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Himmel auf Zeit: Ein interdisziplinäres Kulturfestival und eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle erinnern an die kurze und intensive Aufbruchszeit im Hamburger Künstlerleben der 1920er Jahre

Die Große Freiheit vor der Katastrophe



Der Erste Weltkrieg lag gerade hinter ihnen, und noch konnte keiner ahnen, dass sich schon bald der dunkle Schleier eines neuen Terrorregimes über Deutschland und Europa ausbreiten würde. In den 1920er und frühen 1930er Jahren spürte die künstlerische Avantgarde Rückenwind im aufstrebenden Berlin, aber auch in der konservativ-bürgerlichen Hansestadt Hamburg. Hier reüssierte die Ausdruckstänzerin Mary Wigman, hier spielten Erika und Klaus Mann gemeinsam an den Hamburger Kammerspielen, und hierher reiste der irische Avantgardedichter Samuel Beckett sogar noch im Jahr 1936. Bildende Künstler wurden von progressiven Museumsdirektoren, Sammlern, Galeristen und Kunsthistorikern unterstützt. Legendär und weit über die Stadt hinaus bekannt sind die mehrtägigen Hamburger Künstlerfeste, die im Curio-Haus an der Rothenbaumchaussee stattfanden.


Das letzte freie Künstlerfest mit Musikern, Tänzern, Schriftstellern, Malern und Theaterleuten im Januar 1933 trug das Motto „Himmel auf Zeit“. Noch während der fünftägigen Feiern wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Während des Festes mokierten sich die Künstler noch mit beißender Satire über die neuen Machthaber. Doch schnell wurde klar, dass die künstlerische Freiheit und die avantgardistischen Vorstöße in Hamburg und anderen Städten radikal beschränkt und vernichtet werden sollten. Was folgte, waren Emigration, Rückzug ins Private, Stadtflucht, psychische Vernichtung, Suizid und Deportation. Nur die wenigsten passten sich dem Regime an und ließen sich gleichschalten.

Das Motto dieses letzten Künstlerfestes wurde jetzt zum Titel eines Kulturfestivals gewählt, das bis Juni 2010 Kultur der 1920er Jahre aus allen Disziplinen versammelt. Theater- und Tanzaufführungen, Stadtrundgänge, Vorlesungen, Filmabende, kleine und größere Ausstellungen vermitteln ein vielfältiges Bild vom künstlerischen Schaffen dieser Zeit. Die Hauptausstellung findet in der Hamburger Kunsthalle statt. Sie trägt ebenfalls den Titel „Himmel auf Zeit“ und zeigt die vier Hauptströmungen in der bildenden Kunst der 1920er Jahre in Hamburg.

Zu sehen sind Werke bekannter und häufig gezeigter Protagonisten wie Dorothea Maetzel-Johannsen, Heinrich Stegemann, Anita Rée und Alma del Banco. Aber auch vergessene Maler und Bildhauer, deren Werke zerstört wurden, bei Bombenangriffen verbrannten oder deren Karrieren nach 1933 abrupt abbrachen, werden gewürdigt. So ist beispielsweise eine Arbeit des jüdischen Malers Willy Davidson zu sehen, der 1933 starb und dessen Familie von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Sein künstlerischer Nachlass gilt weitgehend als verschollen.

Die Ausstellung zeigt in chronologischer Abfolge die vier Hauptströmungen der damaligen Kunst. Zunächst sind starke Rückgriffe auf die französische Malerei erkennbar, etwa bei Alma del Banco oder Friedrich Ahlers-Hestermann. Expressionistische Tendenzen dagegen wurden in Hamburg besonders vom Sammler Gustav Schiefler und der Kunsthistorikerin Rosa Schapire gefördert. Die Neue Sachlichkeit spiegelt sich hier in einer Spielart des Magischen Realismus wieder. Besonders einprägsam sind die lebensfrohen Porträts von Anita Rée: Leuchtende Zitronen im Schoß eines jungen Mädchens und reife Kaktusfeigen, die sich symbolhaft um den entblößten Oberkörper einer braungebrannten Frau ranken. Anita Rée lebte von 1922 bis 1925 im italienischen Küstenort Positano. Die kurze Vita der lebenshungrigen Frau endete tragisch: Im Dezember 1933 nahm sich die zuvor vom Hamburgischen Künstlerbund ausgeschlossene jüdische Kaufmannstochter auf der Insel Sylt das Leben.

Im Schlusskapitel versammelt die Schau ganz individuelle Hamburger Wege in die Abstraktion. Hier findet sich als wichtigster Entwicklungsstrang der Hamburgische Sezessionsstil, eine Gleichgewichtung von Farbe, Linie und Fläche. Beispielsweise in den Gemälde Karl Kluths, die an nordische Landschaften erinnern. So funktioniert die von Ulrich Luckhardt und Friederike Weimar sensibel kuratierte Ausstellung als kunsthistorischer Lehrpfad durch weitgehend noch unbekanntes Terrain.

Die Ausstellung „Himmel auf Zeit. Kunst der 20er Jahre in Hamburg“ ist bis zum 27. Juni zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet, ebenso am 1. Mai von 12 bis 18 Uhr, an Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag und Pfingstmontag von 10 bis 18 Uhr. Die Festivalpublikation „Himmel auf Zeit – die Kultur der 1920er Jahre in Hamburg“ ist im Wachholtz Verlag erschienen und kostet 28 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409

www.himmelaufzeit.de



28.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Anita Rée,
 Teresina, 1925
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Anita Rée, Teresina, 1925

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