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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neumeisters Moderne in München

Zarte Schifflein, glühende Werften



Wassily Kandinsky war neben allem Geometrischen und Konstruktiven auch ein Freund des Spielerischen. Standen die 1920er Jahren noch ganz im Zeichen des Bauhauses mit seinen strengen Konstruktionen, nehmen seine Bilder im Verlauf der 1930er Jahre eine freiere kompositorische Gestalt an. Runde Formen treten vermehrt in Erscheinung, und Kandinsky entwickelt seinen „biomorphen Stil“. Auf einem Aquarell aus dem Jahr 1940 verbindet er beide Richtungen. Das unbetitelte Blatt auf roséfarbenem Fond ist klar in vier Ebenen untergliedert und durch winkelartige Tuschefäden miteinander verbunden. Doch auf den Ebenen tuckern einige kleine bunte Schiffe entlang – ganz ungewohnt für den Großmeister der Abstraktion. Zudem lässt er sie auch kopfüber auf den vier horizontalen Linien fahren, so dass man das Blatt von beiden Seiten lesen könnte, gäbe es da nicht seine Unterschrift. Der Münchner Versteigerer Neumeister offeriert diese duftig-heitere Komposition nun in seiner kommenden Auktion und erwartet dafür 180.000 bis 200.000 Euro.


Der Abschnitt „Ausgewählter Werke“ moderner und zeitgenössischer Kunst listet am 10. Juni neben einer Reihe zweitrangiger Arbeiten auch einige Spitzenstücke insbesondere der klassischen Moderne. Ganz oben dürfte außerdem Lovis Corinths Ölbild „Das Urteil des Paris“ stehen. Es entstand 1920 und zeigt den charakteristischen, vom Expressionismus getragenen Spätstil des Meisters, gehört allerdings eher zu seinen flüchtigen Werken. Deshalb liegt die Schätzung auch nur bei 60.000 bis 80.000 Euro. Aus der Gegenwartskunst ragt eines der zahlreichen, doch gerade seit Neuestem höchst beliebten Nagelbilder Günther Ueckers heraus. Das „Feld“ von 1998 lässt die Nägel wie im Wind hin und herwogen. Für das Format von sechzig mal vierzig Zentimetern und das recht junge Entstehungsdatum sind 170.000 bis 190.000 Euro allerdings sehr mutig gegriffen.

Die klassische Moderne bietet zudem Künstler der zweiten Reihe aus dem Münchner Umfeld. Dazu gehören Erich Erler-Samadens weite stilisierte Landschaft „Sonntag im Oberengadin“ (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR), Paul Mathias Paduas nachimpressionistische etwas gekünstelte Szene „Im Atelier“ mit erotischen Einsprengseln (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und Otto Pippels eher unfreundliche „Ostern im Bois de Boulogne“, entstanden 1957 drei Jahre vor dem Tod des Künstlers (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Als Mitglied der Neuen Künstlervereinigung München gehörte Adolf Erbslöh zeitweise zum Zentrum der Avantgarde am Anfang des 20sten Jahrhunderts. Seine Malerei blieb jedoch im Gegensatz zu derjenigen seiner damaligen Mitstreiter immer gegenständlich und stark an der Natur orientiert. Das 1916 datierte Ölbild „Die Brücke“ ist ein charakteristisches Werk des Meisters, dessen bevorzugtes Metier die Landschaft war (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Arnold Balwés machte sich ebenfalls als ein Hauptrepräsentant eines gegenständlichen Spätimpressionismus mit kraftvoller Farbpalette einen Namen. Ein „Garten im Spätsommer“ möchte zu 20.000 bis 22.000 Euro erblühen.

Kaum bekannt ist der Maler Wilhelm von Hillern-Flinsch, obwohl er viel Zeit hatte, sich bekannt zu machen: Der gebürtige Freiburger lebte von 1884 bis 1986. Doch ein Großteil seines Frühwerks ging im Lauf der Zeit unter. Seine südliche Küstenlandschaft von 1912 erweist ihn als einen Vertreter der von Jugendstil und Impressionismus beeinflussten Kunst (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Georg Schrimpf macht als Vertreter der Neuen Sachlichkeit mit einer aquarellierten Federzeichnung von 1924 auf sich aufmerksam, die mit einem schlafenden Mädchen samt einigen Ziegen in einer ruhigen Landschaft eine moderne Idylle entwirft (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). In der bayerischen Pfalz links des Rheines lebte und wirkte Otto Dill. Ebenso wie dort wird er schon während seines Studiums in München die Malerei Max Slevogts verinnerlicht haben. Eine gewisse Monotonie ist seinem Gesamtwerk eigen. Sein Früchtestillleben mit Blumenstrauß für 8.000 bis 10.000 Euro gehört zu seinen besseren Werken.

Eher selten wird das Münchner Umfeld dagegen verlassen. Dezidiert unter Dresdner „Brücke“ läuft Otto Muellers Aquarell- und Farbkreidezeichnung eines Mädchens am Baumstamm, die für die lange Kontinuität im Werk dieses „Stillsten“ der Künstlergruppe steht (Taxe 130.000 bis 160.000 EUR). Auch Erich Heckel hatte mit München nicht viel am Hut, kam in einem Aquarell von 1944 aber immerhin bis zum „Schwäbischen Berg“ (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Höhepunkt der Malerei ausländischer Künstler ist Konstantin Ivanovich Gorbatovs sommerlich milde Felsenlandschaft „Monte Solaro auf Capri“ für 20.000 bis 30.000 Euro.

Gegenstandslos wird es bei Neumeister vor allem in der Malerei der Nachkriegzeit. Hübsch ist Francis Botts „Composition“ verschiedener gespachtelter Farbflächen in Grün, Grau, Braun und Schwarz aus dem Jahr 1957, doch 3.500 bis 4.000 Euro zeugen noch immer von großer Geringschätzung seiner formschönen Kunst. Der fast gleichaltrige Fred Winter, bekannt unter seinem Künstlernamen Fathwinter, gab 1960 die „Strukturelle Information GOGO“ aus. Auch diese siebzig mal fünfzig Zentimeter große Collage mit Zeitungspapier und dunklen Erdfarben ist mit 5.000 bis 7.000 Euro nicht allzu hoch angesetzt. Auf etwas höherem Preisniveau rangiert Günter Fruhtrunk, der sich in seiner „Vibration vom schwarzen Blau“ von 1965 wieder als Meister gewählter Formästhetik präsentiert (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Einer seiner stilistischen Vorläufer wird in Walter Dexel zu suchen sein. Die Strenge seiner Kompositionen wie im Vorentwurf zu „Drei weiße Haken“ von 1966 veranlasste die Stadt Jena schon im Jahr 1926, ihn als Entwerfer von Straßenschildern heranzuziehen (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). In ähnliche Richtung tendiert Georg Karl Pfahlers „G. K. A. Metro BB II“ von 1965/68. Kennzeichnend für die Signalmalerei des Mittelfranken sind kompakte Farbflächen und abgerundete Ecken seiner Bilder (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Einer der strengsten Gegenständler der Nachkriegszeit war Johann Georg Müller. Heute wirken seine immer etwas düsteren Arbeiten wie die „Maschine (Nähmaschine)“ von 1959, in denen gelegentlich Surreales noch mitschwingt, vielleicht etwas angestaubt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Im vergangenen Jahr bei Münchner Konkurrenten Karl & Faber an 13.000 bis 14.000 Euro gescheitert, soll Zoran Musics Stillleben „Fruits de mer“ aus dem Jahr 1986 nichtsdestoweniger bei Neumeister jetzt etwa dasselbe kosten. Eine hochformatige Holzcollage Karl Fred Dahmens, in ihrer Präsenz sehr konkret und doch kaum zu deuten, soll 25.000 bis 30.000 Euro kosten. Für die abstrakte Skulptur steht zudem Erich Hauser mit seiner konstruktiven Faltung aus Edelstahl von 1969 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Gegenwartskünstler spalten sich etwa zu gleichen Teilen in Figurale und Abstrakte. Zwei Frühwerke des jungen Markus Lüpertz, „Weiblicher Akt auf Divan“ und „Der Gekreuzigte“, beide um 1962 entstanden und zwischen 15.000 und 20.000 Euro bewertet, bewegen sich ebenso in eher klassischen Bahnen wie Matthias Gangkofners in Rot und Schwarz glühende Ölbilder „Werft I“ und „Werft II“ von 2005 (Taxen je 6.000 bis 8.000 EUR). Ein unbetitelte schwarze Malerei mit wenigen flüchtigen Aussparungen Imi Knoebels von 1990 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und Gerhard Richters Künstlerbuch „War Cut II“ von 2004/05 als eines von dreißig Exemplaren vertreten die entgegengesetzte Richtung (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Ihm folgt die 1962 in Berlin geborene Malerin Susanne Knaack mit einer schlierigen „Wolkenformation“ in Grauabstufungen von 2005 nach (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Auch für die zeitgenössische Bildhauerei ist gesorgt. Peter Rösel näht seine wild wuchernden Pflanzen, wie einen Löwenzahn in einer Steinwüste oder die stachelige „Bromelia Dubia“, aus deutschen Polizeiuniformen zusammen und unterläuft dadurch ironisch hierarchische Gesellschaftsstrukturen (Taxen je 3.000 bis 4.000 EUR).

Aus dem „gemeinen Volk“ der Kunst des 20sten Jahrhunderts, die auf die ausgewählten Werke folgen, stechen unter anderem Albert Gleizes’ kubistische Gouache in Schablonentechnik „Femme et enfant“ von 1926 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), Otto Ritschls zarte, an Blüten erinnernde „Komposition“ von 1966/68 (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) und Lothar Quintes glühender „Roter Schlitz“ von 1965 für 2.000 bis 3.000 Euro hervor. Ferner unter den Skulpturen Emy Roeders abstrahierte Bronzefigur einer arabischen Mutter mit Kind von 1961/62 (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR), unter den Grafiken Horst Janssens Farbholzschnitt „Eisenbahn“ von 1957 (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) und unter den Fotografien Thomas Struths Straßenblick „Zhijiang Zhong Lu, Shanghai 1997“ für 10.000 bis 12.000 Euro. Die Designofferte wartet mit einem belgischen Kaffee- und Teeservice des Art Déco (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), einer der begehrten Tischlampen von Louis Comfort Tiffany aus dem frühen 20ten Jahrhunderts (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR) bis hin zu Ron Arads fächerförmiger Wabenblende „Fortuni Screen“ aus Aluminium von 1986 für 6.000 bis 8.000 Euro auf Kundschaft.

Die Auktion beginnt am 10. Juni um 9:30 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 8. Juni täglich von 9 bis 17:30 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



08.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

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Taxe: 2.500 - 3.000 EURO

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