, für die Liebermann einen italienischen Jungen als Modell genommen hatte, erregte jedoch vor allem aufgrund des asymmetrisch geschnittenen, kurzen Gewandes und der Haartracht den Unmut der Betrachter. Die rötlichen Haare standen strubbelig vom Kopf ab, über dem Ohr waren dunkle Schläfenlocken erkennbar.

Die Erstrezeption des Werkes fiel in eine Zeit aufkeimender Judenfeindlichkeit im Deutschland der Gründerzeit. Antisemitische Vereine, Burschenschaften, Publizisten, Politiker und prominente Kulturschaffende wie Richard Wagner schürten längst überkommen geglaubte Vorurteile gegen die jüdische Minderheit. Schon die Vernissagebesucher in München, darunter bayerische Minister, Diplomaten und hochrangige Militärs, äußerten Missfallen an dem Bild. Schnell machte auch die Ablehnung durch die Prinzregentenfamilie die Runde. Verheerend und offen antisemitisch fiel dann auch die Kritik in der Presse aus. Kritiker gaben sich empört über die Darstellung Christus’ als den „häßlichsten, naseweisen Juden-Jungen“. Das „ungewaschene, rothaarige Judenjüngelchen“, das „spitzfindig diskutiert“ und durch seine „frühreife Klugheit“ provoziert, wurde von der deutsch-national dominierten Presse rundheraus abgelehnt.

Max Liebermann war natürlich tief getroffen. Als liberaler Jude war er von einer toleranteren Stimmung im Lande ausgegangen. 1907 beugte er sich der Kritik und übermalte schließlich das Gemälde. Jesus bekam geordnete Kleidung, Sandalen und eine germanisch helle, schulterlange Haartracht. Nachdem er das Werk um 1883 mit seinem Malerkollegen Fritz von Uhde getauscht hatte, wurde es 1911 von der Hamburger Kunsthalle erworben und nach einigen komplizierten Irrwegen 1989 zum zweiten Mal angekauft. Die Ausstellung zeigt mustergültig, wie Zeitgeist, gesellschaftliche Stimmung und publizistische Hetze das Schicksal eines Kunstwerkes bestimmen und einen um gesellschaftliche Anerkennung bemühten Maler letztlich zum Einknicken bringen können. Max Liebermann malte nach dem sogenannten „Jesus-Skandal“ 30 Jahre lang kein religiöses Bild mehr.

Die Ausstellung „Der Jesus-Skandal. Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik“ ist bis zum 18. Juli zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog ist im Eigenverlag der Max-Liebermann-Veranstaltungs GmbH erschienen und kostet 16 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



10.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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18.04.2010, Der Jesus-Skandal. Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Liebermann komplett

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Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879
Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Variabilder:

Albrecht Dürer, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, um 1503
Albrecht Dürer, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, um 1503

Variabilder:

Rembrandt, Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel, 1654
Rembrandt, Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel, 1654

Variabilder:

Max Liebermann, Entwurf zu „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“, 1879
Max Liebermann, Entwurf zu „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“, 1879

Variabilder:

Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879
Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Variabilder:

Adolph von Menzel, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1851
Adolph von Menzel, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1851







Albrecht Dürer, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, um 1503

Albrecht Dürer, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, um 1503

Rembrandt, Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel, 1654

Rembrandt, Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel, 1654

Max Liebermann, Entwurf zu „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“, 1879

Max Liebermann, Entwurf zu „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“, 1879

Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Max Liebermann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Adolph von Menzel, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1851

Adolph von Menzel, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1851

Heinrich Hofmann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1884

Heinrich Hofmann, Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1884




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