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Materialreiche Inszenierung: Das New Yorker Künstlerduo Nicholas Kahn und Richard Selesnick zeigt in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft die Fiktion einer historischen Katastrophe

Ein Eisberg als Metapher



Das Jahr 1923 war zweifellos eines der krisenreichsten Jahre des 20. Jahrhunderts: Die Inflation galoppierte, belgische und französische Truppen besetzten das Ruhrgebiet, und ein gewisser Adolf Hitler versuchte sich in München an die Macht zu putschen – zunächst zum Glück noch ohne Erfolg. Die Menschen in der Hansestadt Lübeck aber sahen sich mit einem sehr ambivalenten Naturereignis konfrontiert, von dem sie zunächst gar nicht wussten, ob sie es fürchten oder begrüßen sollten: Ein gigantischer Eisberg hatte sich am 17. November 1923 quasi über Nacht in den Lübecker Hafen geschoben. Er veränderte das Leben der Bewohner schlagartig.


So lautet zumindest die Fiktion des amerikanisch-britischen Künstlerduos Nicholas Kahn und Richard Selesnick, beide Jahrgang 1964. Die New Yorker Künstler zeigen zur Zeit im Lübecker Kunstverein, der Overbeck-Gesellschaft, eine Vielzahl von Fotografien, Landkarten, Briefen, Postkarten und anderen Objekten, die an das denkwürdige Ereignis erinnern sollen. Doch was ist echt, was Fiktion? Die Beweisführung der beiden Künstler scheint auf den ersten Blick schlüssig zu sein. Immer mal wieder brechen an Nord- und Südpol Eisberge ab. Zuletzt im vergangenen Februar noch ein 400 Meter hohes und 90 Kilometer langes Stück von der Größe Luxemburgs. Aber wurde der Lübecker Eisberg damals wirklich zur freien Handelszone erklärt? Zu einer Art Steuerparadies mit eigener, von Künstlern wie dem Itzehoer Wenzel Hablik gestalteter Währung? Boomte der Fremdenverkehr? Gab es Zeppelin-Rundflüge zu den Gipfeln des Eisgiganten? Fanden dort wirklich Maskenbälle statt, zu denen die feine Lübecker Gesellschaft als Eisbär oder Pinguin verkleidet erschien? Und brach das weiße Monstrum am Ende tatsächlich entzwei und zerstörte Teile der Lübecker Altstadt?

Natürlich ist das alles eine künstlerische Kopfgeburt, eine Art Dokufiktion, wie man sie auch aus dem Kino kennt. Doch Nicholas Kahn und Richard Selesnick liefern mit ihrer Schau „Eisbergfreistadt“ auch eine ebenso detailgetreue wie intelligent gemachte Parabel auf echte Katastrophen und Bedrohungsszenarien. „Ich mache Arbeiten, die schön und kritisch zugleich sind“, erläutert Nicholas Kahn, der alleine nach Lübeck gekommen ist, die metaphorische Aufladung der Arbeit. „Der Eisberg ist für mich ein Symbol für die ökologische Krise, aber auch für die Finanzkrise und die Immobilienblase: Die Spitze des Eisbergs sind die Probleme, die jetzt erkennbar sind. Doch sie haben eine tief fundierte Basis.“ Wer sich die Zeit nimmt, die vielen Hundert Exponate genauer zu betrachten, wird aber auch Hinweise auf reale geschichtliche Ereignisse entdecken. An den Wänden präsentieren Kahn und Selesnick Notgeldscheine, wie sie zur Zeit der Hyperinflation 1923 von vielen Städten und Kommunen ausgegeben wurden. Neben expressionistisch gestalteten musealen Exemplaren, etwa von Wenzel Hablik, finden sich aber auch antisemitische Motive.

Auf einer der vielen inszenierten Fotografien mit Kahn, Selesnick und Freunden als Darstellern in historischen Kostümen ist auch eine Menora auf dem Kaminsims eines jungen Lübecker Paares zu sehen. Trügerische Normalität wenige Jahre vor Flucht, Vertreibung und Holocaust. Nicholas Kahn kennt diese Zeit genau: „Mein Vater war Kameramann bei der US-Army nach dem Zweiten Weltkrieg. So sind mir die Bilder von den KZs und den Ruinen von Europa vertraut.“

Mit „Eisbergfreistadt“ gelingt dem Künstlerduo Kahn und Selesnick eine fantasievolle, aber auch nachdenklich stimmende Parabel auf menschliche Hybris, Verblendung und Gier. Dass sie dafür die Realität ein wenig überstrapazieren und den Betrachter zum Beispiel mit angeblich historischen Souvenireisbergen aus Lübecker Marzipan immer wieder aufs Glatteis führen, gehört zur künstlerischen Strategie der beiden New Yorker. Nicholas Kahn dazu: „Manchmal muss man eben etwas übertreiben, wenn man die Wahrheit sagen will.“

Die Ausstellung „Nicholas Kahn & Richard Selesnick – Eisbergfreistadt“ ist bis zum 30. Mai zu sehen. Die Overbeck-Gesellschaft – Kunstverein Lübeck hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Es erscheint kein Katalog.

Kontakt:

Overbeck-Gesellschaft - Verein von Kunstfreunden e.V.

Königstraße 11

DE-23552 Lübeck

Telefon:+49 (0451) 747 60

Telefax:+49 (0451) 747 60

E-Mail: info@overbeck-gesellschaft.de

www.eisbergfreistadt.com



13.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.04.2010, Kahn & Selesnick - Eisbergfreistadt

Bei:


Overbeck-Gesellschaft - Verein von Kunstfreunden e.V.

Künstler:

Richard Selesnick

Künstler:

Nicholas Kahn










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