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Eine Kunstmesse als exquisit zusammengestellte Pralinenschachtel: Connaisseure zeitgenössischer Kunst werden auf der international ausgerichteten 28. Art Brussels mit so manchem Leckerbissen verwöhnt

Die Mischung macht’s



Christoph Ruckhäberle am Stand von Sutton Lane, London, Paris und Brüssel

Christoph Ruckhäberle am Stand von Sutton Lane, London, Paris und Brüssel

Dauerstau in der europäischen Kapitale. Ausgerechnet am Vernissageabend der Art Brussels hat sich die Brüsseler Stadtverwaltung mal wieder entschlossen, an wichtigen Tunneln Bauarbeiten durchzuführen. In einer Stadt, in der es so viele Tunnel gibt wie Löcher in einem Schweizer Käse, fällt so etwas ins Gewicht. Rund 40 Minuten benötigten Messebesucher, die mit dem Auto angereist waren, vom Stadtzentrum bis zum Expo-Gelände im Schatten des Atomiums. Doch was im Straßenverkehr lästig ist, kann auf einer Kunstmesse nur als positives Signal gewertet werden. Dauerstau herrschte nämlich auch auf den Gängen der am Vernissageabend außerordentlich gut besuchten 28. Art Brussels. Die Spätfolgen der Vulkanwolke fielen denn auch harmloser aus als zunächst befürchtet. Dennoch hatten es sieben Galerien bis zur Eröffnung nicht geschafft, pünktlich nach Brüssel anzureisen. Und auch eine Gruppe wichtiger amerikanischer Sammler war gezwungen, der Messe in diesem Jahr fern zu bleiben.


Leicht erschwerte Bedingungen also für den Start der diesjährigen Art Brussels. Die seit zwei Jahren andauernde Regierungskrise in Belgien erreichte zudem mit dem abermaligen Zerbrechen der Regierungskoalition einen neuen Höhepunkt und sorgte für starke mediale Aufmerksamkeit. Doch die kunstbegeisterten Belgier lassen sich von derlei Nebensächlichkeiten nicht abschrecken. Belgien ist seit eh und je ein Sammlerland mit großem Kunstsachverstand und einem besonderen Faible gerade für verschrobene, surreale und absurde Kuriositäten – ideale Bedingungen also für eine Kunstmesse. Messedirektorin Karen Renders fasst die Vorteile des Messestandortes Brüssel denn auch so zusammen: „Ein politisches Zentrum ist die Stadt schon lange, und auch auf kulturellem Gebiet hat Brüssel stark aufgeholt. Viele ausländische Künstler sind in den letzten Jahren nach Brüssel gezogen, denn hier finden sie Ateliers zu günstigen Preisen. Die Galerien sind ihnen gefolgt, und die Sammler waren ja sowieso schon da. Für eine Kunstmesse ist das der ideale Nährboden.“

Bei den internationalen Galeristen hat die Art Brussels seit einigen Jahren wieder einen sehr guten Ruf. Es gab in diesem Jahr 330 Anfragen für die 170 Stände. Eine klare Zweiteilung der Messe in die Halle 1 mit den etablierten Galerien und die Halle 3 mit jungen Galerien, trendiger Ware und Erstteilnehmern erleichtert es den Besuchern, den Messerundgang nach eigenen Schwerpunkten und Vorlieben zu planen. In der Halle 1 zeigen wichtige internationale Galerien wie etwa Hauser & Wirth aus Zürich und London, Sprüth Magers aus Berlin und London, Barbara Gladstone aus New York und Brüssel, sowie Lisson aus London neben einigen hochkarätigen belgischen Händlern Präsenz und verleihen der Art Brussels damit den exklusiven Touch einer Miniausgabe der Art Basel. Die parallel stattfindende Art Cologne kann auf diesem Level kaum Vergleichbares bieten. In der Halle 1 wird auch das teuerste Kunstwerk der Messe angeboten, das große Pop Art-Gemälde „Big Stone“ von David Hockney am Stand der Londoner Traditionsgalerie Annely Juda Fine Art. Es kostet 1,125 Millionen Euro. Zwei imposante Stahlskulpturen des Londoner Starbildhauers Anish Kapoor für je 600.000 Euro bieten die beiden Galerien Gladstone und Lisson an. Sie waren innerhalb einer der rund 20 Solopräsentationen zu sehen, die zur Auflockerung in den Hallenrundgang eingestreut sind.

High End-Museumsware also in der einen Halle, Cutting Edge-Kunst und wichtige zeitgenössische Positionen in der ebenfalls stark frequentierten Halle 3. Das gut gelaunte Vernissagepublikum, eine bunt zusammen gewürfelte Mischung aus Großbürgertum und Boheme, die am Donnerstagabend entspannt mit einem Champagnerglas und dem vom belgischen Modemacher und Künstler Walter Van Beirendonck gestalteten Messeplastikbeutel in der Hand durch die Hallen wanderte, zeigte sich begeistert von der hohen Qualität der Stände und der guten Mischung der Galerien. Allein 25 Messeteilnehmer kommen aus Deutschland, davon der größte Anteil aus Berlin.

Für Aufmerksamkeit sorgte die „Mini Sculpture Show“ am Stand der Brüsseler Galerie mit dem ironischen Namen „Sorry We’re Closed“. Hier wurden Miniaturskulpturen, Multiples und lange vergriffene Editionen von vielen namhaften Künstlern und einigen Newcomern präsentiert. Gerade bei belgischen Connaisseuren löste diese durchaus museal wirkende Präsentation großes Interesse aus: Die drei voluminösen Plexiglasvitrinen waren den ganzen Abend über umlagert. Eine kleine Skulptur von Hans Arp, die er zur Expo 1958 in Brüssel entworfen hat, findet sich hier neben der Miniaturausgabe eines der typischen Holzstäbe des rumänischen Konzeptkünstlers André Cadere für 75.000 Euro. Die teuerste Skulptur in diesem Miniaturmuseum stammt von Sherrie Levine und kostet 90.000 Euro. Eine Rarität für Liebhaber der zeitgenössischen politischen Kunst ist der abgebrochene Hals einer Heinecken-Flasche von Kendell Geers für 50.000 Euro, das erste Kunstwerk des in Brüssel lebenden Südafrikaners überhaupt. Eine besonders seltene Skulptur Alberto Giacomettis in Form eines Rehs faszinierte das Publikum ebenso wie eine vergleichsweise günstige Edition von Franz West, ein weißes, zigarrenförmiges Objekt, das für 1.200 Euro angeboten wird.

Eine auffällige Standpräsentation mit einer Soloshow des Leipzigers Christoph Ruckhäberle gibt es dann bei Sutton Lane. Der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ausgebildete Maler zeigt drei neue, stark schematisierte figurative Gemälde von 2010 auf einer im traditionellen Druckverfahren hergestellten Tapete zu Preisen zwischen 24.000 und 26.000 Euro. Die bunten Strichmännchen vereinen vielfältige Einflüsse der klassischen Moderne: von Pablo Picasso über Oskar Schlemmer bis hin zu Poul Gernes oder René Magritte wird hier Kunstgeschichte lustvoll gesampelt. Der in Belgien und Frankreich, aber auch in den USA geschätzte Ruckhäberle macht in letzter Zeit besonders durch seinen Lubok Verlag von sich reden. Hier entstehen in Zusammenarbeit mit vielen Künstlerfreunden qualitative Künstlerbücher in traditionellen Drucktechniken in kleiner Auflage – ein Must-Have für jeden bibliophilen Sammler gerade in Zeiten des i-Pad.

Für Liebhaber der politisch verankerten Konzeptkunst hat der Kopenhagener Nils Stærk eine besondere Skulptur der dänischen Künstlergruppe Superflex im Angebot. In einer Glasbox präsentiert Stærk ein weißes Exemplar des berühmten Ameisenstuhls von Arne Jacobsen. Allerdings handelt es sich um eine im Handel erhältliche Kopie, die so stark vom urheberrechtlich geschützten Original abweicht, dass sie legal auf den Markt gebracht werden kann. Mit der Kettensäge haben die Künstler aus dem Fake wieder die ursprüngliche Form des Originals herausgesägt und damit einen hochintelligenten Kommentar auf Fragen der Produktpiraterie und des Copyrights für 13.500 Euro geschaffen.

Die Art Brussels hat sich in Europa als eine profilierte Messe mit einem guten und kaufkräftigen Sammlerpublikum etabliert. Die aus allen Richtungen gut erreichbare Stadt Brüssel als Produktionsort für jüngere Künstler aus Belgien und dem Ausland sowie als Schnittstellenort für den interdisziplinären Diskurs wird offenbar immer wichtiger. So gibt es im Rahmenprogramm der Messe auch jeden Tag eine international besetzte Podiumsdebatte zu verschiedenen Aspekten des privaten und öffentlichen Sammelns. Das Projekt „Art in the City“ bringt für jedermann zugängliche Skulpturen von 16 Künstlern, darunter von Gavin Turk, Jaume Plensa oder Katja Strunz, in den im Stadtzentrum gelegenen Egmont Park.

Ein internationales Kolloquium, organisiert von dem 2008 gegründeten grenzüberschreitenden Kunstnetzwerk „Comité van Roosendaal“, welches Kunstinstitutionen im Benelux-Raum und in Köln, Düsseldorf und Bonn vereint, lockt zudem sonst eher messescheue Kunsttheoretiker und Philosophen nach Brüssel. Mit der Brussels Gallery Night am Freitagabend, an der rund 20 Galerien teilnehmen, wird das Messeflair auch ins Brüsseler Zentrum getragen. Die Mischung stimmt also. Die Art Brussels gleicht einer aus erlesenen Zutaten gemischten Schachtel feinster belgischer Pralinen. Das dürfte die Messe sowohl für aufstrebende als auch für etablierte Galerien weiterhin attraktiv machen.

Die „Art Brussels – 28 Contemporary Art Fair“ hat vom 23. bis zum 26. April täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Den 528seitigen Katalog gibt’s für 25 Euro.

Brussels Expo – Halls 1 & 3
Place de Belgique, 1
BE-1020 Brussels

www.artbrussels.be



24.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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