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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Villa Grisebach punktet in Berlin mit einem Angebot, das vor allem in der Breite überzeugte

Auf altbewährtem Niveau



Walter Leistikow, Märkische Landschaft

Walter Leistikow, Märkische Landschaft

Vor einem Jahr wäre die Sache wohl anders ausgegangen. In Zeiten, als man sich um die wenigen Spitzenstücke noch riss, hätte die Villa Grisebach mit ihren „Ausgewählten Werken“ des 20sten Jahrhunderts vielleicht Schiffbruch erlitten. Qualitativ sehr in die Breite gestreut, fehlte es diesmal an den absoluten Raritäten, die auch das Berliner Auktionshaus sonst das ein oder andere Mal beehren. Jetzt aber, da sich der Kunstmarkt erholt hat und überall die Sammler und Händler wie Pilze wieder aus dem Boden schießen, gab es auch mit einem solchen Programm, das immer noch die Zurückhaltung der Einlieferer dokumentiert, keine Schwierigkeiten. Mit 80 verkauften von 93 angebotenen Losnummern, das entspricht einer Zuschlagsquote von 86 Prozent, ist man wieder auf altbewährtem Grisebach-Niveau angekommen. Möglich geworden war dies durch eine Reihe eher vorsichtiger Schätzungen, die vor allem im fünfstelligen Preissektor zu zahlreichen heftigen Bietgefechten animierten. Auch der veröffentlichte Bruttoumsatz von 14 Millionen Euro für die dreitägigen Frühjahrsauktionen konnte sich problemlos sehen lassen.


Walter Leistikow, eigentlich ein stiller Berliner mit Hang zu heimatlichen Wald- und Heidelandschaften, erregte am Abend des 4. Juni als erste Position bereits großes Aufsehen und zeigte, wo es im Folgenden in etwa lang gehen sollte: Von 18.000 bis 24.000 Euro auf 60.000 Euro kletterte seine schöne märkische Landschaft mit interessanten Licht- und Schatteneffekten auf Waldboden und Seefläche. Die Marktfrische tat ihr übriges; war das Gemälde doch seit 1925 ununterbrochen in Privatbesitz. Sechsstellig wurde es bald danach erstmals mit Lovis Corinths Kniestück eines weiblichen Aktes von 1921. Er stieg von 60.000 bis 80.000 auf 104.000 Euro. 290.000 Euro im oberen Bereich des Schätzpreises schaffte Paula Modersohn-Beckers „Selbstbildnis mit gelbem Kranz“ um 1901, und auch ihr Stillleben „Weiße Rosen vor Atelierfenster“ etwa der gleichen Zeit brachte es auf hervorragende 200.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Lediglich Max Liebermann erwies sich unter den frühen Arbeiten als erstaunlich ungefragt. Sowohl seine Studie eines Kinderkopfes zum Gemälde „Die Geschwister“ 1876 als auch ein Blick in den Nutzgarten der Wannseevilla um 1929 mussten die Heimreise antreten (Taxen je 100.000 bis 150.000 EUR).

Reich war die Auswahl an deutschem Expressionismus. Auch hier tummelte sich eine ganze Reihe von Werken im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich. Zu nennen sind vor allem Alexej von Jawlenskys „Stilleben mit 2 Figuren und weißem Reh“ aus der Zeit um 1927 zur unteren Taxe von 90.000 Euro sowie sein mystischer „Abstrakter Kopf: Letzte Strahlen“ von 1931, der die Mitte von 250.000 bis 350.000 Euro traf. Jeweils 285.000 Euro bedeuteten für Franz Marcs „Rotes und blaues Pferd“ von 1912 und Emil Noldes Aquarell „Blaue Iris, Feuerlilien, Rudbekia“ aus den frühen 1930er Jahren dagegen jeweils satte Steigerungen auf etwa das Doppelte der Schätzung. Eine der teuersten Arbeiten der Dresdner „Brücke“-Künstler wurde Otto Muellers „Weiblicher Akt in den Dünen“, circa 1911 wohl als Portrait der Schriftstellerin Annemarie von Nathusius gemalt. Hier wurde die untere Schätzung von 200.000 Euro erzielt. Steigern konnte sich sein um 1925 mit Farbkreiden niedergelegter melancholischer Halbakt eines Zigeunermädchens auf 88.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Für einen liegenden Frauenakt Egon Schieles in Kohle auf Papier aus dem Jahr 1918 blieben 170.000 Euro übrig, und das, obwohl die Aquarellierung der Zeichnung wahrscheinlich nicht einmal vom Künstler selber stammt (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Sein österreichischer Kollege Gustav Klimt war schon kurz zuvor mit der Bleistiftzeichnung eines stehenden Aktes mit hochgezogener linker Schulter bei 53.000 Euro erfolgreich (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Bei der Druckgrafik gefiel Ernst Ludwig Kirchners blaugrüne, seltene Radierung einer „Damenkapelle“ von 1908 für taxgerechte 45.000 Euro, seine Lithografie „Reisender im Coupé“ von 1912 für gute 35.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder Erich Heckels kantiger Holzschnitt des Kopfes eines „Fischermädchens“ von 1908 für 29.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Bei den kleineren Preisen überzeugte Oskar Moll mit seinen beiden farbintensiven Landschaften „Vorgarten im Winter“ 1917 und „Felsen am Bach“ um 1919 bei 60.000 und 70.000 Euro (Taxen zwischen 30.000 und 45.000 EUR). Gelungen ist auch der Versuch, Mela Muter auf dem besseren Markt festzumachen. Ihr Gemälde „Geschwister“ von 1914 mit einem kaum weniger überzeugenden Stillleben auf der Rückseite kletterte von 30.000 bis 40.000 auf 52.000 Euro. Bei den mittleren und späten Werken deutscher Künstler beruhigte sich das Interesse wieder ein wenig. Heckels „Landschaft im Gewitter“ in Tempera auf Leinwand von 1935 brachte es aber immerhin auch auf 90.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), ebenso Otto Dix’ 1940 entstandene „Landschaft mit Kartoffelernte und Reichenau“ am und im Bodensee (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Hermann Max Pechsteins sattfarbiger Blick „Hinter den Dünen“ aus dem Jahr 1927 platzierte sich innerhalb der Erwartungen bei 98.000 Euro. Noch einmal auf 220.000 Euro schwang man sich bei Lyonel Feiningers 1953 datierter Leinwand einer Gebäudeflucht unter dem Titel „Shadow of Dissolution“. Allerdings waren auch 200.000 bis 300.000 Euro erwartet worden. Sein früheres Aquarell des kompakt geschichteten „Dorfes Deep“ von 1933 ging zur doppelten Schätzung bei 66.000 Euro weg.

Selbst scheinbar Gängiges wie Hans Purrmanns „Häuser und Mauern in Porto d’Ischia“ aus dem Jahr 1957 kletterten unerwartet hoch. Mit 50.000 bis 70.000 Euro hatte Grisebach das Ölgemälde etwa so eingeordnet, wie Purrmann-Werke dieser Güte regulär rangieren. Doch die farblich besonders kraftvolle Landschaft animierte dann doch zur Steigerung auf 110.000 Euro. Unmittelbar zuvor hatte schon Karl Hofers intimes Bildnis „Drei Frauen“ von 1944 mit 108.000 Euro etwas mehr als die anvisierten 70.000 bis 90.000 Euro eingefahren, sein um 1947/48 entstandenes „Mädchenbildnis en face“ ging erst bei 62.000 Euro weg (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Franz Radziwill reüssierte mit seiner symbolistischen Malerei „Frieden und Unfrieden“ aus dem Jahr 1947 bei 80.000 Euro. Das Gemälde, wiewohl in seinem Anspielungsreichtum und seiner Deutungsoffenheit etwas bemüht, überzeugte vor allem durch die kraftvolle Farbigkeit und die klare Darstellung einer scheinbar beschaulichen Dörflichkeit unter blutrotem Himmel (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Bernhard Heisig überzeugte das Publikum mit einem frontalen Portrait Kurt Masurs beim intensiven Dirigieren aus dem Jahr 1997 bei 49.000 Euro (Taxe 40.000 bis 40.000 EUR).

Die Skulpturen hatten mit Georg Kolbes leichtfüßiger Figur des legendären Tänzers Waslaw Nijinsky von 1913 in einer überarbeiteten Fassung von 1919 ein kapitales Stück zu bieten, das entsprechend begehrt war. Auf 60.000 bis 80.000 Euro angesetzt, verdoppelte die Bronze ihren Wert auf 140.000 Euro. Gerhard Marcks vollendete 1938, ein Jahr nachdem die Ausstellung „Entartete Kunst“ auch zwei seiner Skulpturen demontiert hatte, sein fast lebensgroßes Standbild „Schwimmerin II“. Als Guss der 1970er Jahre wurde ein Exemplar jetzt für 95.000 Euro zugeschlagen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Seine etwas korpulenteren Damen „Nanna III“ von 1939 und „Freya“ von 1949 ließen sich jeweils zur unteren Taxe von 50.000 Euro bitten.

Ausgerechnet der Sonderkatalog mit zeitgenössischer Kunst wollte zunächst nicht so richtig in die Gänge kommen. Zwar konnte am Anfang ein unbetiteltes Kissenbild Gotthard Graubners in Dunkelrot von 1984 seinen Wert auf 45.000 Euro mehr als verdoppeln, doch blieben dann sowohl Günther Ueckers genagelte „Struktur“ von 1965 für 80.000 bis 100.000 Euro als auch Konrad Klaphecks „Vier Lebensstile“ aus dem Jahr 1962 für 100.000 bis 150.000 Euro liegen. Uecker revanchierte sich mit 150.000 Euro und damit wenigstens der unteren Schätzung für eine rotierende „Uhr“ von 1969. Von Gerhard Richter wurde die günstige Nummer 348-4 namens „Grau“ mit kleinteiliger Netzstruktur von 1974 zur unteren Schätzung von 80.000 Euro übernommen, eine weitere „Abstrakte Skizze“ von 1988 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR) und vor allem das abstrakte Bild Nummer 889-4 von 2004, mit 300.000 bis 400.000 Euro eines der Toplose der Auktion, fanden dagegen keinen Abnehmer.

Dafür boten die Zeitgenossen dann wiederum die Überraschung des Abends. Eine unbetitelte Mischtechnik Sigmar Polkes von 1979, die die oft so verschiedene Stile wie Barock und Pop Art auf faszinierende Weise miteinander kombinierende Zeichenkunst des Meisters ebenso wie seine Lust am Farbenrausch präsentiert, wurde wohl auch von den Experten völlig unvorhergesehen auf 235.000 Euro gehoben. Sie hatten die einen Meter hohe Papierarbeit nach Material und Größe entsprechend lediglich auf 40.000 bis 60.000 Euro veranschlagt. 5.000 Euro hinter Polke landete ein weitaus größeres abstraktes Gemälde von Albert Oehlen aus dem Jahr 1988 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Doch mussten sie sich dem Hauptlos geschlagen geben, das in Form von Sean Scullys „Grey Fold“ aus dem Jahr 2005 die deutsche Kunst wie selbstverständlich in die Schranken wies. 370.000 Euro schienen hier kein Problem (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Und mit der Leichtigkeit der Jugend brachte es auch Neo Rauchs „Hauptgebäude“ von 1997 auf stattliche 250.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



10.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Franz Marc, Rotes und blaues Pferd, 1912

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Ernst Ludwig Kirchner, Teestunde, 1912

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