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Corinne Wasmuht in der Kunsthalle Nürnberg

Riesig, funkelnd, traumhaft schön



Am Anfang steht ein kleines Bild. Eine Collage zumeist, aus verschiedenen Bildschnipseln – Zeitungsartikeln, Fotografien, Grafiken oder Texten –, in jüngerer Zeit auch per Computer zusammengesetzt. Auf Basis dieser kleinen Fragmente entsteht schließlich ein großes, geschlossenes Bild. Langsam allerdings, sehr langsam: Nur drei, vier, manchmal fünf Gemälde schafft Corinne Wasmuht pro Jahr. Wieder und wieder werden die Malschichten aufeinander getragen, abgekratzt, neu aufgebracht, wieder abgekratzt, wieder neu aufgebracht. Kommt sie an einer Stelle nicht weiter, setzt die Künstlerin an einer anderen an. Möglichkeiten hat sie ja genug auf ihren bis zu sieben Meter breiten Holztafeln. Ob das Werk schließlich gelungen ist, vermag sie selbst kaum zu sagen: Die neuesten Arbeiten sieht sie nicht gern an, sagt Corinne Wasmuht im Gespräch. Erst eine mehrjährige Distanz ermöglicht es ihr, mit weniger Vorbehalten und ungezwungener auf ihre Schöpfungen zu schauen.


Bei einem derart langsamen Arbeitsprozess und überdies so gewaltigen Ausmaßen wundert es nicht, dass Einzelausstellungen der Künstlerin relativ selten zustande kommen. Die letzten großen hatte sie im Frühling 2003 in der Kunsthalle Baden-Baden und zwei Jahre später im Museum Haus Esters in Krefeld. Ebenfalls 2003 wurde im Kunstverein Hamburg eine Auswahl ihrer kleinformatigen Collagen gezeigt, die – wie erwähnt – als Vorlagenmaterial einen wichtigen Platz im Schaffensprozess einnehmen. Und in diesem Winter präsentierte das Haus am Waldsee in Berlin eine Auswahl ihrer Werke. Diese Ausstellung ist nun, bereichert um einige zusätzliche Leihgaben, in der Kunsthalle Nürnberg angekommen: Elf Gemälde, ein kleiner Teil ihrer Collagen sowie einige Zeichnungen sind sorgsam und ob ihrer Größe notgedrungen recht großzügig über die sieben Räume des Hauses verteilt. In den Projektraum lockt zusätzlich ein wandfüllender Digitalprint auf Vliestapete.

Corinne Wasmuht, die 1964 in Dortmund geboren wurde, die überwiegende Zeit ihrer Jugend aber in Südamerika verbrachte, dann 1983 bis 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin bei Alfonso Hüppi studierte und seit 2006 eine Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bekleidet, hat sich trotz ihrer zurückhaltenden Öffentlichkeitspräsenz einen wichtigen Platz in der Kunstszene erobert. Gewichtige Provenienzen nennt die Leihgeberliste in Nürnberg, darunter die Berliner Nationalgalerie, die Sammlung Rheingold und nicht zuletzt die Saatchi Gallery London. Was macht ihre wenigen Arbeiten so begehrt, ihr Werk so attraktiv?

Wenn man vor ihren Bildern steht, ist man zunächst einmal überwältigt von der flirrenden, flimmernden Pracht dieser gewaltigen Formate, ihrer zum Teil luxuriösen Farbigkeit, ihrem schier grenzenlosen Spiel mit Blickrichtungen und Perspektiven, die den Betrachter in immer neue Tiefenräume, Höhlen zum Teil, zum Teil aber auch gewaltige Dimensionen öffnende Weiten führen, kurzum: von ihrer technischen Brillanz, die an die funkelnden Feuerwerke der Musik eines Richard Strauss gemahnt. Ferner vom Spiel zwischen der Glätte einer sichtbaren Welt – da sind Straßenszenen mit ganz gewöhnlichen Menschen zu sehen, Autos werden entladen, Ampeln schalten von Grün auf Gelb, Mülleimer stehen bereit zur Aufnahme zivilisatorischen Überflusses – einerseits und andererseits dem zahllosen Träufeln einzelner Farbfetzen, die diese bildliche Welt wie in einen Schleier der Unwirklichkeit auflösen. Man muss nicht wissen, dass Corinne Wasmuht monatelang daran arbeitet, man sieht es von selbst. Und doch wirken ihre Bilderfindungen luftig, leicht, wie hingezaubert aus einem unversieglichen Fundus an schimmernden Farben, wie bunte Glasscherben auf den lichten Grund gestreut.

Unwillkürlich kommen einem Referenzen der Kunstgeschichte in den Sinn: Die Neoimpressionisten mögen einem einfallen mit ihren pixeligen Aufnahmen des Gesehenen an sich, Georges Seurat oder die Palette eines Pierre Bonnard, den Wasmuht selbst als einen ihrer Seelenverwandten angibt. Wie beim italienischen Futurismus meint man ein Streben nach dem Festhalten extremer Bewegung zu spüren. Gerade das traditionsreiche Thema der Straßenszenen – nicht anders verhält es sich mit ihren Panoramen, die die gläsern-glitzernde Atmosphäre von Flughäfen einfangen – schreit geradezu nach der Antithetik eines rasenden Stillstands. Die Schlieren irisierender Farben, die sich auf der flachen Tafel in dreidimensionale Strukturen verwandeln, erinnern an die Serie Abstrakter Bilder Gerhard Richters, auch Peter Doig, Daniel Richter oder die verfremdende Wirkung von Realitäten durch die Kunst Matthias Weischers dürfen zitiert werden. Nicht allzu fern ist auch der Gedanke an die digitalen Erzeugnisse jener Generation, der Wasmuht angehört: Die Ästhetik der Computergrafik zielt, so gibt sie selber an, mitunter in die gleiche Richtung wie ihre eigenen Werke.

Corinne Wasmuht, zwei Jahre jünger als Daniel Richter und neun Jahre älter als der Leipziger Weischer, darf in die Reihe dieser gegenwärtigen Größen der auf internationalem Parkett agierenden Kunst deutscher Schulen mit Berechtigung gestellt werden. Wie diese trifft sie mit ihrer sinnlichen, unmittelbar wirksamen Kunst einen empfänglichen Nerv unserer Zeit. Vielleicht ist dies das Rezept ihres Erfolges. Eines intellektuell aufgeblähten gedanklichen Überbaus, der dem Betrachter um die Ohren geworfen wird, bevor überhaupt seine Augen zum Zuge kommen, bedürfen ihre verschwenderischen, in Formen und Farben schwelgenden Bilder nicht. Sie „macht“ sie einfach. Erst dem zweiten Schritt mag die Deutung dieser Bilder vorbehalten sein. Sie ist, wie man sich denken kann, offen. Die Künstlerin gibt nichts vor. Sie selbst spricht von autobiografischen Ansätzen, doch diese sind in den formalen Bildentstehungsprozess eingebunden, stehen nicht lose davor. Surreale Traumwelten werden evoziert. In ihnen mag sich der Betrachter selbst versenken. Corinne Wasmuhts Gemälde bieten ihm die reichsten Einstiegsmöglichkeiten.

Die Ausstellung „Corinne Wasmuht – Supracity“ läuft vom 11. März bis zum 16. Mai. Die Kunsthalle Nürnberg hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Der 96seitige Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 14,80 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Nürnberg

Lorenzer Straße 32

DE-90402 Nürnberg

Telefax:+49 (0911) 231 37 21

Telefon:+49 (0911) 231 28 53

E-Mail: kunsthalle@stadt.nuernberg.de



14.03.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Künstler:

Corinne Wasmuht










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