Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 26.10.2019 Kunstauktion 99 bei Winterberg|Kunst in Heidelberg

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Bonner Bundeskunsthalle bietet eine faszinierende Übersicht über die Kulturgeschichte von Byzanz

Kunst und Alltagsleben im Byzantinischen Reich



Räuchergefäß in Form eines Kuppelbaus, Konstantinopel oder Italien, Ende 12. Jahrhundert

Räuchergefäß in Form eines Kuppelbaus, Konstantinopel oder Italien, Ende 12. Jahrhundert

Nur wenige Städte der Welt können eine so bedeutungsvolle Vergangenheit aufweisen wie Konstantinopel, seit 1453 Istanbul genannt und bis 1923 Hauptstadt der Türkei. Konstantin I. gründete Konstantinopel 324 auf den Resten des antiken Byzantion an der spitzen Landzunge zwischen Bosporus und Marmarameer, der Grenze zwischen Europa und Asien. Nach der Reichsteilung war Konstantinopel Hauptstadt des oströmischen, demnach Byzantinischen Reiches, das seine größte Ausdehnung unter Kaiser Justinian I. (527-565) erreichte. Der antike Name der Hautstadt bezieht sich also auf ein eigenständiges Kaiserreich. Es umfasste unter anderem Distrikte in Spanien und Italien, die Justinian eroberte. Ferner gehörten auch Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika dazu, Länder, die allerdings schon im siebten Jahrhundert an den Islam verloren gingen.


Der Wert der grandiosen Schau in der Bonner Bundeskunsthalle mit 600 Exponaten von 81 Leihgebern, die umfassendste, die es je mit byzantinischen Schätzen gegeben hat, liegt in der Vermittlung der formativen Kraft des alten Imperiums für das heutige Europa. Deutlich unterscheid sich der Osten vom weströmischen Reich. In letztgenanntem verharrte die Zivilisationsentwicklung im Stillstand. Eine Fortentwicklung gab es nicht. In neu gebildeten Königreichen wurde hier das griechische und römische Erbe verwaltet und mit der Renaissance in die Moderne übertragen.

Im Osten dagegen erfolgte eine Anpassung an neue Bedürfnisse. Der erst seit dem 16ten Jahrhundert abgeleitet von der gleichnamigen griechischen Siedlung als „Byzantinisches Reich“ bezeichnete Staat blieb zentral strukturiert mit einheitlichen Steuer-, Finanz- und Rechtsnormen. Fußend auf der griechisch-römischen Geschichte in ihrer christianisierten Form behauptete sich das byzantinische Reich gegen arabische Expansionsgelüste. So war zugleich die mittelalterliche Entwicklung des Abendlandes abgeschirmt. Im Osten wurden antike Traditionen und Gelehrsamkeiten bewahrt; der Westen übernahm später dessen hoch entwickeltes Rechtssystem. Konstantinopel lief der alten Hauptstadt Rom den Rang ab. Ost und West verbindend, als Brücke zwischen Antike und Moderne, wandlungsfähig, multiethnisch, effizient verwaltet, schlagkräftig beschützt war es über 1100 Jahre als maßstabssetzende Dominante im Mittelmeerraum beneidet und gefürchtet.

Gradlinig aus der frühchristlichen römischen Baukunst erwächst mit der Zeit die für ihre Pracht berühmte byzantinische Kunst. Hier breitete sich eine durch und durch christliche Kultur aus, die bis tief in den gesamten Osten Europas und bis weit nach Asien ausstrahlte. Die Kreuzritter verschleppten 1204 viele Kostbarkeiten. Unter Justinian wurde mit der Hagia Sophia die größte Kirche der Christenheit erbaut. Unmittelbar nach der Eroberung der Stadt durch den Osmanen Mehmet II. im Jahr 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. Erst im 17ten Jahrhundert wurden ihre kostbaren Mosaiken übertüncht.

Die Ausstellung ist um die Inszenierung eines differenzierten Bildes vom Byzantinischen Reich und dessen Wirkungsgeschichte bemüht. Neben Kunst und Kultur werden Begebenheiten von Wirtschaft, Gesellschaft, Militär bis hin zu Aspekten des Alltagslebens unter Einbeziehung neuester Ausgrabungsfunde aufgegriffen. Die Exponate verdeutlichen Prunk und Herrlichkeit am Herrscherhof, wie auch die lebendige geistige Entfaltung in Literatur und Dichtkunst, die lange im Schatten von Gold und Elfenbein standen. Eine geschwungene hohe Goldwand teilt als Symbol für Glanz und Kontinuität die große Ausstellungshalle in Sektoren, in denen exemplarisch zehn Schauplätze Kunst und Leben im byzantinischen Reich visualisieren: Konstantinopel, Ephesos, Thessaloniki, Pergamon und Monemvasia, Chersonissos, Ravenna, Caricin Grad, den Simeonsberg bei Aleppo, das Katharinenkloster auf dem Sinai. Computeranimationen rekonstruieren historische Stadtanlagen oder Bauten.

Den Beginn bestreitet Konstantinopel als Herz des Landes. Die von Prachtbauten wie Kirchen, Palästen, Archive und Bibliotheken bestimmte Architekturtopografie nimmt anhand rekonstruierter Innenansichten der Hagia Sophia und mittels eines fast fünf Meter langen Modells des Hippodroms mit opulenter Kaiserloge Gestalt an. Vor der Vergnügungskultur leiten Porträts zu den führenden Köpfen des Reiches über. Büsten von Konstantin dem Großen und Justinian stehen in der Nähe von großformatigen Mosaiken ihrer Paläste, denen sich Elfenbeinreliefs und Bildnisse der kaiserlichen Familie, Münzen, Pergament- und Papierschriftstücken anschließen. Ein opulenter Radleuchter aus Bronze schwebt über Reliquiaren und Elfenbeinschnitzereinen mit religiösen Motiven, neben denen eine Auswahl prunkvoller farbiger Seidengewebe platziert sind, die sich vor allem mit der Vorstellung byzantinischer Pracht verbinden. Dort dargestellte Ikonografien beziehen sich auf Herrschende. Medaillonartig strukturierte Muster finden sich in ähnlicher Form auch bei vergoldeten Gefäßen oder edelsteinbesetzten Goldschmuck immer wieder. In Syrien oder Persien vorherrschende Sujets fließen hier ein.

Vorbei an einem Kabinett mit Ikonen aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai geht es zur Präsentation der Stadt Iustiniana Prima. Das heute in Serbien gelegene Caricin Grad legte Justinian nahe seiner Geburtsstadt in einer überbordende Ausschmückung an. Schon die CAD-Rekonstruktionen bieten eindrucksvolle Bilder von der seit 1912 ausgegrabenen Stadtanlage. Aufwändigst bearbeitete und daher sündhaft teure Kompositkapitelle, aus denen nahezu vollplastische Tiere und Pflanzen herausspringen, sind nahebei zu bestaunen. Zu den Highlights der Schau gehört eine Goldschale in der Form einer Miniaturbadewanne, an deren Kopfende sich ein gehörnter Löwe emporschwingt – ein auf die persische Bildwelt zurückgehendes Motiv, das nicht nur das Können, sondern auch das Wissen des Goldschmieds unterstreicht.

Aus Ephesos stammen sorgfältig ausgearbeitete Porträtstatuen, Ständerlampen, Kupferamphoren, Waagen und Gewichte. Monemvasia werden ein eindrucksvoller Eisenhelm mit vergoldeten Spangen und weitere militärische Ausstattungsutensilien zugeordnet. Größtes Exponat ist hier ein über vier Meter langes Holzmodell mit Gefechtstürmen eines byzantinischen Kriegsschiffes aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Immer wieder begegnen Kreuze, die von der tiefen Verankerung des Christentums im gesamten Reich Zeugnis ablegen.

Ravenna, bekannt für die weltberühmte Mosaikausstattung seiner Kirchen, wartet mit der Cathedra des Maximianus aus der Mitte des 6ten Jahrhunderts auf. Der vollkommen von Elfenbeintafeln verkleidete Bischofsthron gehört zu den bedeutendsten Stücken der Möbelgeschichte. Zum Abschluss der Schau verkörpert nichts besser die Pracht des Byzantinischen Reiches als ein vergoldetes Räuchergefäß in der Form eines Fünfkuppelbaus aus dem Ende des 12ten Jahrhunderts. In diesem hochinteressanten Objekt aus dem Domschatz von San Marco in Venedig verschmelzen sowohl byzantinische als auch westliche Einflüsse. Byzantinisches Reich und Konstantinopel als Hauptstadt allemal ließen sich unkompliziert von Nachbarn und fremden Erscheinungen inspirieren. Immer war man Neuem zugänglich.

Die zeitweilig bis zu 400.000 Einwohner fassende Hauptstadt war kosmopolitisch offen für vielfältigste Ausprägungen. Nach der Eroberung durch die Osmanen gab es aber keine kulturelle Nachfolge. Dennoch haben die Byzantiner alle Nachbarn und Landstriche weit darüber hinaus nachhaltig beeinflusst. In der orthodoxen Kirche mit ihren Ritualen sowie im europäischen Rechtssystem lebt Byzanz bis heute fort. Europa, so wie wir es heute kennen, gäbe es ohne dieses fast 1.100 Jahre währende staatliche Gebilde nicht. Insgesamt 150 Wissenschaftler waren über Jahre mittelbar oder unmittelbar damit befasst, just zu einem Zeitpunkt dies in einer ausgedehnten Schau zu vermitteln, zu dem auch Istanbul neben der Metropole Ruhr europäische Kulturhautstadt ist.

Die Ausstellung „Byzanz. Pracht und Alltag“ ist noch bis zum 13. Juni zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 32 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



17.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 14

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Variabilder (12)

Veranstaltung vom:


26.02.2010, Byzanz: Pracht und Alltag

Bei:


Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Variabilder:

Kapitell mit Pfauen, Byzanz, 5. oder 6. Jahrhundert
Kapitell mit Pfauen, Byzanz, 5. oder 6. Jahrhundert

Variabilder:

Medaillon mit dem hl. Theodor, 1. Hälfte 12. Jahrhundert
Medaillon mit dem hl. Theodor, 1. Hälfte 12. Jahrhundert

Variabilder:

Pektoral- und Reliquienkreuz, Konstantinopel
 (?), 2. Hälfte 9. oder 10. Jahrhundert
Pektoral- und Reliquienkreuz, Konstantinopel (?), 2. Hälfte 9. oder 10. Jahrhundert

Variabilder:

Mosaikfragment mit einem Engel, San Vitale, Ravenna, 6. Jahrhundert
Mosaikfragment mit einem Engel, San Vitale, Ravenna, 6. Jahrhundert

Variabilder:

Vogelperspektive auf Konstantinopel
Vogelperspektive auf Konstantinopel

Variabilder:

Porträt Konstantins I., um 325/330
Porträt Konstantins I., um 325/330

Variabilder:

Diptychon mit einer byzantinischen Kaiserin (Ariadne ?), um 500
Diptychon mit einer byzantinischen Kaiserin (Ariadne ?), um 500







Kapitell mit Pfauen, Byzanz, 5. oder 6. Jahrhundert

Kapitell mit Pfauen, Byzanz, 5. oder 6. Jahrhundert

Medaillon mit dem hl. Theodor, 1. Hälfte 12. Jahrhundert

Medaillon mit dem hl. Theodor, 1. Hälfte 12. Jahrhundert

Pektoral- und Reliquienkreuz, Konstantinopel (?), 2. Hälfte 9. oder 10. Jahrhundert

Pektoral- und Reliquienkreuz, Konstantinopel (?), 2. Hälfte 9. oder 10. Jahrhundert

Mosaikfragment mit einem Engel, San Vitale, Ravenna, 6. Jahrhundert

Mosaikfragment mit einem Engel, San Vitale, Ravenna, 6. Jahrhundert

Vogelperspektive auf Konstantinopel

Vogelperspektive auf Konstantinopel

Porträt Konstantins I., um 325/330

Porträt Konstantins I., um 325/330

Diptychon mit einer byzantinischen Kaiserin (Ariadne ?), um 500

Diptychon mit einer byzantinischen Kaiserin (Ariadne ?), um 500

Ikone mit Christus und den hll. Sergios und Bacchus, Konstantinopel, 6. oder 7. Jahrhundert

Ikone mit Christus und den hll. Sergios und Bacchus, Konstantinopel, 6. oder 7. Jahrhundert

Halskette, Konstantinopel (?), um 600

Halskette, Konstantinopel (?), um 600

Ephesos – Celsusbibliothek zur byzantinischen Zeit

Ephesos – Celsusbibliothek zur byzantinischen Zeit

Hagia Sophia in der Oberstadt von Monemvasia

Hagia Sophia in der Oberstadt von Monemvasia




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce