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Die jüngsten Arbeiten der 90jährigen, österreichischen Malerin Maria Lassnig sind alles andere als ein weises Spätwerk. Das ist der Tenor einer sehenswerten Ausstellung, die die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München bis Ende Mai im Kunstbau zeigt

Ohne Gnade, mit Humor



Dass Maria Lassnig heute als eine der Großen ihrs Metiers gefeiert wird, hat nur wenig mit ihrem respektablen Alter von 90 Jahren zu tun. Die Schau im Lenbachhaus macht einmal mehr deutlich, warum die österreichische Malerin, die erst Ende der 1980er Jahre, als sie bereits auf die 70 zuging, mit ihren fast surrealen Befindlichkeitsdarstellungen und mit ihren wie hingewischten kompakten Figuren jenseits des eigenen Landes bekannt wurde, ja warum sie heute populärer und geachteter denn je ist. Die Bewunderung gilt einer Malerin, deren aktuelle Bilderwelt so unverbraucht, vital und unverstaubt daherkommt, als hätte sie gerade alle malerischen Dogmen über Bord geworfen. Sie gilt einem Werk, in denen sich ein ewig unruhiger Geist spiegelt, der dem Thema Mensch in all seinen Facetten – von hilflosen Liebesbeziehungen bis hin zur sexuellen Gewalt – malerisch nachspürt.


Gleich am Eingang der Münchner Ausstellung sind ihr tumber, kraftstrotzender „Weltzertrümmerer“, ein apathischer, gesichtsloser „Kinderschänder“ und ein rätselnder „Biologe“, die alle drei aus dem Jahr 2001 stammen, zu einem Triptychon der fassungslosen Sinnlosigkeit im menschlichen Dasein arrangiert. Wie in allen Arbeiten, braucht sie auch hier für ihre Reflexionen keine detailreichen Inszenierungen. Karg ist der Hintergrund, monumental die Gestalten. Für Maria Lassnig ist der Körper Ausdruck von Gefühlen und Empfindungen. Schon in den frühen Jahren ihres Schaffens hatte sie selbst den Begriff „Körperbewusstseinsbilder“ erfunden. Und das ist ihre ganz große Stärke.

Besonders deutlich macht die Ausstellung, die sich auf Arbeiten von 2001 bis 2009 konzentriert, dies anhand einer Reihe von Selbstporträts. Und wie bei ihren menschlichen Kreaturen kennt die Künstlerin auch hier keine falsche Scham. Sie malt altes Fleisch, schlaffe Haut und aufgedunsene Gesichter mit spärlichem Haar. Vielleicht nicht so penetrant und provokant wie Lucian Freud. Und auch nicht polemisch in dem Sinn, uns die Kehrseite der gelackten Hochglanzbilder medialer Welten vorzuführen. Maria Lassnigs Figuren und Selbstporträts begleitet ein einfaches „Ecce homo“. Das ist ein Mensch.

Was ihre Darstellungen allerdings so unverwechselbar und zupackend macht, ist die Tatsache, dass Lassnig sie nicht wie etwa Cindy Sherman maskiert, sondern einen gnadenlosen Blick riskiert. Keck, nackt und frech wie eine Unruhestifterin hockt bei ihr eine alte Frau, die Beine schräg auf den Boden gestützt, auf einem Moped. Die selbstbewusste Ironie des Bildes ist unübersehbar und wird durch seinen Titel „Landmädchen“ noch verbal untermauert. Und als würde sie den ganzen Darstellungszirkus der Porträtkunst, der mit Musikinstrumenten, Schoßhündchen und Bürgermeisterketten seit Jahrhunderten bedeutungsschwer daherkommt, ad absurdum führen wollen, malt sie sich selbst in skeptischer Pose mit einem ordinären Meerschweinchen als Trophäe auf der Hand. Ein Spaß mit schelmischem Hintersinn.

Schon lange hat es in der Gegenwartskunst nicht mehr diese unverblümte Selbstbefragung und Selbstreflexion gegeben, die sie in dem 2005 entstandenen Gemälde „Du oder ich“ bis ins Sarkastische steigert, wenn sie hier wiederum nackt in der Körpersprache panischer Verzweiflung eine Pistole auf den Betrachter und eine zweite mit der linken Hand an die eignen Schläfe legt. Das Erschrecken über die drohende Vergänglichkeit ist unübersehbar. Virtuos sind ihre Körper mit breiten Strichen dargestellt, das Inkarnat in grellem, grünstichigem Gelb, mit Rot und Blau akzentuiert. Kein Hintergrund, kein Interieur, ein weißes Nichts hinter den Figuren. „Hintergrund“, sagt Maria Lassnig, „schafft Stimmungen und Atmosphäre, und die brauche ich nicht.“ Das ist wahr. Ihre Figuren stürmen auch so auf den Betrachter zu.

Bislang hat es in Deutschland noch keine Lassnig-Retrospektive gegeben. Eine Lücke versucht die Münchner Schau daher mit Zeichentrickfilmen aus Lassnigs New Yorker Zeit von 1968 bis 1979 zu schließen. Auf Lassnigs Paris-Aufenthalte in den 1950er und 1960er Jahren, in denen sie mit Surrealismus und Informel in Berührung kam, verweist sie eher indirekt mit Gemälden wie „Nasenflucht in die Wasenschlucht“ von 2007 oder „Sprich mit mir“ von 2009, in denen entfremdete, abstrakt-verzerrte Figuren und zu Eigenleben erwachte Körperteile in Beziehung gesetzt sind. Ihren unverrückbaren Platz unter den großen Malerinnen des 20sten Jahrhunderts aber werden ihr ihre fulminanten Selbstporträts garantieren.

Die Ausstellung „Maria Lassnig“ zeigt bis zum 30. Mai 40 großformatige Arbeiten, die zwischen 2001 und 2009 entstanden sind, sowie Zeichentrickfilme aus den 1970er Jahren. Der Kunstbau des Lenbachhauses in der U-Bahnstation des Königsplatzes hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, ebenso an Pfingstmontag geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Der Ausstellungskatalog mit 144 Seiten ist im Distanz Verlag erschienen und kostet 29 Euro.

Kontakt:

Kunstbau Lenbachhaus

U-Bahnhof Königsplatz

DE-80333 München

Telefax:+49 (089) 23 33 20 03

Telefon:+49 (089) 23 32 00 00

E-Mail: lenbachhaus@muenchen.de



26.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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