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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Fotoszene 2010: Der strenge Dokumentarismus der Becher-Schule scheint überwunden, digitale Tricksereien auch. Das zeigt jetzt die Ausstellung „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie“ im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen

Neidisch auf die Malerei



Früher war alles ganz einfach: Fotolegenden wie Henri Cartier-Bresson, Robert Frank oder Walker Evans nahmen ihre Ausrüstung, stürzten sich in die Welt und fotografierten, was ihnen vor die Linse kam. Ein Picknick an der Seine, Schulkinder im Bus oder verarmte Farmerfamilien im mittleren Westen der USA. Der Anspruch, dem Betrachter ein authentisches Abbild der Lebenswelt und ihrer Protagonisten zu liefern, stand dabei immer im Vordergrund. Heute scheint alles ganz anders zu sein. Betrachtet man die aktuelle Produktion junger deutscher Hochschulabsolventen, so gewinnt man den Eindruck, als werde ein verwirrendes Spiel mit der Illusion getrieben. Alltagsobjekte werden zu surreal arrangierten, neuen Bildwirklichkeiten verdichtet. Personen werden zu Schauspielern, Performern oder lebenden Skulpturen. Zitate und Stilmittel aus dem klassischen Tafelbild werden mit größter Selbstverständlichkeit in das Medium der Fotografie überführt. Ist die junge Fotografenriege der Realwelt überdrüssig geworden? Fast hat es den Anschein.


Das deutet zumindest die Ausstellung „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie 2009/2010“ im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen an, die einen repräsentativen Eindruck von den aktuellen Vorlieben der nachrückenden Fotografengeneration gibt. Sechs von acht beteiligten Nachwuchsfotografen machen stilistische Anleihen bei der Malerei. „Bel composto“ („schön komponiert“), so nennt etwa die Leipziger HGB-Absolventin Sonja Kälberer, Jahrgang 1970, ihre Serie altmeisterlich anmutender Arrangements aus farbigen Textilien, gebrauchten Möbeln und Papierobjekten. Bei näherem Hinsehen erkennt man die Fragilität ihrer Konstruktionen. Kreidemarkierungen auf dem Boden entlarven das Malerische als rein konzeptuelles Konstrukt. Georg Brückmann, 32, ebenfalls aus Leipzig, geht noch einen Schritt weiter: Er fotografiert spärlich möblierte Räume, in die er Möbelklassiker von Charles und Ray Eames oder Le Corbusier hineinmalt.

Der Bielefelder Philipp Dorl, 31, hinterfragt inspiriert von der Malerei des Manierismus vermeintliche Gewissheiten unserer visuellen Wahrnehmung, indem er unseren Augensinn mit Spiegelungen und optischen Täuschungsmanövern auf die Probe stellt. „Ich war neidisch auf die Malerei“, verteidigt er selbstbewusst seine Methode der medialen Grenzüberschreitung. Ingo Mittelstaedt, 31, Absolvent der Braunschweiger Kunsthochschule, setzt in seinen minimalistischen Fotostillleben auf die Farbintensität und poetische Aufladung von Textilien, Plastikfolien und Pflanzenteilen. Die Essener Folkwang-Abgängerin Mona Mönnig, 29, inszeniert überzüchtete Rassehunde und Minipferde im Stil flämischer Maler. Eher performativ-skulptural geht es in der Serie „Resonanzgeflechte – Leibhafter Raum“ der 28jährigen Ute Klein zu, einer anderen Folkwang-Absolventin. Sie inszeniert Paare zu anonymen Körperknäueln. Die Gesichter sind dem Betrachter abgewandt. Haare und meist bunte oder grafisch auffällige Kleidungsstücke werden zu Farbfeldern und dominieren den Bildraum.

Bleiben noch zwei Künstler, die dem offenbar vorherrschenden Faible für das Malerische in der Fotografie zu widerstehen scheinen: Der Japaner Shigeru Takato, 38, ein ehemaliger Schüler Thomas Ruffs, zeigt Landschaftstriptychen. Zu sehen sind nicht beliebige Orte, sondern Schauplätze von Legenden, Überlieferungen oder Filmen, in denen die Begegnung von Himmel und Erde eine Rolle spielt. Anna Simone Wallinger, 29, schließlich hat für ihre Serie „Container“ Asylbewerber in ihren Unterkünften porträtiert. Wallinger ist dabei äußerst sensibel vorgegangen: Während ihrer jeweils 12stündigen Anwesenheit durften die Porträtierten ihren normalen Beschäftigungen nachgehen und den Zeitpunkt für die Aufnahme selbst festlegen.

2004 als private Initiative von der Kuratorin Josefine Raab und dem Medienprofi Stefan Becht gegründet, hat der Wettbewerb „Gute Aussichten“ mittlerweile den Status eines repräsentativen Branchenbarometers. In diesem Jahr galt es, 90 Bewerbungen zu sichten. Ingo Taubhorn, Kurator am Haus der Photographie und ständiges Mitglied der Jury, hat in der jungen deutschen Fotografie als Tendenz ausgemacht: „Was immer wieder zu beobachten ist, ist der Hang zur Inszenierung, sprich: die Dinge nicht so zu nehmen, wie man sie vorfindet, sondern sie in eine neue Bildwirklichkeit zu überführen“.

Die Ausstellung „Gute Aussichten 2009/2010. Junge deutsche Fotografie“ ist bis zum 30. Mai zu sehen. Das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 240seitige Katalog erscheint bei BoD – Books on Demand mit 293 Abbildungen und kostet 39,90 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de

www.guteaussichten.org



30.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


29.04.2010, gute aussichten 2009/2010 - junge deutsche fotografie

Bei:


Deichtorhallen Hamburg

Künstler:

Ingo Mittelstaedt

Künstler:

Georg Brückmann










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