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Vom Prestigeprojekt zum ewigen Zankapfel: Das Hamburger Millionengrab Elbphilharmonie erregt seit Jahren die Gemüter. Jetzt wurde erst einmal Richtfest gefeiert

Teuer, teurer, Elbphilharmonie



Hamburger Elbphilharmonie: Blick von Westen auf den futuristischen Glasbau von Herzog & de Meuron

Hamburger Elbphilharmonie: Blick von Westen auf den futuristischen Glasbau von Herzog & de Meuron

Keine Frage, sie steht Hamburg gut. Irgendwann jedenfalls. Die derzeit im Bau befindliche und frühestens im Jahr 2013 fertiggestellte Elbphilharmonie wird einst zu einem architektonischen Wahrzeichen werden, einer „Landmark“, wie man neudeutsch gerne sagt, mit der sich Hamburg ebenso schmücken kann wie Paris mit dem Eiffelturm, Brüssel mit dem Atomium oder Sydney mit seinem Opernhaus. Doch der Weg dahin ist steinig. Die Hauptbeteiligten, das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron, der Essener Baukonzern Hochtief und der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, jedenfalls kommunizieren zur Zeit vornehmlich über ihre Anwaltsbüros. Waren es die schöngeistigen Architekten, die durch unkonkrete und zu spät eingereichte Baupläne für Chaos und Verzögerungen gesorgt haben? Hat der geldgierige Essener Baukonzern Hochtief die Stadt Hamburg mit einem attraktiv wirkenden Dumpingangebot in eine Falle gelockt, nur um die klammen Stadtkassen jetzt nach Strich und Faden zu plündern? Oder sind die Politiker selbst schuld, die sich allzu blauäugig auf ein avantgardistisches Bauwerk eingelassen haben, dessen Kostenrahmen von Anfang an nicht zu überblicken war? Irgendwann einmal wird über diese Fragen, wie immer sie am Ende zu beantworten sind, Gras gewachsen sein, und die Hamburger und ihre Besucher werden mit dem Millionengrab Elbphilharmonie ihren Frieden schließen. Zur Zeit jedoch stehen sich die verschiedenen Lager unversöhnlich gegenüber. Am vergangenen Freitag wurde erst einmal Richtfest gefeiert – ein Pflichttermin für alle, die in der Hansestadt Rang und Namen haben.



Und so standen rund 1200 dunkel gewandete Reeder, Chefärzte, Topanwälte, Hochschulpräsidenten und Kaufleute Schlange, um in staubigen Bauarbeiterliften hinauf zur 4000 Quadratmeter großen „Plaza“ im achten Stock zu fahren. Viele von ihnen hatten für den Bau gespendet. 68 Millionen Euro sind bisher aus privaten Mitteln zusammengekommen. Gleichzeitig äußerte sich unten der Protest. Eine Band lorbeerbekränzter Althippies intonierte Protestsongs gegen die Reichen und ihre spätrömische Dekadenz. Sie verteilten selbstgemachte 350-Millionen-Euro-Scheine und Flugblätter, auf denen sie den sofortigen Baustopp forderten. Rund ein Dutzend Elbphilharmoniegegner konnten jedoch gegen die Übermacht des Establishments kaum etwas ausrichten. Ihr etwas zahnloser Protest verhallte weitgehend ungehört. Die in Mannschaftsstärke aufmarschierte Polizei vertrat sich derweil entspannt die Füße, während 100 Meter weiter ihre schauspielernden „Kollegen“ eine weitere Folge der beliebten Vorabendserie „Großstadtrevier“ drehten. Hamburg at its best, sozusagen.

Tags drauf, am Samstag, durfte dann auch die Hamburger Bevölkerung ihre Elbphilharmonie, Kosename: Elphie, besichtigen. 4.000 Karten standen für die Baustellentour zur Verfügung. Wer keine mehr bekommen hatte, konnte sich bei kostenlosen Freiluftkonzerten vergnügen. Der enorme Ansturm zeigte, dass nicht das Gebäude umstritten ist. Umstritten sind allein die Millionen, die es verschlingt.

Man fühlt sich erinnert an ein anderes großes Bauprojekt, das vor rund 50 Jahren weltweit für Furore sorgte: Das Sydney Opera House. 1957 hatte der dänische Architekt Jørn Utzon den Wettbewerb gewonnen. Zwei Jahre später war Baubeginn. Auch Utzon betrat architektonisches Neuland. Die Statik der ineinander geschobenen Dachelemente musste kompliziert berechnet werden, ein Rückschlag folgte auf den anderen. Die Folge war, dass auch hier die Kosten explodierten. Am Ende lagen sie fast 15 Mal höher als geplant. Die Fertigstellung verzögerte sich um acht Jahre. 1973, als der Prestigebau, der heute als das Wahrzeichen eines ganzen Kontinents gilt, eröffnet wurde, hatte man den Architekten längst außer Landes gejagt. Ein Team junger australischer Architekten vollendete seine Pläne. Heute nehmen dort mehr als sieben Millionen Besucher im Jahr an einer Architekturführung teil.

Die Hamburger Bürgerschaft hatte sich im Februar 2007 noch einstimmig für den Bau der Elbphilharmonie ausgesprochen. Ein Konzertsaal von Weltklasse, kombiniert mit einem öffentlich zugänglichen Foyer mit sensationellem Hafenblick, dazu ein Luxushotel, etliche Restaurants und 45 Eigentumswohnungen. Das schien den Abgeordneten aller Fraktionen der geeignete touristische Magnet für die nächsten Jahrzehnte zu sein. Damals ahnte noch niemand etwas von der weltweiten Finanzkrise, dem Fiasko der HSH Nordbank und den stark rückläufigen Entwicklungen im Hamburger Hafen. Der Erste Bürgermeister Ole von Beust bewahrte jetzt während seiner Richtfestansprache Haltung und schwor die versammelte hanseatische Elite auf Durchhalteparolen ein: „Ich weiß nicht, ob wir bei der jetzigen Finanzlage und den tatsächlichen Kosten noch einmal den Mut gehabt hätten, solch ein Projekt anzugehen“, gibt der CDU-Mann zu. „In schwierigen Zeiten zusammenzustehen und Probleme zu lösen, das ist Hamburger Tradition und wird es auch in Zukunft sein“, gab sich von Beust kämpferisch. Dass beim Aufsagen des traditionellen Richtspruchs dem Ersten Polier das Schnapsglas auf den Boden fiel und zerbrach, mögen manche Kassandrarufer als böses Omen für die Elbphilharmonie deuten.

Bislang hat der der Bau 323,5 Millionen Euro an öffentlichen Geldern verschlungen. Das sind rund 180 Euro pro Einwohner. Rechnet man die zusätzlichen Investitionen privater Investoren mit ein, so kommt man schon jetzt auf Gesamtkosten von rund 500 Millionen Euro. Anfang Mai setzte die Hamburgische Bürgerschaft auf Antrag der SPD und in seltener Einstimmigkeit einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein, der Licht ins Debakel um die Elbphilharmonie bringen soll. Derzeit klagt die städtische Realisierungsgesellschaft ReGe gegen den Baukonzern Hochtief auf Herausgabe eines verbindlichen Terminplans.

Die mächtige, 110 Meter aufragende Elbphilharmonie mit ihrer komplizierten Glasfassade, die an aufgeblähte Kristallsegel erinnern soll, thront auf dem 1963 von Werner Kallmorgen errichteten Kaispeicher A am Eingang der Hafencity. Schon zu Beginn der Bauarbeiten gab es unvorhersehbare Probleme mit den Fundamenten. Nach und nach stellten die Beteiligten fest, dass die weitaus meisten Bauteile der Elbphilharmonie komplizierte Einzelanfertigungen sind und bei diesem Projekt an vielen Stellen bautechnisches Neuland betreten werden muss. Eigentlich keine neuen Erkenntnisse für erfahrene Bauexperten. Doch die Probleme nehmen immer stärker zu, je weiter der Bau voranschreitet.

Herzstück des Gebäudes soll der große Konzertsaal mit 2150 Sitzplätzen sein. Mit dem Japaner Yasuhisa Toyota wurde dafür der weltbeste Akustikexperte verpflichtet. Die Elbphilharmonie steht mitten im Hamburger Hafen. Kreuzfahrtschiffe und Frachter, Containerriesen und Öltanker, Kräne und LKWs dominieren hier die Geräuschkulisse. Toyota hat sich daher aus Schallschutzgründen eine komplizierte Entkopplung des Konzertsaals vom übrigen Gebäude ausgedacht. Ähnlich wie der Dotter in einem rohen Ei soll auch der Konzertsaal von seiner äußeren Hülle völlig losgelöst sein. Doch um hundertprozentige Schalldämmung zu garantieren, ist millimetergenaues Arbeiten erforderlich. Herzog & de Meuron werfen dem Hochtief-Konzern vor, ihre komplizierten Berechnungen nicht mit der nötigen Präzision umzusetzen. Die Mängelliste der für ihren Perfektionismus bekannten Schweizer Architekten listet zur Zeit rund 4500 Positionen auf.

Pierre de Meuron begreift seinen Entwurf als Symbol für die oft gerühmte Hamburger Weltoffenheit. Wer vom Atlantik kommt und mit dem Schiff auf der Elbe die Stadt ansteuert, soll von einem strahlenden Monument empfangen werden. Ein neues Wahrzeichen für die Hansestadt, so dachten es sich auch die Stadtväter und Planer der Hafencity, attraktiv für Musikliebhaber, Architekturfans und Städtetouristen, gut für die Gastronomie und den Einzelhandel, gut für das Image der Stadt. Mit Wahrzeichen kann man punkten, in kultureller wie in wirtschaftlicher Hinsicht, so das Credo der Hamburger Kaufleute. Der Schweizer Pierre de Meuron hingegen gab sich in seiner Rede zum Richtfest bescheiden: „Wahrzeichen baut man nicht. Wahrzeichen entstehen in den Köpfen der Menschen.“

Ein anderer spektakulärer Neubau für die Hafencity, das vom Rotterdamer Stararchitekten Rem Koolhaas und seinem Büro OMA geplante „Science Center“, ein naturwissenschaftliches Museum mit Erlebnischarakter, gerät derweil unter die Räder. Kubusförmige Betonmodule sollten zu einer Art stehenden Null zusammengebaut werden. Das Ganze hätte aus der Ferne an chaotisch übereinandergestapelte Überseecontainer erinnert. Baubeginn sollte bereits vor einem Jahr sein. Angesichts des schmerzhaften Elbphilharmonie-Debakels halten sich Stadt, private Investoren und Mäzene derzeit jedoch mit hanseatischer Diskretion zurück. So wird es dereinst wohl die noble Aufgabe der Elbphilharmonie sein, dem eher an gewinnbringenden Bruttogeschossflächen als an architektonischen Highlights reichen Einerlei der Hafencity den großen Wurf einer international bekannten Landmarke entgegenzusetzen.

Buchtipp
Till Briegleb: „Eine Vision wird Wirklichkeit. Auf historischem Grund: Die Elbphilharmonie entsteht“, Murmann Verlag, 130 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen und Fotos, 22 Euro

www.elbphilharmonie.de



31.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Foyer in der Hamburger Elbphilharmonie
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Protestsänger vor dem Festakt

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Foyer in der Hamburger Elbphilharmonie

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Plaza in der Hamburger Elbphilharmonie

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Neues Hamburger Wahrzeichen: die Elbphilharmonie bei Nacht

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Bauarbeiter auf dem Weg zum Richtfest der Elbphilharmonie

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Der große Konzertsaal der Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron

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